17.09.2011 – Operation Bang! Sensation Vol. 2


Infos:
Samstag, 17.09.2011 im AZ, Aachen
Einlass 19:00 // Beginn 19:45
Damage 5,-

Bands: Radiation, Crosshead, Blood Moon Under, All We Hate

Es ist jedes Mal das Gleiche. Entweder es geht absolut gar nichts am Wochenende, oder es muss einfach alles auf einmal passieren! In diesem Fall waren die konkurrierenden Großveranstaltungen einmal das Essen Original, in dessen Rahmen das Turock immer eine gute Bandauswahl präsentiert und die ein oder andere Genre-fremde Band auch interessant ist (dieses Jahr z.B. Katzenjammer oder Mad Sin), das mighty NRW Deathfest mit einem unglaublich geilen Line-Up aus Death Metal jedweder Couleur und eine familiäre Privatverpflichtung. Dazwischen schob sich am Samstag noch die zweite Auflage von Operation Bang Sensation, das im Vorjahr scheinbar gut genug bei Fans wie Veranstaltern ankam, um in die Wiederholung zu gehen. Kurzentschlossen ließ ich mich dann im Anschluss an das Pflichtprogramm zur lokalen Kür überreden.

Mehr oder minder kurz nach Beginn von RADIATION betraten wir den großen Saal vor 20 Uhr. Was in den ersten Minuten nach brauchbarer Unterhaltung klang, relativierte sich schnell. Denn ein richtiges Konzept ließen die kölner Thrasher nicht erkennen. Angefangen mit lupenreinem Thrash Metal wurden zeitweise latent in Richtung Death/Thrash Metal geschielt und sogar Amon Amarth gecovert. Puh, harter Tobak für mich. Aber auch die folgenden Songs schienen nicht recht aus einem Gus zu sein. Warum hatte bitte jedes Lied einen harten Bruch, dem ruhiges Geklimper mit exzessivem Solo folgte? Einmalig ist es ein geschicktes Stilmittel. Doch so cool und handwerklich fit die Soli auch waren, so sehr hat der inflationäre Gebrauch dieser „Master Of Puppets„-Hommage auch die Power aus dem Set genommen.
Vermeintlicher Tiefpunkt des Auftritts war die kölsche „Kölle Rock City“ Nummer, die einfach nur stink-langweilig und einfallslos war. Vermeintlicher Tiefpunkt, denn das Metallica Cover „Ride The Lightning“ war definitiv das schwache Ende eines ohnehin nicht sonderlich spannenden Gigs. Ohne Energie und mit absolut unpassendem Gesang konnte die Interpretation von RADIATION nicht überzeugen. Da half auch das „Raining Blood„-Intermezzo nicht.
Der musikalischen Darbietung war der magere Sound auch nicht unbedingt zuträglich. Als der Bass seinem Halter einmal entglitt, fiel das Fehlen der tiefen Frequenzen nicht auf. Und auch im weiteren Set schienen die vier Saiten an keinen Verstärker angeschlossen. So gerecht die Aufteilung von jeweils 45 Minuten pro Band des Abends auch war, so sehr war die Zeit an dieser Stelle auch übertrieben.
http://www.myspace.com/radiationmetal

Kinders, es konnte eigentlich nun nur besser werden. Doch was CROSSHEAD da auf der Bühne abzogen, war wirklich erste Sahne! New Yorker Thrash Metal mit dicken Hardcore-Elementen und ordentlich Slayer Zitaten kann so schon richtig fett sein. Doch wenn die Band ihre Musik dann auch noch energiegeladen und wütend zelebriert, dann ist eigentlich alles vorbei! Bassist und Gitarrist liefen die Bühne ab wie eingesperrte Tiger ihre Käfige – und spielten dabei manch fiese Stolperkatze fluffig aus der Hüfte. Sehr fein. Doch so aggressiv bereits Gitarrist Jochen Pelser, der vielleicht bereits von Hate Factor oder Grind Inc. bekannt ist, auch war, so sehr setzte Frontsau Ralph Margotte noch einen drauf und bekam beim Brüllen einen imposant roten Kopf. Pulsierende Schläfenader inklusive!
Natürlich ging diese Energie auch flux auf das Publikum über, auch wenn die Stimmung vor der Bühne verhältnismäßig verhalten blieb. Es fehlten trotz angenehmer Besucherzahlen irgendwie die jungen und enthusiastischen Thrasher und aktiven Mosher. War hier die Konkurrenz vom Essen Original doch zu mächtig? CROSSHEAD war es auf jeden Fall egal, hier gab es 45 Minuten lang nur Vollgas. Bei der Show wäre auch ohne Probleme der Headliner-Status für diesen Abend gerechtfertigt gewesen. Ob nun heimlich oder unheimlich, die Krefelder waren der Gewinner des Abends.
http://www.myspace.com/crossheadmetal

