Amoclen – Cymbalta

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Tschechischer Grindcore ist eh immer etwas abgedrehter als aus anderen Gegenden Europas. AMOCLEN haben sich zudem auch gänzlich der Pharmazie verschrieben. Lyrisch dreht sich auf dem scheinbar ersten eigenen Album „Cymbalta“ alles um Prozac, Neurotop und Co. Passend dazu ist das Cover-Artwork sehr schön illustriert. Auch wenn das Booklet außer ein paar Bildern und tschechischen Grüßen an Freunde und Kollegen keinen sonderlich bewusstseinserweiternden Inhalt hat.

Ob all die medizinischen Substanzen unbedingt den besten Einfluss auf AMOCLEN gehabt haben, kann ich nach dem Konsum von „Cymbalta“ auch nur bedingt sagen. Mit Sicherheit hatte die Band beim Musizieren heftigen Spaß und so manche psychedelische Erfahrung. Als Zuhörer im nüchternen Kopf fehlt hingegen ein wenig das zündende Fünklein.

Im groben ist die Marschrichtung natürlich rein geografisch schon verpflichtend. Man findet den Polka-Groove von Spasm, rotzige Attitüde von Opitz, den Hardcore-Einschlag von Cerebral Turbulency und das Drumming von Isacaarum, von denen wohl auch einer das Debütalbum aufgenommen hat – soweit ich mit meinen nicht vorhandenen Tschechisch-Kenntnissen orakeln konnte.
Leider hält der angekündigte Drogentrip von „Cymbalta“ dann nicht ganz, was die Erwartungshaltung verspricht. Die Songs sind sehr simpel gestrickt. An vielen Stellen ist die Punk/Hardcore-Attitüde mehr als deutlich. Was eigentlich ein interessanter Aspekt an einer Grindband sein kann, wird bei AMOCLEN leider nicht gut genug ausgebaut. Besonders die Tanz-Passagen können nicht wirklich mitreißen.

Insgesamt leidet das Album wohl am meisten unter dem Drumming. Gute Ansätze sind da! „Smecta“ beginnt richtig fesselnd mit seinem atypischen Beat. Und auch im Uptempo wie den Polka-Parts macht die Schießbude eine ordentliche Figur. Nervig sind nur die „Blastbeats“. Auch wenn die Snare mehr oder minder zackig im D-Beat drischt oder sogar richtig fix abgeht, macht die Kick-Drum immer nur schleppend Bum-Bum. Im Gesamtbild klingt das dann mehr nach Karnevalströmmelchen, als nach Grindcore. Wenn alles doch nur eine Nummer zackiger wäre, so wie bei Isacaarum, wäre alles in Butter. Doch so finde ich das Drumming genau so nervig wie bei älteren Kataklysm. Bäh!

Cymbalta“ hat zwar immer noch eine Hand voll guter Songs. Doch kommt die knappe halbe Stunde Spielzeit qualitativ nicht annähernd an die oben genannten Tschechentruppen ran. Die drei Bonus-Songs lassen hingegen ordentlichen Partyfaktor bei AMOCLEN im Live-Betrieb erahnen. Mit brauchbarer Tonqualität können die Liveaufnahmen einen unterhaltsamen Eindruck hinterlassen. Das rettet „Cymbalta“ als Album aber leider nicht.

[rating:2.5]

Infos:
Bizarre Leprous Productions – 2011
CD – 17 Lieder / 29:19 Min.

http://bandzone.cz/amoclen
http://www.bizarreleprous.cz/old/