Necromaniac – Fanzine #9

 

Verdammt noch eins! Gerade fällt mir auf, dass ich die Ausgabe 8 vom mighty Necromaniac gar nicht besitze! Aber wer wird der Vergangenheit hinterhertrauern, wenn es doch endlich, endlich eine neue Ausgabe dieses kultigen Fanzines gibt? Besonders der leckere Inhalt macht das „Morbid Death Metal Zine“ dieses Mal wieder verdammt schmackhaft und lässt die lange Wartezeit seit dem letzten Heft gerne durchgehen. Wie war das? Totgesagte leben länger. Denn soweit ich weiß kam Heft Nummer 8 2007 raus, entsprechend hat es nur (haha) vier Jahre für die neunte Runde gebraucht. Wie immer entschuldigt sich Necromaniac Thomas Westphal im Vorwort für seine Faulheit und führt unter anderem auch einen PC-Absturz und den damit einhergehenden Verlust zahlreicher Interviews für die extreme Verspätung der aktuellen Ausgabe an. Gleichsam bereitet er den Leser auf das offensichtliche vor: Necromaniac #9 widmet sich ausschließlich Bands, die sich dem Tod verschrieben haben. Keine Brutal Death Metal Band, kein Slam Death, kein Grind. Passend zur aktuellen Retro-Welle wird in dieser Ausgabe nur die alte Schule präsentiert.

Namentlich liest sich die Liste der Interviews sehr imposant: Blaspherian, Grave Ritual, Bone Sickness, Burial Invocation, Coffins, Druid Lord, Necrowretch, Entrapment, Krypts, Eroded, Obliteration, Poisonous, Repuked, Stench Of Decay, Venenum, Swallowed, Tormented, Obscure Infinity, Autopsy, Deserted Fear, Thornafire, Occulta, Bones, Cryptborn, Sonne Adam, Voids Of Vomit, Grave Miasma, Pentacle, Beyond (Ger) und Profanal (It) – Sowohl alte Bekannte aus dem Underground wie auch viel versprechende Newcomer bieten die wohl beste Auswahl an aktuellem Death Metal. Dazu gibt es noch Gespräche mit Daniel Desecrator (Künstler), Ralf Hauber/Mystical Music (Fanzine) und Jerry/Detest Records (Label-Special). Insgesamt also 33 mehr oder minder intensive, aber immer interessante Interviews.

Neben Beiträgen von einem gewissen AndreAss, der wirklich sehr witzige Fragen an die italienischen Bands dieser Ausgabe formuliert hat, fand Thomas Unterstützung bei Ricardo Lucas und Scott Alisoglu (TeethOfTheDivine.com/ClawhammerPR), der sein Online-Interview mit Bones zur Verfügung gestellt hat. Für Autopsy konnte Frank Stöver einen dicken Fragen-Katalog an Chris Reifert richten, derweil Mr. Necromaniac sich Eric Cutler vorgenommen hat. Ein wirklich mächtiges und interessantes Double-Feature (4 Seiten)!

Nicht minder intensiv und fast schon episch sind die Gespräche mit Druid Lord (5 Seiten), Obliteration (4 Seiten) oder Voids Of Vomit, das zwar nur zwei Seiten in Anspruch nimmt, aber wirklich viel Text beinhaltet. Beim Interview mit Pentacle wird die Freundschaft zwischen Thomas und Wannes sehr deutlich. Es ist bereits das dritte Interview für die Band im Necromaniac und überzeugt durch intelligente Fragen und verdammt ehrliche und selbstbewusste (im Sinne von guter Selbsteinschätzung) Antworten. So ein gutes Interview wird man wohl niemals in einem der „großen“ Metal-Magazine lesen, hier steht von beiden Seiten Hingabe und Emotion dahinter. Meinen größten Respekt an Thomas und Wannes an dieser Stelle!

Bei Repuked hat der Thomas hingegen ein wenig Pech gehabt. Nikke hat hier noch mehr Schwachsinn gelabert als in dem Interview mit mir. Witzig ist dieser Schwall an erbrochenen Worten dennoch. Und wer schon mal eine Ausgabe Necromaniac gelesen hat, weiß, dass der Fragensteller auch schon mal gerne die ein oder andere flapsige Bemerkung an seine Gesprächspartner richtet. Occulta wussten es scheinbar nicht und klingen an der ein oder anderen Stelle nicht so gänzlich amüsiert, haha!
Dennoch habe ich das Gefühl, dass die Fragen früher noch etwas vulgärer und bissiger waren…
Bei allem Humor und aller Hingabe zur Musik werden finden aber auch kritische Fragen ihren Weg in die Interviews. Blaspherian „dürfen“ beispielsweise zu ihrer Zusammenarbeiten mit Bands und Label aus dem rechten Spektrum Stellung beziehen und bei Druid Lord stellt Thomas eine kritische Frage über Kam Lee, die mir auch schon mehrfach in den Sinn gekommen ist.

