Stench – „The Fire, The Morbidity and The Catchyness“


In Putrescence“ ist das sehr polarisierende Debüt der schwedischen STENCH, die zu zwei Dritteln aus Mitgliedern von TRIBULATION bestehen. Ich für meinen Teil finde die rotzige Mischung aus morbider Atmosphäre und Melodik, rohem und aggressivem Death Metal und catchy Groove einfach nur hervorragend!
Gitarrist Jonathan (auch bei TRIBULATION) geht für uns weiter ins Detail, in die düstere Welt der Dreifaltigkeit, die bei STENCH so einiges am sicken hält!


1. Hey Jonathan! Wie geht es dir? Ich hoffe gut mit so einem geilem Album wie „In Putrescence“ im Rücken!

Hallo und Danke!

2. Ich weiß, es ist eine langweilige Standard-Frage, aber da STENCH eine recht junge Band ist, die gerade mal ihr Debütalbum veröffentlicht hat, halte ich sie dennoch für legitim, haha: Wie hat alles bei diesem dreckigen oldschool Bastard angefangen? Ich denke, du und Jonka kanntet euch bereits von eurer anderen Band Tribulation. Wart ich nicht beschäftigt genug mit dieser Kapelle? Interessanter Fakt: In Tribulation singt Jonka und spielt Bass, aber bei STENCH ist er der Drummer…

So wie die Dinge stehen, denke ich, dass du recht hast… Da war immer eine Neigung der Inspiration, die ich nicht wirklich beantworten konnte, wenn ich Musik für Tribulation geschrieben habe. Also wurden die abweichenden Visionen immer unterdrückt. Gleichzeitig habe ich mit Johannes schon seit Jahren zusammen gespielt und wir hatten schon lange die Idee zusammen Musik zu machen, mit ihm an den Drums.
Plötzlich haben wir uns dann mit Micke zusammengetan und auf einmal waren wir drei eine Band. Die Musik floss wie Wasser aus einem gebrochenen Damm und mit der Zeit fühlte es sich immer mehr an, als ob alles an seinem Platz war. Unsere Ambitionen und Ziele sind heute gegenseitig, obwohl wir persönlich sehr unterschiedliche Charaktere sind.

3. Soweit ich weiß war euer erster Output eine 7″ EP mit Namen „Reborn In Morbidity“ auf Soulseller Records. Hattet ihr kein Demo zuvor? Wie seid ihr in Kontakt mit dem Label gekommen? Habe ich Recht, wenn ich sage, dass Agonia einen besseren Deal für eure Full-Lenght hatten? Oder warum habt ihr gewechselt?

Das stimmt, ein Demo kam nicht mal in Frage. Wir wollten keine Zeit verschwenden oder einen Umweg zu unseren Zielen machen. Was die Label anbelangt, haben wir Soulseller Records selber ausgesucht und einen Vorschlag für die EP gemacht. Die Idee war, dass wir uns selber nicht bekannt machen, bevor wir ein Label im Rücken haben. Aber nach einer mehr oder weniger dramatischen Konfrontation in einem Pub in Stockholm in 2009 haben wir die Kooperation abgebrochen. Kurz darauf haben uns Agonia kontaktiert und einen Deal angeboten, der exakt das beinhaltete, wonach wir zu dieser Zeit gesucht haben.

4. Denkst du, dass es euch einen Vorteil für STENCH gebracht hat, dass du und Jonka bei den etwas bekannteren Tribulation spielen? Ich meine, Tribulation ist nun nicht sooo bekannt, aber hat mit „The Horror“ schon einiges an Aufmerksamkeit bekommen…

Heh. Wir haben Soulseller zunächst nicht über die Situation informiert, aber ich denke, die haben das ziemlich schnell selber rausgefunden. Also, richtig weiß ich das auch nicht. Schreib ihnen doch einfach eine Mail und frag nach!

5. Bevor eure Hörer in Kontakt zu eurer Musik kommen, sehen sie ein relativ atypisches, aber immer noch sehr schönes Cover-Artwork. Du weißt schon, so viel Weiß ist nicht Death Metal, haha! Aber im Ernst, das gesamte Design mit dem dreckigen Brauntönen erinnert mich ein bisschen an die Ästhetik von Edgar Allan Poe oder H. P. Lovecraft. Unglücklicherweise habe ich nur die Promo-Version und entsprechend fehlen mir einige Teile wie das Inlay oder simpel das Booklet. Aber ich habe die Info, dass alles von Necromantic Art gestaltet und dass die CD in zwei Kapitel aufgeteilt wurde. Und auf dem Cover sehe ich zwei Worte: „Fire“ und „Death“. Kannst du mir etwas über das Gesamtkonzept hinter eurem Artwork verraten?

