FDA Rekotz – Label-Special

 

Da ist es nun, mein erstes Interview, was nicht primär an eine Band gerichtet ist! Nachdem FDA Rekotz in letzter Zeit immer wieder hochkarätige Veröffentlichungen hatten und anstehen haben, musste über kurz oder lang ein Feature über dieses feine, aufstrebende Label her! Passend zu diesem Label-Special hat Inhaber Rico gleichzeitig eine neue Scheibe mit seiner Band GOREGAST frisch auf den Markt gebracht. Das ist aber noch nicht alles bei diesem Hans-Dampf in allen Gassen. Lest einfach selber! Aber seid gewarnt, im Print-Format wären das hier acht Seiten, die mir der Rico in Rekordzeit beantwortet hat. Nun aber genug der dummen Vorworte, das Interview selber ist schon lang genug, haha!


1. Hey Rico! Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, um mir ein paar stinkige Fragen zu beantworten. Wie geht es Dir denn aktuell, besonders in Anbetracht der guten Releases auf Deinem Label und dem neuen Album Deiner eigenen Band?

Tach Chris! Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, dass mich mein persönlicher Musikgeschmack nicht getäuscht hat und die aktuellen FDA Rekotz Releases so gut ankommen. Gerade in Hinsicht auf GOREGAST bin ich natürlich besonders stolz, da wir da ein wirklich großes Album kreiert haben.

2. Wir haben nun ja schon seit ein paar Jahren immer wieder sporadisch Kontakt. Angefangen hat damals alles, als Du mir die „Viva El Animal“ von GOREGAST zum besprechen geschickt hast. Später folgten dann immer wieder CDs von FDA Rekotz. Doch kann ich mir vorstellen, dass Dein Label trotz einiger hochkarätiger Releases nicht jedem meiner Leser ein Begriff sein könnte. Stell mal uns mal deine Plattenschmiede mal vor und verrate uns direkt mal, wofür „FDA“ steht. Das „Rekotz“ darf dann jeder selber erraten, haha! Wo liegt dein Fokus bei der Auswahl an kommenden Releases? Du hast ja sowohl Grindcore, Death Metal wie auch Punk im Angebot – und dazwischen irgendwo Electro Toilet Syndrome, haha!

Die Idee zur Labelgründung hatte ich im Herbst 2006, das erste Release folgte dann auch schon im Dezember 2006. Damals noch als D.I.Y. Crust/Grind Label und Veröffentlichungen in CD-r Format, was sich stilistisch wie Formattechnisch dann auch mit der Zeit geändert hat als auch ich musikalisch immer weiter in Richtung meiner Wurzeln glitt und immer noch gleite. FDA steht für nix, es steht jedem frei sich da was auszudenken. Vielleicht Frivole Dusch Anstalt? Ick weiss et nich.
Bei allen Releases, ob nun Vergangenheit oder Zukunft gehe ich in erster Linie von meinen persönlichen Geschmack aus. Ich würde nie etwas veröffentlichen, dass ich scheisse finde, also niemals Metalcore oder diesen ganzen anderen modernen Schnickschnack. Da ich nun mittlerweile seit über 20 Jahren intensiv Musik konsumiere, glaube ich auch gute musikalische Qualität ermitteln zu können.

3. Wo wir schon mal Electro Toilet Syndrome angesprochen haben, wie hat sich eigentlich die Scheibe auf den Roster von FDA Rekotz geschlichen? Sowohl qualitativ wie auch stilistisch ist „The Meat Hookers“ deutlich unter dem Niveau der anderen Releases. Warst du da noch jemanden einen gefallen schuldig? Soweit ich mich entsinne hat da doch mal der Gitarrist einer der dienstältesten deutschen Death Metal Bands gespielt… Oder hast du vielleicht sogar selber deine Finger bei dieser kaputten Spaßtruppe im Spiel? (;

„The Meat Hookers“ hat mich an Naked City’s „Torture Garden“ Album erinnert, welches ich immer noch grandios finde. Innovativ, durchgeknallt, künstlerisch (Keine Einwände! – Anm. d. Verf.). Es macht viel aus, wie intensiv man ein Album hört, ob im vorbeigehen oder halt konzentriert. Das Album ist einfach nur anders als andere FDA Rekotz Releases, das ist alles.

