05.11.2010 – Metallize Aachen

Infos:
05.11.2010 / Musikbunker, Aachen
Damage: 5,- Euro
Einlass: 20:00h
Beginn: 20:30h

Bands:
Visnu, Thrashtanica, Guerrilla, Black Out Beauty

Wir haben November, die Tage werden kürzer, kälter, dunkler und die große Festival-Saison ist nun definitiv vorbei. Doch auch in diesem Jahr gab es wieder zum Jahresende das kleine METALLIZE-Festival im modrigen Musikbunker zu Aachen. Dieses Mal ganz im Zeichen des Thrashs – wenn man die kleine Ausnahme beim Headliner verzeiht. Doch dazu später mehr!

Denn der Abend begann in der angenehm gefüllten Kneipe mit den lokalen Newcomern VISNU. Bereits im Vorfeld fielen die Fans der Band auf: Enge Jeanshosen, weiße Turnschuhe und Kutten. O-Ton des Veranstalters: „Es ist viel junges Volk da, das sieht man an den Kutten“ – eigentlich schon eine widersprüchliche Aussage. Oder gerade in der Renaissance der alten Schule eben doch nicht! (;
Passend zum Publikum lieferten VISNU auf jeden Fall den richtigen Soundtrack: Oldschool Thrash Metal as fuck! Scheiß was auf Innovation, scheiß was auf Trends, Hauptsache auf die Kacke hauen und dabei mordsmäßigen Spaß haben! Und der Spaß, den VISNU auf der Bühne sichtlich hatten, ging auch sehr gut auf das Publikum über: Intensiv wurde geheadbangt und gemosht. Waren wir an diesem Abend wirklich in Aachen? Bei so viel Bewegung vor der Bühne mochte man schon ein Bisschen daran zweifeln! Neben ihren eigenen Songs, unter anderem vom ihrem aktuellen Demo-Tape „Time For Blood“ bekannt, spielten VISNU auch „Der Wachturm“ von Sodom und als Zugabe „Raining Blood“ von Tante Erna. Bei letzteren meinte noch einer im Publikum: „An diesem Song kann eine Band nur verlieren“ – Doch trotz einiger Unzulänglichkeiten, wie dem etwas verhauenen Ende lieferten die lokalen Jungspunde einen ordentlichen Job ab und interpretierten den Klassiker mit Leib und Seele. Ein schöner Auftritt, der bewies, dass Aachen eine Frischzellenkur (danke an den Veranstalter für das Nutzungsrecht an diesem Wort, haha) richtig gut tut!

Wer hingegen keinen guten Job ablieferte, war der Kerl hinter dem Mischpult! Der Sound für den armen Opener war so unglaublich scheiße, dass man es nicht in Worte fassen kann! Mal hörte man von den Drums nur die Kickdrum, dann gar keine, der Bass war eigentlich gar nicht vorhanden und alle Instrumente viel zu leise. Ein Sound-Loch im unteren Frequenzbereich inklusive. Mal ehrlich: Drucklos und leise, das ist kein Heavy Metal!

Doch zum Glück wachte der Onkel an den Reglern passend zu THRASHTANICA auf, denn hier war der Sound schon wesentlich besser. Dafür konnte die Band mit ihrer Musik nicht ganz an das Feuer des Openers anknüpfen. Natürlich kam „Motörhead auf Thrash“ beim vornehmlich jungen Thrash-Publikum immer noch gut an. Doch vor der Bühne war es eben längst nicht so voll, wie noch bei der Vorband.
Mit persönlich waren THRASHTANICA aber etwas zu unspektakulär. Für den richtigen Motörhead-Vibe fehlte einfach etwas vom Roll im Rock. Da hielt ich mich doch lieber an mein Bierchen, was ich auch am nächsten Tag bereuen sollte.

