Necromaniac-Zine – der verschissene Dinosaurier

 

Seit 11 Jahren macht Thomas W. sein NECROMANIAC Zine. Zuletzt war es nach der achten Ausgabe etwas ruhiger geworden. Doch nach vier Jahren Pause gibt es nun endlich Ausgabe Nummer 9! Und mit der überwältigenden Bandauswahl ist dieses professionelle Underground-Zine ein definitiver Pflichtkauf für jeden Death Metal Fan! Grund genug, dass ich Herrn Clitcommander mal für eine „handvoll“ Fragen vor den Rechner hole…

Da das Interview ein klein wenig länger ausgefallen ist, geht es über drei Seiten mit jeweils 8 Fragen und Antworten. Wer nicht so gerne am Bildschirm liest und es passend zum Thema „Morbid Death Metal“ lieber oldschool mag, der kommt in meiner Spezial-Version auf seine Kosten: Das Interview im Oldschool-Retro-Fanzine-Look als PDF. Zum runterladen und ausdrucken und auf der Toilette auslegen. Mit knapp dreißig (!!!) Seiten. Ihr könnt euch vorstellen, dass war für beide Seiten ein wenig Arbeit.

Also genug der Vorworte, viel Spaß beim Lesen. Ich hoffe ihr habt eine gute Scheine aufgelegt und ein frisches Bier in der Hand!

Download Interview als PDF (ca. 1,8 MB)


1. Hey Thomas, alter Sack! Alles klar bei Dir? Vielen Dank, dass Du mir Küken ein Interview gibst! Die neue Ausgabe NECROMANIAC ist nun endlich da und ungefähr seit einen Monat verfügbar, richtig? Wie ist denn bisher die Nachfrage nach dem Teil? Als die frohe Kunde über Heft Nummer 9 verbreitet wurde, schienen einige Leute sehr angetan… Durftest Du eigentlich schon mal Interviews für das NECROMANIAC-Zine beantworten? Oder begehe ich gerade eine Frage-und-Antwort-Defloration an Deiner unschuldigen Person, haha?!?

Alter Sack?! Warum behandeln mich alle wie einen verschissenen Dinosaurier?! Ich bin 35, das wird im Jahr 2032 als jugendlich gelten! Wahrscheinlich bist du 28, du Spinner! (Nein, 26. Mach mich bitte nicht älter als ich bin! – Anm. d. Verf.) Ich habe dir zu danken, nicht du mir – das solltest du doch aus meinem Frage-Antwort-Spiel gelernt haben! Mir ist zwar im ersten Moment schlecht geworden, als ich mich durch deinen Fragen-Katalog gescrollt habe, aber letztendlich freue ich mich sehr über dein Interesse am NECROMANIAC! Hätte ahnen müssen, als du mich nach einem kleinen Interview gefragt hast, dass da 66,6 Seiten bei rauskommen! Das Review für Ausgabe 9 war ja schon 12 Seiten lang! Übrigens vielen Dank dafür! Sehr ausführlich und gut geschrieben!

Nein, du bist nicht der erste der private Dinge von mir wissen will, tut mir LWeid, Kleiner. Ralf Hauber hatte mich schon 2002 oder 2003 im Heft mit einem Interview (weiß nicht mehr genau, wann es war, muss ich nachschauen), ich habe mich in Ausgabe 9 quasi nur verspätet an Herrn Hauber gerächt. Zudem habe ich mal ein Interview fürs VIRUS Zine aus Indonesien (oder war es Thailand?) gegeben und für ein polnisches Fanzine. Übrigens alle in gedruckter Form. Zu einem Fanzine Special im Metal Hammer wurde ich mal von Björn Thorsten Jaschinski interviewt, von dem Interview wurden aber nur 2 oder 3 Sätze abgedruckt. Mehr fällt mir gerade nicht ein, ich glaube das war es aber auch.