4. Für welche Qualitäts-Label aus dem Ausland bist Du hier der lokale Ansprechpartner? Soweit ich mich erinnere findet man bei Dir im Webshop immer wieder Schätze von Dark Descent und Xtreem Music. Doch von wem bietest du noch regelmäßig neues Futter? Gib einfach mal einen Überblick!

Mit Matt von Dark Descent Records habe ich ein freundschaftliches Verhältnis und somit versorgt er mich auch immer mit seinen aktuellsten Sachen, oder aber wir machen solch eine Co-op wie bei der neuen Entrails CD. Ansonsten findest Du eigentlich Veröffentlichen aus der ganzen Welt in meinem Online Shop. Ob USA, Kolumbien, China, Schweden, Polen usw…. Das alles aufzuführen, würde sicher Deinen Webspace sprengen.

5. Wie kam eigentlich die Veröffentlichung der letzten Keitzer-Scheibe über FDA zu Stande? Immerhin betreibt der Simon ja selber ein Label, 7 Degrees Records. Oder hast Du lediglich die CD-Version übernommen, damit sich der Simon nicht sein Vinyl-Sortiment befleckt, haha!

Coco aka Simon macht ja nur Vinyl. Aber eigentlich waren wir uns schon 2008 oder 09 darüber einig, dass ich „Descend Into Heresy“ veröffentliche. Keitzer waren unzufrieden mit der Arbeit ihres damaligen Labels Yellowdog, wir waren/sind eh befreundet, da hab ich mich halt angeboten. Die Konditionen haben den Jungs gepasst und ab ging’s, was mich tierisch gefreut hat, da ich schon immer ein Fan der Band war.

6. Kommen wir wieder auf FDA Rekotz und die aktuelle Entwicklung. Scheinbar willst du ja groß raus mit Deinem Label. Vor gar nicht langer Zeit kamen deine Veröffentlichungen noch schlicht als CD ohne EAN-Code. Doch dann folgte die Zusammenarbeit mit dem Twilight Vertrieb, der Barcode fand seinen Weg auf das Inlay Deiner CDs und mittlerweile macht ClawhammerPR die Promotion für dich in den USA, respektive auch weltweit. Denn der Verteiler der kleinen aber mächtigen Promo-Agentur ist riesig! Und für Entrails hat beispielsweise auch Dark Descent aus den USA den Vertrieb/ die Veröffentlichung in den USA übernommen. Wohin geht denn die Reise mit FDA Rekotz noch? Ich kann mir vorstellen, dass diese Schachzüge den Bekanntheitsgrad des Labels deutlich gesteigert haben, oder?

Mmmmhhh… das kann man eigentlich nicht Schachzüge nennen, denn das war eine automatische Entwicklung, ohne dass ich mir großartig Gedanken gemacht hätte, wohin es geht und was kommen wird. Als ich mir einen Vertrieb gesucht habe, um auch in größeren Mailorders wie EMP, Nuclear Blast und Co. präsent zu sein, brauchte ich die Barcodes auf der Inlaycard. Ohne geht’s halt nicht, wenn Du bei einem Vertrieb angeschlossen bist. Twilight habe ich vor kurzem fristlos gekündigt.
Ich bin gerade dabei einen neuen Vertriebsdeal an Land zu ziehen, bei dem sich der Vertrieb hoffentlich an das hält, was er vertraglich verspricht. Das ist aber noch nicht spruchreif, daher kann ich noch nichts weiter verraten.
Clawhammer für die Promotion zu beauftragen war genau das richtige um eine breitere Masse anzusprechen, gerade um auch in den USA auf sich aufmerksam zu machen. Die kennen sich aus, haben viele weltweite Kontakte und machen ihre Arbeit ganz hervorragend.