Soweit sind wir an dieser Stelle aber noch nicht, denn vor dem Kater hatten wir noch mindestens zwei Bands vor uns! In der kurzen Pause zwischen den Bands viel auf: So voll, wie beim letzten METALLIZE war es diesmal nicht. Wenn ich mich nicht irre, waren um die 90+ Nasen an diesem Abend in der Kneipe, wodurch diese noch angenehm gefüllt und nicht so überladen wie beim letzten Mal war. Eine gute Entscheidung des Veranstalters, nicht in den großen Konzertsaal der Lokalität zu wechseln. Dort hätten sich die Gäste doch etwas sehr verloren…

Nun gab es quasi ein Wiedersehen mit Freunden, der Auftritt von GUERRILLA, die leider am heutigen Abend ohne Gitarrist, Background-Shouter und letztem Gründungsmitglied Timur auf die Bretter mussten. Dafür lieh man sich mal eben den Kevin von Jack Slater. Und wie ich überrascht feststellen musste: Der Öhmer (u.a. auch All We Hate, Aardvarks) ersetzte Sven am Gesang. Menschenskinder, in Köln herrscht vielleicht ein Inzest! Aber das sollte an diesem Abend egal sein, denn trotz des Ersatzmanns an der Gitarre und dem neuen Brüllwürfel waren GUERRILLA tight und souverän wie immer! Und mit gutem Material von „On Target“ (2001), „No Inch Back“ (2004) und dem aktuellen „Kickstart Revolution“ (2010) hatte man das Publikum auch schnell im Griff. Wie schon bei VISNU wurden auch hier wieder Köpfe emsig geschüttelt und sogar hin und wieder was gemosht. Am Ende war das Publikum so begeistert, dass sie glatt eine Zugabe wollte. In Ermanglung an einstudierten Nummern wurde einfach noch mal das eröffnende „Into The Mire“ wiederholt.
Ein sehr guter Auftritt, der mal wieder die Qualität der Truppe zeigte – auch mit neuen Leuten an den Instrumenten und auf einer winzigen Bühne. Hier wäre sicherlich auch der Headliner-Status nicht verkehrt gewesen!

Als Headliner gab es nun aber die große Ausnahme des Abends. Zum einen konnte man endlich die Brücke schlagen und einen Act aus Luxemburg in den Aachener Bunker holen. Und zum anderen wurde die klare Linie „Thrash Metal“, die bisher diesen Abend dominierte, radikal umgeworfen. Denn BLACK OUT BEAUTY spielten eine wesentlich angesagtere Stilistik, slammender Deathcore im Stile von See You Next Tuesday – wenn auch nicht ganz so krass technisch, dafür mit ein paar Einflüssen aus dem Beatdown.
Natürlich war auch die Folge im Publikum schnell zu sehen, vereinzelt mussten ein paar Trolle Karate kämpfen, Räder schlagen oder sonstigen Mumpitz machen. Entsprechend lichtete es sich vor der Bühne, so dass bald nur noch der Sänger und besagte Violent Dancer dort waren, denen zum Glück aber doch bald die Kondition schlapp machte. Angesichts der krassen Breakdowns war ein Großteil des eher traditionellen Publikums etwas konsterniert. Doch auch wenn sicherlich einige Leute den Bunker nun verlassen haben, um vielleicht noch auf die gerade parallel gestartete Konservenmusikparty zu gehen, hielten immer noch einige tapfer aus um BLACK OUT BEAUTY mit Faszination zu betrachten. Denn das muss man den Luxemburgern lassen: Handwerklich haben sie schon einen sehr ordentlichen Job abgeliefert. Nur beim Songwriting haperte es noch ein wenig…

Alles in allem war das METALLIZE auch dieses Jahr wieder eine sehr unterhaltsame Veranstaltung! Ein paar mehr Besucher wären sicherlich nicht verkehrt gewesen, dann würde vielleicht auch mal der große Raum des Bunkers eine Option werden. Doch so war es angenehm voll in der Kneipe und bei der musikalischen Auswahl hat der Veranstalter wieder eine schöne Linie reingebracht und auch ein Händchen für Qualität bewiesen. Den Headliner sehe ich da mal einfach als kleine Ausnahme (;
Noch als Tipp am Schluss: 0,80 Euro im Bierpreis können entscheidend über Geschmack und Kopf am nächsten morgen sein…


Review: Chris, Korrektur: Martin