My Cold Embrace – Der Albumgedanke ist durch

Nach „Hausgeist“ und der Split mit Rapture war es für mich wieder mal eine Pflichtveranstaltung, ein paar Fragen an Dirk von MY COLD EMBRACE zu schicken. Zu meinem dritten Interview mit der Band will ich nicht viel mehr sagen, das Teil ist schön lang und ausführlich geworden! Viel Spaß beim Lesen und wer die Band nicht kennt: Hört sie dir an! Das aktuelle Album gibt die Band für lau weg, Details im Interview (;


1. Hey Dirk! Willkommen zurück im NecroSlaughter-Webzine! Mir fällt gerade auf, dass dies nun mein drittes Interview mit euch ist – wenn das mal nicht auf Korruption schließen lässt, haha! Seitdem letzten Interview ist so einiges passiert: Ihr habt ein neues Full-Length sowie zwei Splits mit Uncurbed und euren Münchener Freunden von Rapture draußen, Ernie ist nicht mehr euer Brüllwürfel und an seiner Stelle steht nun Dennis bei euch im Line-Up. War es das nun soweit, oder habe ich da essentielle Geschehnisse und Fakten vergessen? Gib mal schnell einen kurzen Rückblick über die letzten drei Jahre bei MY COLD EMBRACE!

Hey Christian! Schön wieder zurück zu sein. Mann, du bist wirklich irre. Leute wie du motivieren uns unglaublich! Die Art und Weise wie du uns seit Jahren supportest ist FETT! Dass Leute so hinter dir stehen als wären sie ein Bandmitglied ist ohne Scheiss der schönste Lohn/das schönste Lob überhaupt. Um zur Frage zu kommen: Eigentlich waren alle 12 Jahre My Cold Embrace turbulent. Die Zeit um „Hausgeist“ (2008) herum war sogar so kritisch, dass es uns beinahe nicht mehr gegeben hätte. Aber mit Marco statt Timo an der Gitarre und Dennis statt Ernie am Gesang haben wir von „Katharsis“ (2006) zu „Hausgeist“ (2008) einen immensen professionellen Sprung und eine irre Entwicklung durchgemacht. Die beiden haben ja nun auch schon ein paar Jahre mit uns auf dem Buckel, andere Bands existieren noch nicht mal so lange wie es unser „neues“ Line Up schon gibt. Unser drittes Line Up ist zweifellos optimal und in jeder Hinsicht brüderlich und gemeinschaftlich. Releasetechnisch ist viel passiert, einige Sampler, Compilations, die Nasum Tribute Scheibe dieses Jahr mit unserem ersten Coversong überhaupt, die „Schnittmenge“ Mini-CD mit Rapture, wir bleiben eben aktiv und verstecken uns nicht. Derzeit werkeln wir gemeinsam an der siebten CD und bereiten uns auf ein paar tolle weitere Konzerte vor. Vor zwei Wochen erst haben wir mit Asphyx und God Dethroned gespielt, sehr geniale Sache.

2. Wenn ich ehrlich sein darf: Ich war anfangs schon etwas irritiert, als auf „Hausgeist“ nicht Ernie aus den Boxen gekotzt hat. Er hatte ja schon ein ziemlich ungewöhnliches Organ und hat auch zur Einzigartigkeit von MCE beigetragen.
Dennis ersetzt seinen Posten mehr als gut und schafft es – obwohl er „typischer“ für die Art Musik klingt – aus den Grenzen auszubrechen, die Ernie an manchen Stellen schon etwas limitiert haben. Dadurch klingen die Lieder auf Anhieb nicht ganz so befremdlich, sondern zünden schneller, als noch auf der „Katharsis“. Was sagt ihr zu eurem Sänger-Wechsel? Gab es da auch von anderen Stellen Reaktionen zu? Ich habe euch ja nun in Neuss auf der Metal Night gesehen und muss sagen: Der Dennis macht auf der Bühne auch ordentlich was her! Er erinnert mich von der Präsenz her sehr an Horn von Jack Slater!