Die Resonanz bis jetzt auf Ausgabe 9 ist grandios! Nach knapp einem Monat sind schon 2/3 der 500 Hefte verkauft. Viele Leser von den alten Ausgaben haben das NECROMANIAC nicht vergessen, das ist der Hammer! Einige bestellen seit Ausgabe 1 aus dem Jahr 2000, unglaublich! Nicht nur ich werde mit der Musik alt, es gibt noch mehr Wahnsinnige…

2. Mittlerweile machst Du den Scheiß mit dem eigenen Fanzine seit gut 11 Jahren, oder? Menschenskinder, das ist eine respektable Zeit! Hattest Du nie Situationen, in denen Du am liebsten den gesamten Rotz hingeschmissen hättest? Wie hat eigentlich alles angefangen? Was hat Dich in der Blüte Deiner Jugend dazu getrieben, ein Fanzine zu basteln und nicht mit den anderen Metallern draußen zu spielen?

Naja, da gibt es genügend Freaks in der Welt, die noch viel länger ein Fanzine, Label oder eine Band betreiben, als ich mit meinem Dödel Zine. Es sind mittlerweile fast 12 Jahre, unglaublich, kann ich selber nicht fassen. In so vielen Jahren nur 9 Ausgaben ist eine magere Ausbeute, was meinst du (lach)? (Es kommt nicht auf Quantität, sondern auf Qualität an, das meine ich (; – Anm. d. Verf.)

Nein, den Gedanken ans Hinschmeißen hatte ich noch nie! Dafür habe ich ja oft lange Kreativpausen eingelegt. Zwischendurch war ich immer mal angepisst, aber das Heft aufgeben kann ich nicht. Es ist immer in meinem Kopf (neben Tittenbildern). Ich muss mich in irgendeiner Form beschäftigen und kreativ sein, das ist ein innerer Drang. Da ich mich nicht für Fußball interessiere und im Töpfern nicht begabt bin, mache ich halt ein Fanzine. Nein, im Ernst ich liebe es, mich in irgendeiner Form (ob nun schreiben oder zeichnen) mit DEATH METAL zu beschäftigen. Die Musik ist ein enormer und ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens, die mich antreibt, motiviert, befriedigt, meinen Lebensstil bestätigt, meine Religion ist und manchmal sogar tröstet. Ich kann mich in meine eigene kleine Welt flüchten, wenn ich der Realität ausweichen möchte, so etwas braucht meiner Meinung nach jeder Mensch, um gesund durchs Leben zu kommen.

In der Blüte meiner Jugend habe ich nicht mit dem NECROMANIAC angefangen, zu der Zeit war ich ja schon ein „Twen“. Bevor ich mit dem NECROMANIAC angefangen habe, habe ich von Ausgabe 1 bis 3 beim CARNAGE mitgemacht. Ich komme aus der Nähe von Bremen und ich habe Leif in seinem zarten Alter von 16 Jahren kennengelernt. Damals war er noch verdammt sexy! Er erzählte mir davon, dass er zusammen mit zwei Kumpels ein Fanzine machen wollte und fragte, ob ich dafür was zeichnen könnte. Das habe ich dann auch getan und zudem meine ersten Interviews per Post an Bands geschickt. Zu der Zeit habe ich zum ersten Mal versucht, Interviews zu machen. Einige sind ganz passabel geworden, die meisten aber sind debile Scheiße! 1993 habe ich Frank Stöver (kommt auch aus Bremen) auf einem Konzert kennengelernt. Er saß dort immer auf Konzerten rum und hat versucht seine VOICES FROM THE DARKSIDE Ausgaben zu verkaufen. Ich glaube es war Ausgabe 6, die ich damals gekauft habe. Das war das erste richtige Fanzine, das ich in den Händen hielt, und ich war total aus dem Häuschen, wie geil das Heft war (ist). Frank wurde mein Idol, mein Meister Yoda, die allwissende Müllhalde. Ich fand das Heft unfassbar professionell und so künstlerisch gestaltet, ich habe es immer und immer wieder durchgeblättert und gelesen. Das hat mich dann motiviert, andere Fanzines zu besorgen (was damals nicht ganz so einfach war).

