Fleshwrought – Dementia/Dyslexia

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Stellenweise wurde es ja schon gelobt wie geschnitten Brot, das Debütalbum „Dementia/Dyslexia“ von FLESHWROUGHT. Nicht zuletzt auf Grund von Namedropping hat die Kapelle auf sich aufmerksam gemacht, sind hier doch Navene Koperweis von The Faceless/Animosity und Jonny Davy von Job For A Cowboy am Werk. Ersterer an allen Instrumenten, letzterer an seinen Stimmbändern.
Beide machen Handwerklich einen sehr guten Job und das war wohl auch einer der Gründe für viele gute Kritiken: „Dementia/Dyslexia“ ist abgedreht! Mancher hatte sogar skandiert, dass solches Tonmaterial Anfang der 90er bei Earache gelandet wäre!

Doch wenn man mal genau hinhört, kochen FLESHWROUGHT auch nur mit Wasser! Das Grundgerüst ist technischer Death Metal. Mal mit mehr Einflüssen aus der traditionellen Schule, was dann etwas nach Deadborn klingt, mal mit deutlichem Deathcore-Schlag wie ihn Job For A Cowboy im Bernsteinzimmer gefunden haben.
Dann kommen noch einige progressive Elemente hinzu. Vornehmlich sind dies die Prog-Soli, die eigentlich immer gleich klingen und oft nicht so wirklich zur brutalen Musik passen. An anderer Stelle sind es dann die Songaufbauten, die Vergleiche zu The Faceless zulassen. Wenn es dann noch eine Nummer vertrakter wird, darf auch sicher Ion Dissonance als Referenz herhalten. Und da ich schon mal beim Vergleichen bin, kann ich auch direkt sagen, dass der melodisch-thrashende Part aus „Inner Thoughts“ etwas nach The Black Dahlia Murder klingt!
Insgesamt sind FLESHWROUGHT ziemlich am Zeitgeist. Wenn auch etwas extremer, als es die Metalcore-Kapellen aus den Werbeanzeigen einschlägiger Propagandamedien sind. Das macht „Dementia/Dyslexia“ doch wieder sympathisch! Und auch der Umstand, dass immer noch deutliche Wurzeln zum Death Metal erkennbar sind! Neben Jonnys abwechslungsreichem Gesang muss an dieser Stelle gleichsam positiv hervorgehoben werden, dass die Songs trotz aller Technik und Progressivität sehr schnell zünden und nie wirklich sperrig sind! Dafür fehlt es dem Material aber an wirklicher Durchschlagskraft und Nachhaltigkeit.

Dementia/Dyslexia“ ist als Eintagsfliege ein interessantes Zeitzeugnis. Doch im Wiederholungsfall wird FLESHWROUGHT wahrscheinlich versagen. Dafür sind die Ideen doch nicht abgedreht genug. Zu hart für die Masse, zu zahm für die Freaks.

Zum Schluss mag ich noch was auf dem Totschlagargument einiger Kritiken rumtrampeln: Der Saxophoneinsatz in „Inner Thoughts„! Ich selber stehe total auf Saxophon und finde auch hier das Solo richtig geil. Doch es ist nicht der heilige Grahl, wie einige meinen, das Blasinstrument haben im Metal schon ganz andere Bands eingesetzt. Angefangen bei Naked City und in letzter Zeit immer mehr Bands, u.a. Ihsahn, Jack Slater, Cephalic Carnage oder Blutmond. Und diese teilweise sogar noch abgedrehter als FLESHWROUGHT (;

Erfreulicherweise gibt es das Album als „Nice-Price“. Dafür gibt es aber nur ein mageres Blättchen, ohne irgendwelchen Informationsgehalt. Doch die Generation iTunes weiß eh nicht mehr was Booklett oder Cover mal waren…

[rating:4]

Infos:
Metalblade – 03.08.2010
CD – 10 Lieder / 32:57 Min.