7. Was ich bei Dir sehr zu schätzen weiß: Du hältst trotz digitalem Zeitalter immer noch an physischen Promos für die Bemusterung von Magazinen fest. In Zeiten von megaupload, sendfile, rapidshare und professionellen Tools wie ipool und Haulix keine Selbstverständlichkeit! ClawhammerPR haben mich beispielsweise auch mit den Downloads für GOREGAST und ENTRAILS bedacht, bevor Dein kleines Päckchen in meinem Postkasten lag. Dennoch bist Du gleichermaßen den Kompromiss eingegangen und vertreibst Deine Veröffentlichungen auch digital. Warum bist Du diesen Schritt gegangen? „Lohnt“ sich der Verkauf von MP3 Dateien wirklich? Konntest du dadurch Deine Zielgruppe erweitern? Welche Plattform verwendest Du für die Downloads? Reverbnation, Bandcamp, Amazon oder iTunes? Wie funktioniert diese Geschichte? Was in den USA mittlerweile Gang und Gäbe ist, ist hier in Deutschland immer noch etwas exotisches. Musik runterladen und dafür auch noch bezahlen…

Ich schicke weiterhin „richtige“ Promo-CDs zu den handvoll Magazinen, die schnell arbeiten und die gut schreiben, quasi als kleine Anerkennung ihrer Arbeit. Schließlich muss man bedenken, dass so’n Schreiberling meist kein Geld dafür bekommt (Genau. Mal gänzlich von der Arbeit hinter einem Review/Interview abgesehen – Anm. d. Verf.) und da ist so’ne CD wenigstens eine kleine Geste. (An dieser Stelle noch mal Danke sehr! – Anm. d. Verf.)
Was MP3 Downloads betrifft, man muss als Label auch vertriebstechnisch mit der Zeit gehen und ausprobieren, da bin ich einem Digitalvertrieb aus Norwegen namens Phonofile angeschlossen. Der arbeitet mit vielen verschiedenen Download-„Stationen“ zusammen. Du findest dann die Releases bei Spotify, Itunes, Nokia, Amazon um nur einige zu nennen. Lohnen tut sich das im Metalbereich noch nicht, aber ich glaube die Entwicklung geht immer weiter da hin und mehr Arbeit verursacht es mir auch nicht. Also warum nicht. Persönlich allerdings kaufe ich selbst Musik ausschließlich auf Vinyl.

8. Ganz gegenläufig zu Deinem digitalen Vertrieb hast Du bereits vorher neben CDs immer wieder Vinyl-Auflagen deiner Veröffentlichungen gehabt. Doch nun erweiterst Du dein Repertoire auch noch um Kassetten. Erster Release wir die Neuauflage des Demonical-Demos als limitiertes Tape. Wie kommt das Revival dieses doch antiquierten und vergleichsweise nachteilbehafteten Mediums? Ich meine, kaum einer hat heute noch ein Kassettendeck, die Teile muss man umständlich spulen, die Klangqualität ist nie so gut wie bei richtig audiophilen Medien und nimmt dann auch noch mit der Zeit ab. Und weißt du was? Ich hatte solange nichts mehr mit Tapes zu schaffen, dass ich des Letzt fast meinen Flaschenöffner mit Magnethalterung auf meine Repuked-Kassette gelegt hätte, haha! Probleme, die man als Netboy eigentlich nicht mehr kennt… Sind nach Demonical bereits weitere Tape-Releases auf FDA Rekotz in Planung? So wie es bei Detest Records mittlerweile Usus ist?

Au weia, das geile Repuked Tape hätte beinahe dran glauben müssen. (Aber zum Glück nur beinahe! – Anm. d. Verf.) Dann hätteste bestimmt geweint (Jarp! – Anm. d. Verf.). Die Idee auch mal Tapes zu machen kam mir vor ein paar Monaten ganz spontan, als ich die Amis HATRED EMBRACED gehört habe. Daraus ist jetzt ne 3’er Demo Serie geworden.
HATRED EMBRACED – Suffering Of The Holy, DEMONICAL – Bloodspell Divine und HARM – God Forgive…My Chainsaw Not. 3 mal allerfeinster old school Death Metal, mal schwedisch, mal amerikanisch. Ich hatte auch schon ganz vergessen wie grandios der Sound einer Musik Kassette ist. Ich liebe diesen unpolierten Klang und will auch meinen Teil dazu beitragen, dass dieses Medium nicht ausstirbt. Im Zukunft werde ich sicher hier und da wieder Tapes veröffentlichen.

