Rotten Sound – Cursed

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Manche von uns wussten es doch schon lange, die Menschheit ist verflucht! Egoismus, Eitelkeit, Zwang, Rache, Ausbeutung und Angst. Alles (selbstauferlegte) Flüche der Menschheit – und gleichsam schier unerschöpflicher Fundus an Inspiration! So haben sich ROTTEN SOUND auf ihrem mittlerweile sechsten Album diesen Flüchen gewidmet und sie akustisch thematisiert.

Nun muss ich gestehen, dass das Vorgänger-Werk „Cycles“ an mir vorbei gerollt ist. Dennoch maße ich mir die Aussage an, dass „Cursed“ das wohl abwechslungsreichste und vielschichtigste Material von ROTTEN SOUND bisher ist. Natürlich liegt die Geschwindigkeits-Messlatte nach den Killer-Alben „Murderworks“ und „Exit“ verdammt hoch. Doch da zeigen sich die Finnen authentisch und rotzig genug, um aus diesem Schema noch mal auszubrechen. Schneller Skandi-Grindcore dominiert „Cursed“ zwar immer noch. Doch man besinnt sich auch auf die alten Tage und haut wieder häufiger den D-Beat und die Punk-Attitüde heraus. Gleichsam hüpft man aber auch nach vorne und zieht dem typischen HM-2-Sound nun auch das Riffing weiter in den Death Metal. Gerade in den dicken Midtempo-Passagen erschaffen ROTTEN SOUND damit einen mörderischen Groove, der förmlich zum Tanzen im Circle-Pit auffordert. Keine Widerrede! „Scared“ oder „Choose“ sind sogar so mutig um mal gänzlich das Tempo runter zu fahren. Dadurch knallen dann „Doomed“ oder „Hollow“ direkt doppelt so sehr.
Mit der verhältnismäßig kurzen Spieldauer von knapp 28 Minuten haben ROTTEN SOUND auch eine weiße Entscheidung getroffen! Man kann den doch sehr abwechslungsreichen Momenten immer seine volle Aufmerksamkeit schenken, ohne dass „Cursed“ nur die geringsten Abnutzungserscheinungen aufweist, oder Ermüdungserscheinungen beim Hörer provoziert. Und meiner Meinung nach verstecken sich die richtig guten Nummern schön in der Mitte, wo „Declare“ oder „Addict“ noch mal geschickt alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Größter Kritikpunkt ist an dieser Stelle aber der dumpfe und teilweise etwas undifferenzierte Sound von „Cursed„. Ein paar mehr Mitten und Höhen hätten den Hörgenuss deutlich gesteigert und auch für etwas mehr Bissigkeit gesorgt. Es kann aber auch gut sein, dass das nun meine gefühlte Wahrnehmung durch die Promo-MP3s ist und die CD/LP-Version besser klingt.

Wer sich aber von einem etwas matschigem Sound nicht abschrecken lässt, bekommt wiedermal die gewohnt gute Qualität von ROTTEN SOUND geliefert! Für Grinder stellt „Cursed“ eh eine Pflichtveranstaltung dar, und dank des dicken Death Metal Touchs, darf auch der Metaller beherzt zugreifen!

[rating:5]

Cursed“ komplett als Stream dank Lambgoat
Rotten Sound – Cursed by lambgoat

Videos zu „Hollow“ und „Self“ gibt es auch.

Infos:
Relapse Records – 15.03.2011
CD – 16 Lieder / 27:48 Min.