Purgatory – Das Zeitalter des Todes und des Niedergangs

2004 waren sie schon einmal auf der kuscheligen Gesprächscouch vom NecroSlaughter. Mittlerweile ist einige Zeit verstrichen PURGATORY haben sich nach dem 2004er „Luciferianism“ mit jedem Album noch ein Stückchen weiter steigern können. „Necromantaeon“ ist bislang das stärkste und finsterste Album der Truppe, weswegen ich Gitarrist René erneut zum Plausch einlud…


1. Hey René! Alles klar bei Dir? Willkommen zurück beim NecroSlaughter, erinnerst Du Dich an Deinen ersten Besuch? Das war 2004 zu euer „Luciferianism“ und wurde damals von meinem Kumpel Martin gemacht, der faule Sack! Wenn Du dich nicht erinnerst, kein Thema, passend zu diesem Interview werde ich es noch mal auf die neue Seite bringen, damit wir alle lesen können, was Du damals für Stuss von Dir gegeben hast, haha!

Salve Christian! Ja hier ist derzeit alles bestens! Klar kann ich mich noch an das Interview mit NecroSlaughter erinnern, welches damals zur „Luciferianism“ gemacht wurde. Derzeit sind wir intensiv mit der Promotion für unsere neue Scheibe „Necromantaeon“ beschäftigt und erhalten die ersten Resonanzen von Fans und Presse, welche sehr positiv ausfallen.

2. Seit dem letzten Interview sind nun sieben Jahre ins Land gezogen. Eine lange Zeit, in der ihr noch mal zwei Alben veröffentlicht habt (die ich beide auch hier besprochen habe): „Cultus Luciferi“ und „Necromantaeon“. Okay, diese Zusammenfassung war nun nicht all zu schwer und tiefgehend, ist da vielleicht etwas hinter den Kulissen geschehen, was sich zu berichten lohnt?

Nach dem „Luciferianism“ Album 2004 hat sich wahrlich noch einiges verändert im Purgatory Lager! So hatten wir 2005 einen Besetzungswechsel am Gesang zu verzeichnen, da uns Sick aus persönlichen Gründen verließ. Ersetzt wurde er durch Dreier, welcher ein langjähriger Freund der Band war und in diversen Bands wie Seirim, Impending Doom und Fall Of Serenity am Schlagzeug tätig war. Weiterhin nahm Peter im Jahr 2007 die Position am Bass ein, da Andy zeitlich nicht mehr 100% für die Band geben konnte. Er verließ Purgatory, da er sich mehr auf seinen Job, seine Familie und sein Label Animate Records konzentrieren musste und vor allen Dingen wollte. Also haben wir mit einem frischen Line-Up unsere weiteren Alben „Cultus Luciferi – The Splendour Of Chaos“ 2008 und „Necromantaeon“ 2011 veröffentlicht.

3. Um direkt mal beim aktuellen Langeisen zu bleiben – und einen kleinen Bezug zum letzten Frage-Antwort-Spiel zu schließen: „Necromantaeon“ ist genau wie „Luciferianism“ nicht unbedingt der einfachste und eingängigste Albumtitel. Um ehrlich zu sein, gerade musste ich auch wieder spicken, um ihn richtig zu schreiben. Was zur Hölle soll der Name bedeuten, und wie zum Teufel kommt man auf solche Wörter?

Für uns steht das Wortspiel des Albumtitels „Necromantaeon“ als ein „Zeitalter des Todes und des Niedergangs“. Er setzt sich aus den Begriffen „Nekromantie“ und „Aeon“ zusammen und zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Songs. Er hat sich während des Songwritingsprozesses und der Entstehung der Lyrics heraus kristallisiert.

4. Und noch ein Griff in die Mottenkiste, der alte Vader-Vergleich, haha! Natürlich darf der bei „Necromantaeon“ auch nicht fehlen, auch wenn ich denke, dass ihr euch mittlerweile ein Wenig von den Polen als Haupteinflüssen entfernt habt. Das dürfte aber einige faule Kritiker nicht daran hindern, plump
„PURGATORY = Vader-Kopie“ zu brüllen. Bist Du oder PURGATORY im Allgemeinen nicht langsam der Vergleiche leid? Oder denkst Du, dass so auch noch neue Fans erschlossen werden können?

Ich denke der Vergleich mit Vader wird uns wohl noch ewig anhaften. Unbestritten waren die Jungs – mit Ihrer früheren Arbeit – ein wichtiger Einfluss in der Geschichte von Purgatory, jedoch sehen wir unseren musikalischen Background doch noch tiefer im oldschool Death Metal verwurzelt. In erster Linie schreiben wir unsere Musik für uns und daraufhin sollte sich die Hörerschaft ihr eigenes Urteil bilden. Wir legen es da sicher nicht auf irgendeine Zielgruppe an.

