Morbus Chron – für eine verdorbene Seele aus Kartoffel-Land

Neben Autopsys „Macabre Eternal haben MORBUS CHRON mit ihrem Debüt „Sleepers In The Rift“ definitiv eine der Pflichtscheiben im oldschool rotting Death Metal 2011 abgeliefert. Autopsy treffen auf Crucifyre treffen auf verdammt coolen Vibe. Alles schön rotzig und ranzig. Natürlich war ein Interview mit der Band Pflicht. Und nach dem Overkill-Gespräch mit dem Necromaniac, das wohl eh niemand bis zum Schluss gelesen hat, ist dieses Teil wieder etwas kürzer und kurzweiliger ausgefallen. Viel Spaß und hört euch auf jeden Fall „Sleepers In The Rift“ an!


1. Willkommen in meiner Gruft mit Drehtüre! Welchen bösen Geist habe ich mit meiner Seance beschworen? Welch wandelnder Untoter beantwortet mir meine Fragen? Gebe Dich zu erkennen und verrate mir, wie ist das Leben in diesem Fegefeuer genannt Kungsängen?

Du hast die enorme Freude mit Robba zu sprechen, dem Triangel-Spieler von GHOST. Das Leben in Kungsängen war großartig. Ein typisch schwedischer Vorort mit sexy Ladies und schwulen MC Bikern. Nun residiere ich in Gubbängen, das mehr Alkoholiker als alles andere hat. Es ist dennoch gut hier.

2. Erzähle mir die unglückliche Geschichte von MORBUS CHRON! Abgesehen davon davon, dass ihr mit Rechtschreibung ein Problem habt, wurdet ihr in der großen Welle der Retro-Bandgründungen anno 2007 aus der Grabkammer auf die Menschheit entlassen. Seither gab es zwei Demos, eine EP und nun schlussendlich wurde euer Debüt-Album über Pulverised Records veröffentlicht. Klingt schon etwas nach From-Zero-To-Hero, haha!

Wir haben die Krankheit niemals in Worten geschrieben gesehen, als wir uns den Namen aussuchten. Entsprechend sieht es so aus, als ob wir Arsch genug wären, um einen Fuck auf diesen Fehler zu geben. Oder es ist uns schlicht egal. Speling corecktly iss for doschebaggs annyway. „Zero To Hero – Die Geschichte einer jungen Band auf ihrem Weg zum Star“, schwul. Aber ja, die Dinge sind hier ziemlich schnell gegangen. Nun sieht es so aus, als ob alles etwas langsamer würde.

3. Ich bin ja ein leichtgläubiger Mensch. Und da glaube ich auch Metal-Archives.com, wenn dort steht, dass Adam bist zum „Splendour Of Disease“-Demo noch Bass gespielt hat. Zur „Creepy Creeping Creeps“ wechselte er jedoch hinter das Schlagzeug, wie kam das? Als Bassist kann ich diese unsägliche Entwicklung nicht gut heißen, haha!

Metal-archives.com kann einen großen Schwanz lutschen, aber dieses Mal ist die Information mal wirklich korrekt. Asam war unser Bassist, auch wenn seine wahre Größe immer als Drummer war. Als wir dann mit Steffe auseinander gingen, hat Adam glücklicherweise den leeren Fleck hinter den Kesseln gefüllt.

4. Euer Band-Log stammt von Nicke Andersson (Dismember, Nihilost, Entombed, The Hellacopters), der auch zusammen mit Fred Estby (Carnage, Dismember, Necronaut) den Mix für euer „Splendour Of Disease“-Tape gemacht hat. Wie kam es zu den Kontakten mit diesen alten Hasen der SweDeath-Szene?

Nicke ist Eddes Bruder. Als die Aufnahmen anstanden, war es natürlich ihn zu kontaktieren.

