Tombs – Path Of Totality

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Jeder Musikfreund kennt das: Manchmal findet man einfach den perfekten Soundtrack für eine Lebenslage. Und den perfekten Soundtrack für verregnete, graue Tage, dreckige Häuserschluchten, ranzige Hintergassen und die Trostlosigkeit der Stadt haben TOMBS mit „Path Of Totality“ abgeliefert.

Auf ihrem zweiten Album scheißt die Band aus Brooklyn, New York wieder gänzlich auf irgendwelche Schubladen oder Beschränkungen. Der „Path Of Totality“ wird gänzlich wider jedem totalitären Szene-Diktat mit Sludge, Hardcore, Shoegaze und Black Metal beschritten. Mal dominiert frostig-kalte Raserei, mal die dicken Klangteppiche. An anderer Stelle schimmert leichte Hoffnung durch, dass der Shoegaze die Grenzen zum Britpop wieder streift, doch immer ist der Pfad dreckig. Verdammt dreckig und düster. An manchen Stellen sind TOMBS sogar erfreulich beklemmend! Mit masochistischem Verlangen will man immer und immer in „Vermillion“ oder „To Cross The Land“ eintauchen, sich von bekannten Elementen und unbehaglich neuen Blickwinkeln in die Mangeln nehmen lassen.

Für viele Bands im extremen Sektor ist klarer, verständlicher Gesang ein Tabu-Thema. Doch gerade die Verwendung von hypnotischen, fast schon rezitativen Gesangfetzen erschaffen TOMBS interessante Collagen. Das an sich garstige „Vermillion“ gewinnt so an Dimensionalität. „Silent World“ erfährt durch all die Elemente eine unbehagliche, aber durchaus homogene Mischung an verschiedenen Aspekten der harten Musik. Und trotz schwarzmetallischem Minimalismus erreicht der Titeltrack eine erhabene, majestetische Form, die man in einem unheilvollen Bastard wie „Path Of Totality“ nie erwartet hätte.

Dass TOMBS auch anders können, zeigen sie aber in den eher hoffnungsvollen Momenten von „Bloodletters„, „Silent World“ oder dem fast schon melodischen „Black Heaven„. Gerade durch die Shoegaze-Teppiche und leichte Lichtschimmer brechen die Songs gerade durch die graue, städtische Welt hervor, bevor sie vom Kontrastprogramm, vom Black Metal und Post-Hardcore wieder in die schiere Verzweiflung gerissen werden.

Fast eine Stunde dauert „Path Of Totality„. Dieser Pfad ist nicht immer angenehm. Trotz einiger Momente der Hoffnung ist es immer noch ein beschwerlicher Weg des abgrundtiefen Graus und garstiger Hoffnungslosigkeit. Doch auch wenn TOMBS kalt und verklärt ihre Emotionen mitreißend zum Ausdruck bringen, haben sie ein schlichtweg unglaubliches Gefühl dafür, wie man mit verstörend stilfremden Elementen, so etwas wie relativ untypischen Gesang, einen beeindruckenden Effekt erzeugen kann.
Path Of Totality“ ist ein beklemmendes Meisterwerk, das ohne Genre-Schublade funktioniert, schmerzhafte Gefühle verursacht und dennoch wohltuende Katharsis hinterlässt. Hört das Album, fühlt das Album, kauft das Album. Feiert TOMBS, die dreckigen und unheiligen Reiter der Apokalypse. The End Is Nigh.

[rating:6]

Infos:
Relapse Records – 24.06.2011
CD – 12 Lieder / 58:53 Min.
http://www.myspace.com/tombsbklyn
http://tombsbklyn.bandcamp.com/releases
http://relapse.com/

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