Ichor – Geschichten über den schwimmenden Satan

Nach ihrem eher Deathcore-orientiertem Debütalbum „The Siege“ haben sich die Trierer ICHOR richtig gemausert. „Benthic Horizon“ ist eine unglaublich gute Mischung aus traditionsbewusstem, technischen Brutal Death Metal und zielgerichteten modernen Elementen. Nach so einem fetten Zweitwerk war es eigentlich selbstverständlich, dass ich Sänger Eric ein paar Fragen zukommen lassen musste! Viel Spaß beim Lesen.


1. Hallo Eric! Wie geht es Dir? Alles klar im schönen Trier? Hat bei euch der plötzliche Winter auch alles lahm gelegt? Schon dumm, das der auf einmal im Dezember passieren muss…

Hi Christian, soweit hat sich wieder alles normalisiert, aber der Schnee hat schon einiges lahm gelegt. Besonders Nachts wird’s hart, vor allem wenn wir als Band unterwegs sind, da sind wir schon ein paar mal ins Schleudern gekommen.

2. Fangen wir mal ganz von vorne an! Standesgemäß musst Du uns mit Deiner doch sehr jungen Band erstmal etwas über euch erzählen. „Benthic Horizon“ ist euer zweites Album innerhalb von zwei Jahren Bandgeschichte. Wow, in kurzer Zeit habt ihr da wirklich was beachtliches aus dem Boden gestampft! Dabei habt ihr nach eurem Debütalbum „The Siege“ auch eine deutliche und gute Kurskorrektur gefahren, doch dazu gleich mehr! Wie hat alles bei euch angefangen? Hat irgendwer von euch schon mal in anderen Kapellen gespielt? Euer aktuelles Album legt diese Vermutung nahe…

Also die Jungs haben vorher schon zusammen in einer Band gezockt, das ging eher in Richtung Metalcore. Ich selbst war vorher bei Worldescape, einer Thrash Metal Band in Richtung Hatesphere/The Haunted. Daher hat jeder schon so seine Erfahrung in anderen Bands gemacht.

3. Eure beiden Full-Lengths sind direkt über Bastardized Recordings veröffentlicht worden. Wie kam da der Kontakt zustande? Ich denke mit „The Siege“ habt ihr schon gut in das Programm des Labels gepasst. Dennoch ist es mutig, eine so junge Band so früh unter Vertrag zu nehmen… Ein Demo oder so was habt ihr in der kurzen Zeit wahrscheinlich nicht gehabt, oder?

Doch wir haben 2008 eine EP veröffentlicht und uns damit auch bei Bastardized Rec. beworben woraufhin sie uns unter Vertrag genommen haben, anschließend haben wir uns direkt dran gemacht die Songs für unser Debüt zu schreiben.

4. Zu „The Siege“ habt ihr noch ganz unverhüllt dazu gestanden, modernen Death Metal mit Einschlag aus dem Hardcore/Metalcore zu machen. Sogar das „Unwort“ Deathcore fällt in der Bandinfo. Ein wenig klang das schon so, als ob ihr auf den aktuell angesagten Zug aufspringen wolltet.
Nun gab es aber zu „Benthic Horizon“ eine deutliche Stilkorrektur. Die Breakdowns und Stakkatos werden nun weniger plakativ, sondern zielgerichteter verwendet und ihr habt euch gänzlich mehr in richtig technischem Death Metal orientiert. Einhergehend mit der musikalischen Veränderung habt ihr dann auch euer Logo mehr in Richtung böse Metal-Optik angepasst, haha. Wie kam es zu diesen Änderungen? Gerade innerhalb der kurzen Zeit zwischen „The Siege“ und der aktuellen Scheibe ist dieser Prozess sehr auffällig!

Für uns war es eigentlich schon immer Death Metal, zugegeben mit einigen modernen Elementen und Breakparts. Die Info mit den jeweiligen Stilbeschreibungen haben wir selbst nicht geschrieben, aber dem Kind muss halt immer wieder ein Name gegeben werden. Diesmal sind wir einfach fokussierter und konzentrierter an die Songs gegangen und haben vieles kanalisiert. Was vielleicht noch ein gewisser Übereifer bei unserem Debüt war, wollten wir nun ein bisschen anders lenken und damit auch das Gesamtkonzept mit Artwork und Logo.

