Wretched – Beyond The Gate

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WRETCHED sind ungestüm! Alleine schon bei der Namenswahl hätte man sich Zeit lassen und etwas eindeutigeres aussuchen können (an dieser Stelle Grüße an die aachener Wretched!). Und auch beim Sound setzt die Band vorschnell auf die aktuell angesagte Mischung zwischen melodischem Death / Thrash Metal und leichten Metalcore-Elementen. Doch WRETCHED sind motiviert und forsch! Dadurch schaffen sie es, immer noch spannende Momente und gute Ideen auf „Beyond The Gates“ einzubringen und doch über dem Gros an ähnlichen Kapellen zu stehen.

Die Basis stellt natürlich melodischer Death/Thrash Metal dar, wie ihn The Black Dahlia Murder von At The Gates weiterentwickelt haben. Mal kommt mehr Thrash als Death zum Vorschein, mal ist es umgekehrt. Und hin und wieder tauchen sehr melodische Black Metal-Elemente in den Songs auf, die WRETCHED um eine angenehme, teilweise sogar atmosphärische Note erweitern. Doch leider mangelt es dem zweiten Full-Length der amerikanischen Jungspunde auch nicht an gelegentlichen Breakdowns und Anleihen aus dem Metalcore. Insgesamt sind diese Trendfickereien aber sehr homöopathisch verwendet worden und wirken zu keiner Zeit zu aufgesetzt oder gezwungen. Dafür verwendet die Band genug technischen Riffs und fast schon progressive Spielereien, bevor sie bloß in stumpfe Ein-Akkord-Monotonie zu verfallen droht, wie es viele Beatdown-„Helden“ tun.

An und für sich eine gute Entscheidung, doch leider leidet darunter die Brutalität, wie sie zum Beispiel Son Of Aurelius in ähnlicher Herangehensweise wunderbar erreichen. Die Gipfel der ungestümen, dadurch etwas übertriebenen Dudelei sind die beiden Instrumentalnummern „Abberation – Part I“ wie „Beyond The Gate – Part II„, die in Verbindung mit dem Synthie-Orchester-Mumpitz „On The Horizon“ und dem abschließenden „Translucence“ eine viel zu hohe Dichte an gesanglosen Nummern für ein Death Metal-Album darstellen. Es wirkt ein wenig selbstverliebt und genau hier hätte etwas gekürzt und das Album durch Kompaktheit interessanter gestaltet werden können! Doch drücken wir mal ein Auge zu, auch so lassen WRETCHED oft vergessen, dass sie eigentlich Musik wie viele machen. Trotz motivierter Herangehensweise immer noch ein bisschen im Zaum gehalten, trendy und auch mit einigen guten Ideen immer noch etwas gesichtslos. Zwischen anderen Death Metalcore-Bands wie Suicide Silence, White Chapell oder Carnifex stehen sie zwar immer noch sehr gut da, sind aber immer noch weit entfernt von Son Of Aurelius, With Passion oder den Göttern The Black Dahlia Murder – man verzeihe, dass ich letztere in einen Topf mit all dem *core werfe!

[rating:4]

Infos:
Victory Records – 03.08.2010
CD – 12 Lieder / 40:44 Min.