BRUTALLY DECEASED – Death Lovers From Czech Republic

Kurzweiliger Schweden-Tod der Marke Fleshcrawl, made in Czech Republic? Dann kann ich „Dead Lovers‘ Guide“ von BRUTALLY DECEASED nur wärmstens empfehlen! Und wer Bock auf ein kurzes Interview hat, liest nun einfach weiter!


1. Hey Tomas! Wie geht es Dir? Ich kann mir vorstellen, mit so einem Killer-Debüt im Nacken und dem guten Bier aus Tschechien wohl ziemlich gut, haha! Gerade genieße ich ein nettes Pilsener Urqell, lass uns darum das Interview mit deiner liebsten Biersorte beginnen, haha!

Hi, danke der Nachfrage, mir geht es ziemlich gut. Pilsener Urquell ist in der Tat eine gute Wahl, aber ich bevorzuge da eher dunkle und halb-dunkle oder Weizebiere. Du siehst, ich bin nicht der gewöhnliche Gambrinus-Typ. Ich habe keine bestimmte Marke, die ich anderen bevorzugen würde, aber in der Regel genieße ich starke Spezialbiere von lokalen Brauereien (Tschechien wird besser, aber Belgien ist immer noch das beste!) eher als die Standard-Euro-Biere, wie diese Katzenpisse Gambrinus. (Das ist doch mal eine Aussage! Und man sieht, Geschmäcker sind verschieden, denn ich würde ein Gambrinus einer Reihe belgischer Biere bevorzugen… – Anm. d. Verf.)

2. Seit meinem ersten Kontakt zur tschechischen Metal-Szene bin ich ihr sehr zugetan. Es gibt einige sehr gute Bands bei euch, die teilweise auch richtig eigenständige Ideen in die Musik einbringen und alle Bands aus deinem Land haben diesen bestimmten Touch. Nur spielen sie normalerweise Brutal Death Metal, Death-Grind und Grindcore, entsprechend gehen Brutally Deceased einen etwas anderen Weg – genau wie Heaving Earth, bei denen Du auch involviert bist. Dazu aber später mehr (; Als ich das erste Mal „Dead Lovers‘ Guide“ gehört habe, habe ich nie und nimmer an eine tschechische Band gedacht! Das liegt an dem Boss HM-2 Effekt-Pedal, oder? Haha!

Teilweise ja, da wir nicht wollten, dass „Dead Lovers‘ Guide“ irgendwie tschechisch klingt. Es ist schon ziemlich offensichtlich, dass die HM-2 ein Must-Have für diesen Sound ist.

3. Stell Dir vor, ich bin des Teufels Advokat. Es scheint so, als ob es eine Trendwelle des retro-styled Death Metals gibt. So in Richtung Dismember, Entombed, Grave, Nirvana 2002 oder Carnage. Ist BRUTALLY DECEASED nur eine weitere Band, die auf dieser Welle mitreiten will? Ich meine, euer Name wurde von einem Grave-Klassiker entliehen und ihr habt ein Dismember-Cover auf eurem Debüt. Und eure Musik passt auch gut in das Schema…

Nein Sir, wir geben einen Scheiß auf Trends und Modewellen. Wir machen, was wir wollen und kümmern und nicht um andere. Wenn uns dennoch jemand als Teil irgendeiner Bewegung sieht, können wir gut damit leben.


4. Das war nun eine gemeine Frage! Wer genauer hinhört, wird schon feststellen: Auch wenn BRUTALLY DECEASED von den altertümlichen Kapellen beeinflusst wurden, klingen sie schon ein wenig anders. Alleine eure außerordentlichen Soli oder das brutalere Drumming heben euch deutlich ab. Als Referenz würde ich behaupten, dass ihr wie die deutschen Fleshcrawl klingt.

Sicher zollen wir gutem, alten schwedischen Death Metal Tribut. Wir haben nie behauptet, dass wir neue Grenzen beschreiten oder irgend sowas. Wir machen den alten scheiß-traditionellen Weg, so fühlen wir es und wenn Du ein paar erfrischende Elemente in unserer Musik gefunden hast, freut uns das sehr.