Zwei hin, zwei im Sinn. An dieser Stelle durfte endlich der Gastgeber des Abends auf die Bretter die die Welt bedeuten. Seit meinem letzten Kontakt mit BLOOD MOON UNDER als Musiker – und nicht als Metal-Enthusiasten – hat sich im Bandgefüge ein wenig das Besetzungskarusell gedreht. Nachdem Drummer Chris ausgestiegen war, und sich nun gänzlich Legacy of Vydar widmet, besetzt Moritz von den lokalen Midtempo-Thrashern Crank die Position hinter den Kesseln. Außerdem begann der Auftritt mit Gitarrist Wemser am Bass und Bassisten Seppel an der Klampfe. Irgendwann wurde dann durch rotiert und Fronter Till gab die Sechsaitige an ein neues Gesicht im Bandgefüge ab. Der neue Jung hört auf den Namen Nils und hatte als einziger ein vernünftiges T-Shirt auf der Bühne an, haha!
Aber im Ernst, die neue Konstellation zehrte sehr am Groove von BLOOD MOON UNDER. Das Zusammenspiel klang noch nicht sonderlich aufeinander abgestimmt und Till muss sich erst mal in der alleinigen Rolle des Sängers einfinden. Hinter seiner Gitarre konnte er sich nicht mehr verstecken und muss ab jetzt etwas mehr Energie in seine Bühnenpräsenz packen. Doch so sehr der Auftritt auch geholpert hat und inhomogen (ich schreibe bewusst nicht heterogen) rüber kam, so sehr hatten die Musiker aber auch ihren Spaß auf der Bühne. Das Experiment mit dem abschließend Misfits-Cover „Die, Die My Darling“ sollte in Zukunft dennoch nicht wiederholt werden. Trotz Gastsänger von RADIATION kam der Song nicht wirklich kraftvoll rüber, sondern klang eher nach angezogener Handbremse.
So stark wie beim ersten Auftritt habe ich BLOOD MOON UNDER leider seither nicht mehr gesehen. Schade, bleibt abzuwarten was die Zeit bringt.
http://www.myspace.com/bloodmoonunder

Auch der Headliner des Abends war in letzter Zeit mit einigen Besetzungsproblemen gestraft. Vom ursprünglichen Gründungs-Line-Up ist nur noch Gitarrist und kreativer Kopf Pete (ex-Guerrilla) übrig. Zuletzt verabschiedete sich nach Bassisten Öhmer, der seine Dienste nur noch als Goldkehle für Guerrilla verrichtet, Sänger Marc (gleichsam ex-Guerrilla). Sein Ersatzmann kommt leider nicht ansatzweise an das Charisma und die Bühnenpräsenz von Marc ran und entzieht ALL WE HATE somit einiges an Flair.
Auch dass die kölner Thrasher den besten Sound des Abends hatten, konnte den eher muffigen Auftritt nicht ins rechte Licht setzen. Nach dem mäßigen Pantera-Cover „A New Level“ war irgendwie die Spannung gänzlich verloren. Noch ein Lied lang konnten mich ALL WE HATE im Konzertsaal halten. Dann wurde die Gravitation der Theke mit den verlockenden Kaltgetränken doch zu stark…
http://www.myspace.com/allwehate

Bekanntlich ist Thrash Metal eh nicht so richtig meine Baustelle. Somit war der Abend für mich bereits im Vorfeld mit einer nicht sonderlich großen Erwartungshaltung belegt. Und im Nachhinein waren dann auch nur CROSSHEAD wirklich herausragend, überzeugten auf ganzer Linie. Ob sich das auf dem ersten Thrash Event der lokalen Newcomer VISNU anders verhält? Das Troops Of Thrash am 08.10.2011 wird es zeigen. Wenn auch leider nicht meiner Wenigkeit. Denn dann spiele ich leider mit meiner eigenen Band in Heerlen. Wer an dem Abend also eher Bock auf Grindcore hat, weiß ja, wo er mit mir ein Bierchen trinken kann (;