Haemorrhage – Hospital Carnage

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Eigentlich habe ein besonderes Verhältnis zu HAEMORRHAGE. Seinerzeit waren sie eine der ersten Goregrind-Bands, die ich kennenlernte und über die sich mir ein gänzlich neues Genre eröffnete. Seither rotieren in schöner Regelmäßigkeit die Klassiker „Grume„, „Anatomical Inferno“ und „Morgue Sweet Home“ in der Anlage. Und auch die Compilation „Haematology“ läuft mindestens genau so häufig wie das letzte Full-Length-Album „Apology For Pathology„, das 2006 noch über das leider verblichene Morbid Records erschienen ist. Entsprechend erfreut war ich, als ich über den Deal mit Relapse Records und die Ankündigung von „Hospital Carnage“ hörte.

Bereits im Vorfeld machte die Video-AuskopplungFlesh-Devouring Pandemia“ einen guten Eindruck. Der Song ist griffig, groovy und klingt so, wie man es von HAEMORRHAGE erwartet. Auch das sympathisch-dilettantische Video hat den urtypischen Charme der Band inne.

Doch leider können die 35 Minuten des mittlerweile sechsten HAEMORRHAGE-Albums nicht durchgängig überzeugen. Viel zu häufig hat man dieses Dejavú-Gefühl beim Hören der Scheibe. HAEMORRHAGE wiederholen nicht nur Carcass, dieses Mal sogar zu „Necrotism„-Zeiten, sondern vielmehr sich selber. Die Eröffnung von „Open Heart Butchery“ klingt doch wie „Mortuary Riot“ („Morgue Sweet Home„, 2002)? Und ähnlichen Effekt lösen „Tumour Donor“ oder „Doctors Of Malpractice“ aus.

Dazu habe ich irgendwie das Gefühl, dass HAEMORRHAGE auf „Hospital Carnage“ mit angezogener Handbremse spielen. Es fehlt an chaotischen Ausbrüchen, wütendem Geprügel und kraftvoller Energie hinter den Songs. Meistens schleppen sich die Spanier durchs Midtempo wie ein altersschwaches Maultier durch die südländische Mittagssonne. Klingen vielleicht deswegen die Riffs aus „Hypochondriac“ oder „Hospital Thieves“ so cheesy? Oder ist bei HAEMORRHAGE wirklich langsam alles gesagt worden?

Die trockene Produktion nimmt dem Album weiterhin viel an dreckiger Rotzigkeit. Früher waren nicht nur die Songs, sondern auch der Sound wesentlich druckvoller und räudiger. Ja, dieses ominöse Früher von dem immer alle reden…

Hospital Carnage“ ist kein wirklich schlechtes Album. Doch für die Verhältnisse von HAEMORRHAGE ist es ein eher durchschnittliches Album, auf dem die Band eher ein Schatten ihrer Selbst ist. Ich würde jedem Neueinsteiger definitiv zu „Morgue Sweet Home“ oder „Grume“ raten.

Wer meine Kritik nun zu vernichtend findet, kann sich von „Hospital Carnage“ selber ein Bild machen. Denn dank dem Bandcamp-Profil von Relapse Records gibt es das Album komplett als Stream – und optional auch als kostenpflichtigen Download. Und Dank der Re-Issue finden sich auch „Grume“ und „Apology For Pathology“ an entsprechender Stelle.

[rating:3]

Infos:
Relapse Records – 24.05.2011
15 Lieder / 35:31 Min.
https://www.facebook.com/HaemorrhageGore
http://www.myspace.com/haemorrhage
http://haemorrhage.bandcamp.com/
http://www.haemorrhage.es/
http://www.relapse.com/