Fester – Winter Of Sin

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Auf der oldschool Welle reiten aktuell viele neue, junge Bands mit. Warum sollte man dann nicht einfach auch mal ein paar alten Schinken aus dem Keller holen, damit sie im aktuellen Revival auch wieder für ein paar gute Verkaufszahlen sorgen? Nun, vielleicht mag diese kommerzielle Absicht wirklich eine böswillige Unterstellung sein. Doch anders kann ich mir den Re-Release von FESTERs „Winter Of Sin“ nicht erklären!
Sicherlich dürften ein paar Leute aus dem Black Metal Lager das erste Album der norwegischen Black/Death Metal Band aus dem Jahre 1992 zu schätzen wissen. Die progressive und teilweise erfrischend unkonventionelle herangehensweise von FESTER war seinerzeit sicherlich etwas neues, vielleicht sogar was besonderes. Doch das ändert nichts daran, dass gerade bei den längeren Songs mit mehreren Teilen alles ein wenig unausgegoren wirkt. Teilweise sind die Breaks etwas holprig und verwirrend und nicht selten verliert sich ein Song in der Progressivität. Gleichsam leidet ein wenig die Atmosphäre darunter, die eher nach einem leichten Bodenfrost als einem handfesten Winter anmutet. Dafür sind gerade die etwas düsteren, wenngleich auch seltenen Death Metal-Melodien nett morbid.
Ich will nicht nur möppern! Die experimentierfreude von FESTER ist sicherlich genau so löblich zu erwähnen, wie die sehr intensiven Soli und der absolut nekrotische Gesang! Menschenskinder, an dem Goldkehlchen können sich eine Menge heutiger Black Metal Bands etwas an Garstigkeit abschauen! Alleine „A Dogfight Leaves A Trace“ setzt deutliche Maßstäbe!
Doch insgesamt ist „Winter Of Sin“ nach heutigen Ansichten etwas altbacken. Keiner der Songs hat wirklich zeitlosen Charakter und bietet höchstens für Freunde von progressivem Black/Death Metal der frühen 90er einen Kaufanreiz. Wer das Album bereits besitzt, bekommt auf dem Re-Release von Abyss Records noch eine Live-Aufnahme von 1991: „When Darkness Confirms„, ein mit gut 9 einhalb Minuten fast schon episches Stück, das zwar grottigen Sound, dafür aber coole Atmosphäre besitzt.
Kurzum: Allerhöchstens für Historiker, Kompletisten und Genre-Fanatiker interessant. Der Rest kann getrost die Finger von „Winter Of Sin“ lassen.

Keine Wertung bei einem Re-Release

Infos:
Abyss Records – 2010
CD – 10 Lieder / 58:29 Min.