Sandokhan – Krupskaya – Split 12″

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Es ist ein einfach abgedrehter Release! Das Cover ist total psychodelisch und gibt nur begrenzt Hinweis auf den akustischen Terror, den diese Split 12″ beinhaltet. Doch so freaky auch das Cover aussieht, so
edel ist die Aufmachung gleichermaßen. Mit silbern gedruckten Akzenten und schwarzem Inner-Sleeve zeigen 7Degrees Records die Liebe zum Detail. Dass das Vinyl selber durchsichtig-klar ist, mag hingegen die Zielgruppe spalten. Viele Leute sehen in jeder anderen Farbe als schwarz einen akustischen Nachteil. Ich finde, dass die transparente Platte ziemlich fancy aussieht. Ergänzt wird das Paket durch einen Beileger mit mehr oder weniger informativen Charakter. KRUPSKAYA geben freudig Kontakt-Daten und Grüße heraus. SANDOKHAN stellen sich kryptisch vor und hinterlassen ein herzliches Rooaarr zu einer Hand voll Leuten.

Für mich persönlich hält diese Split 12″ noch eine weitere, kleine Überraschung parat. Die A-Seite wird auf 45rpm abgespielt. Die B-Seite wird hingegen langsamer, auf 33rpm wiedergegeben. Daraus resultiert für SANDOKHAN eine wesentlich kürzere Spieldauer. Gerade mal sieben Minuten braucht die Band für ihre dreizehn Songs. Doch beim Grindcore der alten Schule passt dieses Verhältnis durchaus – zumindest in der Theorie!
Denn leider ist dieser absolute minimalismus etwas der Klumpfuss von SANDOKHAN. Die Ideen sind cool, richtig cool! Die Riffs sind verdammt nett und erinnern an rotizge Poostew. Die Attitüde und die herangehensweise ein wenig an alte Cause Of Divorce. Doch durch die Flachen Songstrukturen strauchelt diese Splithälfte ein wenig. Meist bestehen die Songs gerade mal aus zwei Themen/Riffs, die sich zwar in der kurzen Spieldauer der Tracks nicht sonderlich abnutzen, aber die Lieder als solches auch nicht richtig entfalten lassen. Hier hätte etwas mehr Luft doch gut getan um einige Kracher noch mehr im Ohr des Hörers zu festigen.
Richtig gute Nummern finden sich dennoch in den sieben Minuten: „Rooaarr„, „Claws Of Justice„, „The Strike Of Sandokahn“ und „Apex Predator“ fetzen richtig.
Gegen Ende werden die guten Ideen dann aber leider etwas zu gleichförmig. Der Langzeitspaß und die Unterscheidbarkeit der Tracks leidet ein wenig darunter.

[rating:4]

Anders gehen hingegen KRUPSKAYA vor! Dem Vorwurf der Eindimensionalität braucht sich die Band definitiv nicht anhören, nimmt sie sich doch gut 20 Minuten für ihre elf Nummern und lässt viel in ihren Songs passieren. Im großen und ganzen spielt man gerne mit Kontrasten. Zwischen schleppendem Downtempo und unmenschlichen Blastbeats der Marke Brodequin, Mastabah und Last Days Of Humanity wechselt die Geschwindigkeit in Powerviolence-artiger Sprunghaftigkeit. Rumherum wird dann alles mit absolut abartigen Schreien im Stile von V.I.T.R.I.O.L. (Anaal Nathrakh), chaotischen Breaks und Mathcore-geschwängerten Riffs garniert. Wow, eine absolute Wand! Doch nicht immer einfach zu verdauen. Zunächst muss man sich den Liedern hingeben und einen Zugang bekommen. Anschließend steigern sich KRYPSKAYA auf ihrer Split-Hälfte mit jedem Song – bis sie dann im letzten Drittel auch ein wenig ermüden. Ab „Airborne Dissapation Of Varient U“ werden die Songs alle etwas arg chaotisch und krachig.
Vorher wissen aber die infernalischen Dissonanzen richtig zu gefallen, „Contaminated Dead Atmosphere“ ist mit seiner leichten Ulcerate-Stimmung einfach nur der Hammer. Und auch die vorhergehenden „The Symptom Of Life Falls Into Shadows“ oder „Years Past Into Isolation“ bestechen mit einer schönen, finsteren Atmosphäre.
Wer sich Gorguts und Barren Teeth auf dem Grindcore-Trip vorstellen kann, wird an KRYPSKAYA sicher einen Narren fressen!

[rating:4.5]

Diese Split ist ein unschöner Release in einer sehr schönen Aufmachung. Das klare Vinyl hätte nie so dreckige Musik vermuten lassen. Doch das ist ein mindestens so schöner Kontrast, wie die Schnell/Langsam-Spielerei von KRUPSKAYA. Fans von Major-Label-tauglichem, polierten „Grindcore“ werden hier sicher keinen Gefallen dran haben. Aber definitiv all jene, die diese Welt einfach nur brennen sehen wollen.

Infos:
7Degrees Records – 2010
Split-LP – 24 Liede / ~ 27 Minuten.

http://myspace.com/krupskayaforever
http://myspace.com/sandokhan
http://www.myspace.com/7degreesrecords