Puteraeon – Grave Robbing Old School Death Metal from Sweden

Dass im Death Metal Underground eine fanatische „Back to the Roots“ Bewegung brodelt ist schon lange kein Geheimnis mehr!
Was mit Bands wie REPUGNANT, KAAMOS, SERPENT OBSCENE & Co angefangen hat wurde längst zu einer weltweit flächendeckenden Pandemie. Mit zu den stärksten Vertretern der „neuen“ Old School Welle aus Schweden gehören PUTERAEON aus einem Vorort von Götheborg.
Die drei Demos von PUTERAEON wurden bereits als Geheimtipp gehandelt und nun steht mit „The Esoteric Order“ das erste Album in den Startlöchern: Subtiler Death Metal Horror der alten Schule !!!
Gitarrist/Sänger und Mastermind Jonas Lindblad (TAETRE, Ex – DELETION usw.) wurde zur Antwort verdammt!!!


PUTERAEON wurde 2007 mehr oder minder als eines dieser „Ein – Mann“ Projekte gegründet und mit dem Release Eueres ersten Albums wurde Dein „Baby“ mehr oder weniger zu einer richtigen Band! Wenn man die Zeit von Deiner alten Band TAETRE mitrechnet bist Du in der Szene im Raum Götheborg schon ein Veteran aus den frühen 90ern, so dass ich davon ausgehen kann, dass Du einige Freaks aus den dortigen Musikerkreisen kennst. Wie gestaltete sich also die suche nach den richtigen Mitstreitern für PUTERAEON?

Ja richtig, PUTERAEON ist mittlerweile eine klassische „Proberaumband“ und wir treffen uns auch mehrmals wöchentlich zum jammen! Ich war eigentlich noch nie in einer Band, welche so eine Einheit in Bezug aus musikalische Vorstellung und Zusammenarbeit bildet wie es bei PUTERAEON der Fall ist. Unsere Kommunikation ist sehr gut und jeder interessiert sich auch aufrichtig für die Belange der Band. Die anderen Bandmitglieder können auf Erfahrungen in Acts wie IMMEMORIAL, PROPHANITY, NOMINON oder RECLUSION zurückschauen, aber generell kann ich Dir sagen, dass die Chemie innerhalb von PUTERAEON gerade sehr stimmig ist!!!

In der heutigen Szene wird der Begriff „Old School“ gerne inflationär gebebraucht und insbesondere der Death und Thrash Metal Sektor erlebt ein Rivival der klassischen Gangart. Jonas, Du und die anderen PUTERAEON Mitstreiter sind schon lange keine „Youngsters“ mehr, deshalb würde mich Dein Stand der Dinge hierzu interessieren! PUTERAEON ist ja ohne Widerrede ein Tribut an die klassischen Wurzeln des Death Metals!!!

Wir huldigen diesen Stil des Death Metal aus einer ganz natürlichen Entwicklung heraus, denn wir sind mit den alten Sachen aufgewachsen! 90er Jahre Death Metal ist unsere Wurzel! Wir gehen diesen Weg des Death Metals, weil wir es so mögen und wir kümmern uns da jetzt nicht um Trends oder Entwicklungen in der Szene. Schau‘ es ist folgende Denkweise: „Dieses Riff ist so einfach, dass es jeder spielen kann“ und wir nehmen es dennoch, denn wenn es rau, bösartig und schmutzig gespielt und produziert wird, dann trifft entspricht es der Botschaft von PUTERAEON!!!

Ich habe das Gefühl, dass insbesondere die ersten beiden PUTERAEON Demos („Fascination for Mutilation“ (2008) und das aus dem selben Jahr stammende „The Requiem“) einen offensichtlich klassischen Schweden Death Metal Bezug hatten. Das dritte Demo („The extraordinary Work of Herbert West“ – 2009) hatte hingegen einige früh 90er US Einschläge der Marke frühe DEATH, MASSACRE oder AUTOPSY in der Soundwand, oder wie siehst Du das!?!

Vielleicht hast Du recht, aber ehrlich gesagt arbeitete ich bei keinem Demo nach einem typischen Strickmuster. Was ich damit sagen will ist, dass ich nicht krampfhaft versucht habe nur Riffs zu schreiben, die jetzt klassisch schwedisch oder ähnlich klingen. NECROPHAGIA war z.B. eine Band, welche ich zu Zeiten der ersten beiden Demos oft gehört habe, aber ich kümmere mich nicht um die Wurzeln der Einflüsse, sondern um meine Umsetzung der Ideen. Alle drei von Dir erwähnten Bands sind ein Einfluss für mich und neben den ganzen klassischen schwedischen Brechern stehe ich auch unheimlich auf alte CARCASS, MORGOTH und BOLT THROWER.

Auf dem heutigen Markt für Metal ist es Gang und Gebe, dass neue Bands quasi aus dem Nichts heraus und ohne Underground Wurzeln mit einem ersten Album auf den Markt kommen. PUTERAEON sind mit drei Demos im Rücken nahezu den klassischen Weg gegangen bevor Euch der Deal mit CYCLONE EMPIRE in 2010 ins Haus flatterte. Euere Demos findet man problemlos auf unzähligen Blogs zum Downloaden und mir scheint es, dass aufgrund der Demos viele Jünger der guten alten Schule Blut geleckt haben. Wie wichtig war für Dich dieses quasi ganz von unten mit einer neuen Band anfangen?