Ich habe damals schon gekritzelt und in Ausgabe 8 bis 10 hat Frank, um sein Layout zu füllen, einige meiner (sehr schlechten) Zeichnungen veröffentlicht. Mein Gott war ich stolz und beschämt zugleich (fand meine Zeichnungen damals selber nicht sonderlich gut). VOICES FROM THE DARKSIDE und SLAYER Magazine haben mich damals wahnsinnig inspiriert. Irgendwann war ich mal bei Leif zu Besuch und er hatte gerade von Hacker die erste Ausgabe des UNHOLY TERROR Zine bekommen. Ich weiß noch genau, wie beeindruckt ich war und konnte es nicht glauben, dass ein Fanzine-Debüt so professionell sein konnte, das Heft war der Wahnsinn! Ich wollte auch so etwas erschaffen, hatte aber überhaupt keine Idee, wie ich das anstellen sollte.

Es dauerte auch noch einige Zeit, bis ich dann 1999 anfing, das NECROMANIAC zu erschaffen. Als erstes habe ich das Logo gezeichnet, das war ja schon mal was (haha). Ich wollte einen Namen für das Fanzine, der irgendwie DEATH METAL verkörpert. Ein früher HELLHAMMER-Fanclub nannte sich NECROMANIAC’s und den Namen fand ich Hammer. Zudem war und bin ich selber ein großer HELLHAMMER-Fan und schon war der Name für mich geboren. Viele denken, ich hatte den Fanzine-Namen aufgrund des EXHUMED Songs gewählt, der Song erschien aber erst später. Ich fand erst später heraus, dass es sogar schon mal ein US-Fanzine mit dem Namen NECROMANIAC gab…

Ich traf beim Tanken zufällig einen alten Schulfreund nach Jahren wieder. Er erzählte mir, dass er zur Zeit eine Ausbildung zum Mediengestalter mache und erklärte mir, was das ist. Ich erzählte ihm von meiner Idee, ein Fanzine zu machen und dass ich nicht wüsste, wie ich es umsetzen soll (zu der Zeit hatte ich noch nicht mal einen Computer!). Er bot mir seine Hilfe an und das Heft wurde zum Leben erweckt. Ich fing an, handgeschriebene Briefe an Bands zu schicken und bekam handgeschriebene Interviews von den Bands zurück. Ich kaufte bei Aldi meinen ersten PC und fing an die Interviews in Word abzutippen. Damals haben die Labels noch Telefon-Interviews angeboten (und vor allem die Kosten bezahlt) und ich habe nachts am Telefon gewartet, dass mich die Bands anrufen. Dann habe ich das Telefon auf Mithören gestellt und die Interviews mit einem alten Diktiergerät aufgenommen und später dann mühselig die Tapes abgehört und abgetippt. Eine Höllenarbeit, zumal ich beispielsweise Gavin Ward von BOLT THROWER bedingt durch seinen Hammer-Akzent kaum verstanden habe.

Auf Konzerten bin ich auch mit meinem Diktiergerät durch die Hallen gerannt und habe die Bands genervt. Pete Helmkamp von ANGEL CORPSE hat sich damals viel Zeit genommen und war super zuvorkommend (auch wenn der Typ enorm zweifelhafte Ansichten hat). ANGEL CORPSE waren damals mit CANNIBAL CORPSE auf Tour (1999) und als ich mit Pete Backstage das Interview gemacht habe, kam Alex Webster vorbei und sprach mich auf mein THRONEAEON (SWE) Shirt an und sagte so etwas wie Killerband oder so und bot mir was zu trinken und zu essen an. Ich war total überrascht, dass er die Band kannte, damals war die Band noch im Demo-Stadium! Er hat versucht, nicht beim Interview zu stören (haha) und danach haben wir uns noch eine ganze Zeit über Bands unterhalten – es schien als hätte er ewig Zeit, obwohl CANNIBAL CORPSE noch spielen mussten. Da habe ich gelernt, dass der Typ total bodenständig war/ist und genau wie ich ein Underground-Freak ist (irgendwie bis heute noch). Irgendwie bin ich abgeschweift … Hallo, wo bin ich? Hilfe! Ach so, ja, im Grunde sind das Auszüge von der Entstehung des Heftes, hoffe es ist nachvollziehbar.

