Cephalic Carnage – Misled By Certainty

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Wo andere Bands zwanghaft versuchen verrückte Ideen zu produzieren und andersartig zu klingen, schaffen es CEPHALIC CARNAGE immer wieder mit unglaublicher Leichtigkeit einfach nur irre zu sein! Seit dem ersten Album mixen die Rocky Mountain Hydrogrinder wild aus allen extremen Musikgenren und haben damit nicht immer leicht verdauliche Kost abgeliefert. Mit „Anomalies“ hat die Band bisher ihr Meisterstück eingereicht, das sowohl eingängig wie abgefahren war. Da konnte das dennoch gute „Xenosapien“ nicht ganz mithalten. Nun kommt aber „Mislead By Certainty“ und schupst mal eben „Anomalies“ vom Altar herunter!

Im Punkto Eingängigkeit haben CEPHALIC CARNAGE sicher wieder ein paar Nummern bei, die durchaus als „griffig“ bezeichnet werden können. Doch wer die Truppe kennt, weiß, dass man hier immer relativ denken muss und so mancher Neueinsteiger in die Materie wird selbst von den geradlinigeren Songs wohl noch richtig überfahren!
Mit gut 52 Minuten Spielzeit und 14 Songs ist „Misled By Certainty“ aber auch eine kleine Herausforderung für den geübten Hörer! Die Variation reicht wiedermal vom punkigen Grind zu technischem Death Metal, Sludge und Post-Hardcore wird genau so verwurstet, wie manche Songs nur aus einem Akkord bestehen, und andere im ersten Moment wie ein Flickwerk aus Riffs anmuten. Doch das schöne bei den heutigen CEPHALIC CARNAGE: Es macht alles Sinn! Sei es der Ein-Ton-Schrammel-Rausschmeißer „Aeyeurgh!“ oder der Epos „Repangea„. Die Songs funktionieren einfach als einzelnes, wie auch im Gesamtbild!
Belebt durch viele kleine Details, bieten die Songs Langzeitunterhaltung. Sowohl die technischen Nummern, die sich in der Melodik sehr an Death (RIP) und Decrepit Birth bedienen, die leichten Anleihen an Tool oder auch die Lieder, die bewussten Mut zu einfachen, aber sehr dicken und durchschlagskräftigen Riffs besitzen! Das ist so erfreulich, dass eine technisch anspruchsvolle Band auch mal die Eier hat, nur drei Töne zu spielen!
Dem scheinbar aktuellem Saxophon-Trend verschließen sich CEPHALIC CARNAGE auch nicht, doch bei „Ohrwurm“ oder „Repangea“ klingt das Blasinstrument sehr stimmig in das Songgefüge integriert. Es ist so angenehm leichtfertig und doch so abgedreht, dass es ein Frevel wäre, die Songs ohne dieses Instrument zu konservieren!
Zur Unterstützung des Wahnsinns geben sich auch ein paar Gastsänger die Ehre, u.a. Ross Dolan (Immolation in „Abraxas of Filth„), Sherwood Webber (Skinless in „Cordyceps Humanis„), Travis Ryan (Cattle Decapitation in „When I Arrive„) und Alex Camargo (Krisiun in „Power and Force„). Wenn das mal keine illustre Liste ist!

In der knappen Stunde von „Misled By Certainty“ sammeln sich trotz aller Einflüsse und extremer Ideen so viele Hits, dass es ein scharfer Anwärter auf das Album des Jahres ist und definitiv ein Pflichtkauf für jede gepflegte Sammlung abgedrehter Kacke ist!
Wer nur geringste Zweifel hat, höre sich „Ohrwurm„, „The Incorrigible Flame„, „When I Arrive“ oder „Abraxas Of Filth„. Wer mutig ist, macht einfach „Repangea“ an. Der Song ist definitiv „anders“, fast schon melodisch, mit fast klarem Gesang, vielen Experimenten und mit gut 12 Minuten von wirklich epischen Ausmaßen. Doch wer „Anomalies“ schon mochte, kann blind zuschlagen – und sich in „Misled By Certainity“ verlieben!

[rating:6]

Infos:
Relapse Records – 06.09.2010
CD/2xLP – 14 Lieder / 53:42 Min.