24.04.2011 – R(h)ein In Die Fresse XII

Infos:
24.04.2011, Ostersonntag in der Klangstation Bonn, Bad Godesberg
Einlass: 19:00h
Beginn: ~20:00h
Damage: 9 Euro

Bands: I, Nero, Hateprison, Aardvarks, Dead Eyed Seeper, Jack Slater

Das R(h)ein in die Fresse ist eine Institution. War eine Institution. Denn vor kurzem haben JACK SLATER, Veranstalter und alljährlicher Headliner des Festivals ihre Auflösung bekannt gegeben. Die bestehenden Auftritte bis Ende Oktober werden noch gespielt. Dann ist Schicht im Schacht bei „Bonns ekligster Band“. Doch natürlich sind die Recken hinter JACK SLATER damit nicht weg vom Fenster: Drummer Simon ist weiterhin bei Warfield Within, Gitarrist Kevin macht noch bei AARDVARKS und den GUERRILLAs den Saitenhexer, Bassist Chris ist ebenfalls bei AARDVARKS und hat für eine deutsche technical Death Metal Band kürzlich den Bass für deren kommendes Album eingespielt, viel Spaß beim Raten (;. Auch Sänger und Alleinunterhalter Horn bleibt uns erhalten. Als neuer Schreihals bei den Excrementory Grindfuckers. Zugegeben, kein gleichwertiger Ersatz für JACK SLATER, aber besser als gar nichts.

Das R(h)ein In Die Fresse war eine Institution. Für uns zum achten Male in Folge. Selbst meine Großmutter wusste um diesen wichtigen österlichen Termin. Für Bonn war es bereits die zwölfte Runde des Festivals. So bedurfte es scheinbar im Vorfeld keiner großen Werbung und auch die übermächtige Konkurrenz in Essen musste man im ehemaligen Regierungssitz nicht fürchten. Dort machten nämlich Atheist, Exhumed, Rompeprop, Birdflesh und Macabre halt. Wow, das stellte uns vor eine ähnlich knifflige Entscheidung, wie zwischen dem Mosh It Up und Rotten Sound. Doch Tradition verpflichtet und der Underground verdient Support! Erst Recht, wenn dieses schöne, kleine Festival seinen Abschied feiern sollte.
Ein wenig mehr Werbung im Vorfeld hätte dennoch nicht geschadet. Mit schätzungsweise 80-100 Besuchern waren zwar immer noch genug Leute für einen beschaulichen Abend da, mehr hätte der Klangstation alledings auch nicht geschadet.

Nach unserer Ankunft kurz nach 19h konnten wir vor der ersten Band noch ein wenig im Distro von Nasar/Rising Nemesis Records stöbern. Sollte die CD wirklich in absehbarer Zeit von dieser Welt verschwinden (was man ja auch schon der LP prophezeit hat), verlieren kleine Konzerte auf jeden Fall einen schönen Teilaspekt. Ich für meinen Teil liebe die Option auf einem Konzert ein wenig in interessantem Krempel aus dem Underground zu stöbern. Wann holen die Jungs von Scornage eigentlich mal einen Verkaufsstand zum Mosh It Up? *Zaunpfahlwink*
Neben dem kleinen aber feinen Kaufsmannsladen bot natürlich auch das hervorragende Wetter eine angenehme Verweiloption bevor der Abend richtig anfing.
Während den Umbaupausen konnte man bei warmen Temperaturen und einem kühlen Blonden natürlich ebenfalls eine gute Zeit haben.

Kurz nach halb Acht riefen uns I, NERO aus dem Biergarten in die Klangstation. Das Konzert sollte starten. Doch da war wohl jemand zu voreilig, denn die Instrumente wollten noch gestimmt werden. Drücken wir einfach mal ein Auge zu, denn musikalisch legte die junge Truppe eine unterhaltsame Mischung hin: Brutaler Death Metal trifft auf moderne Elemente und Melodie. Stellt euch einfach vor Fleshgod Apokalypse verbringen zusammen mit Carnifex und In Flames eine Nacht im Mixer. Natürlich durften die obligatorischen Breakdowns an dieser Stelle nicht fehlen, doch wurden sie erfreulich selten und dann auch nicht sonderlich nervig in die Songs eingebaut. So recht verstehe ich den Sinn und Zweck dieses Stilmittels zwar immer noch nicht aber I, NERO eröffneten den Abend mit ihrer Interpretation des modernen Extrem-Metals sehr gut!
Besonders der Leadgitarrist entpuppte sich als Posergott schlechthin und machte mit seiner etwas übertriebenen Selbstdarstellung genug Show, so dass man über vereinzelte Längen in den Songs hinwegsehen konnte. Warum man aber einen Keyboarder dabei hatte, erschloss sich zumindest nicht aus dem Sound vor der Bühne. Vielleicht ist das Tasteninstrument auf CD ja präsenter…
https://www.facebook.com/pages/I-Nero/193810233976696?sk=info

HATEPRISON waren die zweite Band des Abends. Doch im direkten Vergleich zu der guten Leistung des Openers, wäre hier eine Platzierung ganz zu Beginn des Abends sinnvoller gewesen. Die stilistische Ausrichtung von HATEPRISON wechselte sprunghaft zwischen Melodic Death Metal, „normalem“ Death Metal und Brutal Death Metal. An und für sich kann eine ausgewogene Mischung zwischen diesen Ausprägungen sehr interessant sein. Doch wirkte diese Darbietung eher unentschlossen. Dazu kam, dass die Musiker im Zusammenspiel absolut untight wirkten. Vier Musiker, die gleichzeitig irgendwas spielen, das zwar irgendwie zusammenpasst, aber nicht zusammen gehört. Stellenweise gab es sogar richtige Löcher in den Bassfrequenzen, so dass auch der Sound dem Gesamteindruck eher abträglich war. Ein paar Lieder lang wollte ich HATEPRISON eine Chance geben, doch irgendwann war das gute Wetter und das kalte Bier doch verlockender und ich verließ den Konzertsaal zu Gunsten meiner Ohren. In Aachen sind die Konzerte nicht so laut… Oder ich werde doch langsam alt, haha!
http://www.myspace.com/hateprison