5. Ich erwähnte zu Beginn: Du spielst auch in HEAVING EARTH, die mehr in Richtung Morbid Angel/Immolation/Incantation gehen. Doch muss ich zugeben, das erste und letzte, was ich von euch gehört habe, war die Demo-CDr auf Nihilistic Holocaust. Für dieses Interview habe ich dann noch mal eure Myspace-Seite angeschaut und gesehen, dass ihr in der Zwischenzeit noch ein Demo und eine Full-Length raus gebracht habt. Wow, ich muss wohl noch was nachholen, haha! Nun, willst Du hier ein Wenig Werbung für HEAVING EARTH fahren? Denkst Du, Deine Band hat sich seit dem ersten Demo weiterentwickelt? Gibt es besondere News für mich und meine Leser?

Da hast Du Recht. Die Dinge haben sich etwas bei Heaving Earth verändert, seit unserer ersten Demo-CDr. Wir haben einen neuen Sänger und unsere erste Full-Length-CD mit Namen „Diabolic Prophecies“ auf dem polnischen Label Redrum666 draußen. Erwarte nichts anderes als 45 Minuten von äußerst düsterem Death Metal in der Machart von Immolation/Morbid Angel. Wir arbeiten gerade an Songs für eine weitere CD, es ist möglich, dass bei unserem nächsten Kontakt bereits unser drittes Album draußen ist. Sorry, das war nicht böse gemeint, haha!

6. Du bist aber nicht der einzige in BRUTALLY DECEASED, der in einer anderen Band spielt. Einige deiner Kollegen sind/waren auch in prominenten tschechischen Bands! Burak war/ist in NCC, Ahumado Granujo und Destructive Explosion Of Anal Garland und mit Stefy spielt er zusammen in Jig-Ai. Wow alles so groovy und unglaublich brutale Gore/Grindcore-Bands! Mit all den Bands im Hinterkopf erscheint „Dead Lovers‘ Guide“ als Resultat der Zusammenarbeit fast unmöglich, so melodisch, oldschool und schwedisch, haha! Nun erzähl mal, wie alles in BRUTALLY DECEASED angefangen hat und wie der tschechische Grindhead seine liebe für den angestaubten, schwedischen Death Metal entwickelt hat!

Okay, mache ich es kurz! In 2007 haben unser Sänger und ich dieses Biest zum Leben erweckt, zusammen mit anderen Typen, die nicht lange dabei geblieben sind. Der Gore/Grindcore-Background, den Du angesprochen hast, kam viel später mit Stefy und ganz spät mit Burak, aber da ich den meisten Kram geschrieben habe, hat uns das nicht sonderlich beeinflusst. Ich kann uns generell nicht als Grindheads sehen, die etwas entdeckt haben – Unser Sänger Zlaba und ich sind mit Death Metal Wurzeln aufgewachsen und die anderen Jungs hören seit Jahren Bands wie Entombed, Dismember oder Bolt Thrower.

7. Okay, das waren nun ein paar lange Fragen oder einfach nur unqualifizierte Aussagen auf die ich von Dir einen Kommentar wollte. Lass uns mal was lockeres machen! Ich nenne Dir ein paar Alben und Du sagst mir Deine Meinung dazu, okay?

INTERMENT – Into The Crypts Of Blasphemy
DESULTORY – Counting Our Scars
EVOCATION – Apocalyptic
GRAVEYARD – One With The Dead
FATALIST – The Depth Of Humanity
ENTRAILS – Tales From The Morge

Oh man, erwartest Du wirklich von mir, dass ich all diese neuen Scheiben kenne? Glaube mir, ich wünsche mir wirklich, dass meine Tage länger als 24h sein könnten (Ja, das wünsche ich mir auch! – Anm. d. One-Man-Army), aber da sie es nicht sind, habe und kenne ich nur die Interment – „Into The Crypts…“ und das ist eine Killer-Scheibe. Das ist pure fucking Swedish Death Metal, wie er sein sollte! Massiv dreckiger Sound und großartige Riffs. Neben „Into The Crypts…“ ist es ziemlich schwer für mich, die anderen Platten zu bewerten, nach denen Du fragst, da ich nur ein paar Proben gehört habe. Sorry man! Je älter ich werde, umso weniger Musik höre ich, hauptsächlich aus Mangel an Zeit und Energie.

