Ulcerate – The Destroyers Of All

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Mit „The Destroyers Of All“ werden wir Zeitzeuge von etwas großem, bedeutendem. Zum einen ist es das dritte Full-Length-Album von ULCERATE, dem man bekanntlich nachsagt, dass es über Stand und Fall, über den weiteren Werdegang einer Band entscheiden soll. Und zum anderen erschafft das neuseeländische Trio hier etwas völlig neuartiges, setzt vielleicht sogar den ersten Stein für ein gänzlich neues Musik-(Sub-)Genre?

Bereits das letzte Album „Everything Is Fire“ hat deutliche Akzente gesetzt und gezeigt, dass ULCERATE eigenständig sind. Brutaler Death Metal mit Mut zur Atmosphäre und Dynamik und deutlichen Einflüssen von Gorguts‚ „Obscura„, einem Album, das seiner Zeit meilenweit voraus war! Mit diesem Soundtrack für den Weltuntergang setzte ULCERATE die eigene Messlatte verdammt hoch – und schafft es nun, mit „The Destroyers Of All“ alle Erwartungen an diese äußerst geniale Band nochmal zu übertreffen!
Mit einem waghalsigen Schritt in die richtige Richtung haben ULCERATE ihre atmosphärischen Momente deutlich ausgebaut, mehr in den Vordergrund gehoben. Unsere Kollegen von Invisible Oranges sprechen an dieser Stelle sogar schon davon, dass „Neurosis die Zukunft des Death Metals seien“ und ULCERATE zusammen mit Murder Therapy den „Post-Death Metal“ begründet haben. Und in der Tat ist ein gewisser Einfluss von Post-Hardcore/Rock und Neurosis mit ihren dicken Klangteppichen bei „The Destroyers Of All“ nicht abzustreiten.
Doch gleichsam geht kein Stückchen der typischen, unglaublicher Brutalität von ULCERATE verloren! Im Gegenteil, durch das geschickte Zusammenspiel zwischen ruhigen, schleppenden Passagen und derben Blastbeats wirkt die geballte Energie hinter der Musik nur um so brachialer.

Insgesamt wird der Hörer mit knapp einer ein-stündigen Wand intensivem, sehr dichtem Death Metal konfrontiert. Ein wirklich harter Klumpen, den man erstmal verarbeiten muss, denn vorschnell mag so mancher als Kritik von mangelnder Abwechslung auf „The Destroyers Of All“ sprechen. Steigt man aber der Klangspirale weiter in die Finsternis hinab, offenbaren sich ungeahnte Fassetten! Sei es das vielschichtige und äußerst prägnante „Dead Oceans„, was man eigentlich repräsentativ für das gesamte Album antesten kann, oder „Beneath„, das sich langsam aber sicher Entwickelt und mit fast jedem Schritt vorwärts immer wütender und bedrohlicher wird. „Cold Becoming“ startet als ein brutaler Hassbratzen, der gegen Ende aber doch sehr Hoffnungsvoll erscheint, in seinen fast schon melodiösen Soundteppichen ein wenig Licht in die finstere Welt von ULCERATE lässt. Wer genau hinhört wird das schöne Spiel mit der Dynamik in „Omens“ genau so zu schätzen wissen, wie in „Burning Skies„, das bewusst schon mal das Tempo komplett rausnimmt und die Lautstärke stark runterdreht. Mit dem abschließenden Titeltrack wird der Hörer ein letztes Mal richtig gefordert, in wirklich epischen 10 Minuten mürben ULCERATE noch mal die letzte Standfestigkeit aus den Überlebenden von „The Destroyers Of All“ und zeigen dezent – dafür aber sehr geschickt – ihr technisches Können mit wohl platzierten Breaks.

Wie gesagt, ULCERATE haben einen mächtigen Schritt getan! Man könnte „The Destroyers Of All“ eine fatale Ähnlichkeit zu Deathspell Omegas „Paracletus“ vorwerfen – oder sich einfach daran erfreuen, dass es heute immer noch innovative und eigenständige Bands sowohl im Black, wie auch Death Metal gibt.
Ob hier schlussendlich wirklich ein neues Genre seine Geburtsstunde feiert, wird sich wohl erst in Zukunft zeigen. Wenn weitere Bands ULCERATEs Pfaden folgen. Oder wenn irgendein Musik-Journalist wieder ein neues Buch über die Geschichte des Metals schreiben muss.
Doch an dieser Stelle soll das alles egal sein!
The Destroyers Of All“ ist definitiv eines der wichtigesten Death Metal Alben der letzten Jahre und wird sicher noch richtungsweisend sein. Hier besteht eindeutige Kaufpflicht!

[rating:6]

Infos:
Willowtip Records (25.01.2011 USA) / Hammerheart Records (07.03.2011 Europa)
CD – 7 Lieder / 52:49 Min.