5. Im ersten Moment fand ich „Necromantaeon“ einfach nur nett. Doch irgendwie hat mich die Scheibe beim ersten Hören nicht so umgehauen (wenn ich mich recht entsinne, hatte der Martin damals ein ähnliches Problem mit „Luciferianism“). Doch mit jedem Hördurchlauf ist das Album weiter gewachsen und ich finde, es ist das stärkste PURGATORY-Album bisher und erlaubt sich auch schon mal etwas langsamere Momente. Wie siehst Du euer aktuelles Album im Vergleich zu euren älteren Scheiben? Mal davon abgesehen, dass Musiker die neue Scheibe in der Regel IMMER für ihr bestes Werk halten, haha!

Es ist natürlich so, dass man mit seinem aktuellen Werk sehr zufrieden ist und da machen auch wir hier keine Ausnahme. Ich denke zum Vergleich mit älteren Scheiben ist ein gewisser Abstand nötig, um das aktuelle Release realistischer einzuschätzen. Auf jeden Fall sehen wir jedoch keinen so großen Unterschied zu den Vorgängern und „Necromantaeon“ ist die logische Weiterentwicklung von „Cultus Luciferi“. Besonders soundtechnisch haben wir sehr auf dieser Scheibe aufgebaut. Aber nichts desto trotz sehen wir „Necromantaeon“ auch als unser bisher finsterstes und homogenstes Album an. (Kann ich alles so unterschreiben – Anm. d. Verf.)

6. Fluch oder Segen, Trademark oder Stagnation, hier scheiden sich die Geister. Wenn man ein PURGATORY-Album kauft, dann weiß man, was einen erwartet! Wie gesagt, der eine meint, dass ihr euch selber kopiert, der andere schätzt eure Beständigkeit, Kompromislosigkeit und Geradlinigkeit…

Trademark oder Stagnation… dies ist wohl ein Punkt, den nur Hörer für sich selbst entscheiden kann. Wie Du es auch schon sagst, sind da Sichtweisen bzw. Höreindrücke – zum Glück – auch sehr verschieden. Purgatory stehen und werden dies auch in Zukunft für kompromisslosen pure Death fuckin‘ Metal tun. Dies ist nun mal die Art von Musik, die wir spielen wollen und dies in Ihrer urwüchsigsten Form. Wir werden auf keine Trends schauen oder Strömungen in unsere Musik einfließen lassen, nur um der einen oder anderen Meinung gerecht zu werden. Wir werden immer nur das machen, worauf wir Bock haben und uns nicht für irgend etwas verbiegen. Schau Dir doch einfach nur einmal Bolt Thrower (als ein Beispiel in dieser Szene) an. Wie wären die Reaktionen auf ein Album, auf dem diese großartige Band Ihre Trademarks vernachlässigen bzw. komplett über den Haufen werfen würde?

7. „Blessed With Flames“: Asphyx, „Luciferianism“: Lemming Project, „Cultus Luciferi“: Morgoth. Fällt Dir was auf? Auf „Necromantaeon“ gibt es keinen Cover-Song! Ich war ja schon ein wenig überrascht. Nicht, dass ich unbedingt eine fremde Nummer auf einem PURGATORY-Album brauche, aber ein wenig ist es schon zur Tradition geworden…

Ha, ha… ehrlich gesagt, haben wir uns auf „Necromantaeon“ in keinster Weise Gedanken über eine mögliche Coverversion gemacht. Irgendwie hat es sich aber auch nicht angeboten und wir haben die Vorbereitung dieser Scheibe einfach laufen lassen. Vielleicht werden wir so etwas in Zukunft wieder einmal in Angriff nehmen, wenn sich ein Song für uns anbietet.

8. Eure letzten Alben sind bei Animate Records rausgekommen, war der Andi nicht auch mal bei euch tätig? Oder irre ich mich jetzt? Nun wurde „Necromantaeon“ aber über War Anthem Records veröffentlicht, warum? Bei Animate gibt es aber immer noch die Vinyl-Version von „Necromantaeon“, oder?

