Macabre – Grim Scary Tales

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Sonderlich fleißig waren MACABRE ja eigentlich nie. In 26 Jahren Bandbestehen haben sie es bisher gerade mal auf vier Full-Lengths gebracht. Und das letzte Album „Murder Metal“ hat nun auch schon wieder gut sieben Jahre auf dem Buckel. Doch nun kommt endlich wieder neues Futter für die Fans der abgedrehten Mischung aus allem, was man irgendwie mit einer siebensaitigen Gitarre und einem sechssaitigem Bass metallisch verwurschten kann, am 31.01.2011 erscheint „Grim Scary Tales“ über das wiedergeborene Hammerheart Records/Decomposed Records. Und bereits im Vorfeld hatte der geneigte Anhänger der Band die Möglichkeit, das neue Machwerk auf der „Campaign For Musical Destruction„-Europatour zusammen mit Immolation und Napalm Death zu erwerben.

Nun wird die Geschichte ein wenig persönlicher. Mein erster Hördurchlauf war etwas unentschlossen. „Grim Scary Tales“ ist ziemlich abgedreht, selbst für MACABRE-Verhältnisse! Mehr Blastbeats als auf den letzten beiden Alben, deutlich mehr Klargesang als jemals zuvor und wiedermal kranke Ideen aus den unmöglichsten musikalischen Schubladen. Doch schon bald wurde ich warm mit dem italienisch angehauchtem „Nero’s Inferno„, in dem Corporate Death herrlich schön zeigt, dass er nicht singen kann (; Und das eher ruhige, leicht schwarzmetallische „Mary Ann“ zündete ebenfalls recht schnell. Auch wenn in diesem Song nur dezente Akzente auszumachen sind, und es ansonsten eher plätschert, hat das Stück einen gewissen Charme. Schon bald lief „Grim Scary Tales“ auf Dauerrotation – und verschwand dann aber auch genau so schnell wieder aus meiner Playlist. Irgendwie haben sich viele Nummern zu schnell abgenutzt. Besagtes „Nero’s Inferno“ zeigte bald Ermüdungserscheinungen. Und auch das Barne-Dance Country-Stück „The Bloody Benders“ hatte nur kurzzeitigen Unterhaltungswert. Das kann aber auch daran liegen, dass Denis The Menace mal wieder alles zu Klump drischt und hier im Refrain etwas zu übertrieben agiert. Gleichsam schnell war dann auch bei anderen Songs die Luft raus, wie auch beim eigentlich sehr guten „Dracula„, das man ruhig etwas hätte straffen können.
Doch nach einiger Zeit in der Bewährungsprobe haben sich mindestens genau so viele großartige Hits auf „Grim Scary Tales“ herauskristallisiert! „The Black Knight“ wechselt richtig geil zwischen Groove und Blastbeats und bleibt gut im Gehörgang. Auch „Burke And Hare“ hat eine catchy Hookline und „The Ripper Tramp From France“ ist eine mächtige Nummer, genial konstruiert und erinnert an der ein oder anderen Stelle ein wenig an die „Sinister Slaughter„. „The Sweet Tender Meat Vendor“ ist einfach nur ein neuer MACABRE-Klassiker! Und natürlich darf auch der Klassiker „Countess Bathory“ von Venom nicht unerwähnt bleiben, den die Murder Metaller hier amtlich, wenn auch ziemlich originalgetreu interpretiert haben.

So hält sich „Grim Scary Tales“ eigentlich recht gut in der Waage. Es gibt viele kurzweilige Nummern, die es aber etwas an Nachhaltigkeit vermissen lassen. Doch dafür gibt es auch wieder ein paar richtige, einmalige Knaller, wie sie nur MACABRE aus dem blutigen Ärmel schütteln können. Neueinsteiger in das Thema Murder Metal sollten vielleicht eher zur „Dahmer“ oder „Murder Metal“ greifen. Doch Fans der Band werden trotz kleinerer Defizite „Grim Scary Tales“ sicherlich genau so wertschätzen können.

[rating:4.5]

Infos:
Hammerheart Records / Decomposed Records – 31.01.2011
CD – 13 Lieder / 45:48 Min.