Abrasive – The Birth… Born In Sodom

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ABRASIVE sind ein Wolf im Schafspelz. Hinter dem genre-atypische Coverartwork, das leicht an Hieronymus Bosh erinnert, hätte wohl niemand eine ziemlich derbe Death-Grind Band erwartet. Höchstens der fanatische Brodequin-Fan, haha!
Doch ein Wolf ist ein anmutiges Tier. An dieser Stelle hinkt der eröffnende Vergleich. Vielmehr sind ABRASIVE ein Reißwolf. Einfach, grobschlächtig und aus Metal(l).

The Birth… Born In Sodom“ erinnert an diversen Stellen an den Dying Fetus-Track „Born In Sodom„. Und somit natürlich auch an deren „Destroy The Opposition„-Album. Nur wo die Death-Grind-Legende aus Maryland einen Meilenstein abgeliefert hat, zeugt die Stuttgarter Kapelle noch von deutlichem Aufholbedarf.

Ein Großteil der Lieder ist einfach nur eindimensional stumpf und langweilig runtergespielt. Im schlimmsten Fall, wie in „WYSIWYG“ oder „Still Standing“ geht das monotone Gekloppe schon ziemlich auf die Nerven. An anderer Stelle ist es schlicht und ergreifend belanglos. Typischer Death-Grind nach amerikanischer Schule, wie ihn tausende Bands bereits vor ABRASIVE gemacht haben und heute immer noch machen. Mit latenten Slam-Grooves der Marke Devourment sind das mäßige „Tales Of Lust“ oder „Unleashed“ vielleicht für all diejenigen interessant, die Unmatched Brutality Records hinterhertrauern.

Doch wenn besagte Ideen von Dying Fetus bei ABRASIVE Früchte tragen, zaubert das Trio aus Baden-Württemberg ganz passable Songs zutage. Auch wenn der Versuch von Breaks und Technik in „Porn Addicted“ nicht ganz funktioniert, geht dessen Groove doch irgendwie ins Bein. Ebenso frisst sich das Lead aus „Stimulate“ oder dem richtig guten „Hungry“ schnell im Kopf fest. Zwar hat man die Bausteine schon tausend mal gehört, verleihen sie an dieser Stelle „The Birth…“ doch auch positive Aspekte.
Von Gitarren-Soli sollte die Band in Zukunft aber gänzlich absehen. Die wenigen Versuche auf dem Album sind einfach nur grausam, viel zu leise und zu dilettantisch gespielt. Soli müssen fluffig aus der Hüfte kommen und mehr Eier und Schnurrbärte haben, als eine Spielunke voll prügelwilliger Matrosen! Was auf „The Birth…“ als „Solo“ präsentiert wird, ist allenfalls ein Babysitter mit Zahnspange…

Dafür, dass es sich hier bereits um das fünfte Album der 1999 gegründeten ABRASIVE handelt, ist es ziemlich dürftig. Die Songs sind meist langweilig und profillos. Und die paar brauchbaren Tracks sind nicht gut genug, um sowohl das gesamte Langeisen aufzuwerten, oder die Band im heiß umkämpften Markt auch nur annähernd konkurrenzfähig zu machen.

Vielen Leuten wird sicher auch die Produktion von „The Birth…“ nicht gefallen. Das Schlagzeug klingt ziemlich roh und trocken. Doch gerade diesen Umstand finde ich in Zeiten von Triggern und Loudness-War sehr angenehm, passend zum alten Dying Fetus Einschlag. Natürlich wäre einer homogener Mix gerade bei den Vocals vorteilhafter gewesen. Manche Frognoises – auch eine heute eher weniger populäre Technik! – gehen etwas hinter den Instrumenten unter.

Fans alter Prostitute Disfigurement, alter Devourment, alter Disgorge (US), Massmurder, Cerebral Effusion, Cumchrist oder der stumpfen Phase von Dying Fetus könnten eventuell mit ABRASIVE kurzzeitig Spaß bekommen. Wer den Schnitzelhammer nur zum Kochen braucht, macht bitte einen weitläufigen Bogen um „The Birth… Born In Sodom„.

[rating:2]

Infos:
MDD – 15.04.2011
12 Lieder / 36:20 Min.

http://www.abrasive.de/
http://www.myspace.com/abrasiveger
http://www.mdd-shop.de/

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