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung von „Cultus Luciferi – The Splendour Of Chaos“ hatten wir ein Angebot von War Anthem, entschieden uns damals aber für Animate Records. Jedoch zeichneten sich War Anthem für die Vinylversion der 2008er Release verantwortlich. Für „Necromantaeon“ entschieden wir uns für die Zusammenarbeit mit War Anthem, da sich die Jungs von Animate Records immer mehr auf reine Vinylveröffentlichungen konzentrierten. Damit lag natürlich nahe Ihnen das Release der LP zu überlassen und sie haben einen guten Job gemacht! Die Vinylversion gibt es in drei Varianten: grün/ blaues Vinyl (lim.100), PicLP (lim.100) und als schwarzes Vinyl (lim.300). Ich denke, dass wir mit War Anthem ein Label gefunden haben, welches sehr professionell und sehr Underground verbunden arbeitet und wir mit Ihnen einen weiteren Schritt in der Entwicklung von Purgatory gehen können.

9. Wie war das? „Der Prophet taugt im eigenen Land nichts?“ So ähnlich könnte man auch die mehr oder weniger traurige Geschichte von PURGATORY beschreiben: Seit 1993 immer im deutschen Death Metal Underground unterwegs, eine der dienstältesten Kapellen hier – und irgendwie bleibt der große Durchbruch fern. Wie schaut es denn international aus? Manchmal ist eine Band im eigenen Land total missachtet, feiert aber z.B. in den USA richtige Erfolge. Ein Beispiel wären da Defeated Sanity, die hier kaum einer kennt, die aber drüben schon einen guten Namen haben… Woran kann es liegen, dass PURGATORY immer noch eher den Underdogs ein Begriff ist, und nicht die Cover von Metal-Hammer und Rock Hard ziert? Mal davon abgesehen, wer will schon so was?!? (;

Dies ist wahrscheinlich ein allgemeines Problem und solche Phänomene trifft man sicher nicht nur in Deutschland an. Jedoch muss man auch sagen, dass die deutsche Death Metal Szene in den letzten Jahren sehr an Qualität gewonnen hat und sich vor internationalen Vergleichen nicht zu scheuen braucht. Und wir haben mitbekommen, dass das Interesse an einheimischen Bands im Underground in letzter Zeit durchaus gewachsen ist. International erhalten wir dennoch eine Menge Feedback, vor allem von Nord- bis Südamerika. Außerdem werden wir mit der Art von Musik die wir spielen nie ein Topseller werden und das ist auch nicht das Ansinnen von Purgatory.

10. PURGATORY haben nun 18 Jahre Konsequenz gezeigt und die Flagge des oldschool Death Metal beständig hoch gehalten. Aktuell haben wir den großen Trend der Rückbesinnung und die Worte „Retro“, „Oldschool“ und „Ancient“ werden inflationär missbraucht – auch wenn ich da keine Ausnahme darstelle, haha! Was hältst du von dieser Welle und den teilweise doch jungen Bands, die auf einmal auftauchen? Ich muss gestehen, dass unter all den tausenden neuen Bands doch ein paar Perlen sind, die langsam an die Oberfläche gespült werden….

Grundsätzlich finde ich diese Entwicklung nicht wirklich negativ, wobei natürlich die Gefahr besteht einer neuen Schwemme an Bands entgegenzusehen. Dies hat meist zur Folge, dass die Qualität vieler Bands rapide abnimmt. Jedoch finde ich, dass die guten Bands immer hervorstechen werden, was man nicht nur an Ihren musikalischen Fähigkeiten, sondern auch an dem Herzblut und der Leidenschaft für diese Musik spüren wird.

11. So, kurz vor Schluss gibt es noch mal die offene Sprechstunde: Mach Werbung für PURGATORY, „Necromantaeon“ und eure nächsten Shows, erzähl uns, was in Zukunft bei euch noch so ansteht!

Es wird natürlich eine Menge Shows im In- und Ausland geben, um das neue Album gebührend zu promoten. So werden wir z.B. auf dem Metalfest in Dessau, dem Protzen Open Air, dem In Flammen Open Air in Torgau und weiteren Festivals und Clubshows spielen. Desweiteren wird es in nächster Zukunft eine Split mit der deutschen Black Metal Institution Darkened Nocturn Slaughtercult geben, welche über Animate Records veröffentlicht wird.

12. René, vielen Dank für Deine Zeit, Geduld und Antworten! Ich hoffe, meine aufmüpfigen Fragen haben Dich nicht zu sehr genervt und Du hattest wenigstens etwas Spaß beim Beantworten! Die letzten Worte gehören Dir:

Dank Dir Christian für dieses Interview und die Unterstützung! Dank auch noch mal an alle, die geholfen haben, „Necromantaeon“ möglich zu machen! Hail Darkness! Hail Chaos! Hail Death!



Interview: Chris (Necroslaughter) / René (Gitarre @ Purgatory) · 01.03.2011
© Bilder: Sure Shot Works und die PURGATORY Homepage