Nomad – Transmigration Of Consciousness

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Es gibt Umstände, die sind einfach nur schlecht für eine Band. Zum Beispiel Polen als Ursprungsland zu haben. Denn schneller hat man einen Vader– und/oder Behemoth-Vergleich an der Backe, als man sein Becherchen Vodka gekippt hat. Schade eigentlich, dass manche Leute vorschnell einen Maßstab und eine Schablone zur Beurteilung anwenden! Denn NOMAD mit ihren Landsleuten zu vergleichen, passt meiner Meinung nach überhaupt nicht. Bis auf das Genre „Death Metal“ haben die drei Bands recht wenig gemein.

Dabei spielen NOMAD eine erfrischend eigenständige Variante des Melodic Death Metals. Abseits von den üblichen Klischees des Genres gibt es wenig moderne Stakkatos, keinen Klargesang oder sonstige Anbiederungen an einen Sendeplatz in Schwiegermutter-tauglichen Radiostationen. Und das mag „Transmigration Of Consciousness“ wohl auch Missbilligung bei vielen engstirnigen Metallern einbringen. Es wird nicht dem Oldschool-Trend hinterhergelaufen und es werden keine angesagten Breakdowns gespielt. Dafür haben NOMAD eine überraschend eigene, intelligente Note!

Doch zuerst fällt wohl der größte Negativpunkt an dem Album auf. Von 17 Liedern sind alleine neun Lieder (sprich knapp sechs Minuten) nur Intros (und ein Outro). Vor jedem Track kommt erst mal eine eigenständige Einleitung, die man sich ebenso gut hätte sparen können. Die Songs funktionieren auch ohne Diese Lückenfüller hervorragend. Und der homogene Hörfluss wird durch diese Unterbrechungen nur negativ beeinträchtigt. Wirklich schade! Ebenso, dass „Transmigration Of Consciousness“ mit dem eher schwachen „The Demon’s Breath“ beginnt. So bekommt der Hörer einfach einen schlechten Einstieg in die Platte und bildet sich vielleicht vorschnell eine (falsche) Meinung.

Denn NOMAD arbeiten wirklich sehr interessant an und in ihren Liedern. Vermeintlich gleichförmig verlaufen die Lieder sehr gerade aus. Doch diese Stoik ist ein geschickt eingesetztes Werkzeug für die so kreierte Atmosphäre. Nicht direkt schwarz, aber dunkel grau/blau würde ich die Grundstimmung beschreiben. Erst gegen Ende erfahren die Lieder meist eine sehr geschickte Modifikation, eine leichte, aber sehr effektive Steigerung des Grundtenors. So bekommen die Lieder immer mehr Kraft und Nachdruck. Die Individualkomposition eines jeden Liedes ist sehr wohl bedacht.

Dezente synthetische Orchester, gelegentliche Dissonanzen und punktiert platzierte Blastbeats verleihen „Transmigration Of Consciousness“ variationsreiche Nuancen. Mal klingen die Lieder richtiggehend unheilvoll, mal mehr pessimistisch. An anderer Stelle meint man Post-Rock oder Shoegaze-Einflüsse zu erkennen, die ein bisschen nach einer abgespeckten Version von Alchemist klingen.

NOMAD machen keinen „08/15“ Death Metal. Sie kochen ihr eigenes, angenehm atmosphärisches Süppchen. Zugegeben, ich habe ein paar Anläufe gebraucht, bis ich mit der Scheibe richtig warm geworden bin. Und teilweise stören mich die Intros immer noch. Doch dafür erfreue ich mich nun an den richtigen Songs der Platte. Wer eigenständigen, melodischen und stimmungsvollen Metal abseits der Ströme mag, weiß Bescheid.

[rating:4.5]

Infos:
Witching Hour Productions – 21.03.2011
CD/LP – 17 Lieder / 40:40 Min.

http://www.myspace.com/nomadsatanicdeathmetal
http://www.nomad-band.com/
http://witchinghour.pl/

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