Blut Aus Nord – The Mystical Beast Of Rebellion (Re-Release)

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Für ausgelesenen Black Metal bin ich mittlerweile recht offen. Doch treffe ich bei den konservativen Fans des Genres nicht immer auf Gegenliebe, denn meist mag ich den atmosphärischen, wenn nicht sogar Post-Rock beeinflussten Kram wie (neuere) Deathspell Omega, Altar Of Plagues, Wolves In The Throne Room, Woddenthrone oder BLUT AUS NORD. Moment, hier muss ich etwas relativieren! Denn von letztgenannten kenne ich undankbarerweise nur „Memoria Vetusta II: Dialogue with the Stars„, ein super atmosphärisches Album, das sowohl weit vom Black Metal entfernt ist – und dann wieder doch nicht. Eine richtig kleine Perle, die ich immer wieder Auflege um mich in fremde Sphären zu erträumen.

Entsprechend war ich sehr interessiert, als mir die Wiederveröffentlichung von „The Mystical Beast Of Rebellion“ im Briefkasten lag. Zum zehnten Geburtstag bringt Debemur Morti das von vielen Leuten als „bestes BLUT AUS NORD-Album“ bezeichnete Werk wieder in Verfügbarkeit. Mit neuem Cover (das alte Artwork ist aber auch im Paket), im schicken Digipak und ergänzt durch eine weitere CD mit drei neuen Songs. Gerade die neuen Lieder werden wohl auch für Besitzer der ersten Auflage interessant sein, denn hier erweitert die französische Ausnahme-Truppe den „The Mystical Beast Of Rebellion“ Epos um ein weiteres Kapitel – und erstellen gleichsam die Antithese zu ihrem ursprünglichen Schaffen.

Doch zunächst begibt sich der Hörer auf eine Zeitreise, bei der er sich verdammt warm anziehen sollte. Es geht tief in die Finsternis, aussichtslos und verdammt frostig. Kein Vergleich zu ihrem letzten Werk „Memoria Vetusta II“ ist mit BLUT AUS NORD vor zehn Jahren möglich. Monotonie und Simplizität dominieren die wirklich sägenden und mürbenden Gitarren, das low-fi Drumming scheppert im gehobenen Ufta permanent und penetrant und eintönig fast durch die gesamte Spielzeit der ersten CD, der Gesang ist psychopathisch und gequält. Beim ersten Hören war das schon ein kleiner Schlag ins Gesicht und für mich eigentlich absolut unerträglich. Nichts, absolut nichts erinnert an die verträumten und sphärischen Momente meiner ersten Bekanntschaft mit der Band. Ich wollte schon plump meine Meinung bilden, wie ich es auch mit der ersten Deathspell Omega („Infernal Battles„) gemacht habe, die ich erst nach „Fas – Ite […]“ kennengelernt habe – und absolut nicht mag. Doch ich gab BLUT AUS NORD und ihrer Geschichte eine weitere Chance. Und noch eine. Und schlussendlich verstand ich „The Mystical Beast Of Rebellion„! Die beißende Monotonie hat Methode, die Songs bauen auf einander auf und wirken nur im Gesamtbild. Mit jedem Kapitel der Geschichte wird es dunkler und böser, als herausragendste Nummer gipfelt der „Fall“ im „Chapter V“ und schlägt im folgenden, sechsten Kapitel in blanke Wut um.

Doch war diese Wendung von Verzweiflung und Finsternis zu Hass noch harmlos! Denn in der Erweiterung der Geschichte, entstanden zehn Jahre nach dem eigentlichen „Fall„, wird die Geschichte noch mal gänzlich anders erzählt. Dominierte auf der ersten CD noch schnelles Geschepper wird der zweite Silberling langsam, episch, entwickelt wieder mehr und eine gänzlich andere Atmosphäre. Schleppend und zäh erlaubt man sich kleine Hoffnungsschimmer, gar Melodien, gar kleine Einflüsse aus dem Post-Rock im fast 20-minütigem dritten Akt des siebten Kapitels. Für mich persönlich auch das Highlight auf der Bonus-Scheibe, denn insgesamt zieht sich die Geschichte schon ein Wenig in die Länge.

Am Ende habe ich aber doch noch einen Zugang zu „The Mystical Beast Of Rebellion“ bekommen. Es war kein leichter Weg und ohne die „Pflicht“ einer Kritik zu der Scheibe, wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Doch für mich hat es sich gelohnt! Denn es sind wirklich ein paar intensive und tief schwarze Momente hinter der mürbenden Monotonie und dem stechenden Minimalismus versteckt. Gerade als Gesamtbild funktionieren die alten Songs sicher sehr gut für einen grimmigen Abend mit viel Gin und einer einsamen Kerze am Küchentisch. Doch das Bonus-Material bietet mir hierfür ein Wenig zu viel Hoffnung. Das mag ich nicht. Und nun sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Keine Wertung bei einem Re-Release, ihr grim’n frostbiten Fuckers!

Infos:
Debemur Mori – 03.12.2010 (Re-Release), Original 2001
2CDs im Digipak/2LP – 9 Lieder / 78:27 Min.