Horn ist ne coole Sau, ha ha, guter Vergleich! Dennis ist ebenso ein echtes Energiebündel, keine Frage! Er hat zudem den großen Vorteil, dass er früher als Bassist auf der Bühne stand und doch deutlich songorientierter und rhythmisch sicherer agieren kann als vielleicht Ernie, dessen Leistung hier keinesfalls geschmälert werden sollte. Ernie war für sich ein Unikum mit hohem Wiedererkennungswert. Er hatte seine Zeit bei uns, wir haben uns aber weiterentwickelt und irgendwann passte das alles nicht mehr richtig zusammen. Mit Dennis haben wir den nächsten richtigen Schritt nach vorne getan und unser Bruder Ernie gehört an dieser Stelle weiterhin herzlichst gegrüßt. Die Kritiker reagieren extrem positiv auf den „neuen“ Gesang, kritische Stimmen vernehmen wir diesbezüglich gar keine. Was wollen wir mehr ;o)

3. Ich finde, neben dem neuen Sänger hat aber auch die instrumentale Seite von MY COLD EMBRACE einen guten Schritt gemacht! Alles klingt nicht mehr so abgedreht, sondern erwachsener und ausgereifter. An dieser Stelle soll dies ausnahmsweise nicht zum Nachteil gemeint sein, haha! Vielmehr sehe ich die konsequente Entwicklung von „… zurück aus Hölle“, über „Katharsis“ zu „Hausgeist“. Aktuell mag ich sagen, dass euer letztes Album wirklich auch insgesamt das beste von euch ist, auch wenn ich an manchen Stellen etwas den verrückten Ideen etwas nachtrauere, die nun etwas mehr in den Hintergrund gerutscht sind. Wie siehst du MCE vor 5 Jahren und heute?

Interessant was du sagst, denn die Songs sind von der Struktur her, vom Riffing und vom Taktwechelkrempel noch abgedrehter als auf der „Katharsis“ Scheibe. Worauf wir jedoch extrem viel Zeit verwendet haben war der Punkt, diesen wirren Kram und Stilmix mehr auf die rote Linie zu bringen und im Kontext schlüssiger und logischer klingen zu lassen, es war quasi ein gigantisches Riff Puzzle. Ich denke die Teile passen nunmehr einfach noch besser zusammen, sind aber immer noch genauso beknackt wie früher, wenn nicht schlimmer. Spielerisch ist „Hausgeist“ ein Quantensprung. Vor fünf Jahren waren wir mutig, wir sind es auch heute noch, wir trauen uns nach wie vor alles einfließen zu lassen was wir wollen. Wir wissen heute aber besser als je zuvor worin unsere Stärken liegen und was wir können, so dass wir viel mehr Fluss und Professionalität haben entwickeln können.


4. Darf ich an dieser Stelle auch mal zu euren Eiern gratulieren, einen Surf-Song als Bonus auf die Platte zu packen? Mal ernsthaft, kaum eine Metal-Band gesteht sich ein, dass sie neben Metal auch andere Musik hört, mag oder macht! Viele eurer Einflüsse aus Death und Thrash sind ja genau so offensichtlich, wie eure Freude am Punk und Crust, die z.B. auch im Titeltrack der letzten CD gut hörbar sind. Doch mit Surf habt ihr selbst mich noch überrascht, haha! Was kommt auf die nächste Platte? Rockabilly?

Warum nicht? Mal im Ernst: Tarantino Filme sind der Knüller und definitiv Metal. Unser Surf Song zollt ihm und seinen Filmen Tribut – Wer kann sich bei diesem Song nicht vorstellen mit der Harley vor der Titty Twister Bar zu parken? Mal schauen was wir als nächstes verbrechen. Wenn man danach geht was sich bei uns zu Hause in den CD Playern tummelt, dürfte absolut ALLES möglich sein, egal ob Jazz oder Blues, egal ob Elektro, Goregrind oder Joy Division. Vielleicht spielen wir auch ein Creedance Clearwater Revival Cover oder kooperieren mit dem örtlichen Spielmannszug für ein Tuba-Solo?!

5. Im Booklet von „Hausgeist“ steht: „The release of the album was terribly delayed by German government. Thanks to Staatsanwaltschaft Göttingen“. Darf man an dieser Stelle nachfragen, was es mit diesen Zeilen auf sich hat, oder verstößt man dadurch gegen eine gerichtliche Auflage?

Ja, du darfst fragen und ja es gibt eine Auflage. Dieser Satz hätte besser nicht im Booklet auftauchen sollen, aber wir waren einfach STINKSAUER. Leider kein weiterer Kommentar, so gerne ich auch würde. Eine Geschichte die beinahe unser Ende bedeutet hätte. Vorbei. Wir dürfen uns nicht konkreter dazu äußern.