3. Eigentlich sollten die Leute schlicht das neue Heft bei Dir kaufen und lesen. Aber dann bliebe mir keine gescheite Frage mehr für mein Interview, haha! Also erzähl mal, warum zwischen Nummer acht und Ausgabe neun vier Jahre ins Land ziehen mussten. Das (vor-)letzte Heft kam doch 2007 raus, oder? Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Nummer 8 an mir vorbei gegangen ist … Auf der Homepage necromaniaczine.com bietest Du das Teil noch zum Kauf an, ist das noch aktuell oder so kalter Kaffee wie die letzten Newsmeldungen dort?

Scheiße, die Homepage muss ich mal aus dem Netz nehmen! Ja, die Seite habe ich einige Wochen nicht aktualisiert, wohl wahr. Allerdings habe ich tatsächlich noch ein paar Ausgaben von der 7 und 8. Bei Interesse kann man sie noch bestellen. Tja, keine Ahnung, wo die vier Jahre geblieben sind, auf einmal waren die rum. Wie schon im Vorwort zur 9 geschrieben, habe ich ein altes Haus geerbt, welches ich zusammen mit meinem Vater renoviert habe. Das hat schon ein ganzes Jahr in Anspruch genommen. 2008 hatte ich schon Interviews mit UNAUSSPRECHLICHEN KULTEN, DISEMBOWELMENT (arghhh), INVIDIOUS, CEMETERY URN, ASCENDED (FIN), LIE IN RUINS und einigen mehr fertig und dann ist meine Festplatte kaputt gegangen. Das hat mich hinsichtlich Motivation ziemlich nach hinten geworfen und ich hatte einige Zeit keine Lust, was zu machen. Zudem hatte ich 2008 privat ein schwieriges Jahr und auch beruflich gab es massive Probleme. Naja und schneller als du furzen kannst, sind vier Jahre rum und du hast nichts beschickt! Frag mal METALION, wie schnell man fünf Jahre vertrödelt (haha).

4. Es steht zwar gleichsam in dem Vorwort des aktuellen „Morbid Death Metal Fanzines“ und sollte eigentlich jedem mit Augen im Kopf auffallen: Dieses Mal geht es im NECROMANIAC nur um „oldschool“ Death Metal. Meinst Du nicht, dass der Ralf Hauber sauer wird, wenn Du in seinem Gebiet wilderst? Haha! Warum reitest Du nun auch auf der Trendwelle mit und lässt den Brutal Death Metal und Grindcore komplett außen vor? Zugegeben, mit dem Sterben von Unmatched Brutality ist dieses Genre auch ein wenig ruhiger geworden. Aber irgendwie hätte ich nach der starken „Orgy Of Murders“ mindestens ein GORGASM-Interview bei Dir erwartet…

Also erst mal vorab – so lange wildert der Hauber auch noch nicht in dem Gebiet! In der Vergangenheit seines genialen! Heftes haben sich auch viele schwule Bands im Götheburg-Stil ins Heft verirrt und auch die eine oder andere Black Metal Band. So lupenrein „Old School“ (finde den Begriff nach wie vor Scheiße) Death Metal ist das MYSTICAL MUSIC auch erst seit den letzten Ausgaben. Sicherlich hast du recht, dass es zur Zeit eine regelrechte Trendwelle gibt, aber ich bin schon so lange Fan und beobachte, dass es im Bereich Extrem-Metal immer Wellen gibt, die auch wieder abebben. Die herausragenden Wellen im Trendmeer bleiben aber immer bestehen! In der Vergangenheit hatte ich immer Bands aus dem „Brutal“ Death Metal Sektor im Heft, aber zur Zeit gibt es da nur wenige neue Bands, die ich höre (bei genauerer Überlegung gar keine). Ich habe schon immer sowohl traditionellen Death Metal als auch sogenannten Brutal Death Metal gehört. Zwischen SADISTIC INTENT und BROKEN HOPE oder PYREXIA (die galten zumindest damals als „Brutal“ Death Metal) liegen ja nun auch nicht gerade Welten.

