Desecresy – Das Album ist definitiv nicht für Jedermann!

Mit ihrem schleimigen Batzen brachialer Dunkelheit haben mich DESECRESY aus Finnland richtig umgehauen! Dieser düstere und morbide Klumpen Death Metal gehört eindeutig in die Sammlung zu Immolation, Incantation, oder ihren Landsleuten von Krypts und Hooded Menace! Volle Punktzahl von meiner Seite für „Arches Of Entropy“ und zwingend auch ein Interview an Multi-Instrumentalist Tommi Grönqvuist. Lest das Ergebnis im Folgenden und kauft euch das Album, wenn ihr auf modrigen Death Metal steht!


1. Hey Tommi! Wie geht es dir? Ich denke, gerade wird es ziemlich kalt und düster im finnischen Winter sein, also passt das Wetter super zu eurer Musik, haha! Wie fühlt es sich an ein Debütalbum über Xtreem Music draußen zu haben?

Hi Chris! Ja, hier ist es nun kalt und nett. Diese Jahreszeit hat ein besonderes Feeling mit all der Dunkelheit und so. Auch wenn wir ein paar Stunden Sonnenlicht hier in Südfinnland abbekommen. Es ist großartig das Album draußen zu haben! Die Veröffentlichung kam viel schneller als wir gehofft haben.

2. Nun, lass uns mal langsam mit ein paar langweiligen Standardfragen beginnen. Aber da es kaum Informationen über DESECRESY im Internet gibt, muss ich euch einfach nach etwas Bandgeschichte fragen. Alles was ich weiß ist, dass ihr ein Duo seid und euch in 2009 zusammengetan habt. Aber wer nun welches Instrument spielt, wie alles begonnen hat und ob einer von euch zuvor in einer Band gespielt hat, das ist immer noch ein Geheimnis für mich – und somit wahrscheinlich auch für meine Leser!

Nun, ich spiele alle Instrumente und Jarno Nurmi macht den Gesang. Wir beide schreiben die Texte zu den Liedern. Wir haben in einer Band mit Namen SLUGATHOR gespielt, wo ich Gitarre und Jarno den Bass auf der Bühne gespielt hat. Neben anderen Bands hat Jarno auch in NERLICH gespielt und er hat eine Ein-Mann-Band SERPENT ASCENDING.
Als SLUGATHOR begraben wurde, wollte ich weiter Death Metal machen und dieses Mal wollte ich mich darauf konzentrieren, was ich wirklich kann. Für mich ist das schreiben und aufnehmen von Death Metal Songs. Ich habe Jarno gefragt, ob er sich mir anschließen mag und so wurde DESECRESY geboren. Auch wenn es eine Zwei-Mann-Band ist, ist es definitiv kein Side-Project. Für mich ist es die einzige Band.

3. Ihr habt keinen Umweg über ein Demo gemacht, bevor ihr euch an die Arbeiten zu eurem Full-Length begeben habt. Ein wenig scheint es schon ein neuer Trend zu sein, dass eine neue Band ihr erstes Lebenszeichen direkt als volles Album über ein Label gibt. Doch wie ist eine so junge Band für ihr Debüt in Kontakt mit Xtreem Music gekommen?

Wir wollten nicht zuerst ein Demo und später die gleichen Songs noch mal veröffentlichen. Wir hatten genug Material und eine Vision, wie wir es aufnehmen wollten, also warum nicht direkt ein komplettes Album machen? Wir haben viele Demo-Aufnamen gemacht, aber die haben wir für uns behalten. Die erste Version des Albums (alles, außer die Vocals) wurde bereits 2009 aufgenommen. Dann gab es Änderungen in der Tracklist und das ganze Album wurde von Anfang an neu aufgenommen in 2010. Wir waren nicht ganz sicher, ob wir einen Deal bekommen. Wir haben das Album an Xtreem geschickt, weil es ein cooles Label ist und gute Death Metal Alben herausgebracht hat. Dave Rotten mag finnischen Death Metal, das kann auch ein Grund gewesen sein, warum er das Teil auch rausbringen wollte.
Allgemein, warum starten Bands direkt mit einem Full-Length? Ich denke, da gibt es eine Reihe von Gründen. Die Aufnahmen sind heute günstiger und es ist nicht unüblich, dass Labels im Underground nicht für ein Studio bezahlen. Also warum sollte man Zeit und Geld für Demos verschwenden? Es ist an den Labels zu entscheiden, ob ein Album eine Veröffentlichung wert ist und es ist an den Leuten, ob es den Kauf wert ist.