9. Irgendwie sehe ich diese Retro-Bewegung als logische Konsequenz zur musikalischen oldschool Welle. Ich meine, wo man irgendwann 2007 die Schnauze voll hatte vom sterilen, technischen Death Metal und wieder alte schwedische Schule entdeckte, den Punk im Death Metal wieder exhumierte, war es auf der anderen Seite auch nur logisch, dass man irgendwann der digitalen Welt den Mittelfinger zeigt. Dabei erfreut es mich als Fan von Gesamtpaketen sehr, dass wieder große, liebevolle Cover-Artworks auf 7″ und LP zur Geltung kommen.

Ich glaube das Ganze war nie tot, klar in den letzten 2 Jahren kam es wieder, da die großen Labels auch wieder auf Vinyl veröffentlichen.
Ein schönes, gezeichnetes Coverartwork kommt doch auf einer Platte viel besser daher als auf CD und man hat wat ordentliches in der Hand, keine Frage. Und wie oben schon erwähnt, kaufe ich mir privat Musik auf Vinyl. Für’s Auto muss es dann natürlich schon ne CD sein, ein Plattenspieler passt da nicht rein.

10. Doch was sagst Du zur musikalischen Retro-Bewegung? Dem inflationären Rip-Off von Entombed, Grave, Autopsy und Abhorrence? Siehst Du mittlerweile da schon eine Sättigung des Markts auf uns zukommen? Oder zu viele Mitläufer zwischen den authentischen Verfechtern des ranzigen Sounds?

Wie bei allen Trends, Qualität setzt sich durch, die anderen hören auf und so bringt sich das immer wieder ins Gleichgewicht. Ich bin froh, dass jüngere Leute wieder auf Musik abfahren, wie sie vor 20 Jahren gespielt wurde, von daher befürworte ich das absolut.

11. Wie kommst Du eigentlich immer wieder an deine Schätzen für FDA Rekotz? Bekommst Du Demos von Bands wie Entrails oder Blood Mortized zugeschickt? Wie konntest du Revolting von den mighty Razorback Records ausspannen? Und wie viele Bier musstest du mit Dead trinken, damit deren neue Platte bei dir erscheint? Gehst Du für frisches Underground-Futter aus Streifzüge durch die Untiefen des Internets mit seinem Überangebot an Lärm? Oder bekommst du Tipps und Empfehlungen von Freunden und Bekannten?

Bei Entrails war’s Zufall, ich habe deren Demo 2009 gehört und den Jimmy gleich via Myspace kontaktiert und ihm ein Angebot gemacht, dass er gut fand. Ganz unkompliziert. Blood Mortized sind Bekannte von Entrails und fragten mich, ob ich Lust hätte deren kommendes Album „The Key To A Black Heart“ zu veröffentlichen. Da sie mich musikalisch sehr sehr stark an Entombed’s „Clandestine“ erinnern, fackelte ich natürlich nicht lange mit meiner Zusage.
Revolting Rogga schrieb mich an und fragte ebenfalls, war ich natürlich mehr als glücklich drüber. Das kommende Revolting Album erscheint übrigends 2012. (Yeah! – Anm. d. Verf.)
Mit Dead habe ich schon mehrere Kasten Bier ausgetrunken. Wir kennen und lieben uns schon einige Jahre, da musste es zwangsläufig ja mal dazu kommen. Es hält sich also so die Waage ob ich Bands anspreche oder sie mich.

