Morbus Chron – Sleepers In The Rift

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Für eine Death Metal-Scheibe ist das Cover von „Sleepers In The Rift“ erstaunlich bunt und farbenfroh. Dabei ist das Motiv des spanischen Künstlers Raul Gonzales nicht minder morbide, als viele der typischen Zeichnungen in schwarz-weiß. Im Gegenteil, es finden sich die üblichen Augen, Tentakeln, Zähne und Seagrave-schen Absurditäten, die viele Artworks seit den späten Achtzigern geziert haben. An dieser Stelle würde mich das Gesamtpaket interessieren. Doch leider bleibt mir – wie heute so oft – nur eine Hand voll MP3-Dateien und das Cover als flaches JPG-Bild, um darüber ein Review zu schreiben.

Aber seien wir ehrlich, so ein außergewöhnliches Bild bedarf eigentlich auch einer großen Aufmachung. Gut, dass es neben der CD-Version, die Pulverised Records bereits am 29.08.2011 veröffentlicht hat, auch bald eine LP-Version gibt. Für diese hat sich wieder Detest Records verantwortlich gefühlt, die zum einen wohl die passende Heimat für MORBUS CHRONs Sound sind, wie auch mit „Sleepers In The Rift“ zum Wiederholungstäter für die Band werden. Denn bereits 2010 haben sich beide Parteien mit Me Saco Un Ojo Records zusammen getan und die „Creepy Creeping Creeps“ 7″ veröffentlicht.

Von besagter EP haben es beide Songs dann auch auf das Debüt-Album von MORBUS CHRON geschaft. Eine ähnliche Wiederverwertung ist „Lidless Coffin“ wiederfahren, das bereits auf dem 2010er Demo-Tape „Splendour of Disease“ enthalten war. Alleine diese drei Lieder sind eingängige und ranzige Hymnen des Todes und machen „Sleepers In The Rift“ zu einer lohnenden Investition.
Doch das neue Material von MORBUS CHRON steht diesen ollen Kamellen in nichts nach. Im Gegenteil, alleine der Opener „Through The Gaping Gate“ fetzt tierisch und macht mit seinem Untertitel auch schon die weitere Marschrichtung klar: „Coughing In A Coffin“ – wenn das mal kein Autopsy-mäßiger Titel ist? Und „Dead Body Pile Necrophile“ ist auch nicht viel besser – also vom Titel her -, nicht minder eine absolut geniale Nummer.

Wie auch bei Repuked wird hier einfach nur ein mörderischer Autopsy-Worship betrieben. MORBUS CHRON sind aber deutlich vielschichtiger. Rotziger Death Metal, morbide Gitarren, kranker Gesang, mürbender und tonnenschwerer Doom, griffige Leads und prägnante Hooklines. Alles verpackt in gutem und manchmal sogar überraschendem Songwriting macht „Sleepers In The Rift“ fast zur ernstzunehmenden Konkurrenz für „Macabre Eternal„.

Gerade verspielte Details wie die geile Hookline in „Lidless Coffin„, das Flanger-Solo in „Dead Body Pile Necrophile“ und überraschende Wendungen in „Creepy Creeping Creep“ oder „Red Hook Horror“ geben MORBUS CHRON ein eigene Note im modernden Sumpf der Retro-Bands. Der Titel von „The Hallucinating Dead“ wird durch das mehrstimmige Gitarren-Solo sehr schön und bildhaft illustriert.

Wären „Hymns To A Stiff“ und das etwas sehr verschrobene „Deformation Of The Dark“ nicht die kleinen Durchhänger des Albums, wäre durchaus volle Punktzahl drin gewesen. Doch über diese kurzen Momente der Schwäche kann man gerne hinwegsehen. Dafür ist der Rest von „Sleeper In The Rift“ zu packend, zu gut.

[rating:5.5]

Infos:
Pulverised (CD) – 29.08.2011 / Detest Records (LP) – wahrscheinlich 11/2011
9 Lieder / 34:44 Min.
http://www.myspace.com/morbuschronband
http://www.facebook.com/morbuschron
http://www.detestrecords.com/
http://www.pulverised.net/