5. „Benthic Horizon“ ist ein extrem fettes Teil geworden! Hier wird fettes Riffing mit modernen Stakkatos, hyperschnellen Blastbeats und ordentlicher Atmosphäre vermengt. Im Gegensatz zu vielen anderen modernen Veröffentlichungen wird nicht einfach ein langweiliger Breakdown nach dem anderen runtergerotzt – wobei die meisten dann eh gleich und kraftlos klingen -, hier werden die heutigen Stilmittel schön als Ergänzung in den Songs verwendet. So sollte zeitgemäßer Death Metal klingen! Ich denke, ihr seid auch mächtig stolz auf das Ergebnis. Oder gibt es mit etwas Distanz doch ein paar Punkte mit denen ihr unzufrieden seid und die ihr beim nächsten Album besser oder einfach nur anders machen wollt?

Erstmal Danke für diese krasse Kompliment. Das ist ja genau das, was man erreichen will. Danke. Es gibt immer Dinge, die man im Nachhinein anders gemacht hätte, denn man steht unter sehr starkem Zeitdruck, denn Ausruhen gibt’s da nicht. Es geht morgens um 09:00 Uhr los und endet um 19:00 Uhr und dazwischen gibt’s 15 Min. Pause. Wenn man dann mehr Zeit hat, sagen wir 6 Wochen, dann kann man vieles mit Abstand betrachten und auch mal wieder ändern (jetzt nur auf die Studiozeit/Aufnahmezeit gerechnet). Aber trotzdem sind wir mehr als stolz auf das Album und auch auf unsere Leistung.

6. Darf man fragen wer eure Haupteinflüsse sind? Sowohl anfänglich, als ihr noch mehr dem Deathcore zugetan wart, wie auch heute? Alleine durch den Wechselgesang zwischen hoch und tief, wie auch durch einige melodische Soli und Leads würde ich einen Hauch The Black Dahlia Murder nennen. Insgesamt passen aber eher Hate Eternal, Decapitated und vielleicht auch aktuelle Krisiun zu euren schnellen, technischen und auch düsteren Passagen…

Oh Krisiun war bisher noch nicht dabei, hehe. Also bei unserem Debüt kann man sicher hören, dass Bands aus dem modernen Sektor Einzug in unsere Playlist hielten wie z.B. Despised Icon. Aber irgendwie haben wir uns schnell auf unsere Wurzeln bezogen, was vielleicht auch ein Bisschen der Einfluss von Bands wie Hour of Penance oder Fleshgod Apocalypse ausgemacht hat. Denn diese Jungs verbinden klassischen brutalen Death Metal mit modernen Elementen, ansonsten bilden die Haupteinflüsse wohl Behemoth, Suffocation, Decapitated und auch The Black Dahlia Murder, um auch mal was aus dem neuerem Sektor zu nennen.

7. „Benthic Horizon“ scheint im Zeichen des Wassermanns zu stehen, der Titel heißt frei übersetzt „Horizont des Meeresbodens“, ein Barotrauma erleiden oft Taucher, die zu schnell aufgestiegen sind, und Songnamen wie „The Wrackage“ (Das Wrackgut/Schiffbruch), oder „The Deepest Blue Is Black“ implizieren tief-nasse Gedanken, haha! Wie bist Du auf dieses, doch eher untypische Thema für ein Metalalbum gekommen? Hast Du eine besondere Beziehung zur tiefen See und dem Wasser im allgemeinen?

Ja, das Thema hat mich schon immer fasziniert und als ich den Rahmen zur Tiefsee und der Tiefseeebene vorgeschlagen habe, waren alle direkt begeistert, da es viel Interpretationsspielraum und auch neue Ideen liefert. Christus und seine Jünger hat inzwischen schon jede Band diffamiert. Wobei das Okkulte mich auch immer noch fasziniert. Vielleicht gibt’s beim nächsten mal Geschichten über den schwimmenden Satan, der mit Muränen sein Reich beschwört, hehe. Die Tiefsee wirkt halt sehr geheimnisvoll und all die Kreaturen, die ohne Sonnenenergie und in abartigen Gestalten ihr Dasein fristen, wirken sehr bedrohlich und vermitteln schon die richtige Grundstimmung.

Benthic Horizon8. Sowohl „The Siege“, wie auch nun „Benthic Horizon“ fallen durch ihre Coverartworks besonders auf! Gerade „The Siege“ hatte mit seinem comicartigem Look ein eher untypisches Artwork für aktuelle Extrem-Musik. Wie wichtig ist euch die grafische Komponente an ICHOR? Seht ihr hier auch einen gesamtheitlichen Aspekt eines Releases?

Die grafische Umsetzung ist uns sehr wichtig, gerade zur neuen Platte sollte alles passen und unsere Vorstellungen sind mehr als übertroffen worden. Ich liebe unser Artwork , Toshi ist ein hammer Künstler und verbindet diese old school Elemente im Stile von Dan Seagrave und verpackt sie modern, ähnlich wie unsere Musik. Es passt einfach hervorragend.