12. Noch bevor den Zusammenarbeiten mit dem Twilight Vertrieb und ClawhammerPR hast Du diverse große und kleine Bands für deinen „A Tribute To Repulsion“ vereint. Wie kam Dir die Idee für diesen Sampler und wie war der Aufwand all die unterschiedlichen Kapellen unter einen Hut zu bekommen? Wie zufrieden bist Du persönlich mit den Beiträgen? Einige Kapellen haben schon deutlich ihre eigene Interpretation auf die Songs gedrückt…

Für mich der beste Tribut Sampler im Death/Grind Bereich, keine Band ein Ausfall, alle haben sich Mühe gegeben und bestes Material abgeliefert. Das das auch andere so sehen, merkt man da LP sowie CD bereits ausverkauft sind. Die Idee dazu kam mir beim Autofahren und der Aufwand war natürlich etwas größer als bei einer „normalen“ Album Veröffentlichung, aber es hat sich gelohnt und alle Bands die ich angeschrieben habe, hatten auch gleich Interesse mitzuwirken.

13. Der ein oder andere weiß es vielleicht bereits oder hat durch die anfänglichen Fragen erraten: Du bist nicht nur FDA Rekotz, sondern auch Sänger von GOREGAST. Nun muss ich an dieser Stelle gestehen, dass ich Deine Band nicht so akribisch verfolgt habe. Doch was ich mitbekommen habe: Zweitweise warst Du nicht aktiv als Sänger bei der Truppe. Deine Vertretung war die Tina aus Berlin, richtig? Vielleicht stellst Du mal kurz GOREGAST vor und warum Du die Auszeit hattest. Zu dem Zeitpunkt lebtest Du mit Deiner Familie in Spanien, oder?

GOREGAST spielen eine Mischung aus verrotteten Death Metal und Knochenbrecher-Grindcore, existieren seit 1993, damals noch als Distress, nach einer Pause ’98-’04 ging’s weiter unter dem Namen GOREGAST. Bisher veröffentlicht sind 3 Demos und 3 Alben. Genaueres unter www.GOREGAST.de.
Von August 2007 – Oktober 2008 lebte ich mit meiner Familie in Andalusien, um den Horizont zu erweitern. Außerdem leben dort die Eltern meiner Frau und da lag’s nahe auch mal einen gewissen Lebensabschnitt dort unten zu verbringen.
Und richtig von Anfang 2008 – Ende 2009 war Tina die Frau am Gesang, während dieser Zeit sind beispielsweise die Beiträge für die Repulsion Tribute und Nasum Tribute Platten entstanden.

14. Wie ich damals schon betont hatte, fand ich das lyrische Konzept von GOREGAST interessant. Andere Bands aus dem musikalischen Umfeld singen über Horror, Tod, Verderben, Apokalypse, Blasphemie und Gemetzel. Bei Euch ging es damals scheinbar um „Viva El Animal“. Und auch heute liest sich im Text von „Capa“ die Textzeile: „You refuse animal rights/no respect for their lives“ – auch wenn das Naturthema nicht mehr so präsent erscheint.

Wenn man das neue Album „Desechos Humanos“ lyrisch gesehen im Gesamten betrachtet, dann geht darum aufzuzeigen was die Krankheit Mensch teilweise enthält. Ob nun den Workerholic in „Unslave Yourself“, den Pädophilen in „Nice Guy Next Door“, den Sadisten oder halt den profitgeilen Tierquäler.

15. Wie ernst nimmst Du die (Tier-)Thematik? Lebst Du wirklich Animal Liberation und vielleicht sogar Straight Edge? An dieser Stelle sei gesagt, dass ich – trotz absolut karnivorem Ernährungskonzepts – absoluter Tierfreund bin und auch den Verzehr von Fleisch als Tötung eines Lebewesens klassifiziere. Auch wenn ich es nicht lebe und es in der Metalszene vielleicht sogar verpöhnt sein mag, stimme ich Morrissey zu: „Meat Is Murder“.

Ich bin der Meinung, dass man Fleisch essen und sich trotzdem für Tierrechte einsetzen kann. Wichtig ist,dass man anderen bewusst macht, wo die billige Wurst aus dem Supermarkt herkommt, wie die Tiere gehalten werden und evtl. einige Leute zum Umdenken bewegen kann, sich Fleisch und Wurst von einer guten Haltung zu kaufen, weniger davon zu essen und bewusster mit diesem Thema umzugehen. Darum geht es. Straight Edge liegt mir fern, ich trinke zu gern Bier. (Bis hier meine vollste Zustimmung! – Anm. d. Verf.)
Vegetarisch gelebt habe ich insgesamt 10 Jahre meines Lebens, aber mittlerweile esse ich auch wieder Fleisch, eben nur bewusster und ausgesuchter.

