05.12.2010 – Campaign For Musical Destruction-Tour in Aachen

Infos:
05.12.2010 im Musikbunker, Aachen
Damage: ~18-22 Euro (je nach Vvk.)
Einlass: 18:00h
Beginn: ~19:00h

Bands:
Blunt Force Trauma, Waking The Cadaver, Macabre, Immolation, Napalm Death

Mensch, was habe ich mich auf diesen Abend gefreut! Seitdem die ersten Infos zu dieser Tour Anfang September raus kamen, war ich schon ganz fickerig. So ungewöhnlich das Package auch zusammengestellt war, so geil war es gleichermaßen. Und dann sollte so ein dickes Mörderpaket auch noch in das verschlafene Aachen kommen? Christus, wie geil ist das bitte?
Beim letzten Besuch von NAPALM DEATH im beschaulichen Kaiserstädtchen war ordentlich Kirmes, entsprechend waren die Erwartungen an die „Campaign For Musical Destruction“ recht hoch. Doch seien wir ehrlich, im Hinterkopf hat man immer die Aachener Printenköpfe, die scheinbar Konzerte nicht mögen. Beim letzten Stopp der Grindcore-Urgesteine handelte es sich um eine NRW-Exklusiv-Show, kein Wunder also, dass seinerzeit so viele Leute da waren. Dieses Mal waren die Karten direkt schlechter verteilt: Vor zwei Wochen machte der Trupp Halt in Köln und natürlich war an diesem Abend Winterchaos, was sicherlich auch den nicht ganz so harten Metaller abschreckte.

Entsprechend leer war es, als ich ungefähr um viertel nach sieben den Musikbunker betrat. Das war aber nicht zuletzt der verdammten Informationspolitik des Schuppens geschuldet: Viele Leute sagten, dass laut Location-Homepage erst um 19:00h der Einlass gewesen wäre und die zusätzliche Vorband vor dem Tourpackage war auch nicht angeschlagen. Schade, denn BLUNT FORCE TRAUMA hatten trotz der wenigen Leute vor der Bühne sichtlichen Spaß und rotzten ihren sehr punkigen Thrash Metal locker aus der Hüfte. Speckig wie die Kutten der Musiker kloppte die Mucke selber aus den Boxen und erinnerte mich mehr als einmal an D.R.I.. Doch dann fiel mir ein Poster der Band am Merchandise-Stand ins Auge: BLUNT FORCE TRAUMA bestehen wirklich aus ehemaligen Mitgliedern der kultigen Thrash-Punker – zumindest aus deren altem Drummer, womit nun fleißig die Werbetrommel gerührt wird. Egal, der flotte Crossover hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Nur waren eben zu wenige Leute für etwas mehr Party anwesend. Schade, sowohl für die Leute, die die Band verpasst habe, wie auch für die Kapelle selbst.

Nun, da auch gemäß der Bunker-Webseite der Einlass war, wurde es auch etwas voller im Konzertsaal, damit WAKING THE CADAVER zum Ringelpietz mit Anfassen aufrufen konnten. Die Slam-Deather sind im Brutal Death Metal-Underground seit ihren ersten Myspace-Klängen ein kleines Phänomen und haben mit einem neuen Album im Gepäck auch einen weiteren Grund, um auf Fan-Fang zu gehen. Zugegeben, die Mischung aus alten Dying Fetus und Devourment war sehr unterhaltsam. Doch gleichsam wenig mitreißend oder gar nachhaltig. Vielleicht bin ich auch einfach langsam aus dem Alter für dicke Slams raus, aber richtig überzeugten mich WAKING THE CADAVER nicht. Dafür aber die beiden wohl ältesten Konzertbesucher, die ihre Helden mehr als ordentlich abfeierten.

