26.06.2010 – Operation Bang Sensation

Infos:
26.06.2010 / AZ, Aachen
Beginn: 18:30h
Damage: 5,00 Euro

Bands:
Visnu, Reconstruction, Blood Moon Under, Harasai, Retribution

Bekanntlich ist Thrash Metal nicht so sehr meine Baustelle. Doch wenn in der Gegend ein Metal-Konzert ist, sollte eigentlich jedem Metaller ein bisschen seine versnobte Schublade egal sein, denn der Underground lebt von jedem einzelnen. Und da ich die Veranstalter persönlich kenne und meinen Namen – oder besser: den Namen des NecroSlaughters – mit auf die Flyer habe drucken lassen, war es für mich eine doppelte Freude ein paar gute Bier zu leckerer Musik zu trinken!

Fünf Bands an einem Abend ist schon ein strammes Programm, besonders wenn dem Opener schon gut 40 Minuten Spielzeit zugesprochen wurden. Entsprechend früh sollte der Abend um 18:30h anfangen, was bei dem guten Wetter schon ziemlich schmerzhaft für den einen oder anderen war. Ich musste mich auch aus der Sonne in den finstren Bunker quälen, wo verständlicherweise noch nicht viel los war – Leider war auch zeitgleich das Graspop, was sicher auch manchen Gast in Beschlag nahm. Für den Soundcheck konnte man sich also Zeit lassen…

Unpünklich um 19:00h durften endlich VISNU auf die Bühne. Ich war mir nicht sicher, für wen das „endlich“ nun galt. Für die Leute, die auf die Sonne verzichteten und bereits pünktlich im kühlen Gemäuer warteten, oder für die Band selber. Denn die jungen Aachener Thrasher waren richtig spielfreudig, sogar fast spielwütig! Voller Energie rockte das Quintett richtig die Bühne und konnte alleine mit ihrer Präsenz Sympathiepunkte im Publikum abgreifen! Neben eigenen Songs, die deutlich die ganz alte Bay-Area-Schule mit dem großen Löffel fraßen, gab es noch den „Wachturm“ von Sodom und – jetzt kommt’s: „Raining Blood“ von – ach, das sag ich nicht, wer das Stück nicht kennt, braucht es auch nicht wissen (;
Aber im Ernst: Wenn man sich als Grünschnäbel an so einen Klassiker oder generell an Slayer wagt, muss man schon größenwahnsinnig sein, oder ein gutes Selbstvertrauen haben. Und letzteres hatten VISNU zu Recht, denn ihre Interpretation war grundsolide und hat wohl auch die letzten Zweifler im Publikum überzeugen können! Ordentlich!
Beim nächsten Mal sollte der Sänger aber ein bisschen weniger auf der Bühne piefen, dann wäre er auch nicht so sehr verpeilt (; Aber trotz deutlicher Wahrnehmungserweiterung konnte der Junge auch weitere Sympathiepunkte erhaschen: „Meine Großvater ist lauter als euch“ – Für mich der Spruch des Abends!
Die kommende Opener-Position vor Sepultura haben sich die Jungs deutlich verdient, denn so eine Show braucht unbedingt mehr Leute vor der Bühne, dann ist Party garantiert!
(Nachtrag: Die Band hat mich darauf hingewiesen, dass der Auftritt mit Sepultura VOR dem Operation Bang Sensation war. – Anm. d. Verf.)

Nach diesem Brett war die Messlatte hoch gesteckt und RECONSTRUCTED sollten keinen einfachen Job haben. Schnell war klar, dass dieser etwas modernere Thrash Metal mich nicht wirklich mitreißen konnte. Ich habe der Band drei Songs lang zugehört, bis ich mich entschloss, doch noch etwas Sonne abzustauben und ein weiteres leckeres Bier zu tanken…

