Jack Slater – nicht arrogant, sondern zufrieden!


Anfang des Jahres haben JACK SLATER ihre neue Platte „Extinction Aftermath“ raus- und mich damit um-gehauen! Voller Euphorie habe ich natürlich auch ein paar Fragen an Sänger und Texter Horn verfasst – die auf Grund kosmischer Ursachen erstmal nicht beantwortet wurden! Doch im zweiten Anlauf ging nun alles fix, gestern gingen die Fragen raus, heute morgen um vier Uhr früh waren die Antworten in meinem Postfach!
Scheinbar durch das schlechte Gewissen wegen dem ersten Anlauf geplagt, hat der Horn die Fragen sehr ausführlich beantwortet. Darum verschwende ich nun keine weiteren Worte an die Einleitung, viel Spaß beim Lesen!


1. Hey Horn, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, um meine nervigen und langweiligen Fragen zu beantworten! Hat ja auch nur ungefähr ein halbes Jahr gedauert, haha! „Extinction Aftermath“ ist mal wieder ein sehr gutes, brutales und technisches Stück Death Metal geworden, was sicherlich einiges der Konkurrenz – sowohl national, wie auch international – alt aussehen lässt. Dabei ist das Teil definitiv anders und wesentlich direkter als der Vorgänger „Blut/Macht/Frei“, wenngleich nicht so atmosphärisch. Wie stehst du nun, mit etwas Distanz von ein paar Monaten zu eurem aktuellen Album und wie siehst du „Blut/Macht/Frei“ und „Extinction Aftermath“ zueinander?

Für mich ist der Abstand weit größer als nur ein paar Monate – vor fast anderthalb Jahren haben wir uns mit einem neuen Album im Gepäck auf die Heimreise vom polnischen Hertz Studio gemacht. Viel Zeit also, um sich an einem Album satt zu hören, Fehler und Macken zu finden und sich langsam zu entlieben. Umso stolzer bin ich, dass das bisher noch nicht geschehen ist, dass ich nach wie vor zu 100% hinter „Extinction Aftermath“ stehen kann.

Es ist immer nicht so einfach über seine eigene Musik zu reden, ohne das es arrogant wirkt, aber für mich ist „Extinction Aftermath“ in allen Belangen ein sehr gutes Album geworden, angefangen bei der Produktion (das Hertz Studio mit den beiden Wieslawski Brüdern war die perfekte Wahl für uns und ich bin mir zu 99% sicher, dass das nächste Jack Slater Album wieder dort entstehen wird), der Covergestaltung (der gute Svencho von Aborted/System Divide hat wieder ganze Arbeit geleistet) bis hin zu dem Herz und der Seele eines Albums: den Songs und den Lyrics. Das bildet alles ein so stimmiges Gesamtpaket, welches mich völlig überzeugen kann.

Der Vorgänger „Blut/Macht/Frei“ ist für mich schon mit tiefen Narben auf die Welt gekommen (pun intended). Die Produktion war eine nervige und langwierige Angelegenheit, über zwei Jahre vom ersten eingespielten Ton bis hin zum finalen Master. Zudem sind in der Zeit viele blöde Dinge passiert, mein Riesenstreit mit Sobo, Sepp hat sich entschieden, dass er nach 12 Jahren Jack Slater verlassen wird und viel anderer Mist, daher steht das Album für mich unabhängig von der eigentlichen Musik nicht für die beste Zeit in der Band. Wenn ich mir die Tracks heute anhöre, gibt es zudem noch viele Kleinigkeiten am Sound, den Songs und meinen Vocals und Lyrics wo ich mir denke, dass man es hätte besser machen können. Das Ergebnis ist einfach für diese schwierige Geburt alles andere als zufrieden stellend aus heutiger Sicht.

„Extinction Aftermath“ hat all diese Macken nicht und die Songs sind einfach reifer, erwachsener und besser als Alles was wir bisher gemacht haben. Ich habe große Hoffnungen, dass ich mir die Scheibe auch in einigen Jahren noch anhören kann und leise in meinen Bart murmeln werde „Das habt ihr damals ziemlich gut gemacht“.

Das ist nicht arrogant, sondern zufrieden.