Was nun geschehen sollte, war eigentlich bereits im Vorfeld klar. MACABRE sind in dem Sinne keine Metal-Show. Es ist viel mehr eine Moritat mit etwas härterer Musik. Und damit die „Grim Scary Tales“ auch sachgemäß zur Geltung kommen, bedarf es eigentlich einem guten Sound, der aber im Musikbunker de facto nicht möglich ist. Dennoch machten die drei Urgesteine der extremen Musik das Beste aus ihrer Situation. Nach gut sieben Jahren mit neuem Material im Gepäck wurden dem Publikum alte und neue Geschichten um Nero, den Vampir von Düsseldorf, Fritz Haarmann, Jeffrey Dahmer oder Dennis Nielson erzählt. Dabei trotzten MACABRE klar den widrigen Umständen und konnten doch verhältnismäßig viel Bewegung in das Aachener Publikum bringen. Am mutigsten war in dieser Konstellation sicherlich das neue Polka-Stück „Nero’s Inferno“, bei dem Coporate Death klar singt. Respektabel! Ein verhältnismäßig solider Auftritt, der sicherlich auch neue Fans akquirieren konnte.

Mein kleiner, persönlicher Headliner stand nun auf dem Programm: IMMOLATION! „Majesty And Decay“ ist eines der besten Death Metal Alben dieses Jahres und leider hatte ich die Band zur entsprechenden Tour im Februar verpasst. Nun kann man sich vorstellen, wie sehr ich aus dem Häuschen war, dass die New Yorker Düster-Institution quasi vor meiner Haustüre spielte, Hell Yeah! Sicherlich kann man mir nun Befangenheit vorwerfen, doch waren IMMOLATION einfach nur episch! Mit wahnsinniger Energie böllerten Robert Vinga und Ross Dolan, der gleichsam hasserfüllt und kraftvoll all seiner Wut Stimme verlieh, dem Publikum ihre finsteren Hymnen entgegen. Lediglich Bill Taylor wirkte etwas abwesend, was dem Gesamtbild aber absolut keinen Abbruch tat! Denn mit unsterblichen Hits wie „Father, You Are Not A Father„, „World Agony“ oder „Majesty and Decay“ war alles andere als eine bedrohliche Präsenz unmöglich. Ich verneige mich in Demut vor dieser Darbietung!

Für viele Besucher kam nun der Hauptgrund für ihren Besuch, die Grindcore-Väter NAPALM DEATH. Schade, dass es dieses Mal etwas leerer war, als bei ihrem letzten Besuch. Doch sowohl die Band, wie auch Fans waren in bester Stimmung und einer ordentlichen Party für einen Sonntagabend stand absolut nichts im Weg. Souverän und dennoch ziemlich rotzig böllerte die Truppe alte, wie neue, eigene, wie gecoverte Songs in die Masse, die enthusiastisch jeden Ton an nahm und in kinetische Energie umwandelte. Klassiker wie „Scum“ oder „Suffer The Children“ durften genau so wenig fehlen, wie die Perle „On The Brink Of Extinction“ und das obligatorische „Nazi Punks Fuck Off“ – Wer waren noch mal Dead Kennedys? An diesem Abend war alles egal, denn NAPALM DEATH hatten eine Mordswut, kanalisierten sie wunderbar in ihrer Show, so dass jeder Gast seine persönliche Katharsis hatte. Ein anstrengendes Abendprogramm in Anbetracht des drohenden Montags – Oh, Moment, just in diesem Moment setzte dieser fiese Wochenbeginn bereits ein. Doch die Birminghamer Punks waren alle Nackenschmerzen und Kater des folgenden Morgens wert. Ein roher, kraftvoller, mitreißender Auftritt. Einfach gesagt: Geil!

In Anbetracht der musikalischen Diversität sollte eigentlich fast jeder Metaller an diesem Abend auf seine Kosten gekommen sein. Wer dieses mörderische Package verpasst hat, ist selber schuld, der Abend war definitiv eines der geilsten Konzerte des Jahres und definitiv DAS Konzert im Musikbunker. Wiederholung erwünscht, wenn der Veranstalter diese Zeilen ließt: Vielen Dank, bitte, BITTE mach weiter so!


Review:Chris, Korrektur: Martin