16. Neben dem lyrischen Elementen heben sich GOREGAST auch sprachlich von anderen Bands ab. Du singst sowohl englisch wie auch spanisch gemischt. Das hat bei Invisible Oranges sogar wieder Cosmos Kritik am amerikanischen Bildungssystem in seine Besprechung eurer Musik einfließen lassen, haha! Wie kommst du auf diese Mischung? Ist eine der beiden Sprachen deine Muttersprache? Oder weißt du einfach nur die lautsprachlichen Qualitäten von Englisch und Spanisch zu schätzen?

Muttersprache nicht, denn hier im Oderbruch ist ja deutsch die Amtssprache. Meine Frau kommt aus Kolumbien daher kam die Liebe zur spanischen Sprache. Wir haben angefangen indem wir von BRUJERIA „Matando Gueros“ gecovert haben und merkten einfach, dass spanische Texte nicht nur schön klingen, sondern sehr intensiv und streng rüberkommen. Daher verwenden wir einen Mix aus spanischen und englischen Texten.

17. Was ist eigentlich aus der Masken-Geschichte bei GOREGAST geworden? Auf den Fotos für die „Viva El Animal“ sah Deine Band ja fast wie Slipknot aus, haha!

Du Sau! Nicht wie Slipknot sondern wie Leatherface bitteschön. (Gerngeschehen, haha! – Anm. d. Verf.) Keine Ahnung warum wir das die erste Zeit nach der Reunion so gehandhabten, ich glaube es lag an unserer Hässlichkeit. Mittlerweile sind wir alle operiert.

18. Wie gesagt, so richtig habe ich den Weg von GOREGAST nicht verfolgt. Doch wo ich gerade „Viva El Animal“ im Vergleich zu „Desechos Humanos“ höre, entdecke ich auf jeden Fall einen überdeutlichen Schritt nach vorne! Wo euer Debüt noch fast chaotischen Züge hat, besonders in den sehr ungestümen Grind-Eruptionen, wirkt euer aktuelles Album durchdachter und ausgereifter. Ich denke mit etwas Abstand von der Band durch deinen Spanienaufenthalt kannst Du vielleicht selber gut über die Entwicklung der Band berichten. Ich denke Du wirst trotzt einiger Macken sicherlich heute noch Stolz auf „Viva El Animal“ sein, oder? Ansonsten hättest Du die Scheibe wohl auch nicht über FDA Rekotz noch mal neu aufgelegt, haha!

„Viva el Animal“ wurde zwar 2x veröffentlicht, aber nicht durch FDA Rekotz. Das erste mal haben wir das in Eigenregie gemacht und das Re-release kam über Delicous Bowels Agency raus (Argh, Sorry, mein Fehler! DBA verschwinden immer so schnell wieder aus meinem Radar… – Anm. d. Verf.). Ich habe das Teil bestimmt schon 3 Jahre nicht mehr gehört. Klar, die Entwicklung in den letzten 5 Jahren ist immens, einfach auch weil sich unsere musikalischen Vorlieben verändert haben, wir auch als Band gereift sind und auch ganz anders arbeiten.

19. Bis vor einem Jahr hattest Du neben Label und Band auch noch das Extreme Aggression Webzine unter deiner Fuchtel. Verständlich, dass neben selber Musik machen und der Arbeit hinter einem Label keine Zeit mehr für das Schreiben über Metal bleibt. Ich kenne das selber, mit Band und Zine bleiben oft andere Dinge liegen. Zum Beispiel das dreckige Geschirr oder oft auch einige soziale Kontakte, haha! Ist es Dir schwer gefallen mit dem Webzine aufzuhören? Suchst Du immer noch nach jemanden, der das Teil weiterführen will? Was kannst Du aus Deiner eigenen Erfahrung über die Leitung eines Webzines berichten?