2. Sicherlich der Hauptgrund, warum die letzten beiden Alben trotz deutlicher Parallelen ebenso deutlich unterschiedlich sind, dürfte der Weggang von Sobo (Gitarre, letztes Gründungsmitglied) gewesen sein. Ich möchte nun keinen kalten Kaffee aufwärmen, aber vielleicht magst du doch noch ein paar Worte zu der Trennung verlieren. Immerhin wurden einige Differenzen sehr offen ausgetragen (z.B. als du seinerzeit deinen Ausstieg bei Jack Slater auf der Homepage verkündet hast). Doch später hat euch Sobo noch auf der Summerbreeze-Show unterstützt und war sehr begeisterter Gast auf dem letzten R(h)ein in die Fresse (2010). Ich gehe mal davon aus, dass ihr noch gut miteinander befreundet seid?

Der größte Teil der Riffs und Strukturen kam früher natürlich vom Sobo. Selbst in den Zeiten in denen wir einen festen zweiten Gitarristen hatten, waren das selten Charaktere, die sich sehr stark in das Songwriting eingemischt haben, was aber wahrscheinlich neben Sobo auch kein einfaches Unterfangen war. Von daher war klar, dass sich der Sound mit zwei neuen Gitarristen ein wenig verändern wird. Umso erstaunter bin ich darüber, wie sehr die Songs nach Jack Slater klingen, ohne das den beiden „Neuen“ irgendwie eine Marschroute oder ähnliches mit auf den Weg gegeben wurde. Da haben sich anscheinend einfach die richtigen Leute getroffen um gemeinsam das musikalische Erbe anzutreten und fortzuführen.

Als gut miteinander befreundet würde ich Sobo und mich nicht unbedingt bezeichnen, dafür sehen wir uns zu selten, aber ich denke wir haben die Querelen der Vergangenheit hinter uns gelassen und können auch Aufgrund der guten Erlebnisse der letzten 13 Jahre jetzt wieder vernünftig und cool miteinander umgehen und Spaß haben, denn wir teilen viele coole Erfahrungen, die wir unser Leben lang nicht vergessen werden.

3. Nachdem euer alter Trommler Sepp gegangen ist und ihr euch von Sobo getrennt habt, hatte Jack Slater eine totale Frischzellenkur: Eine Drummer und zwei neue Gitarristen – doch nun habe ich gerade auf eurer neuen Homepage gesehen, ihr seid nur noch zu viert? Wollte sich Robert (Nowak, u.a. Japanische Kampfhörspiele) mehr auf PHOBIATIC konzentrieren? Wie siehst du die Auswirkungen durch die neuen Gesichter? Seid ihr musikalisch offener geworden? Oder findest du den Wandel selber gar nicht so offensichtlich?

Robert war von vorn herein nur für das Jahr 2009 dabei, das hatte er aber bereits im Vorfeld so angekündigt. Er wollte uns in diesem Jahr bei der Platte und den Gigs unterstützen, das hat er auch perfekt getan und wir sind ihm sehr dankbar dafür, denn ohne ihn wäre alles ganz anders gekommen, ein echter Glücksgriff für Jack Slater sozusagen. Ich hatte immer die Hoffnung, dass er nach dem Jahr fest einsteigen würde, denn er ist ein super talentierter Gitarrist, Songschreiber und ein echt umgänglicher, cooler Typ, aber so ist es leider nicht gekommen. Musikalisch konzentriert er sich jetzt wieder auf seine eigentliche Band „Phobiatic“ und lebt dort seine Vorliebe für höchsttechnischen Frickelkram aus, „Beneath the Origin“ sagt er immer dazu.

Natürlich ist ein Wandel in der Band zu bemerken, jedes neue Gesicht das kommt bringt neue Ideen und Einstellungen mit, jedes alte Gesicht nimmt welche mit. Das kann einen positiven oder negativen Einfluss haben, aber die Auswirkungen sind nicht abzuschätzen. In welche Richtung die Reise auch immer gehen mag, solange wir talentierte Leute am Start haben blicke ich zuversichtlich in die Zukunft und bin mir sicher, dass wir das Beste aus der jeweiligen Situation machen werden.

