Despise You / Agoraphobic Nosebleed – And On And On…

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Relapse Records bedienen mal wieder den Underground. Sympathischer Weise veröffentlicht das größte Independent Label eine Split, die man sonst nur auf einem kleinen Krachlabel vermutet hätte. Eine Kooperation, die der mutwilligen Selbstverstümmelung gleich kommt. Wir haben Montag Abend, 23h. Ich schraube mir gerade ein weiteres Bier rein, springe auf dem Trampolion herum, was meine bessere Hälfte zum Geburtstag bekommen hat und schmeiße mit unseren beiden Katzen den Kleinkram aus den Regalen. In Anbetracht von „And On And On…“ eine gar nicht so ungewöhnliche Handlung. Hingegen das Trampolin als Geburtstagsgeschenk wirkt immer noch sehr befremdlich…

Den Auftakt dieser Clusterbombe für den Heimbedarf machen die Powerviolence Underdogs (doppelt gemoppelt hält besser, hehe) von DESPISE YOU. Verdammt, die Truppe ist auch schon seit Mitte der Neunziger dabei und bisher gänzlich an mir vorübergegangen. Das könnte vielleicht daran liegen, dass ihr Beitrag zu „And On And On…“ das erste Material der Band seit ca. 10 Jahren ist. Leider Gottes findet man aber auch nicht sonderlich viele Informationen über diese Truppe im Internet. Eine wahre Schande, denn die 18 Songs in unter 17 Minuten sind ein richtiges Himmelfahrstkommando gegen die Wohnzimmereinrichtung!
Zugegeben, DESPISE YOU arbeiten mit genretypischen Bausteinen. Hardcore/Punk trifft auf Grindcore-Blastbeats und chaotisches Stop’n Go aus dem Powerviolence. Doch *BÄMM*! Das Zeug fetzt einfach! Ob es nun in im vergleichsweise moderatem Rock’n Roll samt Motörhead-Hommage ist („Fear’s Song„), oder im ENT-ähnlichem Crust-Grind á la „All The Regimes You Hold Most Dear„, DESPISE YOU liefern sehr gut gemachten, angespissten Soundtrack für dem kommenden System-Sturz. Definitiv eine Pflichtveranstaltung für jeden dreckigen Punk dort draußen! Nach der regulären Spielzeit nimmt „Cadar Ave“ dann eine Sonderstellung ein, dauert mal länger als 1,5 Minuten und leidet mit seinem schleppenden Tempo schon mal langsam in den kommenden Teil der Split ein…

[rating:5]

Nach so einem furiosen Grind/Poweviolence-Gemetzel überraschen AGORAPHOBIC NOSEBLEED regelrecht mit „Half Dead„. ANB goes Sludge? Verdammt, man könnte es fast meinen! Langsam, zäh und auch mit sludgy Gesang wirkt die Truppe von Scott Hull doch eher käsig… Glücklicherweise klingt „As Bad As It Is…“ schon wieder typischer für den thrashy Grindcore der Band und kann besonders im Mittelteil mit coolem Thrashcore Riffs und Solo überzeugen. Leider schließen „Miscommunication„, „Los Infernos“ und „Ungrateful“ nicht daran an und sind eher durchschnittliche Songs. Was ist bloß los? Sinnkrise bei ANB, nachdem „Agorapokalypse“ auch schon eher dem extremen Thrash Metal zugeneigt war? „Possession“ knüpft genau dort an und zeigt wieder etwas die bessere Seite von ANB.
Doch die zähe Sludge-Geschichte kann Scott Hull eigentlich auch, wenn man sich das abschließende „Burlap Sack“ anhört. Denkt euch Gorguts‚ „Sweet Silence“ trifft auf Painted Rust trifft auf Hardcore/Sludge. Eine fiese, bösartige Nummer. Schade, dass die anderen Songs dieser Splithälfte qualitativ nicht annähernd an diesen Dreckklumpen ranreichen! So bin ich doch ein wenig von AGORAPHOBIC NOSEBLEED enttäuscht.

[rating:3.5]

Doch gerade durch die äußerst starke Hälfte von DESPISE YOU sollte „And On And On…“ auf die Wunschliste eines jeden unartigen Rotzlöffels kommen. Ein Heidenspaß! Ich muss nun erstmal meinem Nachbarn beschwichtigen. Und dann die Scheibe von Vorne auflegen, die Nacht ist ja noch Jung!

Infos:
Relapse Records – 26.04.2011
Split-CD/Split-LP – 25 Lieder / 32:42 Min.