Zeitlich ist da für mich leider nichts mehr machbar gewesen, daher musste ich das Ganze auf Eis legen. Es tut mir zwar sehr sehr Leid, da es mir ausgesprochen viel Spaß gemacht hat, über Metal zu schreiben, aber da musste ich halt Prioritäten setzen. Es war unheimlich schwierig Mitschreiber zu finden, auf die man sich verlassen kann, was dann auch ein Grund war aufzuhören. Sicherlich haben sich mal Interessierte gemeldet, denen hat man dann Promos zum besprechen geschickt und dann kam nie was von denen. (Oh ja, das kenne ich leider auch nur zu gut… – Anm. d. Verf.) Der Noisi, der ursprünglich Extreme Aggression gründete hat sich aber vor kurzem gemeldet und will das Magazin weiterführen. Es geht also bald wieder weiter. (Ich bin gespannt. – Anm. d. Verf.)

20. Eingehend habe ich Deine Bemusterungspolitik lobend erwähnt. Doch viel beeindruckender und sympathischer finde ich eigentlich Deine Attitüde zum Underground! Natürlich musst Du als Label darauf achten, dass Deine Releases eine „Coverage“ in den großen Metal-Medien haben. Doch liegen dir weiterhin die kleinen Fanzines am Herzen. So wie der Jörg vom Fatalgrind immer wieder Pakete von Dir bekommen, erhalten aber auch kleine Printzines Promos von Dir. Selbst so Underground-Blätter wie das Campaign For Musical Destruction. Wo siehst Du heute das klassische Fanzine? In Zeiten des Internets wirken sie oft antiquiert und anachronistisch. Meist sind die besprochenen Releases mit Erscheinen des Mags bereits ein Jahr alt und älter. Doch ich sehe im Fanzine den Mut zur Qualität und nicht nur zur Quantität – es sei denn, du heißt Ralf Hauber, der beides beeindruckend unter dem Banner Mystical Music vereint, haha!

Printmagazine sind mir enorm wichtig, habe ich doch 1992 mit dem P.C. Zine selbst als Fanzinemacher angefangen. Ob klein oder groß, die haben es alle nicht leicht, haben sie vor 15 Jahren noch 20000 Exemplare verkauft, so sind es heute nur noch 6000. Mal als Beispiel. Bei den großen Heften gibt es eigentlich nur zu kritisieren, dass der Inhalt zu einer großen Prozentzahl von den Labels erkauft ist. Da geht es nicht darum, ob die Redaktion eine Band so geil findet, dass sie ein Intie mit denen machen. Das Label bezahlt eine nicht unwesentliche Summe, bucht noch ne Anzeige und bekommt sein Interview. Das ist langweilig, aber Gott sei Dank auch nicht zu hundert Prozent der Fall. Bei Underground Fanzines ist das so wie’s sein soll, da werden nur Sachen gefördert, die auch der oder die Macher geil finden. Meine Favoriten sind übrigends das Mystical Music und nat. das Campaign For Musical Destruction. Habe gerade auch ein sehr schönes Zine aus Kolumbien bekommen, nennt sich Bells Of Acheron. Da gibt es sogar ein Demo Tape dazu. Das nenne ich Herzblut! Absolut unterstützenswert. (Ist aber sicher wieder auf spanisch, oder? – Anm. d. Verf.)

21. Bist Du eigentlich auch schon so gespannt auf die neue Ausgabe vom Necromaniac-Zine? Welche Magazine kannst Du mir und meinen Lesern noch so empfehlen?

So weit ich weiß ist die neue Ausgabe des Necromaniac Zine gerade erschienen oder wird es die nächsten Tage. (Japp, liegt bereits auf dem Klo als Lektüre aus! – Anm. d. Verf.) Werde ich dann ins Mailorderprogramm aufnehmen um die Botschaft zu verbreiten.
Wie gesagt sind meine Favoriten das Mystical Music, die neue Ausgabe erscheint im Oktober…arrrgghhhh… und das bombastische Campaign For Musical Destruction, das sich eher dem Grindcore widmet.