4. Mit Schlagzeugern scheint ihr irgendwie kein so gutes Händchen zu haben, Sepp war mehr oder weniger schon zum Release von „Blut/Macht/Frei“ weg, sein Nachfolger hat mehr oder minder auch nur bis nach „Extinction Aftermath“ ausgehalten und nun habt ihr den jungen Böller-Max Simon von Warfield Within. Seid ihr soweit zufrieden mit seinen Leistungen? Oder spielt der Junge euch mit seinen Händen und Füßen nur noch an die Wand, haha!?

Man darf eine Band wie Jack Slater nicht mit irgendwelchen großen Profibands vergleichen. So eine Band nimmt viel Zeit in Anspruch, aber es ist nichts desto trotz nur ein (verdammt gutes) Hobby, nicht unsere Arbeit. Wir fahren jetzt seit 15 Jahren durch das Land, spielen Konzerte und nehmen Alben auf – die meisten Underground Bands halten nicht mal ansatzweise so lange durch. Wo sich andere Bands auflösen, wenn jemand aussteigt, hatten wir immer den Willen weiterzumachen und das Glück einen super Ersatz zu finden, wenn sich jemand aus welchen Gründen auch immer dazu entschieden hatte zu gehen.

Sepp hatte einen unglaublich faszinierenden und individuellen Stil drauf, einige Fills und Breaks die er auf den ersten Platten spielt wirst du so von keinem anderen Drummer hören. Er hat damit nicht unerheblich dazu beigetragen, dass Jack Slater einen eigenen Sound entwickeln konnte, der nicht wie die hundertste Kopie von irgendeiner x-beliebigen Death Metal Kapelle klingt.

Der Martin (Drummer von Guerrilla) hat uns danach für einige Zeit live ausgeholfen und er ist einfach ein Tier vor und hinter dem Schlagzeug und beide Seiten haben durch diese Zusammenarbeit noch mal viel dazu gelernt, z.B. sind wir als Band in der Zeit wesentlich tighter geworden und Martin kann jetzt richtig blasten, das konnte er früher nicht, hehe.

Dann haben wir den David gefunden, zu dem ich glaube ich nicht viel sagen muss – seine perfekte Leistung auf „Extinction Aftermath“ spricht Bände. Gerade einmal 22 Jahre alt und jetzt schon ein richtig, richtig guter Drummer, der noch in vielen guten Bands in seinem Leben spielen wird und die Bands die ihn bekommen können sich glücklich schätzen.

Und jetzt haben wir den Simon, 20 Jahre alt und genauso wie der David ein super talentierter Bastard vor dem Herren. Wir sind super froh darüber ihn zu haben und ich kann mir keinen besseren Nachfolger für David vorstellen. Mit den Drums steht und fällt die Qualität einer Band, der Rest kann noch so toll sein, wenn der Schlagzeuger es nicht bringt, klingt die gesamte Band einfach scheiße. Mit dem Simon an den Sticks muss ich mir keine Sorgen über unsere nächsten Platten machen, denn er wird im Studio genauso alles wegfegen wie er es jetzt schon live auf Konzerten macht.

5. Veränderung, wo man hinsieht! Neben den Besetzungsturbulenzen habt ihr auch von War Anthem zu Unundeux gewechselt… Mit den Japanischen Kampfhörsielen seid ihr aber eh ziemlich dicke seit dem Fleischmarsch, gell? Verzäll uns doch mal was zum Labelwechsel, wie ihr momentan zufrieden seid und was es sonst noch schmutziges wie interessantes gibt! Doch wenn es zu pikant wird bedenke bitte, dass unsere Webseite auch in der Zeit von 8-22h erreichbar ist und kleine Kinder zuschauen! (;

Während der Labelsuche hatten wir verschiedene interessierte Labels, allerdings hatten diese eine ähnliche Größe und damit auch nur ähnliche Mittel zur Verfügung wie War Anthem. Das war alles cool, aber dann haben wir uns gedacht „Moment mal, was passiert wenn wir das selber releasen, wäre das nicht eine coole Alternative?“ Die JaKas haben uns dann angeboten, „Extinction Aftermath“ auf ihrem eigenen Label „unundeux“ raus zubringen. So hatten wir das Beste aus zwei Welten, absolute Kontrolle über unser Werk und trotzdem die Ressourcen eines Labels zu unserer Verfügung, wie z.B. eine Promofirma oder den ganz normalen Vertriebsweg für die CD über „Cargo Records“ – an die professionellen Großhändler kommt man nämlich ansonsten als Eigenproduktion gar nicht so leicht ran.

