Strychnos – Undead Unsouls Unbound

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Ein klein Wenig schwelge ich schon in Nostalgie! Das Coverartwork von „Undead Unsouls Unbound“ tropft so herrlich von all den Klischees, die mich als laufender Meter unglaublich am Heavy Metal fasziniert haben! Grabsteine, Kreuze, ein Skelett-Dämon mit abgeschlagenen Köpfen in den Händen. Und natürlich mit Fledermausflügeln. Auch die Umsetzung erinnert mich etwas an meine Frühphase in dieser Subkultur. Man hat halt mit Buntstift wild drauf los gekritzelt!
Doch heute habe ich eine etwas ernüchterte Wahrnehmung. Fast schon bin ich amüsiert über die simple Umsetzung und den abgearbeiteten Katalog an Stereotypen.

Ein klein wenig anders sieht es dann schon musikalisch bei STRYCHNOS aus. Die erste EP der Dänen nach gerade mal einem Demo und einer Single in dreizehn Jahren Bandbestehen kocht zwar auch nur mit Wasser, benutzt aber die Gewürze nicht annähernd so pauschal, wie es einige Genrekollegen tun. Zugegeben, in der eigens erfundenen Schublade „Sadistic Hate Metal“ gibt es nicht sonderlich viel Konkurrenz. Dafür aber im Death Metal mit Aromen aus Thrash und Black, in dessen kulinarischen Gefilden sich STRYCHNOS grob ansiedeln lassen.
An der Mischung stört zu Beginn ein wenig, dass es weder nach Fisch, noch nach Fleisch schmeckt. Das eröffnende „B.A.T.H.O.R.I.“ verschießt eine Menge Pulver, krasse Blastbeats á la Vader, einen Schuss Deicide zu „Scars Of The Crucifix“ und stampfende Momente. Alles in allem vielleicht schon ein Wenig zu viel des Guten, denn richtig durchschlagend und kompromisslos klingt dieser erste Gang nicht.
Doch gegen Ende von „Bestial Desire“ entfalten sich die geschickten, vielleicht etwas subtilen Ideen. Der Song beginnt sehr punkig, überrascht dann aber mit wohl dosierten Melodien. „Black Banners“ tut seinem Vorgänger gleich, sowohl im rockigen Beginn, wie auch den Melodien am Schluss. Zwei Songs, die noch relativ durchschnittlich wirken, aber im Abgang eine deutliche Note hinterlassen.
Der Titeltrack „Undead Unsouls Unbound“ geht hingegen schön in die Vollen! Auch wenn der Start wieder eher profillose Kost vermuten lässt, reißen STRYCHNOS schnell das Ruder um und klingen sowohl durch den punkigen Einschlag, wie auch den sehr markanten Refrain nach den Kasselern My Cold Embrace. Diese Parallelen erhält man auch im Black Metal Punkrock Blastbeat von „Strychnostic Madness“ bei, auch wenn mich der Song im allgemeinen Herangehen sehr an den Death-geschwängerten Thrash von den kölner Guerrilla erinnert.

Ein alltägliches Mahl liefern STRYCHNOS mit ihrer ersten EP nicht ab. Zwar verstecken sich die Qualitäten immer noch subtil in den Songs. Doch hier verhält es sich, wie beim geschickten Einsatz von Gewürzen beim Kochen, man merkt den Unterschied, kann aber meist nicht direkt den Schuldigen benennen. Leider sind STRYCHNOS gerade am Anfang von „Undead Unsouls Unbound“ noch etwas zu homöopathisch mit ihren grundsätzlich guten Ideen. Doch die Tendenzen sind gut und lassen auf ein gelungenes Debüt hoffen.

[rating:4]

Infos:
FDA Rekotz – 2011
MCD – 5 Lieder / 18:27 Min.