11.12.2010 – The Nightmare Before Crustmas in Liege (B)

Infos:
11.12.2010 im La Zone, Liege (Belgien)
Beginn: 17:00h
Damage: 10 Euro

Bands:
The League Of Mental Men, Last Under The Sun, Days Of Desolation, Last Legion Alive, Agathocles, Goat Vomit, Kasatka,
Fokkum, Krush, Mucus

Liebes Tagebuch!
Wer sagt bitte, dass es immer Heavy Metal sein muss? Es gibt auch in anderen Schubladen schnelle und aggressive Musik! Und wer sagt bitte, dass man immer einen journalistischen Anspruch erfüllen muss? Gerade bei einem schön subjektiven Konzertbericht? Seien wir ehrlich: Ein lecker Bierchen und auch mal einfach Spaß haben, das ist doch Rock’n Roll! Und genau so bin ich auch an „The Nightmare Before Crustmas“ rangegangen!

Im beschaulichen Liege – früher noch Lüttich (; – gaben sich 10 Bands den Terror-Marathon im netten La Zone. Der Zeitplan schien straff, um 17h musste die erste Truppe auf die Bühne. Natürlich waren wir nicht pünktlich und verpassten die ersten Bands! Und wo wir schon mal hier waren, mussten wir natürlich auch nach lecker belgischen Pommes gehen, die schlussendlich aber doch nur ein Döner wurden… Doch auch wenn diese Megaportion Fleisch beachtenswert war, ist die Liste an verpassten Bands vielleicht interessanter an dieser Stelle:

Von den insgesamt 10 Bands haben wir nicht gesehen: Goat Vomit (http://www.myspace.com/ridingthegoat), Kasatka (http://www.myspace.com/hyperxthrash), Mucus (http://www.myspace.com/grindcoremucus) und The League Of Mental Men (http://www.myspace.com/theleagueofmentalmen666). Entsprechend kann ich zu diesen Bands auch nichts sagen, außer dass The League Of Mental Men die Power Violence Band des Veranstalters sind (;

Das erste musikalische Zeichen, das wir von diesem Abend mitnahmen, waren Days Of Desolation. Anfänglich ziemlich steif wurde die Truppe im Verlauf des Sets etwas lockerer und bretterte druckvollen, wenngleich auch etwas gesichtslosen Crustcore in das partyfreudige Publikum. Der Drummer war richtig fit an seinen Kesseln und hat hier und dort mit netten Blastbeats etwas Grind in die Musik gestreut. Nett, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
http://www.myspace.com/daysofdesolation

Durch erwähnten Döner-Zwischenfall wurde nun eine Band verpasst, die ich aber nicht mehr benennen kann. Doch pünktlich zum belgischen Grindcore-Urgestein Agathocles waren wir aber wieder vor Ort. Warum ein so großer Name so zentral im Billing spielte, das weiß wohl nur der Deibel – und vielleicht der Veranstalter, aber dem Publikum war das scheinbar egal. Gefeiert wurde, der Uhrzeit zum Trotz, wie für einen Headliner. Anders ging es aber auch gar nicht! Agathocles haben zwar nur gefühlte drei Songs gespielt – doch dafür wurden Groove und Brutalität großzügig mit der großen Schöpfkelle verteilt! Ein brutales Brett, was zu recht für dicke Bewegung vor der Bühne sorgte. Agathocles zählen noch lange nicht zum alten Eisen!
http://www.agathocles.com/
http://www.myspace.com/agathocles12

Nach dieser Primitiv-Abriss-Party hatte es die folgende Band sicher nicht leicht beim Publikum. Doch mit Frauenbonus wurde schnell das Interesse geweckt. Nicht umsonst, denn das zierliche Persönchen am Mikrophon hatte ein ordentliches Organ das sich neben Rachel (ex-Sinister) oder Jasmin (ex-Sufferage) nicht vor männlichen Death Metal Sängern verstecken brauchte! Den passenden Soundtrack zum Gesang lieferten der Rest von Last Legion Alive, die irgendwo zwischen skandinavischem Hardcore/Crust der Marke Massmörd und britischem Death Metal eine nette Walze ablieferten. Anfangs war diese Mischung sehr interessant und mitreißend, leider wurde es aber gegen Ende hin etwas gleichförmig. Nichtsdestotrotz werde ich mal ein Auge auf die Belgier halten!
http://www.myspace.com/lastlegionalive (leider nur mit einem weniger Death Metal artigem Song)