Es ist sehr gut, dass du diese Details bemerkt hast. Das Artwork hat in der Tat eine wichtige Rolle für „In Purescence“. Die Idee war, dass die Musik in Kombination mit den Texten und der Kunst zusammen erfahren werden soll, als eine Einheit. Diese drei Komponenten sind gleichermaßen entscheidend wenn es um das Gesamtbild geht. Dadurch würde ich behaupten, dass die LP (mit den graphischen Vorteilen) wohl die ultimative Version der Full-Length repräsentiert. Gleiches gilt für das Konzept hinter dem Artwork. Die Antwort liegt in der Dreifaltigkeit und du musst es selber herausfinden.
Da ist natürlich ein allgemeiner Masterplan für alles, die Ideen, die Inspiration für die Texte und das Cover waren, wie auch das Fundament auf der die Musik entsteht.
Aber ich denke, am Ende ist die Antwort, dass du selber mit deinen eigenen Bezügen und Interpretationen kommen musst. Beispielsweise wie du es oben getan hast. Dann wird unsere Arbeit größer, als wir es selber sind.

6. Ich habe es bereits in meinem Review gesagt: Ich mag wirklich, wie ihr euer Artwork gestaltet und das Album in zwei Kapitel eingeteilt habt und den letzten Song „The One Who Rot“ mit dem Riff beendet, das „The Blackness“ eröffnet. Wow, so ein Gesamtkonzept ist unmöglich mit dem dummen iTunes oder lahmen MP3-Datein. Wie bereits erwähnt, euer erstes Release war eine 7″ EP und Agonia bringt von eurer Full-Length auch eine Vinyl-Version raus. Denkst du, Vinyl ist immer noch das beste Medium für Death Metal? Ich denke, du würdest dich nicht mit ein paar langweiligen Dateien auf deinem Computer zufrieden geben, oder etwa doch? Was denkst du über Tapes?

Es hängt davon ab. Heute gibt es Musik, die nichts weiter erstrebt, als einfach nur Musik zu sein, oder eben halt Unterhaltung. Diese Bands sind nicht mit jenen Künstlern zu verwechseln, die ihren eigenen Ausdruck und ihre eigene Kunst entwickeln wollen, ohne Kompromisse zu dem, was man von ihnen erwartet. Deswegen denke ich auch, dass viel aus dem Death Metal heute am besten mit dem iPod genossen werden kann, da die meisten Bands gar keine Ambitionen haben, ihre Hörer über andere Medien zu erreichen. Ich persönlich finde diese „Musik für den reinen Konsum“ total uninteressant.
Und ich denke, Tapes sind ein nettes Format um es einfach zu halten. Auch wenn ich selber größere Formate bevorzuge, sind Tapes meiner Meinung nach sehr passend für Demos.

7. Micke an den Vocals, Jonathan an den Gitarren, Jonka an den Drums, aber wer hat den Bass auf „In Putrescence“ eingespielt? Ich liebe diesen scheppernden Sound! Dadurch klingen alle Lieder so herrlich dreckig und roh!

Ich habe sowohl den Bass wie auch die Gitarren eingespielt. Großartig, dass du die Rolle des Basses zu schätzen weißt. Auch hier ist wieder eine Dreifaltigkeit am Werk. Die beiden Gitarren sind im Stereo jeweils auf einer Seite platziert und der Bass arbeitet in der Mitte – gespielt und gemischt wie eine dunklere und unabhängigere Gitarre. Meistens spielen die drei nicht die gleichen Noten, aber enden immer zusammen je weiter die Komposition voranschreitet.

8. Neben eurem Bass ist auch der Gesamtsound auf „In Putrescence“ sehr roh und dreckig. Ich mag wirklich diesen Klang auf einem Death Metal Album, es passt perfekt zu euren schmutzigen Songs! Whuza, da gibt es rohen, fast schon archaischen Death Metal, nette und griffige Black Metal Melodien und blackened as fuck Gesang! Ja, ich nehme an, STENCH sind wirklich böse, haha! Da ist es natürlich auch offensichtlich, dass ihr all den alten Helden im Death und Black Metal Tribut zollt. Doch wen würdest du als eure direkten Einflüsse benennen?