9. Passend zu der nautischen Thematik von „Benthic Horizon“ hat das Album das wohl geilste Cover des Jahres (direkt neben Atheist’s Jupiter)! Ich mag sowohl die Atmosphäre, wie die makaberen kleinen Details, und natürlich auch die liebevolle und minutiöse Ausführung! Wer hat das Cover gezeichnet und wer hatte die Idee dazu? Habt ihr dem Künstler einfach nur den Albumtitel genannt, oder habt ihr auch schon Vorgaben gemacht? Wurde euer neues Logo von dem gleichen Künstler entworfen?

Uh, da war ich in der vorherigen Frage etwas vorschnell, denn auch ich bin restlos vom Artwork begeistert. Also der volle Name des Künstlers lautet Toshihiro Egawa (http://toshihiroegawa.com/ – Anm. d. Verf.) und kommt aus Japan, er hat auch schon für Bands wie Annotations Of An Autopsy, The Faceless oder Deeds Of Flesh gearbeitet. Der Titel kam erst später, ich schrieb ihm einfach was zum allgemeinen Rahmen und über die Thematik, denn es sollte ja ein gewisser roter Faden erkennbar sein und allein die ersten Entwürfe waren der Hammer. Das Logo wurde von Andreas Schüssler entworfen, er arbeitet unter dem Namen Decomposed Art (http://www.myspace.com/decomposed_art – Anm. d. Verf.) und spielt bei Mutilation Of The Flesh (http://www.myspace.com/mutilationoftheflesh – Anm. d. Verf.) Gitarre.

10. Im Januar spielt ihr hier bei mir um die Ecke in Alsdorf auf dem „Alsdorf Aus Der Asche II“. Das Festival ist sehr Hardcore-lastig und eigentlich passt ihr mit eurem neuen Sound nicht mehr so recht in das Billing, wenn Du mich fragst… Wo siehst Du ICHOR aktuell? Fühlst Du dich immer noch zu der Hardcore-Szene zugehörig/verbunden? Ich habe mir mal sagen lassen, dass die Szene in und um Trier wohl ziemlich florieren muss…

Das so in enge Genregrenzen zu packen, ist immer schwierig, wir freuen uns auf jede Show und je mehr Abwechslung im Billing umso besser. Fakt ist aber, dass wir Death Metal spielen, ob dann die Leute immer so mit unserem Sound parat kommen, ist unterschiedlich. Hier in Trier ist Szene relativ stark, Hardcore/Metalcore/Deathcore Shows werden gut besucht, die eher traditionellen Bands sind eher selten geworden, das liegt aber auch daran, dass die Agenturen nichts wirklich mehr on the road schicken und wenn, dann zu ungemütlichen Preisen.

11. Zum Schluss natürlich noch die obligatorische Frage nach der Zukunft, wie geht es weiter mit ICHOR? Habt ihr schon konkrete Pläne für 2011? Gibt es dann wieder eine neue Scheibe von euch? Stehen schon irgendwelche Festivals?

Die Zukunft ist immer schwierig abzuschätzen, live wollen wir natürlich soviel wie möglich spielen. Zwei Festivals sind auch schon gebucht, eins in unserer Umgebung in Bitburg und eins in Mecklenburg Vorpommern. Wir hoffen es kommen noch ein paar dazu, sowie eine kleine Tour. Aber wir werden auch schon bald wieder an neuem Material basteln, um die Zeit optimal zu nutzen, denn Ziel ist es, nächstes Jahr wieder in’s Studio zu gehen.

12. Eric, vielen Dank für deine Zeit, Antworten und vor allen Dingen, dass Du uns nach der eher nüchternen Kritik zu eurem Debüt doch noch mal mit einer Promo-CD beglückt hast! Viel Erfolg wünsche ich Dir und Deiner Band mit „Benthic Horizon“, ich freue mich schon auf den Januar und das „Alsdorf Aus Der Asche II“, wie auch das „Battles In The Norf“! Hinterlasse doch ein paar letzte Worte für mich und meine Leser!

Ja gerne, wir geben ja nie auf und versuchen immer Vollgas zu geben, daher ging auch erneut die Promo an dich raus. Wir wollten auch dich überzeugen, hehe. Vielen Dank für deinen Support, das wissen wir echt zu schätzen und es würde mich echt freuen, dich auf den folgenden Events zu sehen und natürlich auch all eure Leser. Einfach vorbeikommen und mit uns einen trinken. CHEERS



Interview: Chris (Necroslaughter) / Eric (Vocals @ Ichor) · 06.12.2010
© Bilder: Ichor