Bisher sind wir mit der Entscheidung ziemlich zufrieden und sehe das auch als Option für weitere Alben. Wenn Nuclear Blast, Relapse, Metal Blade, Century Media oder andere große Metallabels mit einem guten Angebot bei uns anklopfen, wird man sich das sicherlich noch mal überlegen, denn diese Labels haben in der Metalszene einfach eine ganz andere Reichweite und mehr Möglichkeiten, aber schauen wir einfach mal was die Zukunft da so bringt.

6. Gehen wir nun mal ins Eingemachte von „Extinction Aftermath“! Im Vergleich zu den vorigen Alben sind erstaunlich viele (2!!) Texte auf Englisch auf dem Album. Wie kommt es dazu? Hast du mit einem Wörterbuch geschlafen, oder erhoffst ihr euch dadurch größere Resonanz aus dem nicht deutschsprachigen Raum?

In meinen ersten Bands vor Jack Slater habe ich auch schon einen Mix aus deutschen und englischen Texten verwendet, von daher ist das jetzt aus meiner Sicht nicht so überraschend. Das ich jetzt für Slater ebenfalls englische Texte verwendet habe, war dennoch nicht vorher geplant, sondern eher Zufall.

Ich mache mir zwischen zwei Alben immer Notizen mit Ideen, Wortfetzen, Zitaten etc., alles was mir einföllt und wo ich mir denke, dass ich es irgendwann einmal verwenden könnte kommt da rein. Wenn es dann soweit ist, dass ich Texte schreiben muss, schaue ich da rein und lese den Kram der sich da die letzten Jahre angesammelt hat. Dort hatte ich auch den Titel „Extinction Aftermath“ und dazu ein paar bruchstückhafte Sätze notiert. Im Studio dachte ich mir „Warum eigentlich nicht!“, ich mag die englische Sprache sehr gerne und habe dann daraus einfach einen kompletten Text gemacht und für den Track verwendet.

Sich dadurch eine größere Resonanz aus dem Ausland zu erhoffen wäre aber glaube ich überzogen, die meisten Metaler können doch sowieso nicht lesen! Ihr solltet daher Interviews vielleicht auch besser als Hörbücher raus bringen, Marktlücke!?

7. Mir persönlich hat der Text zu „Pheromon“ sehr gut gefallen. Eine Metal-atypische Darstellung der Liebe in sehr bildhafter, fast lyrischer Form. Zu Deutsch: Ein Ficktext! Wie bist du, als der „Eisenwichser“ auf die Idee zu so einem Liebeslied gekommen? Ist der Song für die Ladys im Publikum?

„Happy Hour“ ist ein Ficktext, eine schnelle Nummer auf dem Klo einer dreckigen Bar und damit ein Kontrapunkt zu den Lyrics von „Pheromon“, denn der ist alles andere als ein Ficktext, sondern eher schon ein klassisches Liebeslied!

Es geht um zwei Menschen, die sich seelisch (!) so nahe sind, dass sie die Welt um sich herum hinter sich lassen, diese vergessen und glücklich und zufrieden damit sind und völlig darin aufgehen. Um dieses Gefühl der tiefsten Verbundenheit zu veranschaulichen benutze ich da durchaus eine körperliche Ebene, aber im Prinzip geht es eher um das Gefühl dahinter.

Ziemlich untypisch für Death Metal, das stimmt, aber das ist für mich immer das Interessante daran, das zu kombinieren und zu versuchen ein Liebeslied zu schreiben, was trotzdem in ein Jack Slater Universum rein passt. Es gibt natürlich Leute, denen so etwas nicht gefällt, aber ich habe schon einiges an positiven und teilweise sehr persönlichen Reaktionen speziell zu „Pheromon“ bekommen und bin auch selber ziemlich zufrieden mit dem Text bzw. eigentlich mit allen Lyrics für das Album – für mich die mit Abstand besten Texte die ich bisher gemacht habe.

