Necrophobic – Die Re-Releases

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Einer meiner kontroversesten Artikel auf dem NecroSlaughter war mein Review zu NECROPHOBICs „Death To All„. Wie damals schon gesagt, ich kannte die Band von einer Hand voll Songs und Auftritten, aber nicht von einem gesamten Album in voller Länge. Ich wollte mit meiner doch er ernüchternden Kritik ihres letzten Machwerks der Band keineswegs eine reinwürgen, wie mir in den Kommentaren zu meinem Review unterstellt wurden. Es war lediglich meine Reaktion als unvoreingenommener Metaller auf das Album.

Nun steigen Hammerheart Records wieder aus der Asche hervor und bringen quasi als Einstand (wenn wir Macabres „Grim Scary Tales mal außen vor lassen) den Backkatalog von NECROPHOBIC erneut auf den Markt. An dieser Stelle wäre die Meinung eines Sachkundigen vielen Lesern sicherlich deutlich lieber. Doch finde ich es gerade interessant, dass ich die Möglichkeit habe, meine Meinung zu den alten Scheiben zu bilden und zu äußern. Nachdem ich in meiner letzten Kritik für NECROPHOBIC deutliche Gegenkritik bekommen habe, habe ich mich intensiv mit den Re-Releases von Hammerheart beschäftigt. Und außerdem finde ich, dass so mancher Neueinsteiger in das Thema NECROPHOBIC von einer unbedarften Meinung wie der Meinen mehr profitiert, als von der eines alteingesessenen Fans. Und seien wir ehrlich: Ein Bericht über die Wiederveröffentlichung der klassischen Alben einer Band richtet sich primär an Neulinge. Denn die alten Hasen werden die CDs eh schon lange ihr Eigen nennen, sie schätzen und lieben (;

The Nocturnal Silence (1993)

Das Erstlingswerk von NECROPHOBIC hat mit nächtlicher Stille nur wenig zu tun. Dafür ist die Aggression hinter der sehr eigenständigen und ausgewogenen Black/Death Metal-Mixtur zu aufschreiend. Griffige Melodien, internalische Riffs und richtig wütender Gesang brettern aus der Finsternis durch die heimischen Boxen und wollen sich Gehör verschaffen. Ganz klar: Durch die geschickte Mischung von böser Atmosphäre, aggressiven Riffs und prägnanten Melodielinien wie auch mit durchdachten Songstrukturen und spannenden Wendungen haben NECROPHOBIC eine intensive dreiviertel Stunde Musik erschaffen, die zu Recht auch heute noch Kultstatus genießt.
Frostig und finster sind „Before The Dawn„, „Unholy Prophecies„, „The Ancients Gates“ (das auch leichte Morbid Angel Einflüsse erkennen lässt) oder der Titeltrack, doch gleichsam sind diese Hymnen des unheiligen extrem Metals auch eingängig und machen „The Nocturnal Silence“ zu einem Genre-Klassiker. Hier ist die Re-Release von Hammerheart durchaus gerechtfertigt, das Teil ist ein Must-Have in der Black und Death Metal Kollektion!
9 Lieder / 45:07 Min. / 17.01.2011 (Re-Release)

Darkside (1997)

Auch hier ist der Name Programm, wir befinden uns auf der dunklen Seite, jenseits der Sonne. Wo kein Licht ist, herrscht Finsternis und Kälte. Grimmige Kälte! Wesentlich stärker vom Black Metal beeinflusst und deutlich kompakter als „The Nocturnal Silence„, ist der Death Metal Anteil wesentlich hintergründiger, scheint in „Nailing The Holy One“ komprimiert. Doch gerade die frostigen Melodien und rasenden Riffs verschaffen „Darkside“ einen mitreißenden, kurzweiligen Charme, der den Re-Release dieses Albums zu einem Geschenk an die jüngere Metalwelt macht, die dieses Album bisher nicht ihr Eigen nennen konnte. Durchzogen von absoluten Hits mit catchy Refrains, packenden Melodien und kalten Riffs zeigen NECROPHOBIC an einigen Stellen (wie auch schon auf dem Vorgänger), woher Immortal die Ideen haben! Aufgelockert mit zwei Klavierstücken und einem Instrumental-Song ist „Darkside“ definitives Pflichtprogramm in der Black/Death Metal Sammlung! Rein mit dem Album und die Repeat-Taste gehauen!
Dadurch, dass die Scheibe insgesamt kompakter und etwas melodischer, vielleicht sogar verspielter ist, gefällt mir „Darkside“ sogar noch ein wenig besser, als „The Nocturnal Silence„. Wer zweifelt, hört sich einfach „Black Moon Rising„, „Bloodthirst“ oder „Christian Slaughter“ an! LOS!!
11 Lieder / 37:51 Min. / 17.01.2011 (Re-Release)