Da gibt es ein paar Bands aus den frühen Tagen, die etwas von dem haben, mit dem wir uns identifizieren, etwas von einem dunklen, ursprünglichen Touch. Doch wir spielen keine Hommage an diese oder irgendwen sonst, wir verwenden nur eine ähnliche Basis um das auszudrücken, was uns im Sinn steht. Diese Gefühle kommen aber von tief aus uns selbst – heute und nicht von vor 20 Jahren in der Vergangenheit.

9. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich euren Groove mag, besonders im Drumming? Es erinnert mich ein wenig an Adde Motroulis von General Surgery, Birdflesh, Sayyadina und am wichtigsten: Jigsore Terror, die einen ähnlichen Vibe wie ihr haben!
Was denkst du ist wichtiger für STENCH? Die rohe Aggression, die dunkle Atmosphäre oder der griffige Groove?

Eigentlich sind alle drei Bestandteile sehr wichtig für uns. Mal der eine mehr als die anderen, je nach Kontext. Kürzlich habe ich für mich selber versucht unsere musikalischen Einflüsse zu analysieren und bin zu einem ähnlichen Schluss wie du gekommen. Nur nenne ich es: „The Fire, The Morbidity and The Catchyness“.

10. Ich habe bisher nur wenige Kritiken über eure letzte Platte wirklich gelesen. Aber es ist interessant, dass die Kritiken euer Material entweder „nett“ fanden, oder ganz im Gegenteil, euch Stumpfheit vorwarfen. Was denkst du über die Reviews, die du bisher gelesen hast? Gibt es eine gewisse Tendenz in der öffentlichen Meinung? Nun, ich denke, ihr scheißt eh was drauf, wenn die Leute eure Musik nicht mögen, zumindest klingt ihr so, haha!

Ja, es scheint als ob wir die Gemeinschaft hier geschieden hätten, aber wir konnten auch nichts anderes erwarten, nachdem wir bewusst die meisten der aktuellen „Regeln“ des Genres gebrochen haben. Viele Leute kommen nicht darauf klar, warum – oh warum wir das tun, was wir tun und da ist es nun mal einfacher das abzuweisen, was man nicht versteht.
Dennoch gibt es ein paar Leute, die genug Versändnis haben und hinter ihre kleine Welt mit ihren persönlichen Konventionen über dem, was Death Metal ist, hinausschauen können und diese Individuen tendieren dazu, das wertzuschätzen was wir machen.

11. Da ich schon mal ein paar Fragen an dich richten kann, Jonathan, erzähl mir mal das jüngste Getratsche, News und Gefurze von Tribulation! Wie steht es um die Dinge hier?

Heh, Ich kann nicht mehr sagen, als dass die Dinge in Arbeit sind. Sogar ein Titel für den nächsten Output steht, aber ich werde ihn nun hier nicht ausplaudern.

12. Also was hat Priorität für eure nahe Zukunft? Kommt der nächste Release von Tribulation oder STENCH? Wie wäre es mal mit einer Split von den beiden Bands? Haha! Kommt erst mal eine neue EP oder direkt wieder eine Full-Length?

Das wird sich zeigen. Ich habe für mich selber ein paar Szenarien ausgemalt, was 2011 bringen wird, doch ist es nun mal Fakt, dass noch nichts ultimativ feststeht. Dazukommt, dass niemand wirklich weiß, was in Zukunft in unseren Leben passieren wird und somit auch eine Auswirkung auf unsere Arbeiten haben kann. 2009 und 2010 waren beides überwältigende Jahre für uns!

13. Jonathan, vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten! Ich hoffe, ihr habt viel Erfolg bei all den wirklichen oldschool Fuckern die „In Putrescence“ lieben und nervt noch was eure Kritiker mit diesem rohen Stück musikalischer Dunkelheit! Hinterlass ein paar letzte Worte für mich, meine Leser und all die Leute, die STENCH nicht mögen, haha!

Danke dir! Ich mag es, wie die Fragen sich durch das Interview entwickelt haben, du hast den Fokus auf die richtigen Dinge gelegt. Wenn du dich weitergehend mit dem Konzept von unserem Artwork beschäftigen willst, schau einfach mal bei www.necromantic.art.se (irgendwie funktioniert das nicht… meint er vielleicht http://www.necromanticartist.com/? – Anm. d. Verf.) vorbei. Für alle anderen: Take us or leave us. Fuck off.



Interview: Chris (Necroslaughter) / Jonathan (Gitarren/Bass @ Stench) · 22.11.2010
© Bilder: Stench@MySpace, Sure Shot Works-Pressearchiv und Metal-Archives.com