8. Auf die bescheuerte Ideen, einen eigenen Song nochmal rückwärts einzuspielen und zu singen, kommt wohl außer JACK SLATER keine andere Band! Wie kam die Idee zu „Resser Frednik“? Alkohollaune? Oder wieder mal aus den Untiefen deines kruden Humors? War es nicht schwer, den Text für den Song zu lernen und zu singen?

Die Anderen hatten irgendwann im Proberaum die Idee dazu und ich muss gestehen, dass ich mich am Anfang eher dagegen gewehrt habe, denn mich hatte das nicht so überzeugt. Aber der Rest hat sich da zum Glück durchgesetzt, denn das Ergebnis find ich eigentlich ziemlich witzig und überraschend gut.

Den Text habe ich natürlich nicht auswendig gelernt, bin doch nicht bekloppt! (Muss ich dass nu kommentieren? – Anm. d. Verf.) Ich hab mir den alten Track ein paar Mal rückwärts angehört, dann den original Text umgedreht und mir die einzelnen Wörter in „Hornscher Lautschrift“ so aufgeschrieben, wie es ungefähr klingen müsste. Bei den Aufnahmen sind wir dann mehr oder weniger Zeile für Zeile, manchmal auch Wort für Wort durch den Track gegangen und haben das stückchenweise aufgenommen. Das hatte einige Knoten in meiner Zunge zur Folge, aber es hat auf jeden Fall Spaß gemacht das aufzunehmen und es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich bin mir nur nicht ganz so sicher, ob Slawek das auch so lustig fand wie ich, hehe!

9. „Funkenflug“ ist der wohl langsamste und gleichzeitig schwerste (im positiven Sinne von „heavy“) Song von JACK SLATER! War die beinah komplett neue Truppe der Ausschlag, dass ihr mal was neues probiert habt? Mir gefällt das Stück richtig gut, weil es wirklich verdammt kraftvoll ist und eine schöne Atmosphäre besitzt… Musste eigentlich die fehlende BPM-Zahl in „Happy Hour“ mit den Gravitys wieder reingeholt werden um die Quote zu erfüllen? Haha!

So ist es! Wir hatten einen Durchschnitt für die BPM, den wir über die Gesamtheit des Albums nicht unterschreiten durften, sonst hätten die JaKas uns nicht aufs Label gelassen. Von daher mussten wir nach einer Nummer wie „Funkenflug“ natürlich ein wenig das Pedal durchdrücken!

Aber ja, „Funkenflug“, coole Nummer, find ich auch! Der Track ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Zu dem Track kam es, weil ich den Text zu „Funkenflug“ vorher geschrieben hatte, ohne dass es einen Song dazu gab. Bei einem Telefonat mit dem Kevin hab ich ihm von dem Text erzählt und er hatte sofort Bock drauf und hat sich dann diese langsame, stampfende Walze aus dem Ärmel geschüttelt. Der Track besitzt eine ziemlich dichte Atmosphäre und zusammen mit den Vocals und Lyrics fast schon eine Art klassischen Spannungsbogen, sehr schick!

Wir sind gerade dabei den livetauglich zu machen, weil wir natürlich Bock haben die Walze auch auf Gigs auszupacken, bisher hatten wir die leider noch nicht im Set gehabt. Bin gespannt darauf, wie der Track live rüber kommt, denn mit so einem langsamen Song bin ich in all den Jahren noch nicht auf der Bühne gestanden, hehe, aber freu mich drauf!

10. Nun will ich mal auf zwei deiner Lieblingsthemen eingehen – ausnahmsweise nicht Koks und Koks-Nutten! Zum Ersten: „Amnestia“ oder besagtes „Funkenflug“ haben beide eine offensichtliche Feuer-Thematik. Und ich meine mich zu erinnern, dass das Thema Feuer und Flammen in deinen Texten immer wieder mal aufkommt. Was fasziniert dich an diesem Element so sehr? Oder überinterpretiere ich gerade in meinem Eifer einfach die Worte, die du zu einem Text zusammen verwurstet hast?

Ja und nein! Hehe… Ich habe keinen speziellen Bezug zu Feuer an sich, es sieht schick aus wenn es im Kamin vor sich hin knistert, aber das war es auch schon an persönlicher Faszination.

