Neuraxis – Asylon

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Es ist ein gutes Jahr für die Fans von technischem Death Metal. Erst gibt es den Hammer „Omnivium“ von Obscura, dann folgen Hate Eternal mit „Phoenix Amongst The Ashes“ und Origin mit „Entity„. Etwas abseits des allgemeinen Interesses gibt es aber auch neues Futter von NEURAXIS. Einer Band, der definitiv mehr Beachtung gebührt. Wie fast alle Bands aus Quebec sind NEURAXIS nämlich keine gewöhnliche Tech-Death Band.

Seit dem letzten Album „The Thin Line Between“ (2008) wurde die komplette Rhythmus-Fraktion der ehemaligen Earache-Band ausgetauscht. Haupt-Songwriter und Gitarrist Rob Milley blieb aber an Bord und sorgt dafür, dass „Asylon“ weiterhin mit den typischen Trademarks von NEURAXIS besticht.

Das übertechnisierte Cover von „Asylon“ führt den unbedarften Hörer vielleicht zunächst etwas in die Irre. Natürlich ist es eine anspruchsvolle, intelligente Scheibe. Doch im Vergleich zu „Omnivium„, „Phoenix Amongst The Ashes“ oder „Entity“ wird der Mensch vor den Boxen nicht von inhumanen Gefrickel und mathematisch konzipierten Ton- und Takt-Folgen erschlagen. NEURAXIS nehmen all ihr Können als Mittel zum Zweck und sind zu keiner Sekunde zu verkopft. Im Gegenteil, der Großteil der Songs auf „Asylon“ klingt erfreulich „aus dem Bauch heraus“. Allen vorweg „Reptile„, „Purity“ und der übermächtige Titeltrack, der neben den anspruchsvollen Momenten gleichsam der alten Florida-Schule huldigt und eine geile Atmosphäre im Refrain erzeugt. Ein wenig Erinnert mich die Interpretation des Death Metals an Severe Torture mit mehr Melodie und Technik.

Das Spiel mit besagter Stimmung ist zwar selten bei NEURAXIS, dafür aber umso einmaliger. „Saviour And Destroyer“ antizipiert gleichsam an der ungewöhnlichen Atmosphäre, die die Frankokanadier von anderen melodischen Death Metal Bands abhebt.

Im Kontrast zum hervorragenden Melodieverständnis von NEURAXIS, die niemals zu süß, aber immer packend und prägnant mit den Themen spielen, gibt es wohl akzentuierte, derbe Blastbeats und technische Gitarrenarbeiten. Die krasseste Mischung dieser beiden Extrema hat „Purity“ inne, das zunächst brutal und forsch ist, dann aber wieder eine ganz fragile und ruhige Seite zeigt.
V“ ist hingegen der schwierigste Song von „Ayslon„, trotz dickem Groove ist die Technik hier am präsentesten und macht das Lied ein klein wenig Sperrig.

Doch sind solche übertriebenen Eruptionen des technischen Könnens die absolute Minderheit auf „Asylon„. NEURAXIS verpacken – wie man es eigentlich von ihnen gewohnt ist – alle Fassetten des modernen, technischen Death Metals wunderbar unter dem Banner, den wohl nur kanadische Bands schwenken können.

Für Frickel-Fanatiker ist „Asylon“ vielleicht eine Nummer zu langweilig. Doch wer eben nicht nur technisches Gewichse braucht, sondern intelligentes und anspruchsvolles Songwriting, wird seine helle Freude am neuesten Machwerk von NEURAXIS haben.

[rating:5]

Infos:
Prosthetic Records – 2011
CD – 10 / 30:23 Min.