Bloodshed Fest 12


am 14./15.10.2011
im Dynamo Club, Eindhoven, Niederlande
Damage: 30,- (Beide Tage), 15,- (VVK), 17,50 (Door)

http://www.bloodshed.nl/

Irgendwie ist dieses Jahr der Wurm drin. Ich habe es auf weniger Konzerte geschafft, als ich es eigentlich wollte und dank widriger Umstände blieb mir dieses Jahr mal wieder ein Festival-Besuch verwehrt. Umso erfreuter war ich, als ich von einem Freund gefragt wurde, ob ich mit zum Bloodshed Festival nach Eindhoven mag. Ohne große Überlegung sagte ich zu, auch wenn wir nur den Samstag hin wollten. Dadurch entgingen mir leider HAEMOPHAGUS, KEITZER und PIGSTY, die allesamt Freitags spielten. Aber man kann halt nicht alles haben.

Bereits im Vorfeld fiel mir positiv auf, dass jede Band, egal wie groß oder klein sie auch ist, eine halbe Stunde Spielzeit hatte. Bei dem Lärm, den die Bands fabrizieren, ist diese Dosierung gar nicht mal verkehrt. Besonders bei der straffen Taktung: eine Band hört im großen Saal auf, sofort beginnt die nächste im Keller des Dynamo Clubs.

An dieser Stelle muss ich gestehen, es war mein erster Besuch im Dynamo Club. Doch die Lokalität ist sehr schön mitten in Eindhoven gelegen, direkt gegenüber von einer schönen Kirche und einer noch schöneren Kneipenstraße. Hier muss ich mal zum Trinken hinkommen, hehe!
Doch so fremd mir auch die Location war, so bekannt waren dann auch die Gesichter. Denn neben Vollbeschallung von der Bühne gab es auch den „Grind-Market“ mit Ständen von Bones Brigade Records, Bizarre Leprous Records, Power It Up, 7 Degrees Records und Rotten Roll Rex. An dieser Stelle noch mal viele Grüße an die Jungs (und das Mädel). So quatschte und kaufte man unterm Strich doch wieder mehr als man eigentlich wollte. Von den Bands hatte ich dann auch nur eine kleine Auswahl gesehen. In Anbetracht meiner frisch gestarteten Erkältung hätte ich mir aber auch nicht mehr geben können…

ONANIZER begangen an diesem Abend quasi meine akustische Defloration. Wobei die Truppe mittlerweile nicht mehr viel mit Porno am Hut hat und der Name eher irreführend ist. Solide Show, die gut auf das Kommende einstimmen konnte – und gleichzeitig der Abschied vom Drummer war. Dieser wandert nämlich nach Südamerika aus. Wohin habe ich vergessen. Verdammte Grippe, verdammter Alkohol.

Wie gesagt, es wurde viel gequatscht und gestöbert. Darum war als nächstes UNKIND auf dem Programm, nachdem uns der Gitarrist bereits im Vorfeld am Merchstand nötigen wollte, ein Shirt zu kaufen. So nicht, Kamerad! Erst müsst ihr auch live überzeugen. Doch leider klappte das nicht so ganz. Musikalisch machen UNKIND mit ihrem pessimistischen Hardcore zwar voll mein Ding. So richtig gezündet hat es auf der Bühne dann aber doch nicht. Vielleicht lag das aber auch an dem komischen Typen mit den Samples, der ab und an in den Songs, und immer zwischen den Liedern irgendwelchen Lärm fabrizierte. Nunja, ich werde der Band wohl noch mal eine Chance auf CD geben…

BLOOD I BLEED nahm ich leider nur noch am letzten Song mit. Schade, was ich hörte klang vielversprechend. Doch vielleicht gibt es in naher Zukunft die Möglichkeit FUBAR, BLOOD I BLEED und CAUSE OF DIVORCE zu betrachten, wer weiß? (;

Eine der aktuell gehyptesten Grindcore-Bands ist FUCK THE FACTS. FUCK THE FACTS und WORMROT. Und letztere standen nun auf der Bühne. Dafür, dass die Band wirklich mit Minimalbesetzung Gitarre, Schlagzeug und Gesang antrat, haben sie ordentlich geböllert. Lediglich das Bühnenbild wirkte etwas überdimensioniert. Auf der großen Bühne des großen Saals wirkte das Trio sehr verloren und konnte ihre Kraft nicht wirklich auf das Publikum übertragen. Eine kleine Club-Show wäre für diese Konstellation definitv besser.
Was ich mich aber immer noch frage: Warum musste die Band-Managerin mit auf der Bühne rumstehen und Fotos machen? Das ist nicht Rock’n Roll!