Die 84 Seiten machen Necromaniac #9 so dick, wie schon lange nicht mehr. Vielen Interviews brauchen nun mal ihren Platz. Dafür werden die Reviews stark komprimiert. Wo in der letzten, mir bekannten Ausgabe 7 alleine 15 Seiten mit CD/LP/MC/Katzen-Kritiken und noch eine Hand voll Buch-/Zine-/DVD-Besprechungen waren, schafft es das aktuelle Heft gerade mal auf insgesamt 25 Reviews. Davon sind die meisten auf die letzten beiden Seiten des Hefts gepackt und zwei finden sich gut versteckt im restlichen Heft. Viel Spaß beim Suchen, ich hätte das Review für Sonne Adam beinahe übersehen, haha!
Bei den Musik-Besprechungen hat Hacker von Obscure Domain/Unholy Terror (RIP) größtenteils seine Finger im Spiel gehabt. Die Reviews sind sehr schön geschrieben und gehen angenehm auf die Releases ein. So intensiv Thomas in seinen Interviews auch ist, so knapp fasst er sich bei seinen Besprechungen. Schade, manche Dreizeiler sind doch etwas sehr aussagelos.

Optisch hat das Necromaniac schon immer besonders viel Wert auf eine ansprechende Aufmachung gelegt. Im Falle dieser dedizierten oldschool Madness wurde das Design entsprechend der alten Fanzine-Schule angepasst. Wo früher noch dunkler Grund mit heller Schrift und einige recht moderne (CGI-)Grafiken das Necromaniac zierten, ist Ausgabe 9 gespickt mit handgezeichneten Rahmen, vielen Skeletten, Leichen und okkulten Ornamenten. Dadurch erscheint das Magazin im ersten Moment nicht mehr so ultra professionell und glatt, bekommt aber mehr den ranzigen Underground-Charm, der im Inhalt gepriesen wird: Morbide, okkult, obskur. Eben totale oldschool Madness. Mir gefällt es und ich denke Ralf Hauber wird auch sein Thumbs-Up geben, haha!
Was mir hingegen nicht gefällt: Die Typografie in den Interviews mit Necrowretch und Sonne Adam. Diese verdammte altdeutsche Frakturschrift ist nett für einleitende Worte. Aber ein komplettes Gespräch in diesem Schriftsatz? Verdammt, meine Augen bluten, nun muss ich erst mal eine Campaign For Musical Destruction lesen, damit ich halbwegs wieder was erkennen kann! Und auch bei Entrapment ist durch die Formatierung nicht immer so ganz klar, wann nun eine neue Frage anfängt…
Und wo ich einmal beim Thema Einleitungen bin: Dieses Mal geizt der Westphal so richtig mit Einführungen in seine Gespräche und schmeißt den Leser fast immer direkt ins kalte Wasser. Doch das ist ein verzeihlicher Umstand… (;

Nun, eigentlich war diese Kritik bereits nach dem zweiten Paragrafen überflüssig. Die Liste der befragten Bands spricht für sich. Wer der englischen Sprache mächtig ist, und auf qualitativen Death Metal steht, sollte die 6 Euro für dieses kultige Magazin (zzgl. 1,45 P&P) umgehend an den Necromaniac schicken und sich eine Ausgabe holen.
Zum Heft gibt es noch einen CDr-Sampler mit Beiträgen von Gorephilia, Stench Of Decay, Beyond, Obscure Infinity, Disma, Torture Throne, Sonne Adam, Corpsessed, Krypts, Cryptborn, Miasmal, Burial Invocation, Nar Matturu, Escarnium, Poisonous, Necrowretch und Fabricant. Wer jetzt noch zögert ist einfach nur eine Pussy!

PS: Hey Thomas! Scheiß auf CDr-Sampler, ein Tape wäre richtig trve gewesen! Haha!

Infos:
pofessionell gedruckt auf glossy Papiper mit kartoniertem Cover in s/w
Sprache: Englisch
Umfang: 84 Seiten, 33 Interviews, 26 Reviews, CDr-Sampler mit 17 Bands
Preis: €6,00 Euro + P&P (€1,45 innerhalb der BRD)
Kultfaktor: 1000
Kontakt: Necromaniaczine@aol.com

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