In Ausgabe 1 hatte ich keine Berührungsängste, Bands wie DESASTER, SUICIDAL WINDS, ANGEL CORPSE oder DISMEMBER zusammen mit DISGORGE (US), REGURGITATION (OHIO), MORTICIAN oder CANNIBAL CORPSE in einem Heft zu veröffentlichen. Das habe ich bis Ausgabe 8 auch im Grunde so durchgezogen. In den alten Ausgaben hast du Interviews mit SADISTIC INTENT, VITAL REMAINS, REPUGNANT, NECROVATION, THE CHASM, NECROVORE, POSSESSED, MASSACRE, IMPETIGO, ANATOMIA usw. zusammen mit DECREPIT BIRTH, SUFFOCATION, BRAINDRILL, DEEDS OF FLESH, SEVERE TORTURE, LIVIDITY usw. gefunden. Das waren einfach Bands, die ich höre und gehört habe, und ich fand damals DISGORGE genauso geil wie GOAT SEMEN. Nach wie vor ziehe ich mir noch älteres Zeug von SEPSISM, DEEDS OF FLESH, EMBALMER, DERANGED, REINCARNATION, SCATTERED REMNANTS, BROKEN HOPE, WORMED, SEVERANCE, INVERACITY, BEHEADED, GORGASM (ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich „Orgy of Murders“ noch gar nicht gehört habe) rein, diese Bands stehen im Regal bei mir zusammen mit MORPHEUS DESCENDS, DEMILICH, OSSUARY INSANE, IMMOLATION, INCANTATION, IMPRECATION, TOTTEN KORPS, PURTENANCE, VITAL REMAINS, GOATLORD, NECROFAGO, SHUB NIGGURATH und weiß der Geier, was mir jetzt noch alles spontan aus dem Kopf poltern würde. Im Nachhinein hatte ich natürlich auch schon Bands im Heft, die ich aus heutiger Sicht auf keinen Fall mehr interviewen würde. Ich weiß nicht, was für einen Narren ich damals an BRODEQUIN gefressen hatte, mittlerweile langweilt mich die Mucke ohne Ende. Damals war es wohl irgendwie sick, keine Ahnung. Nicht alles was ich in der Vergangenheit gemacht habe, war genial und auch in Zukunft werde ich sicher den einen oder anderen Fehler begehen, so ist das Leben. Meins jedenfalls (haha)!

5. Eigentlich hast Du saumäßiges Glück, dass Du einen Monat schneller als das MYSTICAL MUSIC warst. Denn inhaltlich überschneiden sich die Themen dieses Mal sehr stark mit denen vom NECROMANIAC #9. Und seien wir ehrlich, niemand, absolut NIEMAND hat Schnitte gegen die Fragen des Monsters Ralf Hauber, nicht mal Chuck Norris könnte bessere Interviews machen, haha! Aber mal im Ernst, wusstet ihr beide über diese Überschneidungen? Ich als Fan bin eher gespannt, wo die Unterschiede in den Interviews liegen und welche neuen Aspekte und Details sich ergeben. Außerdem spricht euer beider Interesse nur für die Qualitäten der Bands – wenngleich ihr beide mir meine Idee über ein Label-Special mit Detest Records kaputt gemacht habt. Das kannst Du nun gerne dem Jerry erklären, haha!