Mensch, das ist doch der Weg wie es eigentlich laufen sollte, oder? Ich machte drei Demos mit PUTERAEON, weil ich nicht einen Schnellschuss mit dem nächst besten Label machen wollte! Viele neue Bands, welche wie Du sagst, quasi aus dem Nichts kommen, machen den Fehler, dass sie aus Verzweiflung heraus sofort beim ersten Anbieter unterschreiben. Warum? Ich hab‘ zu meinen Bandkollegen gesagt, dass wir keinen Deal unterschreiben, von welchem ich weiß, dass ich das Endprodukt aus eigener Kraft selbst besser promoten kann. CYCLONE EMPIRE war nach drei Demos für uns das richtige Kaliber für einen guten Start und wir setzten natürlich umgehend die Unterschrift unter Ihren Deal, weil es ein Angebot mit Hand und Fuß war.
Aber um zurück zum Thema zu kommen, ich bin ganz sicher der Meinung, dass uns die Demos und die Werbung auf Downloadblogs etc. sehr geholfen haben. Je mehr Maniacs Deine Mucke hören können, desto besser!!! Heutzutage müssen neue Bands lernen, dass sie selbst aktiv werden müssen, wenn sich der Name rum sprechen soll. Ich mag auch den Aspekt der vollen Kontrolle über meine eigene Musik sehr, aber das nur am Rande!!!

Das PUTERAEON Debut Album „The Esoteric Order“ stellt in der Songauswahl mehr oder minder eine „Best of“ der vorangegangenen drei Demos dar. Wenn ich mich nicht irre habt Ihr lediglich den Opener „Storm of a Devil’s reef“ als neuen unveröffentlichten Song ergänzt, richtig!?!

Oh! Mein Freund, Deine Hausaufgaben stimmen nicht ganz, denn es gibt einen weiteren neuen Track, namens „Coma“ auf dem Debut. Zu besagtem Song haben wir zwischenzeitlich auch einen kleinen Videoclip veröffentlich. Checkt diesen auf Youtube.com!
Unsere Denkweise war ganz einfach, wir wollten nicht das Songmaterial von allen drei Demos nehmen und zu den Akten legen. Nein, denn dafür war und ist das Material zu gut! Es gibt auch noch ein bis zwei weitere Tracks aus der Demoperiode, welche wir in absehbarer Zukunft überarbeiten werden. Ach ja, wir haben zwischenzeitlich auch schon neun neue Songideen für ein kommendes zweiten Album!

Die Demos wurden zurückblickend auch mit Hilfe von programmierten Drums an Deinem heimischen PC eingespielt…

Genau, die Demos wurden zusätzlich auch nie in einem richtigen Studio abgemischt, so dass der Sound nie meinen Vorstellungen gerecht wurde. Auf dem Album hören sich die Songs mit einem menschlichen Drummer um Längen besser an.

Jonas, wenn ich mir die textlichen Konzepte von PUTERAEON ansehe, dann ist es offensichtlich, dass Du eine Schwäche für die klassischen Horror Filme der 80er hast. Das Haupttheme des „The extraordinary Work of Herbert West“ basierte zudem auf der „The Reanimator“ Kurzgeschichte von Horror Literatur Ikone H.P. Lovecraft. Persönlich denke ich, dass richtiger Death Metal immer mit einer dunklen und Horror ähnlichen Atmosphäre angehaucht sein sollte, eben das typische „frösteln“, welches einen bei einem guten Horrorfilm packt, Ha! Jedenfalls vermisse ich das bei vielen Death Metal Bands in der heutigen Szene, vor allem wenn ich dann Scheiße wie Porn Death/Grind oder andere Formen von Low Budget Unterhaltung in Textform höre…

Ich stimme Dir zu! Ich mach meinen Death Metal auch „erwachsener“, wenn Du verstehst was ich meine! Wie soll ich das erklären? Eben wie in den alten Horror Schinken, das typische Gruselzeug, welches Dich fesselt obwohl Du das Monster selbst nicht siehst, denn wenn dem so wäre würde es einfach lächerlich rüberkommen! Horror greift für mich besser, wenn nicht alles für den Konsumenten offensichtlich ist und stattdessen seine Vorstellungskraft angeregt wird.
Persönlich war ich noch nie so richtig ein Freak auf der Gore Schiene, da mir eben der subtilere Horror mehr imponierte. Bands die über Pornos singen? Na ja, das ist genauso trantütig wie die sämtliche Sexszenen in Horrorfilmen. Wenn ich Sex auf dem Schirm sehen will, dann werf‘ ich einen Porno rein, aber Horror und Sex sind für mich zwei verschiedene Kategorien, Ha! Ha!