Der Lokalbonus von AARDVARKS sorgte dafür, dass es nun ordentlich voll in der Klangstation wurde. Der Umstand, dass die Band ziemlich langsam arbeitet und sich eher rar auf den Brettern dieser Welt macht, kommt noch ergänzend hinzu. Waren später auch so viele Leute vor dem Headliner im Publikum? Im Nachhinein kann ich das nicht mehr mit Sicherheit sagen. Doch spontan würde ich verneinen.
An dieser Stelle war für 50% von JACK SLATER schon mal die erste Runde des Abends eingeläutet, denn wie eingehend erwähnt, spielen Chris und Kevin auch bei den Bonner Thrashern. Besonders Kevin zauberte an dieser Stelle äußerst dichte Klangteppiche mit seinen effektunterlegten Soli. Zwar mögen AARDVARKS die moderateste Kapelle des Abends gewesen sein, dafür waren sie auch am eingängigsten und konnten das Publikum mit ihren Riffs gut packen. Mit ordentlich Lokalkolorit wurde der Kirche entsagt und wurde ein „Desperate Cry“ (Sepultura) ausgestoßen.
http://www.myspace.com/aardvarksorg

Aus dem schönen Süddeutschland, genauer Baden-Württemberg, kamen DEAD EYED SLEEPER mit ihrem neuen Album im Gepäck daher. Zwar hatte mir ihr Zweitwerk „Through Forests Of Nonentities“ nicht so sehr gefallen, dennoch war ich an der Bühnentauglichkeit der Band interessiert. Zum einen habe ich vorher über gewisse Livequalitäten der Band gehört und zum anderen ist es immer spannend zu schauen, wie technischer Death Metal auf der Bühne funktioniert. Besonders, wenn stark atmosphärische Momente in die Musik kommen, wie auch bei DEAD EYED SLEEPER.
Zu Beginn war ich dann auch sehr zuversichtlich und positiv angetan. Die Eröffnung war der Band durchaus gelungen, recht straight wurde die Aufmerksamkeit des spärlichen Publikums auf die Bühne gezogen. Doch lange konnten DEAD EYED SLEEPER diese nicht halten. Schnell lichteten sich die eh schon dünnen Reihen vor der Bühne, die teilweise sperrige und durch Post-Rock beeinflusste Atmosphäre war nicht griffig genug, um ad hoc den Funken überspringen zu lassen. Erst gegen Ende, im letzten Song konnte diese Mischung zumindest mich gänzlich überzeugen. Doch auch vorher gab es ein sehr nettes Intermezzo, was hier nicht unerwähnt bleiben darf: Scheinbar vom ersten Album gab es eine Crust-Grind Nummer, die richtig schön auf die Fresse ging! Vielleicht sollte ich mich mit dem älteren Material der Band doch mal beschäftigen. Die aktuelle Präsenz von DEAD EYED SLEEPER war aber – wie ich schon zu „Through Forests Of Nonentities“ schrieb – zu kopflastig und durchschnittlich.
http://www.myspace.com/deadeyedsleeper

Wir hatten kurz nach Null Uhr. Zeit für die Schwanengesänge auf das R(h)ein In Die Fresse und den Veranstalter JACK SLATER. Es stehen nur noch eine Hand voll Auftritte an, wir waren erwartungsvoll, wie die Stimmung auf der Bühne werden würde. Ist die Atmosphäre zwischen den Musikern gespannt? Haben die Jungs überhaupt noch Lust?
JACK SLATER haben zwei Vorteile. Erstens haben sie sau gute Songs. Und zweitens sind sie verdammt gute, routinierte Musiker. Diese Mischung ließ auch diesen Auftritt souverän über die Bühne brettern. Auch wenn es ein eher schwacher Gig für die Band selber war, war es immer noch ein sehr guter Auftritt und untermauerte gleichsam locker die Position der Band an diesem Abend.
Onkel Horn, der im Übrigen gerade Geburtstag hatte, unterhielt wie immer mit seinem losen Mundwerk. Doch dieses Mal waren seine Witze zynischer als sonst und im Gesamtbild sehr gestrafft. Sowohl die Ansagen selbst als auch der komplette Auftritt, der für diesen Erlass sehr kompakt gehalten war, waren sehr kurzatmig. Natürlich mussten Songs von allen Alben der Band gespielt werden. Teilweise wurden Nummern wie „Timmy“ regelrecht runtergerotzt (das waren doch 500 BPM an diesem Abend, oder?). Doch wie bereits gesagt: Die guten Songs und Musiker haben aus diesen Mankos dennoch locker einen guten Auftritt gezaubert.
http://www.myspace.com/jackslater666

Es ist schon irgendwie schade, dass diese schöne Ostertradition nun ein Ende gefunden hat. Wie es auch schade ist, dass JACK SLATER sich nun auflösen. Doch wie war das? „All good things come to an end…“ In diesem Sinne bedarf es eigentlich nur weniger Worte: Danke JACK SLATER! Es war schön! Sowohl dieser Abend als auch die letzten acht Jahre. (Und sicher auch die vier davor mutmaße ich nun einfach mal.) Danke dafür. Nun wird etwas fehlen…