Mystical Music – Fanzine #16

 

Die Retro-Welle boomt und beschwert uns ein riesiges Überangebot an ranzigem Death Metal. Skandinavien bringt im gefühlten Sekundentakt neue Bands hervor und auch alte Helden steigen wieder aus ihren Gräbern. Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, wandeln die Toten auf Erden. Und wenn die Friedhöfe voller Bands sind, die möglichst coole Fotos haben wollen, kommen die interessantesten ins MYSTICAL MUSIC, haha!

Wieder mal mehr oder weniger pünktlich hat Ralf Hauber seine mittlerweile 16. Ausgabe veröffentlicht. Wieder mit einen sehr geilen Cover von Matt Putrid und dank der aktuellen Szene (wieder) mit qualitativ sehr hochwertigen Bands. Dieses Mal sogar relativ überschaubar, da im Gegensatz zu #15 nicht jeder Musiker zu seinen tausend anderen Bands gefragt wurde, haha! Dennoch erwarten einen 18 Interviews mit MORGOTH, LOCK UP, GRAVEHILL, BRUTALITY, STENCH, JUNGLE ROT, BASTARD PRIEST, DISMA, MAIM, FERAL und WEAPON. Und neben diesen „Alleinstellungsmerkmalen“ gibt es noch Stories mit AUTOPSY, NECROS CHRISTOS, OBSCURE INFINITY, BLASPHERIAN, REPUKED und SONNE ADAM, die gleichermaßen auch schon Frage und Antwort im aktuellen Necromaniac-Fanzine gestanden haben. Doch das ist nicht sonderlich schlimm, trotz gewisser Überschneidungen lesen sich die jeweiligen Interviews gleichermaßen interessant und informativ. Außerdem spricht diese Übereinstimmung nur für die Qualität der besprochenen Bands. Gleiches gilt auch für das Special über das kleine belgische Label DETEST RECORDS, das sowohl Ralf wie auch Thomas gleichermaßen wertschätzen – und somit die Latte für ein mögliches Interview von mir recht hoch setzen, haha!
Auffällig ist jedoch, dass im MYSTICAL MUSIC #16 dieses Mal kein Künstler mit ein paar Fragen beglückt wurde.

Dafür hat sich aber künstlerisch rein gar nichts am Design verändert! Immer noch zieren schön morbide und obskure Rahmen eine jede Story und dezente Bilder im Hintergrund verleihen den Geschichten eine besondere Atmosphäre. Ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung ist aber das neue, zwei-spaltige Layout! Dadurch hat der Text mehr Platz und lässt sich wesentlich angenehmer lesen, als in der bisherigen, drei-spaltigen Anordnung. Auch die Reduktion auf maximal zwei Schriftarten pro Interview erleichtert den Lesefluss. Die Einleitungen haben ein etwas exotischeres Schriftbild und für das Gespräch selber gibt es eine gut leserliche Serifen-Schrift. Da hat die aktuelle Ausgabe vom NECROMANIAC schon ein paar mehr Fallstricke mit den Frakturschriften in manchen Interviews!

Neben den 18 Interviews gibt es noch eine gute Auswahl an Reviews rund um den oldschool Death Metal. In Zahlen finden sich hier 61 CD-, 8 Vinyl-, 14 Demo-, 1 DVD- und 8 Fanzine-Besprechungen. Ganz richtig ist der Titel „Self-financed Demos“ zwar nicht, weil einige der Tapes auch über Label erschienen sind, aber das passt schon. Für die Fanzines hat der gute Ralf Unterstützung vom Leif Timm bekommen, sich auch wieder für das Layout verantwortlich zeigt – zumindest in der Exekutiven (;
Die Kritiken stammen zwar aus einem Zeitraum von runde einem Jahr, haben aber neben „älteren“ Scheiben von 2010 auch einige aktuelle Releases unter der Lupe, die selbst bei manchem Online-Magazin noch nicht beachtet wurden. Respektable Leistung für ein Printzine!
Natürlich werden hierbei ordentlich Buzz-Wörter rumgeschmissen. Doch genau diese engstirnige Hardliner-Attitüde hat das MYSTICAL MUSIC immer zur witzigen Lektüre gemacht. Positiv ist gleichsam, dass auch kritische Worte zu manchen Platten fallen. Das gestaltet den Review-Overkill etwas interessanter, auch wenn immer noch der Großteil der Veröffentlichungen sehr positiv wegkommt.

Das liebevolle Paperback-Heft, das wieder mal qualitativ hochwertiger als jedes (!!!) offizielle Magazin vom Kiosk daher kommt, wird noch durch zwei Gimmicks aufgewertet. Zum einen gibt es ein Poster mit den Motiven von AUTOPSYs „Macabre Eternal“ und der letzten Split von ASPHYX mit HOODED MENANCE. Die AUTOPSY-Seite ist sogar in Farbe. Und natürlich liegt jedem Heft auch wieder ein CDr-Sampler bei, der einen guten Überblick über die aktuelle Szene gibt. Highlight ist neben Beiträgen von KRYPTS, CRYPTBORN, NECROWRETCH, POISONOUS oder DOMINUX XUL wohl der OBSCURE INFINTY-Track, der die gesamte Split-Hälfte von der „United In Death“ 7″ mit PROFANAL ausmacht. Ein sehr netter Bonus. Der Sampler ist natürlich auch sehr schön verpackt in einem Artwork von – drei Mal darf man raten – Matt Putrid.

Bandauswahl, Aufmachung und die Hingabe von Ralf an den Death Metal machen das MYSTICAL MUSIC mal wieder zu einer absoluten Pflichtlektüre und zum Highlight unter den Fanzines. Ich bin einfach jedes Mal aufs neue überrascht, wie intensiv und dennoch kurzweilig die Interviews sind. Wer sich diesen „Spawn Of Pure Malevolence“ entgehen lässt, kann direkt seine Metal-Sammlung verkaufen. Ich bin ehrlich gespannt, wie die Zukunft des Hefts aussieht.

Infos:
Sprache: Englisch
Aufmachung: DinA4, Paperback, 104 Seiten, schwarz/weiß
Inhalt: 18 Interviews, 61 CD-, 8 Vinyl-, 14 Demo-, 1DVD- und 8 Zine-Reviews
Preis: 8 Euro / 12 US Dollar (ppd)
Gimmick: Autopsy/Asphyx-Poster und CDr-Sampler
Kontakt: hauber@mystical-music.de

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