Aber Feuer ist natürlich ein kraftvolles Element, welches stark konträre Eigenschaften in sich vereint. Es spendet und verbreitet Wärme, Licht, Sicherheit, Macht, Angst, Leben und Tod. Nicht ohne Grund spielt Feuer in vielen lyrischen Werken der Menschheitsgeschichte eine tragende Rolle in diversen Metaphern, eben wegen seiner Eigenschaften. Das macht es für Texter natürlich sehr interessant, ich bilde da anscheinend keine Ausnahme.

Ich muss aber gestehen, dass mir das selber nie wirklich aufgefallen ist, aber wenn ich so darüber nachdenke, muss ich dir Recht geben, Feuer findet tatsächlich öfters Verwendung in meinen Texten. Hmhm, das nächste Album widme ich dem Wind! Und ich sehe das Cover schon vor mir, Segelschiff of Death!

11. Ein anderes, recht offensichtliches Thema bei euch: „4 8 15 16 23 42“, „Amnestia“, „Martyr“, alles Texte, die dein cineastisches Interesse zeigen! Gibt es noch mehr Texte von JACK SLATER, die ihren Ursprung in einem Film oder einer Serie haben? Soweit ich weiß, bist du bekennender David Lynch Fan und zeigst das unverhüllt mit Zeilen wie „Feuer geh mit mir“ (;

Horn: “Hello, my name is Horn, I am a movie and tv show addict.”
Alle zusammen: “Hello Horn!“

Ich glaube übrigens auch, dass es Schicksal war, dass ich bei einer Band mit dem Namen „Jack Slater“ gelandet bin, es musste einfach so kommen! (Stimmt, das hatte ich schon fast wieder vergessen! Ein Hoch auf den Last Action Hero! – Anm. d. Siebhirns)

Ich liebe gute Filme und Serien und habe schon einiges an Zeit in meinem Leben mit diesem Medium verbracht, von daher ist es auch nicht weiter überraschend, dass das manchmal einen Einfluss auf einen Text von mir hat. Aber es hält sich bisher noch in Grenzen, obwohl ich ja noch von einer Death Metal Movie Konzept Platte träume, mit musikalischen Zitaten aus diversen Filmen, eingebettet in den normalen Jack Slater Sound mit thematisch natürlich passenden Texten und Artworks. Irgendwann mal!

Außer den drei von dir genannten Tracks gibt es glaub ich nur noch „Omniscience“ mit direktem Bezug, dessen Text eine Ansprache eines Charakters namens „Schwarzwald“ aus der Anime Serie „The Big O“ ist. Dann gibt es aber auch noch Texte wie „Extinction Aftermath“ oder die „Narbe“ Teile vom letzten Album, die zwar keine direkte filmische Inspirationsquelle haben, die ich benennen könnte, aber bestimmt bildlich in dem Fall von diversen Endzeitfilmen beeinflusst wurden. Das sich unterbewusst manche Bilder aus unterschiedlichen Filmen in meine Texte einschleichen kommt sicherlich öfters vor.

Und die beschriebene Szene aus „Happy Hour“ gibt es bestimmt auch in dem einen oder anderen Film, aber das war nicht die Inspiration dazu, haha.

12. Wie siehst du JACK SLATER innerhalb der Death Metal Szene? Oftmals könnte man meinen, ihr wurdet wegen eure verspielten Riffs und humorvollen Texte nicht ganz ernst genommen… – vielleicht auch einfach, weil du auf deutsch singst? Meinst du, das ändert sich nun nach „Blut/Macht/Frei“ und „Extinction Aftermath“, wo die Cover-Artworks und Texte nicht mehr so offensichtlich mit krankem Humor glänzen?

Das wird sich nie ganz ändern, wenn man einmal einen Stempel aufgedrückt bekommen hat, dann ist es ganz schwer den wieder los zu werden. Aber ganz ehrlich, ich möchte den auch nicht wieder loswerden.

Finde ich heute noch alle Texte toll die ich für Jack Slater geschrieben habe? Nein, ganz sicher nicht!
Würde ich heute z.B. noch einen Text wie „Falscher Hase“ oder „Leichenschmaus“ schreiben? Nein, auf keinen Fall!
Würde ich heute eine CD mit dem Cover-“Artwork“ von der „Playcorpse“ veröffentlichen? Nein, absolut nicht, das sieht absolut beschissen aus.