4. Die Webseite eures Labels hat ein nettes Statement: „DESECRESY will keine sogenannte ‚oldschool‘ Band sein. Ihr Ziel ist es, Death Metal so zu machen, wie er sein sollte, nicht wie er einmal war.“ Yeah, ich stimme damit in zwei Punkten überein. Erstens: Ihr habt einen gänzlich anderen Schlag als all diese Retro-Bands, die aktuell erscheinen wie der Schimmel in einem feuchten Keller, ihr seid archaischer und böser. Und das Zweite ist, dass DESECRESY Death Metal spielen, wie er sein sollte: düster, schwer, schleimig und roh!
Genauso wie dieses Statement nennt Xtreem Music eure Einflüsse in Abhorrence (Fin), Immolation und Incantation, aber auch Bolt Thrower oder Grave, die ich beide nun nicht so sehr raushöre… Dennoch ist eure Musik ziemlich unabhängig von den genannten Bands. Wo bekommt ihr eure Inspiration her und was willst du persönlich mit deiner Musik ausdrücken?

Ich denke, ich habe kürzlich ein Review gelesen, das speziell Bolt Thrower und Grave als offensichtliche Einflüsse nennt. Darum ist es ziemlich schwer bestimmte Bands als Referenzen zu benennen. Jeder hört da andere Einflüsse. All die oben genannten Bands haben uns inspiriert, aber da gibt es natürlich noch viele weitere. Wir versuchen aber, nicht zu stark von einer bestimmten Band beeinflusst zu werden. Wir versuchen bestimmte Elemente, die im Death Metal oder sogar in anderen Stilistiken existieren zu finden und in unserer Musik hervorzuheben. Es ist wichtig eine düstere Atmosphäre in die Musik zu bringen und dennoch die Brutalität des Death Metals zu erhalten. Ich denke, der Begriff „oldschool“ ist ziemlich nutzlos. Wenn ich mir Metal anhöre, denke ich nicht darüber nach, ob es nun „old school“ oder „modern“ ist.

5. Momentan scheint die epische Welle des Retro-Sounds zu herrschen. Aber viele der Bands, die auf diesem Trend mitsurfen klingen wie die alten Stockholm-Bands Dismember, Grave, Entombed und so weiter. Was denkst du über die aktuelle Entwicklung, wo DESECRESY eine komplett andere Herangehensweise hat? Was denkst du über Revivals von Gruppen wie Interment oder Evocation?

Ich war nie ein großer Fan, weder von Interment oder Evocation, entsprechend habe ich auch keine starken Gefühle über ihre Revivals. Ich habe Evocations „Tales From The Tomb“, aber es ist mir zu melodisch. Der Opener ist dennoch gut. All diese neuen Bands… Ich denke, es gibt genug Bands, die den alten schwedischen Stil und Sound spielen und gespielt haben, da ist es schwer Interesse an den neuen zu bekommen. Dennoch glaube ich, dass dies nicht der schlimmst vorstellbare Trend ist.

6. Der junge finnische Underground scheint ein wenig anders als die Hauptströmung zu sein. Ich denke an Bands wie Stench Of Decay oder mehr an Hooded Menace und Krypts. Diese Bands tendieren zu einem dunkleren Sound und haben viel mehr Downtempo-Parts als all die Ufta-Kapellen… Und diese langsamen, aber immer noch schweren und mürbenden Momente machen auch „Arches Of Entropy“ zu etwas besonderem. Würdest du sagen, dass der Doom Metal euch in den langsamen Teilen beeinflusst hat?

Ich denke, diese Teile sind langsamer Death Metal. Aber natürlich bist du im Territorium des Dooms wenn du in die Gegend von langsamen und schweren Riffs gehst. Ich höre auch ein paar Doom-Bands, also kann ich einen gewissen Einfluss von dort nicht wirklich verleugnen, doch denke ich immer noch, dass es lediglich langsamer Death Metal ist. Ich denke, die Leute sind langsam übersättigt mit diesem endlosen Geschwindigkeits-Wettkampf, und darum gehen immer mehr Bands in die entgegengesetzte Richtung. Ich bin auch froh, dass viele neue finnische Death Metal Bands an den finnischen Death Metal Traditionen interessiert sind. Das war mal ziemlich unterbewertet.

7. Neben all den rohen und doomigen Riffs habt ihr auch ziemlich griffige Melodien. Doch sind sie ziemlich anders zu dem, was die meisten Leute wohl unter „catchy“ oder sogar „melodisch“ verstehen, haha! Bestehend aus mehr oder weniger nur drei Tönen sind diese Melodien sowohl hypnotisch wie auch unheilvoll. Wow, diese Elemente bringen wirklich ein besonderes Feeling in eure Musik und lassen eure Songs im Gedächtnis bleiben. Erkenne ich da eine infernalische Trinität (Großen Dank an Stench für die Inspiration an dieser Stelle! – Anm. d. Verf.) in „Arches Of Entropy“? Roher und brutaler Death Metal, düstere und sinistre Atmosphäre und griffige und morbide Melodien?! Welches dieser Elemente ist das wichtigste für dich, wenn du über den Gesamtsound von DESECRESY nachdenkst?