Was zeigt uns das Cover von „Esoteric Order“? Ist dies an den Songtitel „Castle of Despair“ angelehnt? Für meinen Geschmack hat das Artwork einen etwa kitschigen 80er Jahre Film-/Computerspielcover Touch. Persönlich fand ich z.B. den „Necro“ Stil Euerer beiden letzten Democovers wesentlich passender für PUTERAEON!!!

Das Cover zeigt eine verlassene Kirche in welcher der „Esoterische Orden“ seine Rituale abhält, welche Dagon beschwören sollen (Dagon stellt eine sumerische Gottheit da, welche auch in H.P. Lovecrafts Werken immer wieder Beachtung findet – RH). Das Cover basiert mehr auf den Lyrics zum Song „Storm of devil’s reef“, wobei der Dagon Mythos an sich auch die Grundlage für die Lyrics zu „The Innsmouth Insanity“, „The Plague“ und „Into the deep“ ist.
Für den nächsten Release werden wir eine andere Art von Cover nehmen. Es soll wieder mehr im klassischen schwarz/weiß Stil werden. Gerade finde ich z.B. wieder unheimlichen Gefallen an unserem ersten Democover „Facnination for Mutilation“. Derselbe Künstler hat gerade auch den Konzertflyer für unseren ersten Gig mit PUTERAEON in unserem Heimatort Alingsås (ein Vorort von Götheborg! – RH) entworfen.

Ich weiß, dass Andy LaRoque (Ex – KING DIAMOND, Ex – DEATH etc. Gitarrist – RH) zu Deinen persönlichen Freunden zählt und Ihr habt bereits gemeinsam an Produktionen Deiner früheren Bands wie TAETRE gearbeitet. War es also eine natürliche Wahl, dass er das Mix und Mastering für das Debut von PUTERAEON übernimmt?

Deine Frage beinhaltet schon fast die Antwort, denn die Entscheidung für Andy LaRoque lag wirklich auf der Hand. Fast alle PUTERAEON Mitglieder (außer Basser Daniel) haben bereits mit Ihm zusammen gearbeitet. Ich sehe also keinen Grund für die Wahl eines anderen Produzenten!

Hm, aber Du weißt ja, dass viele Freaks eben diesen klassischen Stil von schwedischem Death Metal, welchen auch PUTERAEON huldigen, mit Produzenten wie Dan Swanö, Tomas Skogsberg, Peter Tägtgren oder mittlerweile auch Tore Stjerna (NECROMURBUS Studios, Stockholm) gleichsetzen…

Klar weiß ich, dass die Referenzen dieser Produzenten in diesem Stil für sich sprechen, aber Grund ist mitunter auch folgender: Wir leben hier im Westen von Schweden und aus der Region von Götheborg kommen schon seit längerer Zeit kaum noch Bands, welche den klassischen Stil des schwedischen Death Metals spielen, deshalb fehlen auch die Referenzwerke (Nun ja, es gibt bei Euch ja immerhin Bands noch wie EVOCATION, AXIS POWERS oder MIASMAL, was jedoch nicht der Menge von Stockholm in dieser Death Metal Sparte entspricht, Ha! – RH).
Ganz schlicht gesagt spielte für uns auch das Argument der Entfernung für Andy LaRoque (SONIC TRAIN Studio), da wir hier eben kurzfristig und ohne Verwendung von Urlaubstagen aufnehmen können. Einen Teil der Basisaufnahmen wurden übrigens in Studio Decay in Götheborg gemacht. Dieses macht u.a. Daniel Kvist, welche auch bei TAETRE und SACRILEGE spielt.

Ok Jonas, Danke für diese coole Interview Session zum Thema PUTERAEON!!! Hau‘ rein und nutze hier die Möglichkeit für ein paar abschließende Worte…

Danke Ralf für die coolen Fragen! Ich hoff’, dass wir unsere fetten Ärsche bald nach Deutschland bekommen, um ein paar PUTERAEON Gigs bei Euch spielen zu können. Das wäre großartig!!! Added uns bei Facebook und checkt unsere Seiten www.myspace.com/puteraeon666 oder www.puteraeon.com.
An alle Old School Death Metal Maniacs: Checkt „The Esoteric Order“ und seht Euch unseren Videoclip zu „Coma“ an!!! Big fuckin cheers to you all!

Anmerkung: Eine erweitere Version des Interviews könnt Ihr auch auf www.ancientspirit.de nachlesen!!!

Bisherige Werke von PUTERAEON:
Fascination for Mutilation“ Demo 2008
The Requiem“ Demo 2008
The Extraordinary Work of Herbert West“ Demo 2009
The Esoteric Order“ Album 2011 / Cyclone Empire Records

www.myspace.com/puteraeon666
www.puteraeon.com

Für alle Schweden Death Metal Maniacs, die auch mehr über die anderen Bands von Jonas Lindblad wissen wollen empfehle ich Euch folgende Clicks:
TAETRE: www.myspace.com/taetre
DELETION: www.myspace.com/deletiononline



Interview: Hauber (Mystical Music) / Jonas Lindblad (Gitarre/Gesang @ PUTERAEON) · Januar 2011
© Bilder: PUTERAEON