5. Wenn ich so durch eure Bandfotos auf Facebook klitsche muss ich schon sagen: Retro-as-Fuck! Kleidung, Kulissen und auch der Style der Bilder selber erinnert an alte Bandfotos von alten Bands aus den späten 80ern. Ist euch dieser optische Aspekt der alten Schule so wichtig? Ihr seht ja nicht unbedingt so aus, als ob ihr die Zeit noch aktiv miterlebt habt. Ich schätze euch eher so in meinem Alter, so Mitte Zwanzig, richtig? Gehören enge Jeans, hohe Turnschuhe und Lederjacken zur Retro-Bewegung oder ist es euer Lebensgefühl, das nur zufällig den Zeitgeist trifft? Wenn man eure Gruppenfotos genauer betrachtet, sieht man aber auch, dass ihr die ganze Geschichte selber zum Glück nicht so bierernst nehmt. So böse ist der gesamte Tod und Verderben-Krempel dann doch nicht, oder? Haha!

Edde und ich sind beide 19. Die anderen Jungs sind so verdammt alt wie das Universum. Ich will nicht weiter in Details gehen. Sie sind nur alt und sterben. Wie Du, fast Mitte Zwanzig.
Wegen der Kleidung: Das tragen wir für unsere Photo-Shootings. Weg von der Kamera tragen wir mehr den futuristischen Look. Enge, grüne Seiden-Hosen mit golden verkrusteten Torso. Aber über Klamotten zu sprechen ist lame Dude… Ernsthaft… Lame!

6. Wenn ich Metal-Archives.com glauben darf, war euer erstes, selbstbetiteltes Demo-Tape von 2009 auf eine (!) Kopie limitiert? Wow, das ist wirklich mal eine extrem limitierte Auflage! Was hat es damit auf sich? Wird das mal ein schwer zu findender und teurer Artikel auf Ebay?

Das wurde mal für einen Typen aus Deutschland gemacht und hat alle Songs, die wir damals auch schon auf Myspace hatten. Es sollte eigentlich nicht als unser erstes Demo bekannt sein. Es war nur eine nette Geste für eine verdorbene Seele aus Kartoffel-Land.

7. Auch wenn ich die EP nicht habe, mag ich dennoch das Cover von „Creepy Creeping Creepers“. Sowohl der Zeichenstil gefällt mir, wie auch das Lovecraft-beeinflusste Motiv. Wer hatte die Idee für das Bild und wer hat es umgesetzt?

Du hast sogar den Titel falsch geschrieben. (Kein Wunder, das ist schwerer als Fischer Fritz! – Anm. d. Legasthenikers) Wir sind Fans des Mythos um Chtulhu und haben Rafal Kruszyk einfach gesagt, er soll einen „Creepy Creeping Creep“ zeichen. Das kam dabei raus.

8. Als ich euch zum ersten Mal gehört habe, war ich positiv angetan. Doch ich muss gestehen: Ich habe mir euer Demo „Splendour Of Disease“ nach meinem ersten Kontakt mit eurer Musik runtergeladen. Und ich lade mir nicht oft Musik illegal aus dem Netz! Entsprechend erfreut war ich persönlich dann, dass sowohl der Hammer-Song „Lidless Coffin“, wie auch die beiden Songs der 7″ auf „Sleepers Of The Rift“ erschienen sind. Alles richtig gute Nummern. Doch ist es gegenüber den Sammlern nicht auch etwas ungerecht, wenn die Exklusivität des Materials verloren geht?

Nun, das würde bedeuten, dass wir noch drei weitere Songs für das Album hätten schreiben müssen. Bist Du dumm? Morbus Chron ist faul und es sind alles gute Songs, exklusiv oder nicht.

9. Wie schon erwähnt: Euer Album ist als CD bei Pulverised Records erschienen. Wie kam der Kontakt zustande? Ich schätze mal, ihr seid nach wie vor mit Detest Records zufrieden, sonst würde Jerry nicht die LP von „Sleppers In The Rift“ rausbringen, oder? Wird das wieder eine Kooperation zwischen Detest Records und Me Saco Un Ojo?