22. Eine heikle Frage und ich kann verstehen, wenn Du sie nicht beantworten oder aus dem Interview gestrichen haben willst. Aber mit dem Extreme Aggressions hattest du damals zur „Cumback“-Scheibe von Gut richtig Unmut bei deren Fans geschürt. Soweit ich mich recht entsinne, haben damals verärgerte Anhänger der Porngrind-Truppe dazu aufgerufen, dir so viele – beleidigende(?) – eMails wie möglich zu schicken und dein Postfach zum Überlauf zu bringen. Was ist aus der Geschichte geworden?

Haha… na klar will ich mich dazu äußern. Ich glaube ich hatte so ziemlich eines der ersten Reviews zu GUT’s „Cumback..“ Scheiblette geschrieben. Da das Album absoluter Rotz ist, ist das Review natürlich auch nicht sonderlich gut ausgefallen. Der Tim Eiermann (Drummer) auch bekannt aus der Kinderüberraschungswerbung mit der Popband Liquido war darüber so bepisst, dass er zu dieser Aktion aufrief und mir noch selbst schrieb, was ich mir erlauben würde. Tja, dat sind Musikprofis… haha… Naja, ne Woche später war’s dann auch schon gegessen, da es mir sowieso am Arsch vorbei ging.

23. Extreme Aggression ist vielleicht Geschichte. Dafür veranstaltest Du nun das Blutsvente Festival und beim letzten Grind The Nazi Scum hattest Du doch auch die Finger etwas im Spiel? Menschenskinder, wie bekommst Du all das nur unter einen Hut mit Familie und Job? Hast Du überhaupt ein Leben abseits vom Metal? Kannst Du von FDA Rekotz alleine Leben oder arbeitest Du noch nebenbei? Und wenn ich mich recht erinnere, war da noch ein Festival in Berlin, wo ich Deinen Namen im Hinterstübchen klingeln höre, oder?

Das BLUTSVENTE FESTIVAL mache ich am 10.3.12 zum 4. mal. Mit dabei sind Paganizer, Repuked, Instinct of Survival, Dead, Death Toll 80K, Blood Mortized usw… beim GTNS bin ich jetzt 3 Jahre dabei, die nächste, 12. Ausgabe folgt Ende Juni 2012. Und am 3.Dezember gibt es in Berlin die erste Ausgabe des NOCTURNUS FESTIVALs mit Entrails, Undergang, Lifeless, Massive Assault, Strychnos und Revolt. Irgendwie muss man ja seine Labelbands beschäftigen… haha… Nee mir macht es Spass aktiv etwas zu tun und nicht nur zu konsumieren.

FDA Rekotz ist mein Job, ich lebe also von der Labelarbeit und habe mir den Traum, den ich vor 21 Jahren hatte, als ich mir Bolt Thrower’s „Warmaster“ Platte ganz frisch kaufte, wahr gemacht.
Ich arbeite ca. 50-60 Stunden die Woche, schlafe wenig und den Rest der Zeit verbringe ich mit meiner Familie.

24. Rico, Du hast es endlich geschafft! Fast zwanzig langweilige Fragen von meiner Seite! (Dank dem Rico, der meine langen Formulierungen teilweise aufgesplitet hat sind es sogar fast 25 Fragen geworden – Anm. d. Verf.) Ich hoffe, Du konntest dich einigermaßen wach halten, haha! Vielen Dank für Deine Mühe und Zeit mit dem Teil. Und natürlich auch viel Erfolg mit Deinem Label und Deiner Band! Nütze die Chance und hinterlasse mir und meinen Lesern Deine Letzten Worte für das Interview!

Vielen Dank für die interessanten Fragen und Deine Unterstützung! Viel Erfolg weiterhin mit dem Necroslaughter Mag! Interessierte können gerne mal vorbeigucken auf WWW.GOREGAST.DE und WWW.FDA-REKOTZ.COM !! Wiedersehen.


Interview: Chris (Necroslaughter) / Rico (Vocals @ Goregast, alles bei FDA Rekotz) · 15.09.2011
©Bilder: FDA Rekotz