Necronaut – Necronaut

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Fred Estby ist dem Fan von altem Schwedentod sicherlich ein Begriff! Der alte Recke hat die letzten 20 Jahre lang in Dismember (auch Carnage und Centinex) die Stöcke geschwungen. 2007 ist er schlussendlich nach dem „The God That Never Was„-Album bei Dismember ausgestiegen und es wurde erstmal still. Doch untätig war Estby in dieser Zeit nicht! Im Gegenteil, es wurde fleißig an seinem Solo-Projekt gearbeitet, dem NECRONAUT. Alle Instrumenten hat das Urgestein dabei selber eingespielt, Bass, Rhythmusgitarre und natürlich Schlagzeug. Um dieses Fundament zu komplettieren, wurde ein haufen prominenter Namen für die Vocals und Lead-Gitarren herangezogen. Unter anderem verzeichnet die bunte Gästeliste Chris Reifert (Autopsy, ex-Abscess), JB (Grand Magus), Hellbutcher/Tyrant (Nifelheim), Uffe Cederlund (ex-Entombed), Erik (Waitan), Tomas Lindberg (u.a. At The Gates), David Blomquist (Dismember) und noch ein paar Nasen mehr!

Diese Zusammenstellung hält was sie verspricht! Denn auf der einen Seite durchzieht ein schöner roter Faden „Necronaut„, auf der anderen Seite sind diese 40 Minuten unglaublich abwechslungsreich! Das Fundament ist ganz deutlich oldschool swedish Death Metal. Der Dismember-Background ist einfach nicht zu leugnen. Doch um diese Basis huldigt Estby seinen Idolen, spielt mal klassischen Doom Metal, hat mal Einfüsse aus dem Stoner, ist rotzig, wie die Punk-Einflüsse im alten Death Metal oder zeigt sein Verständnis vom traditionellen Heavy Metal. Manche dieser Stilelemente sind eher dezent in Akzentuierungen, Rhythmus oder einzelnen Riffs. Der richtige, und nahezu immer passende Vibe wird hingegen erst durch die unterschiedlichen Sänger erzeugt!
Natürlich klingt es schon etwas komisch, wenn man meint Dismember mit klarem, fast schon punkigem Gesang wie in „Twilight At The Trenches“ (mit Andreas „Drette“ Axelson u.a. ex-Edge Of Sanity am Gesang) oder „Soulside Serpents“ (mit JB von Grand Magus) zu hören. Doch so ungewöhnlich die Konstellation anfänglich erscheint, so interessant und faszinierend ist sie gleichermaßen. Auch die deutlichen Doom-Songs „After The Void“ (Joakim Nilsson/Graveyard) oder „Tower Of Death“ (Nicke Andersson/u.a. Death Breath) verströmen einen eigenwilligen Charme, genau wie die eher klassisch gehaltenen Death Metal-Kracher „In Dark Tribute“ (mit Hellbutcher) oder „Returning To Kill The Light“ (Erik von Waitan).

NECRONAUT ist eine interessante Hommage an alte Zeiten, ungewöhnlich und sicherlich auch nichts für Jedermann! Als einzelne Ehrerbietung an die Einflüsse von Fred Estby und seine Mitstreiter ist „Necronaut“ ein einmaliges musikalisches Geschenk. Doch bezweifel ich gleichsam, ob diese doch sehr unorthodoxe Geschichte bei Wiederholung die gleiche Faszination auslösen könnte. Eher befürchte ich, dass durch die Heterogenität des Materials jeweils eine mögliche Fangemeinde abgeschreckt wird. Für den Death Metal Lunatic ist der klare Gesang nichts, die für die traditionellen Kuttenträger dürften manche Songs zu roh und hart sein.

[rating:4]

Infos:
Regain Records – 18.10.2010
CD – 10 Lieder 41:34 Min.