Ich könnte noch mehr so Beispiele bringen, aber das ist halt nicht der springende Punkt. Ich bin heute ein anderer Mensch als noch vor 12 Jahren, natürlich finde ich heute andere Sachen gut als damals.

Wichtig ist: Waren diese Sachen damals (!), als sie entstanden sind, für mich cool, lustig oder gut? Ja, absolut! Und genau deshalb stehe ich zu allem was wir jemals gemacht haben, auch wenn es teilweise Sachen sind die ich „heute anders machen würde“ oder die mir heute nicht mehr gefallen. Ich muss das nicht alles mögen um es als Teil der Bandgeschichte zu akzeptieren. All das, die Summe dieser Teile haben zu dem Jack Slater geführt, wie wir heute sind, und das ist gut so. So sehe ich das im Leben und so sehe ich das in der Band ebenfalls.

Das Einzige was ich mir manchmal wünschen würde ist, dass manche Leute genau das, was ich eben beschrieben habe, verstehen. Wenn ich aber z.B. heute noch in einem Review irgendwas mit „blabla lustige/primitive/billige Texte blabla“ lesen muss, dann würde ich dem Reviewer am liebsten wegen seiner Inkompetenz in die Fresse schlagen – und ich bin eigentlich ein sehr friedliebender Mensch. Da hat dann jemand einfach seine vorgefertigte Meinung im copy/paste Verfahren ins Review geklatscht ohne sich auch nur 2 Sekunden mit den aktuellen Texten zu beschäftigen.

Wenn sich jemand damit auseinandersetzt und die Lyrics dann scheiße findet, dann darf er das schreiben, dann soll er das sogar schreiben, da habe ich absolut überhaupt kein Problem mit, aber wenn ich merke, das er einfach irgendeinen Unsinn verzapft, der mit der Realität nichts zu tun hat, dann könnt ich mich aufregen.

13. In der Retrospektive: Fast komplett neue Bandmitglieder, neue CD auf neuem Label, letztes Jahr auf dem Summerbreeze gespielt – hat man da als deutsche Underground-Band überhaupt noch Träume und Ziele? Was ist so euer nächstes großes Ding?

Oh ja, ich hab noch genügend Dinge die ich erreichen möchte. Ich hab da zwar keine konkrete Wunschliste, aber das kann man ja ändern: ich mach jetzt einfach mal eine!

1. Gig auf dem Wacken
2. Gig auf dem With Full Force
3. Gig auf dem Tokyo Deathfest (falls es das noch gibt, ansonsten etwas Ähnliches)
4. Nächstes Jahr die Zeit haben eine große Headliner EU Tour zu supporten
5. Irgendwann eine große Headliner US Tour supporten
6. Nächstes Album wieder im Hertz Studio aufnehmen
7. Mit dem nächsten Album „Extinction Aftermath“ noch mal toppen
8. Nächstes Album auf Nuclear Blast, Relapse, Metal Blade oder Century Media releasen
9. Durch Jack Slater super doll reich werden (lolz)

Und weil gerade in meinem Freundeskreis einige Leute heiraten und/oder Eltern werden:
10. Frau zum Kinder machen finden, haha ^^

14. Horn, noch mal vielen Dank für deine Zeit und flapsigen Antworten auf meinen geistigen Dünnschiss! Ich sag Tschö! Habt noch viel Spaß und Erfolg mit „Extinction Aftermath“. Nun ist es an dir, unseren Lesern noch ein paar ______ (Adjektiv einsetzen) Worte mit auf den Weg zu geben!

Da es gerade 3:30Uhr morgens ist und ich gleich wieder aufstehen muss, schreib ich jetzt nicht mehr all zu viel, nur das Übliche: Dir vielen Dank für das Interview und an die zwei Leser die es bis hier unten geschafft haben, Respekt! Kommt mal bei irgendeinem Gig von uns vorbei und falls ihr mehr über Jack Slater wissen wollt, checkt unsere Website oder die ganzen beschissenen Social Networks, da findet ihr uns auch überall. Haunse rein!



Interview: Chris (Necroslaughter) / Horn (Gekrächze @ Jack Slater) · 27.10.2010
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