Gut getroffen mit dem Trinitäten-Ding! Ich hätte es selber nicht besser sagen können. Vielleicht sollte ich mir das für zukünftiges Songwriting aufschreiben, haha! Ich würde keines dieser Elemente über ein anderes stellen. Es ist mehr die gute Balance zwischen ihnen. Das Wort „Melodie“ bedeutet oft etwas übersentimentales oder zuckersüßes. Doch das muss es nicht sein. Ich denke nicht, dass jeder Song Lead-Gitarren haben muss, aber sie machen die Lieder charakteristischer.

8. Ich denke nicht, dass viele Leute euer Debüt mögen werden. DESECRESY sind zu archaisch und unbequem für die meisten Leute, die auf heutigen „oldschool“ Death Metal stehen. Was denkst du über eure möglichen Adressaten? Denkst du, „Arches Of Entropy“ wird im Underground zu etwas Erfolg kommen? Ich hoffe es jedenfalls für euch!

Das Album ist definitiv nicht für Jedermann! Wir haben von Anfang an erwartet, dass es stark kritisiert wird. Also war das Feedback sogar erstaunlich gut bisher. Ich habe bereits die reine Veröffentlichung als Erfolg angesehen, aber ich denke nicht, dass DESECRESY eine neue Hype-Band oder so was werden wird. Ich hoffe nur, dass das Album seinen Weg zu den Leuten findet, die so ein Zeug mögen könnten.

9. Yeah, auch wenn euer erstes Blut in meinem dummen Magazin volle Punktzahl kassiert hat, hast du hier etwas Platz um „Arches Of Entropy“ zu bewerben! Xtreem kündigt etwa an: „Printed on killer ancient-looking grim bloodred paper!!“ Erzähl mir was um das Drumherum eures Albums! Wer hat das Artwork gezeichnet? Wird es eine Vinyl-Version geben? Erzähl mir jedes kleine Detail um euer Debüt!

Ich musste schon beim ersten Lesen der Anzeige ein wenig schmunzeln. Ich wusste gar nicht, dass Papier ein Killer sein kann, haha! Das Coverartwork und Layout habe ich gemacht. Ich wollte die Grafiken so simpel wie möglich halten und entsprechend besteht das Artwork nur aus Zeichnungen, die ich auf rotes Papier gedruckt habe. Es gibt seinen eigenen Touch zu dem Release. Bisher weiß ich noch nichts über eine Vinyl-Version, aber ich hoffe darauf.

10. Ihr seid ja nur zu zweit, spielt ihr da auch Konzerte? Habt ihr dann Gastmusiker oder Backup von einer Drum-Machine?

Aktuell spielen wir nicht live und wir haben bisher auch keine Pläne dazu. Doch wer weiß, ob wir das nicht in Zukunft machen werden. Wir müssten vorher nur passende Session-Musiker bekommen, das ist leichter gesagt als getan.

11. Yeah, letzte Runde! Da eure Musik absolut großartig ist, denke ich auch, dass du einen guten Geschmack hast, haha! Nenn‘ mir deine aktuellen Lieblingsbands und gib uns deine kleinen Tipps aus dem modrigen Underground!

Ich muss gestehen, dass ich ein bisschen faul bin, neue Bands in der Szene zu suchen. Es ist schon schwer genug Zeit zu finden um die alten zu hören! Doch ich denke, ich nutze diese Gelegenheit um meine befreundeten Landsleute zu hypen. Natürlich die Bands, die du zuvor genannt hast (Stench Of Decay, Hooded Menace und Krypts). Und ich würde gerne noch Ascended, Swallowed und Lie In Ruins hinzufügen.

12. Tommi, vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten. Ich hoffe, dir hat mein stinkiges, kleines Interview gefallen und ihr habt noch viel Erfolg mit „Arches Of Entropy“. Macht weiter so, ich habe ein Auge auf euren weiteren Weg! Lass ein paar letzte Worte an mich, meine Leser und das Vergessen des Internets!

Danke dir für dieses Interview Chris! Und Danke auch für das gute Review! Lass uns das verdammte Rad des Death Metals weiter drehen! Entweder durch selber spielen, darüber schreiben oder einfach den großartigen Klängen des Death Metals zuhören! Wir sollten keine Trends Überhand über die Musik bekommen lassen. Thanks and Cheers!



Interview: Chris (Necroslaughter) / Tommi (Alle Instrumente @ Desecresy) · 16.12.2010
© Bilder: Xtreem Music