Das Power-Trio YACØPSAE nahm zwar nicht mehr Platz auf der Bühne ein, füllte den Freiraum aber gut mit seiner Präsenz. Zugegeben, der überpräsente Drummer hätte aus ästhetischen Gründen vielleicht sein Shirt anlassen sollen. Doch bei der geleisteten Hochgeschwindigkeitsarbeit war es durchaus verständlich, dass der Junge ins Schwitzen kam. Ein sehr räudiger und kraftvoller Auftritt der Hamburger Grindcore-Institution!

Für die WEEKEND NACHOS war der Kellerraum fast schon zu klein. Denn viele Leute wollten sich diesen angesagten Power-Violence-Act aus Chicago anschauen. Und die Menge ließ sich auch schnell von der Energie das Band anstecken. Schnell wurde das Pit vor der Bühne zu einem brodelnden Hexenkessel. Wirklich eine brutale Show, auch wenn ich keine besonderen Details in Erinnerung habe.

Brutal ging es auch weiter, diesmal wieder von der großen Bühne aus. Die britischen Crust-Heroen DOOM durften als eine der wenigen Ausnahmen knapp eine dreiviertel Stunde lang spielen. Und dabei ließen sie sich von nichts und niemanden abhalten. Selbst gerissene Gitarren-Saiten wurden souverän mit flotter Hip-Hop-Einlage kaschiert. Doch diese spaßige Einlage sollte die Ausnahme bilden. Das restliche Set waren DOOM eine unheilvolle Macht. Stumpf und ultra aggressiv. Die alten Männer haben es wirklich noch drauf.

Nun musste man schnell in den Keller. VICTIMS hatten wie DOOM drei Besonderheiten inne: 1. Sie passten nicht so richtig in das Grindcore-Billing. 2. Sie hatten eine dreiviertel Stunde Spielzeit 3. Viele Leute wollten sie sehen. Doch trotz kraftvoller Bühnenpräsenz konnten sie nicht gänzlich überzeugen. Teilweise wirkte der Gesang etwas schwachbrüstig und auch wenn viel vor der Bühne los war, konnte der Funke nicht so ganz auf mich überspringen. Dennoch ein guter Auftritt, besonders in diesem Kontext.

Von DOOM bereits groß angekündigt als „the god-fathers of psychodelic power violence“ wollten wir auch mal in BASTARD NOISE reinschauen. Das Line-Up versprach schon mal obskures: Drums, Bass, der sowohl über Bass- wie auch Gitarren-Amp verstärkt wurde und dickes Synthie-Gerät, das derben Krach machte. Als die Band anfing, gefielen die psychopathischen Bass-Riffs, die etwas an späte GORGUTS erinnerten. Doch der synthetische Lärm ging mir schnell nur auf die nerven…

Dank dem ÖPNV war es mir leider nicht vergönnt, noch MARUTA anzusehen. Doch da dies die einzig interessante Band des restlichen Abends war, musste ich wohl darauf verzichten. Schade!

Viel Gequatsche, nervende Erkältung und doofer ÖPNV – Im Endeffekt habe ich vom eigentlichen BLOODSHED Fest 2011 gar nicht so viel mitbekommen. Doch bei der engen Zeitplanung ohne jegliche Verschnaufpause ist es wohl auch nicht besser möglich. Dennoch hatte ich sehr viel Spaß und kann eigentlich nur jedem Fan von Grind, Crust und Hardcore diese feine Veranstaltung ans Herz legen. Ich für meinen Teil bin nächstes Jahr gerne wieder am Start!