Mystical Music #15

 

Explosion Of Rotten Death“ – so heißt die mittlerweile 15. Ausgabe der oldschool Death fucking Metal Madness vom Ralf Hauber! Für viele Fans dieses Genres sollte diese Institution im Fanzine-Bereich eigentlich bestens bekannt sein, steht das MYSTICAL MUSIC doch für absolute Hingabe an die obskure Form des Todesstahls!

Im Laufe der Zeit hat sich einiges beim Kollegen Hauber getan: Im Zeichen des deutschen Fanzine-Sterbens hat er zuerst mit dem Carnage-Zine (RIP) konsolidiert und ein paar Split-Zines rausgebracht (immer noch eine geile Idee!). Dann wurde aus dem MYSTICAL MUSIC ein englisch-sprachiges Magazin. Nun muss ich in dieser kleinen Geschichtsstunde gestehen: Ich habe wohl ein oder zwei Ausgaben dieser Pflichtlektüre verpasst! So war ich absolut weggeblasen, als ich die professionelle Aufmachung von Nummer 15 gesehen habe! Zuerst dachte ich schon, der Westfal vom Necromaniac hat eine neue Ausgabe draußen! (lebt der eigentlich noch?) Aber nein, der Ralf hat sich den Leif Timm vom Carnage (sagte ich schon RIP?) ins Boot geholt, der nun in exzellenter Weise das Layout des Magazins aufhübscht, überflüssige Ausrufezeichen entfernt und die ein oder andere Kritik beisteuert. Dazu wurden die Seiten des Hefts noch professionell gedruckt und gebunden und stehen in ihrer Aufmachung einer Kiosk-Publikation in nichts nach – eher im Gegenteil, das Layout ist immer noch so detailverliebt, für jede Story individuell gestaltet und mit unglaublicher Hingabe gemacht, dass man es eigentlich nicht in Worte fassen kann! Eigentlich wie immer, nur, dass man diesmal auch die Texte lesen kann, haha!
Aber ein Ästhet war Hauber ja schon immer! Darum gibt es auch mal wieder ein Grafik-Special, diesmal mit Putrid Gore Art, sehr nett!

Doch dem Fanzine-Leser interessiert eins viel mehr: Die Interviews rund um den Death Metal der alten Schule! Und hier strotzt Ralf mal wieder so vor Szene-Kenntnis – und kann somit fast immer mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Dan Swanö muss sich über Demigod und Edge Of Sanity auslassen, Fred Etsby darf über Necronaut und Dismember sprechen, Jörg Sandström muss etwas über seine Zeiten bei Grave und nun bei Vicious Art und Torture Division verzällen, Demilich und Winterwolf werden schön in Kombination abgehandelt, Kam Lee darf Massacre, Bone Gnawer, The Grotesquery und wie auch Paul Speckmann (der auch zu Master was sagen darf) vieles mehr besprechen. Dicke Interviews, die wie immer sehr interessant zu lesen sind und teilweise in fast schon erstaunliches Tiefenwissen gehen! Respekt Ralf!
Ansonsten gibt es noch Entrails, Grave Miasma, Repugnant, Stench Of Decay, Zombification, Hooded Menace, ein schönes Special zu Pungent Stench (wirklich sehr gut!), Tormented und Aeon. Ebenfalls wie immer: Die Fragen sind zwar immer aus der Sicht eines Fans gestellt, aber an den nötigen Stellen auch mal angenehm kritisch! So etwas findet man im aktuellen Bratwurst-„Journalismus“ der großen Magazine selten.

Einen Review-Overkill gibt es diesmal aber nicht. Ich begrüße die Haltung, dass zusätzliche Kritiken auf der CD-Beigabe im PDF-Format eh nicht gelesen werden (PDF kann man halt nur schlecht auf dem Klo lesen!) und hier nur die „essentiellen“ Platten dem Leser nahe gelegt werden. Damit versteht sich natürlich alles, was in den oldschool-Fokus von Hauber und Timm fällt. Die Spanne reicht von Tapes, Vinyl, CDs, DVDs und natürlich über diverse Printzines – ob der Hauber nun spanisch versteht oder nicht, haha! Eine nette Auswahl an Publikationen von denen ich wohl auch noch die ein oder andere antesten werden. Denn auch wenn das MYSTICAL MUSIC nicht immer ganz meinen musikalischen Geschmack trifft, ist die Präsentation doch so mitreißend, dass ich gerne jede einzelne erwähnte Band zumindest bei Myspace mal anspiele, wenn ich sie noch nicht kenne – und dank der Underground-Basis des Fanzines sind das eine Menge, haha!

Wie bereits mehrfach erwähnt: Das MYSTICAL MUSIC ist Pflichtlektüre für den Fan des wahren oldschool Death Metals. Das Zine ist engstirnig, fanatisch und absolut detailverliebt – so, wie ein Fanzine sein muss! Und für mich noch ein sehr wichtiger Bonus: Es erhält durchgehend die obskur-morbide Ästhetik, die mich einst so von dieser Subkultur fasziniert hat und heute oft vergessen ist!
Haltet euch ran, wenn ihr noch ein Heft haben wollt! Seitdem der Ralf das MYSTICAL MUSIC auf englisch rausbringt, bedient sich natürlich auch gerne die internationale Szene an dieser Publikation! Im August ist das Magazin wohl rausgekommen, und als ich vor ein paar Wochen bestellt hatte, waren nur noch um die 50 Hefte da. Ausgabe 16 kommt hoffentlich nächstes Jahr um die gleiche Zeit…

Infos:
Homepage: http://www.mystical-music.de
Englisch
16 Interviews, über 90 Kritiken aus Tape, Vinyl, CD, DVD und Fanzines