Der gemeinsame Nenner des Abends ging eigentlich schon aus dem Namen hervor: CRUSTmas. Doch gleichsam war es interessant, wie unterschiedlich die Ausprägungen der einzelnen Vertreter waren. Nachdem wir bereits Power Violence, Crustcore, Grindcore und Death Metal gehört haben, kam nun eine mehr dem Punk zugetane Band. Doch bevor Fokkum spielen sollten, wurde erstmal groß umgebaut, das komplette Schlagzeug wurde ausgetauscht und an den Verstärkern rumgespielt. Mal ehrlich, hat sich all der Aufwand gelohnt? Nun, nicht wirklich für das Publikum! Die Bassistin war steif wie ein Brett, der Gitarrist irgendwie selbstverliebt und die Show entsprechend langweilig. Gleiches galt auch für den Punkrock, der nur gelegentlich mal etwas härter und schneller war und von einem unglaublich unpassendem, verzerrten Bass begleitet wurde. Sorry, aber Fokkum hätte man ruhig etwas früher im Set verheizen können…
http://www.myspace.com/fokkum

Auch sehr punk waren die Briten Last Under The Sun, nur wesentlich angepisster als Fokkum. Entsprechend ging es hier auch aggressiv wie The Exploited auf Koks zu. Im direkten Vergleich zur Vorgängerband eine 100%ige Steigerung. Doch waren Last Under The Sun auch nicht sonderlich nachhaltig. Wer auf wütenden Punk steht, darf dennoch gerne mal die Myspace-Seite der Band besuchen.
http://www.myspace.com/lastunderthesun

Zehn Bands und ein straffer Zeitplan. Da musste es ja zu gewissen Verzögerungen kommen! Bereits Agathocles haben sich Zeit gelassen und Fokkum brachten mit ihrem intensivem Umbaugedöns auch noch eine Störung in das Programm. Kein Wunder, dass der Veranstalter bereits die letzten zwei Bands freundlich von der Bühne komplimentierte. So begannen Krush ihren Auftritt mit dem Hinweis: „Dies ist wahrscheinlich das kürzeste Krush-Set ever…“ – Egal, im Grindcore bekommt man viele Songs in sehr wenig Spielzeit! Mit Frau Nummer Drei auf der Bühne, diesmal an der Gitarre, gab es klassischen Grind zwischen Terrorizer und Phobia, der mit zwei Sängern ordentlich Druck machte. Eine kleine Dampfwalze, die zu Recht weit hinten im Billing anzutreffen ist. Vielleicht nicht ganz so brutal und eingängig wie Agathocles, für den Grinder aber definitiv ein kleines Leckerli!
http://www.myspace.com/krushcrustgrind

Durch das sehr abwechslungsreiche Programm war „The Night Before Crustmas“ ein unterhaltsamer Abend, wo man auch gerne über kleinere qualitative Einbrüche hinweg sah. Nicht zuletzt trugen neben den Bands auch die ausgelassenen Besucher zum intensiven Erlebnis der Veranstaltung bei! In Deutschland sieht man das selten, dass die Leute vor der Bühne so viel Spaß zur Hintergrundmusik in den Umbaupausen haben und sich so extrem bei den Bands gehen lassen.
Und auch, wenn es nun komisch klingt: Selbst die Musikauswahl in den Pausen war super! Von Neurosis, alte Metallica, Sex Pistols, Iggi Pop, Danzig, die Palette war breit gefächert und sehr gut ausgesucht.
Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in dem kultigen La Zone!