6. Eure allerletzte Veröffentlichung bisher ist die Split-CD mit euren Freunden von Rapture aus München. Wer hatte die Idee zu dieser Split und wieso ist sie nicht im DIY rausgekommen, sondern über 666-Strings? Und überhaupt, was soll denn die Sache mit einer CD als Medium? 7″-Vinyl rockt doch wesentlich mehr für Split-Veröffentlichungen, oder? Naja, dafür habt ihr aber nett das Schema F durchbrochen und mit dem Wechsel zwischen den Bands aus dieser Split wieder etwas besonderes gemacht…

Rapture sind seit vielen Jahren wirklich enge Freunde, eine super Liveband, sie machen tolle CDs, persönlich herrscht zwischen uns Monsterharmonie deluxe. Ein gemeinsamer Release war unser aller Traum um die Freundschaft für immer zu besiegeln und 666 Strings bzw. 666 Records aus Wolfsburg hatten die Eier in der Hose diesen DIY Release mit uns Bands herauszubringen. Danke Stefan! Mehr DIY als 666 Records geht nicht, keine Sorge. Unser Vertrag war rein mündlich und megafair, also alles andere als irgendwie kommerziell. Vinyl ist zwar kultig aber zerbrechlich. Was für Liebhaber, noch dazu in der Produktion deutlich teurer als eine CD, wir hätten das Teil als Vinyl wohl leider nur schlecht verkaufen können. Sollte es jedoch ein Label geben, welches die Vinylvariante nachlegen will – gerne! Der Songwechsel war gewollt und mit Rapture im Detail genau so abgesprochen. Hier passen Stimmungen, Texte und Abfolgen optimal.

7. Nachdem auf der Split mit Rapture zwei neue Songs zu hören waren, drängt sich mir direkt die Frage auf: Gibt es noch mehr neues Material, was ein neues Full-Length in absehbarer Zeit andeuten würde? Ist vielleicht bei dem neuen Material wieder eine Weiterentwicklung von „Hausgeist“ zu hören? Ich habe in einem anderen Interview gelesen, dass ihr überlegt eure Release-Politik etwas zu ändern: Weniger Full-Length, häufiger und mehr EPs und Splits… Magst du vielleicht dazu noch ein paar Worte verlieren?

Unser neues Material ist extrem homogen. Früher hatten wir auch gemeinsam entwickelte Songs, aber in der Mehrzahl Songs, die von einem von uns mitgebracht und vorstrukturiert waren. Alle neuen Geschosse sind reine Proberaumnummern und komplett gemeinsam erdacht, das kostet extrem viel mehr Zeit als früher, aber die Ergebnisse bisher sind unglaublich gut, vielseitig und sehr professionell, ich denke wir legen mit den neuen Stücken noch mal einen Sprung im Vergleich zum „Hausgeist“ hin. Sechs, sieben Stücke sind aufnahmebereit. Zwei davon testen wir bereits live, das ist ganz wichtig um strukturelle Fehler zu entdecken.

Im Jahr 2010 ist der Albumgedanke durch. Die junge Generation denkt in Titeln und Songs, bestenfalls in EPs und Maxis, aber schon lange nicht mehr in Alben, was sich auch in den Downloads widerspiegelt. Alles ist kurzfristiger und schneller geworden. Auch ich könnte gut damit leben häufiger etwas zu veröffentlichen und dafür kürzere Scheiben anzubieten. Drummer Dennis und Gitarrero Marco sehen das mehr old school, das letzte Wort ist noch nicht gefallen. Wenn es nach mir ginge würde ich ab sofort nur noch Split EPs auf Vinyl veröffentlichen…

8. Vor wenigen Tagen habt ihr auf eurem Blog an die treuen Leser dieses Mediums eure letzte Scheibe „Hausgeist“ als kostenlosen Download abgegeben. Was hat euch zu diesem Schritt bewegt? Eigentlich fahrt ihr mit 8 Euro für eine gepresste CD doch eh schon einen ziemlichen Kampfpreis und lasst 90% der anderen DIY-Bands mit diesem Kurs alt aussehen! Warum nun also die Scheibe für lau weggeben? Ist sie euch einfach zu alt geworden? Oder kauft wirklich keine Sau mehr CDs und ihr bekommt eure Scheiben nicht mehr quitt?

Du merkst aber auch alles, oder? Basser Tim kämpft seit Jahren um diese Downloadsache, ich war der härteste Gegner und habe nun nachgegeben. Tim sagt, dass die, die sich die Scheibe runterladen, sie eh nicht gekauft hätten und wenn Leute dabei sind, denen wir gefallen, haben wir mehr Freunde und Zuhörer als vorher. Echte Metalheads holen sich die Scheiben von uns trotzdem, weil sie Wert aufs Original, aufs Cover und das Gesamtkonzept legen. Außerdem entgeht den Downloadern der Bonus Teil mit Videos usw. Die Scheibe nun frei zu geben heißt für uns auch, dass wir uns zwingen wollen bald neuen Stoff nachzulegen. Wir verkaufen den „Hausgeist“ nach wie vor als CD zum fairen Preis und in sehr hohen Stückzahlen, wir gehen einfach nur einen weiteren zusätzlichen Weg damit. Wer die CD in Händen hält beschwert sich nicht, ganz im Gegenteil.