Ralf Hauber ist also dein Interviewgott? Dein göttlich kosmisches Himmelreich ist begrenzt, mein Freund! (Das sagt Mama auch immer – Anm. d. Verf.) Die besten Interviews hat meiner Meinung nach Hunter Thompson geführt und auch wenn er Franzose ist, die Monsterfragen, was Details und Länge angeht, stammen aus Laurent Ramadiers Feder. Bands brauchen manchmal Monate, um alle 500 Fragen zu beantworten. Hm, also meiner Meinung nach ist es doch völlig unwichtig, ob ich nun 1 oder 2 Monate vor Ralf oder danach veröffentliche, nur weil einige Bands in beiden Ausgaben vertreten sind. Das war in der Vergangenheit auch schon der Fall und wird auch in Zukunft so sein. DISMA sind nämlich in Ausgabe 10 vom NECROMANIAC (nur ein Beispiel) vertreten. Zudem gibt es ja auch noch mehr Fanzines als das MYSTICAL MUSIC und das NECROMANIAC. Ralf hatte mich mal vor einigen Monaten gefragt, welche Bands ich interviewt habe. Er war auch ganz leicht geschockt, dass es einige Überschneidungen gibt, mich stört das überhaupt nicht. Mal ganz ehrlich, beide Fanzines haben ihren Reiz und jemand, der das NECROMANIAC gekauft hat, wird sich so oder so auch das MYSTICAL MUSIC zulegen! Allein schon wegen der BASTARD PRIEST und DISMA Interviews. Ich kaufe mir ja auch fast jedes Fanzine, das ich in die Finger kriegen kann! DETEST ist z. Zt. ein sehr interessantes Label und da hatten zwei Doofe wohl denselben Gedanken! Was hindert dich daran, auch ein DETEST Label Special zu machen? Denkst du, der Hauber oder ich haben das Rad erfunden? Wir kochen auch nur mit Wasser. In der Zwischenzeit ist bei Jerry schon wieder viel Neues passiert und zudem stelle ihm doch zur Abwechslung mal interessante Fragen (lach)! (Nach diesem Interview müsstest Du eigentlich wissen, dass ich keine „interessanten“ Fragen stelle! – Anm. d. Verf.)

6. Wie gesagt, dieses Mal behandelst Du nur Bands, die sich mit Okkultem, Morbidem und dem Tod beschäftigen. In aktuellen Buzz-Words ausgedrückt: Oldschool Retro Death Metal Bands. Bämm, bitte einen Fünfer in das Phrasenschwein. Bist Du eigentlich auch dieser Band- und Genre-Beschreibung überdrüssig? Was hältst Du davon, das bereits „Effigy Of The Forgotten“ als „oldschool brutal Death Metal“ beschrieben wird? Ist „oldschool Death Metal“ denn nun die Wattebällchen-Version von „brutal Death Metal“, oder wie?

Die Frage kann ich dir nicht beantworten.Viele der Schubladen habe ich nicht aufgemacht, evtl. bin ich da ein wenig zu alt für (jetzt behandle ich mich doch glatt selbst wie einen verfickten Dinosaurier). Als ich angefangen habe, Death Metal zu hören, waren MAYHEM und NAPALM DEATH noch dasselbe. Ich kann dir jedenfalls sagen das WHITECHAPEL, SUICIDE SILENCE, ALL SHALL PERISH usw. definitiv kein Death Metal ist! Definitiv nicht in meiner Welt! Damit meine ich aber nicht das Outfit der Bands! Das ist mir egal! Ich sehe selber Scheiße aus, da kann ich mir keine Urteile über die Kleidung meiner Mitmenschen erlauben. Ich rede von der Musik. Solche Bands sollten weiterhin mit MAROON und HEAVEN SHALL BURN touren und die Kids glücklich machen. Jeder Stil hat seinen Markt. Nur die Slogans Pure Fucking Death Metal auf den IMPERIAL CLOTHING Shirts machen mich aggressiv! Für mich gibt es auch nicht wirklich den Begriff „Old School“, für mich ist das Death Metal. Aber klar, irgendwie muss man die Dinge ja be- und umschreiben. Nun ja, „Effigy of the Forgotten“ ist aus dem Jahr 1991, New School ist es dann wohl nicht mehr so ganz. Man darf auch nicht vergessen, dass DESPONDENCY und INFESTED mittlerweile auch vor etlichen Jahren angefangen haben. Sind die jetzt „Old School New School Brutal Death“? Jedenfalls beide definitiv Geschichte. Und was soll eigentlich „Deathcore“ sein? Die LP „Spontaneous Underground“ damals auf Nuclear Blast war jedenfalls schlecht. Und davon mal ganz abgesehen, MORBID ANGEL, OBITUARY, DEICIDE und einige weitere Helden meiner Jugend sind mittlerweile grottenschlecht, da muss man doch neue frische Demobands aus dem Underground hören. Im Juli haben DEICIDE, BELPHEGOR und HOUR OF PENANCE live in Bremen gespielt, das war von jeder Band eine absolute Frechheit! Mein Gott waren DEICIDE schlecht!

7. Wie stehst Du zu der aktuellen Bewegung weg vom Brutal/Slam/Technical Death Metal zurück zu den Wurzeln? Mittlerweile bist Du sicherlich lange genug dabei, um diverse Trends kommen und gehen gesehen zu haben. Ist die Rückbesinnung auf das Eigentliche, die Reduktion bis hin zu den Punk und Crust-Wurzeln eine logische Antithese zu Origin, Necrophagist, Beneath The Massacre und Braindrill? Meinst Du, dass die Szene bald auch dieser Retro-Bewegung überdrüssig wird und dann wieder mehr Trigger und Pro-Tools wünscht, anstelle von Proberaum-Aufnahmen und Demo-Tapes?

Nun ja, generell finde ich den Trend zu ehrlicher und vor allem handgemachter Musik sehr gut! Was meinst du, warum neben Death Metal, der vom Anfang der 90iger inspiriert ist, auch die Occult Doom Heavy Rock Welle so erfolgreich ist? Und wie ich vorhin schon erwähnte, sicherlich ist es momentan eine Welle an neuen Bands, aber dieser Musikstil war ja auch in den Jahren 2000 bis 2008 da und hatte viele geile Bands, die die meisten eben nicht so wahrgenommen haben, da man sich zu der Zeit mehr auf neue brutale Bands gestürzt hat und wir alle haben nur begrenzt Taschengeld. Wir Death Metal Fans mögen es nicht, wenn etwas zum Trend avanciert, weil wir Individualisten und Grenzgänger sind und das auch weiterhin sein möchten. Wir verabscheuen kommerzielle Erfolge, obwohl das im Grunde Quatsch ist.
Dennoch mag ich keinen Mainstream (haha)! Jedenfalls ist es mir lieber, wenn 16 Jährige auf AUTOPSY, ENTOMBED und REPULSION stehen, als auf HEAVEN SHALL BURN und SUICIDE SILENCE und denken, das wäre echter Death Metal. Dass sich die Kids allerdings dann noch auf Ebay 1991iger NIKE AIR ersteigern, um auszusehen wie DEMIGOD 1991, ist meiner Meinung nach schon wieder dem Genre Fashion zuzuschreiben. Naja, gehört wohl dazu. Ich wollte 1991 auch aussehen wie VENOM 1980, allerdings wollten das meine Eltern nicht (lach). Das sind immer so Aufs und Abs im Underground-Metal. Wer weiß, was das nächste interessante Ding ist!

Obwohl ich in den alten Ausgaben auch immer brutale Death Metal Bands interviewt habe, wurde ich oft als „Old School“ Spacko beschimpft: „Ey Thomas, REPUGNANT… was ist das denn für’n Kot!“ und mit Ausgabe 9 bin ich halt ne hippe Sau (haha), allerdings ein Trendreiter, weil ist jetzt ja „in“ und ich mach das nur, weil es grade angesagt ist. Gar nicht so leicht, das heikle Thema Musik und Szene.

8. Wie fühlt es sich eigentlich an, die eigenen Jugendhelden Cutler und Reifert zusammen in Deiner neuen Ausgabe zu haben? Ich kann mir vorstellen, dass Du schon ein klein wenig stolz darauf bist. Besonders interessant finde ich, dass Du Dich auf den Gitarristen mit Deinen Fragen gestürzt hast, wo normalerweise alle Leute nur auf das trommelnde Tier hinter den Kesseln schauen. Sehr fein, gefällt mir sehr gut!
Was waren an dieser Stelle denn Deine persönlichen Highlights in 11 Jahren NECROMANIAC? Ich kann mir vorstellen, dass es auch andere Jugendhelden gab, über deren Interviews Du besonders erfreut warst. Doch manchmal gibt es auch sehr gute Interviews von Newcomern, die einem im Gedächtnis bleiben. Und ich bin mir sicher, im Gegenzug gab es auch ein paar derbe Enttäuschungen, wenn auf lange ausgefeilte Fragen nur drei Worte als Antworten kamen, oder?
Ich persönlich fand das PENTACLE-Gespräche in #9 ein bemerkenswertes Highlight…

Ja, das PENTACLE Interview ist ein super informatives und dank Wannes ein unterhaltsames Highlight der Ausgabe #9, da stimme ich dir voll zu! Mit Wannes bin ich schon seit Ende der Neunziger sporadisch in Kontakt, mal mehr, mal weniger. Ein Typ, den ich jederzeit unterstütze und was Ideale, Musikverständnis und Leidenschaft angeht, auch ähnlich ticke wie er! PENTACLE kriegen nie die Aufmerksamkeit, die sie verdienen! Trotz momentaner Popularität des „traditionellen“ Death Metal geht der Kelch irgendwie immer an dieser Killer-Band vorbei! Habe mich wahnsinnig über das Interview gefreut, Wannes hat sich wie immer enorme Mühe gegeben!

Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft ich in den letzten 10 Jahren versucht habe (zweimal oder so, haha), Kontakt zu Chris Reifert herzustellen. Irgendwie hatte ich bei dem Sack immer Pech. Vor der AUTOPSY Reunion wollte er auch lieber über ABSCESS sprechen und reagierte auf AUTOPSY-Fragen immer leicht gereizt. Dass es mit Chris nie geklappt hat, ist nicht so schlimm, denn das Interview mit Eric Cutler ist ganz informativ und der Typ ist genauso wichtig für AUTOPSY wie Chris. Da Eric Jahre „verschollen“ war und nie so im Fokus stand, finde ich es sehr cool, ihn interviewt zu haben.

Ach, im Grunde freue ich mich über jedes Interview, welches zurückkommt. Es ist ja auch oft so, dass man eine Band fragt, ob sie Interviews beantworten, die Band zustimmt, man schickt die Fragen und kriegt dann nie eine Antwort. Kommt leider oft vor. In all den Jahren war es sicherlich ein Highlight, mit Bands direkt auf Konzerten oder am Telefon ein Interview zu machen. Wenngleich ich auf die Scheissarbeit, die da dran hängt, keine Lust mehr habe, war es schon genial, mit Will Rahmer von MORTICIAN zu telefonieren, oder mit Matt von EXHUMED in Hannover und auf dem Wacken abzuhängen. Ich habe mal SUFFOCATION telefonisch interviewt und mich mit BIG DICK DINER einer homosexuellen Koch-Zeitschrift gemeldet. Frank Mullen ist da in den ersten Minuten drauf reingefallen und war enorm irritiert. Das hat wahnsinnigen Spaß gemacht, den Typen zu verarschen, obwohl ich einen Monster-Respekt vor der Band habe und seit 1991 Fan bin! Als ich ihn einige Monate später bei einer Show in Holland angesprochen habe und mich vorgestellt habe, hat er mir erstmal voll mit der Faust auf die Schulter geschlagen (tat sogar echt weh). Ich blieb ihm jedenfalls in Erinnerung!