8. Genug über alte Bands, die wieder aus ihren Gräbern krabbeln und junge Bands, die sie wieder ausgraben gesprochen. Zurück zu „Dead Lovers‘ Guide“. Stimmt es, dass dieses Album euer erstes Release war? Irgendwie scheinen immer weniger Bands heute den klassischen Weg zu gehen und erstmal ein paar Demos vor dem Debüt-Album zu veröffentlichen, wie Du es beispielsweise mit HEAVING EARTH gemacht hast…

Da liegst Du schon wieder richtig mein Freund! Wir sind eine direkt-auf-CD-Band! Ich weiß, dass einige Leute immer noch erwarten, dass eine Band 2-3 Demos macht, bevor sie ins Studio für eine Full-Length gehen. Aber lass uns ehrlich sein: Wir haben 2011 und nicht mehr 1991 und wir sind kein Haufen unerfahrener Kinder. Da wir alle wissen, was wir wollen, brauchen wir sowas wie eine „Testaufnahme“ nicht.

9. Sprechen wir was über euer Label Lavadome Prductions. Soweit ich weiß, ward ihr der erste Release dort, oder? Wer steht hinter Lavadome und warum habt ihr euch für dieses Label entschieden? Ich meine, in Tschechien gibt es eine Milliarde Labels, auf denen man Metal veröffentlichen kann – Brutal Death Metal und Grindcore, haha!

Lavadome Prods ist ein Ein-Mann-Label von unserem Freund Jan Fastner. Er war auch Redakteur bei dem Webzine Transcend666, aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob er das heute noch geregelt bekommt. Er war derjenige, mit dem wir bereits gesprochen haben, bevor wir das Studio geentert haben, also hat er nicht mehr lange gezögert, als er das Resultat gehört hat. Es war in der Tat eine gute Wahl für Brutally Deceased, weil Jan einfach einen fantastischen Job macht, um unseren Namen in der Welt bekannt zu machen. Über andere tschechische Labels zu sprechen ist also sinnlos.

10. Also, was steht als nächstes auf BRUTALLY DECEASEDs Agenda? Spielt ihr ein paar Shows in Europa? Oder arbeitet ihr erstmal an neuen Songs? Ich weiß, eine laaaaaangweilige Frage. Aber es gibt vielleicht doch ein paar Leute, wie mich, die auf neues Futter von euch warten!

Wir werden diesen Sommer ein paar Festivals hier in Tschechien spielen, das nennenswerteste ist wohl das Obscene Extreme mit Entombed, Lock Up, Rotten Sound, Entrails und anderen Killer-Bands! Wir arbeiten auch an ein paar Auftritten außerhalb unserer virtuellen Grenzen, das wäre auch sehr nett. Ein paar neue Begräbnissongs sind auch schon auf dem Weg, aber ich muss Dich wieder enttäuschen. Wir werden das Studio wohl nicht vor Frühjahr 2012 betreten.

11. Tomas, danke für Deine Zeit und Antworten! Ich hoffe, dieses Interview war nicht zu stinkig und Du hattest ein wenig Spaß. Hoffentlich hört Europa bald und laut euren Namen, „Dead Lovers‘ Guide“ verdient etwas Aufmerksamkeit! Dies ist das Ende des Interviews, die letzten Worte gehören Dir!

Ich danke Dir für Dein Interesse an Brutally Deceased, wir wissen das sehr zu schätzen! Wir haben keine Pläne für die Zukunft, aber wir werden sicher nicht plötzlich aus der Szene verschwinden, wie eine trendy, halbherzige Scheißband. Erwarte uns bald auf ein paar Liveshows dort draußen, aber lass uns nun erstmal ein Bier trinken und die Hölle erheben!


Interview: Chris (Necroslaughter) / Tomas (Gitarre @ Brutally Deceased) · 09.03.2011
© Bilder: Brutally Deceased