The Third Antichrist (1999)

Das dritte antichristliche Machwerk von NECROPHOBIC ist wieder etwas ausgewogener zwischen Black und Death Metal und enthält nicht minder gute Songs, als die beiden Vorgängeralben. Tendenziell sehe ich hier mehr Ähnlichkeiten zu „The Nocturnal Silence„, denn zum direkten Vorgängeralbum, die Mischung zwischen den beiden Ausprägungen des extremen Metals sind wieder homogener. Dennoch traut man sich auch in neue Gefilde der dunklen Atmosphären und klingt an manchen Stellen fast schon ein wenig melancholisch. Ohne dabei jedoch an Wut und Aggression einzubüßen!
Die Hits sprudeln auch hier nur so aus den Boxen, „The Third Of Arrivals„, „Frozen Empire„, „Into Armageddon„, „He Who Rideth In Rage“ oder „Demonic“ sind umwerfend gute Songs! Da verzeihe ich auch gerne, dass „Eye Of The Storm“ oder “ Isaz“ eher schwächere Nummern sind, denn die tun der Qualität von „The Thrid Antichrist“ keinen Abbruch. Interessant aus historischer Sicht ist sicherlich auch das Experiment „One Last Step„, das sicherlich einigen atmosphärischen Black Metal Truppen von Heute einen großen Denkanstoß gegeben hat!
Wer „The Nocturnal Silence“ mochte, braucht auch „The Third Antichrist“ in seiner Plattensammlung, ein Re-Release mit Daseinsberechtigung!
11 Lieder / 44:13 Min. / 21.02.2011 (Re-Release)

Bloodhymns (2002)

Im Endeffekt reiht sich das 2002er „Bloodhymnes“ nahtlos zu seine Vorgängern „The Third Antichrist“ und „Darkside“ ein. Gerade die wilden, fast schon chaotischen Ausbrüche in schwarzmetallisches Geknüppel erlauben Rückschlüsse auf das Zweitwerk von NECROPHOBIC. Doch insgesamt ist die Dichte an Übersongs hier deutlich geringer, als auf den vorhergehenden Alben. „Taste Of Black„, „Dreams Shall Flesh“ oder das überaus geniale „Mouring Souls“ sind durchaus mächtige Nummern. Doch Insgesamt zeigt „Bloodhymnes“ dann doch mehr Lieder, die einfach nur „gut“ sind. „Cult Of Blood“ oder „Shadowseeds“ zum Beispiel sind sehr gute Songs, nur leider nicht die Überhammer, die dem Album gefehlt hätten, damit es an die ersten drei Scheiben von NECROPHOBIC rankommt.
Versteht mich bitte nun nicht falsch! „Bloodhymns“ ist immer noch ein richtig gutes Album. Doch gefallen mir persönlich die älteren Langeisen der Band deutlich besser.
10 Lieder / 46:03 Min. / 17.01.2011 (Re-Release)

Nachdem ich nun die ersten vier Alben von NECROPHOBIC gehört habe, kann ich auch verstehen, warum meine Kritik zu „Death To All“ bei manchem eher sauer aufgestoßen ist. Gerade „The Nocturnal Silence„, „Darkside“ und „The Third Antichrist“ sind zeitlose, einfach nur großartige Extrem-Metal Alben, die definitiv in jede Sammlung gehören! Die Re-Releases von Hammerheart haben mich überzeugt, ich muss nun nur noch mal „Hrimthursum“ anhören, das fehlt mir noch in der Diskografie. Und natürlich werde ich „Death to All“ auch noch mal eine Chance geben, vielleicht kann es mich – mit den Klassikern im Hinterkopf – doch noch überzeugen, wer weiß?