Ich denke, sie werden wohl über das Demo-Tape gestolpert sein und ich habe dann eine Mail bekommen, dass ihnen das Material gefällt. Außerdem glaubten sie, dass wir etwas besseres erreichen könnten. Ja, wir sind glücklich mit der Arbeit von Detest, aber dass sie die Vinyl-Version übernehmen können, wurde von Pulverised entschieden. Nicht, dass wir uns beschweren würden…

10. „Sleepers In The Rift“ hat ein atypisches Cover. Der Lobi vom Ancient Spirit Webzine fühlte sich an eine psychedelische Variante von „Dark Recollections“ (Carnage) erinnert. Wer hatte die Idee für dieses vergleichsweise farbenfrohe und dennoch sehr verstörende Artwork? Habt ihr Gonzalez bestimmte Vorgaben gemacht oder freie Hand gelassen?

Das Stück war bereits fertig. Also wurden keine Spezifikationen von uns gegeben. Aber es passte zu der Geschichte, die wir erzählen wollten.

11. Ich finde alleine schon den Sub-Titel „Coughing In A Coffin“ sehr geil. Erinnert mich vom Humor her sehr an Autopsy. Was ich aber noch genialer finde als den Song im allgemeinen, ist die Huldigung des Films „Suspiria“ von Dario Argento. Alleine die Umsetzung mit dem Wechsel zwischen Gitarre und Bass ist einfach der Hammer! Wie kam es zu der Idee für diese Passage? Was fasziniert auch an dem Streifen so sehr, dass ihr ihn musikalisch verwertet?

Ich habe den Film nicht gesehen und offensichtlich stinkt er. Die Musik war cool, also habe ich sie genommen!

12. Autopsy erkennt man aber nicht nur an Liedtiteln wie „Coughin In A Coffin“ oder „Dead Body Pile Necrophile“, sondern auch in eurer Musik. Ein wenig erinnert mich euer Groove aber auch an Crucifyre. Hinzu kommt der leichte 70th Vibe und ein gewisser okkulter Charme. Wo siehst Du die Einflüsse von MORBUS CHRON und wie würdest Du eure Musik beschreiben?

Crucifyre sind großartig. Wir beide wissen den Groove zu schätzen. Aber die einzige pure Death Metal Inspiration für Morbus Chron sind Autopsy. Ich höre auch eine Menge druggy druggy 70er Kram. Aber ich denke nicht, dass es unsere Musik zu sehr einfärbt.

13. Wir kommen dem Ende des Interviews näher. Zeit für Deine aktuelle Playlist! Welche Alben rotieren aktuell regelmäßig in deiner Anlage? Hast Du vielleicht noch ein paar Geheimtipps für mich und meine Leser? Coole Underground-Bands, die man unbedingt mal anhören sollte?

Derweil ich das schreibe, höre ich die neue EP von Invidious, die ist cool! Bastard Priest – „Ghouls Of The Endless Night“ ist böse. Und „Necropsalms“ mit Obliteration ist immer noch verdammt gut. Und ich habe auch meinen Spaß an Opeths „Heritage“…

14. Kein Interview ohne die obligatorische Frage nach euer Zukunft, kommenden Releases und Touren! Also, was steht in absehbarer Zeit bei euch so an? Wann gibt es coole Patches für meine Kutte?

Eine 10″ ist auf Plague Island geplant und wir werden den Live-Evil Gig in einer Woche ab jetzt spielen (das ist wohl am 23.11. – Anm. d. Murmeltiers). Es gibt auch ein paar weitere Shows in der Zukunft, aber ich will mich wirklich auf die Aufnahmen neuer Rituale konzentrieren. Es wird etwas besonderes.

15. Nun ist es vorbei, oh Du garstiger Geist! Danke für Deine Antworten in meiner unheiligen Seance! Ich hoffe, es hat Spaß gemacht und „Sleepers In The Rift“ hat noch viel Erfolg. Für mich ist die Scheine definitiv in den Top-10 des Jahres. Wer was anderes sagt hört auch Amon Amarth und die Backstreet Boys. Ugh! Die letzten Worte gehören Dir!

Danke Dir und Fuck Off!


http://www.myspace.com/morbuschronband
http://www.facebook.com/morbuschron
Interview: Chris (Necroslaughter) / Robba (Gitarre/Vocals @ Morbus Chron) · 07.10.2011 / 16.10.2011
© Bilder: Morbus Chron@Facebook, Sureshotworx Mediapool, www