The Dead – Ritual Executions (Re-Release)

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Es gibt Bands, die folgen Trends. Es gibt Bands, die machen die Musik, die sie kennen und mögen. Und es gibt Bands, die erschaffen etwas neues, eigenständiges. Letztgenannte Gruppe ist heute sehr selten doch zu ihr gehören die australischen THE DEAD. Angefangen hat es wohl als düstere Death Metal Truppe, aber mit dieser Aussage will ich mich eigentlich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, da ich dafür zu wenige der alten Songs kenne, sondern eigentlich nur das letzte Album „Ritual Executions“ in Gänze gehört habe. Und die hier dargebotene Mischung scheint dem indischen Diabolical Conquest so gut gefallen zu haben, dass sie dieses Album von 2009 ein Jahr später erneut veröffentlichten.

Stilistisch könnte man THE DEAD mit „Ritual Executions“ immer noch in die Schublade „düsterer Death Metal“ stecken. Doch damit wird man der Tragweite des musikalischen Repertoires der doch sehr außergewöhnlichen Truppe nicht annähernd gerecht! Viele Elemente aus dem (Stoner-)Doom und Sludge lassen die 45 Minuten ihres zweiten Albums zu einer sehr groovigen und eigensinnigen Interpretation der Stilstik wachsen. Anfänglich ist diese Mixtur mit teilweise schon sehr unkonventionellen und experimentierfreudigen Momenten etwas sperrig. Doch recht schnell kann man sich mit dem dreckigen Vibe und nahezu immer beständigen Groove in den Liedern anfreunden, besonders, wenn die schmutzigen Stoner-Riffs im Kontrast auf richtig fies mürbende und abgründige Lead-Gitarren treffen. Dann entwickeln THE DEAD den Charme einer drohenden Tragödie, auch wenn man sich abwenden will, schaut man doch immer wieder interessiert hin, fasziniert vom abscheulichen, neugierig, wie die nächste Wendung aussieht.
Und überraschende Wendungen liefern THE DEAD immer wieder. Sei es der fiese Sludge-Part in „Cannibal Abattoir„, der etwas an The Atlas Moth erinnert, die schnellen Blastbeats im Titeltrack oder im gänzlich „anderen“ „Death Metal Suicide„, das eine sehr hoffnungsvolle, melodische Instrumentalnummer mit epischen Dimensionen von 10 Minuten geworden ist.

Anfangs hatte ich kleine Startschwierigkeiten mit der Platte und nun bin ich froh, dass ich Dank des Re-Releases keine punktuelle Wertung vornehmen muss.
Für Schöngeister sind THE DEAD wohl Abgesandte des Toifels! Und auch der konservative Death Metal Fan dürfte an der dreckigen Mischung einiges zu knabbern haben. Doch wer offen ist, und neugierig, wie man mit altbekannten Bausteinen und dem Mut zu frischen, andersartigen Ideen doch noch neue Impulse in ein fast angestaubtes Genre pusten kann, sollte „Ritual Executions“ mal anhören.

Keine Wertung bei einem Re-Release – wo ich in diesem Fall sogar relativ froh drüber bin (;

Infos:
Eigenproduktion 2009 / Diabolical Conquest 2010
CD – 7 Lieder / 45:48 Min.