Nun kam die Zeit für den Veranstalter des Abends. Die ebenfalls recht junge Aachener Band BLOOD MOON UNDER enterten die Bühne und präsentierten dem zahlreichsten Publikum des Abends ihre Interpretation des Metals. Mit einer Genre-Schublade tue ich mich bei den Jungs schwer, man hört Thrash’n Roll, Groove und an manchen Stellen könnten die Riffs auch aus dem Sludge stammen. Aber egal, wie die Musik nun auch heißt, live kann sie sehr unterhaltsam sein, wie man eindrucksvoll auf dem Metallize bei der Feuerprobe bewiesen hatte. Da ich aber zwischenzeitlich einen nicht ganz so guten Auftritt der Band gesehen hatte, ging ich doch recht kritisch an diesen Auftritt.
Doch alle Bedenken waren umsonst, mittlerweile hatten BLOOD MOON UNDER etwas Routine an den Instrumenten und auf der Bühne bekommen und waren heiß darauf zu spielen! Genau diese Spielfreude hörte man den Songs an, die wieder auf dem gleichen guten Niveau des Livedebüts dargeboten wurden. Auch wenn mir die Musik daheim sicherlich keinen Spaß machen würde, konnte ich mir ein Kopfschütteln an diesem Abend nicht verkneifen!
Auf die weitere Entwicklung und Shows von BLOOD MOON UNDER bin ich wirklich gespannt!

Ursprünglich stand die Operation Bang Sensation voll im Zeichen des Thrash, nun sollten ALL WE HATE aus Köln folgen. Doch diese sagten aus bandinternen Gründen ab und somit musste kurzfristig Ersatz her. Gut, dass HARASAI gerade ihr Debütalbum fertig hatten und es der Welt präsentieren wollten!
Folglich kam nun die für mich – und sicherlich auch den potentiellen Leser des NecroSlaughter – interessanteste Band des Abends auf die Bühne. Moderner und melodischer Death Metal mit leichtem Thrash-Einschlag – also beste At The Gates-Manier, die live wirklich wunderbar funktioniert! Und dazu ein Fronter, der vor Energie an die Kette gelegt gehört! Menschenskinder, der Typ lieferte die wohl aggressivsten Vocals des Abends und hatte eine immense Bühenpräsenz!
Aber auch seine Bandkollegen versteckten sich nicht, sondern machten das, was man von einer Metalband erwartet: Rocken! Wie bereits die Bands zuvor hätten HARASAI eindeutig mehr Publikum verdient, denn die Resonanz war hervorragend und hätte bei mehr Masse auch für ordentlich Party gesorgt! Als Bonus zum eigenen Material gab’s – wen wundert’s? – „Blinded By Fear„! Smakelijk!

Headliner des Abends waren RETRIBUTION. Wenn man ihrer Myspace-Seite glauben darf, waren sie für einen exklusiven Deutschland-Gig nach Aachen gekommen.
Ob da der Umstand half, dass der Gitarren-Tom von RETRIBUTION auch bei den aachener Thrashern Scornage mitspielt? Ein Schelm, wer böses hierbei denkt!
Das Debütalbum „C.H.A.O.S.“ der niederländischen Thrasher kam bereits im April letzten Jahres raus, dennoch gehören die Songs in unserer schnelllebigen Zeit noch nicht zum alten Eisen! Gerade das lyrische Konzept einer düsteren Zukunft, die von dem Super-Computer „C.H.A.O.S.“ beherrscht wird ist in Zeiten von Datenpannen, Facebook und Google mit jeder Sekunde aktueller denn je!
Doch von solch kritischer Lyrik wollte man an diesem Abend nichts wissen, eher zur Teutonen-Thrash-Keule die Matten schwingen! Auch wenn sich das Publikum schon etwas zerstreute – was ich ziemlich schade fand und finde! – gab die Band Vollgas und sorgte für amtliche Stimmung bei den verbliebenen Metallern vor der Bühne!
Am Schluss wurde dann an die Leute vor der Bühne, die Tapfer das ganze Operation Bang Sensation durchgehalten haben noch die „C.H.A.O.S.„-CD verteilt – ich glaube es sollte jeder im Raum eine bekommen haben, oder? Haha! – Okay, so leer war es dann aber doch nicht!

Selbst für mich olle Möppernase war diese Veranstaltung ein sehr gelungener Abend, trotz der differierenden musikalischen Ausrichtung von meinem eigentlichen Geschmack. Und für den äußerst fairen Preis von 5 Euro für 5 Bands kann man wirklich nichts sagen, außer: Danke für diese coolen Kurs!
So finde ich es doppelt Schade, dass nicht mehr Leute zu dieser Veranstaltung aufgetaucht sind! Unterstützt eure lokale Szene, besucht Konzerte und habt Spaß!
Ich hoffe, BLOOD MOON UNDER wurden nicht zu sehr demotiviert und werden noch weitere Konzerte hier in Aachen veranstalten. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei!