Entrails – The Tomb Awaits

 , , ,

Gerade mal ein Jahr nach „Tales From The Morgue“ liefern ENTRAILS gut vierzig Minuten neues Material ab. Dieses Mal fast gänzlich neues. Im Gegensatz zum Debüt ist das Verhältnis zwischen neuen Liedern und der Resteverwertung aus Demo-Tagen genau umgekehrt. Lediglich „Total Death“ scheint es in überarbeiteter Form auf den neuen Longplayer geschafft zu haben. Schade, dass mir das „Human Decay„-Demo fehlt, sonst könnte ich auch detailliertere Aussagen machen.

Natürlich waren nach „Tales From The Morgue“ die Erwartungen hoch. Durch den Drummer aus Fleisch und Blut sind die alten Lieder noch eine Nummer besser geworden als zu „Reborn„-Zeiten. Das Album hat ENTRAILS in der Szene schnell zum Geheimtipp avancieren lassen. Kann das Niveau auf dem zweiten Album gehalten werden? Wie klingen die neuen Songs? Immerhin war das Demo-Material teilweise noch aus den frühen Neunzigern und wurde erst später veröffentlicht…

Das Cover-Artwork, das deutliche Parallelen in Motiv und Farbgebung zum „Left Hand Path“ aufweist, spricht eine deutliche Sprache: Man hält am linken Pfad fest, bedient sich an den stärksten Merkmalen der alten Schweden-Szene. Der Groove stammt von Entombed, das Melodie-Verständnis von Dismember und der morbide Hauch des Todes wurde von alten Grave entliehen. Das vermischen ENTRAILS – wie bereits zuvor – zu einer eigenen Interpretation der alten Schule.

Zugegeben, anfänglich war ich mir nicht gänzlich schlüssig. „The Tomb Awaits“ klingt anders als „Tales From The Morgue„. Zum einen wegen der deutlich besseren und lauteren Produktion von Dan Swanö. Doch auch im Songwriting haben sich ENTRAILS deutlich entwickelt. Die Songs sind strukturierter und direkter. Aber nicht minder abwechslungsreich! Besonders auf die Spieldauer verteilt hat die Band eine sehr ausgewogene Mischung aus dicken Midtempo-Brechern, groovenden Uptempo-Monstern und dezenten Akzenten gefunden.

Bereits erwähntes „Total Death“ ist verdammt böse und schleppend. „Undead“ oder „To Live Is To Rot“ fallen mit ihren schwermütigen Melodien auf. Derweil erinnert die Melodik aus „End Of All Existence“ ein wenig an Fleshcrawl und „Remains In Red“ an Necrophobic. In der Mischung zwischen hervorragendem Melodieverständnis, morbiden Lead-Gitarren und mitreißendem Groove entstehen Songs, die schnell in Erinnerung bleiben. „Crawling Death„, „Eaten By The Dead„, „Undead„, „End Of All Existence„, „Remains In Red“ – die Hit-Dichte von „The Tomb Awaits“ ist so hoch wie das gänzliche Niveau des Albums.

Wer bereits „Tales From The Morgue“ gut fand, wird sicher auch schnell mit dem neuen Material von ENTRAILS warm und es lieben. Wer angesichts des aktuellen Überangebots an oldschool schwedish Death Metal skeptisch ist, sei entwarnt. So authentisch und ausgewogen wie „The Tomb Awaits“ sind heute nicht viele Alben. Rico, bei all Deinen guten Releases machst Du die Leute noch arm!

[rating:5]

Infos:
FDA Rekotz – 09.09.2011
12 Lieder / 43:47 Min.

http://www.myspace.com/entrailsreborn
http://www.fda-rekotz.com/gx/