9. Vor kurzem ist auch der Sampler „A Tribute To Nasum“ erschienen, wo ihr dieser Grindgröße auch mit dem Song „Silent Sanguinary Soil“ huldigt. Wie seid ihr auf diesen Tribut gekommen? Habt ihr den Tom angeschrieben, oder hat Power It Up euch gefragt? Warum habt ihr ausgerechnet diesen Song ausgesucht und was verbindet ihr damit und mit Nasum?

Ich habe Nasum mehrfach live gesehen und sammele ihre Scheiben seit vielen Jahren. Nicht erst seit unserer Vinyl Split 7″ mit Uncurbed über Power It Up Records sind wir mit Inhaber Tom sehr gut befreundet, natürlich wussten wir, da wir häufiger telefonieren oder uns treffen, sehr früh von seinen Tribute Plänen und bekamen trotz tausender Bandbewerbungen sofort einen Zuschlag, was wir Tom hoch anrechnen. Nasum sind und waren eine der wichtigsten Bands für den modernen Grindcore überhaupt. Ohne Nasum würde es heute Bands wie The Arson Project, Afgrund oder Rotten Sound nicht geben. „Silent Sanguinary Soil“ ist außergewöhnlich groovig, länger als für einen Nasum Track üblich und passt hervorragend zu uns. Die „Black Illusions“ Single, von der der Track stammt, habe ich unzählige Male gehört.

10. Auf eurem Blog (http://my-cold-embrace.blogspot.com) gibt es die Rubrik „Welttournee“. Was verbirgt sich genau dahinter? Soweit ich sehen kann, habt ihr dort Bilder von euren „Auslandskorrespondenten“, Stickern, T-Shirts in verschiedenen Ländern dieser Welt…

Genau das! Viele Leute senden uns Bilder von rund um den Globus. Ich finde diese Sammlung genial. Ich habe noch mehr so schräge Sachen. Ein Fan sendete uns ein Video aus dem Auto heraus, wie er in Texas auf dem Highway bei Höchstgeschwindigkeit unsere „Hausgeist“ CD hört, geht es geiler? Ist halt so die kleine Feldzug Rubrik, haha.

11. Ein paar Nasen wissen es vielleicht: Ihr seid absolute Vertreter des DIY und totale Gegner von Pay-To-Play. Soweit ich das richtig mitbekommen habe, seid ihr auch sehr aktiv im Untergrund von Kassel, auch abseits vom Death Metal. Darum möchte ich dir an dieser Stelle etwas Platz einräumen, wo du eure Haltung zu DIY und Pay-To-Play (was ich im übrigen beides ähnlich sehe) erörtern und vielleicht auch etwas über den Kasseler Untergrund erzählen kannst. Mach etwas Werbung für deine Stadt und die lokale Szene!

In Kassel gibt es seit Jahren wieder eine gesunde Szene! 98 Records veranstalten tolle Konzerte, Radioshows und Partys. Die DIY Cassel Crew organisiert ebenso wie unsere Freunde von der Moshpit Crew sehr gut besuchte Konzerte jeglicher harter Coleur. Das Masters of Cassel Festival ist der alljährlicher Metallerhöhepunkt und damit quasi die Jahreshauptversammlung. Extreme Music Wear als Kasseler DIY Vertrieb verkaufen unseren Krempel hervorragend und weitreichend, alles zusammen ist das ein bunter und liebenswerter Kasseler Haufen, aus dem Bands wie Paroxysm ebenso positiv hervorstechen wie Downtime oder Gutlock oder Timor et Tremor, die geilen Pagan Metal spielen. Wir haben gute rockige Locations, egal ob das K19 oder das ARM, zum Saufen die Lolita Bar oder die Mutter. DIY heißt, dass du erkennst, dass unsere Kasseler Ärsche einfach zusammen gehören, dass man zusammen viel erreicht und zusammen viel mehr Spaß haben kann, ganz ohne Konkurrenzgedanken und einfach mit liebevollem gegenseitigem Support.

Was DIY und Pay to Play betrifft, hier passend dazu die Worte von mir aus unserem Blog:

„Bitte votet für uns!“, „Wir haben die XY Battle Nord gewonnen und nun wollen wir weiterkommen“, „Wir wollen Support von Slayer in Leipzig sein, bitte klickt für uns auf den folgenden Link“, usw usw usw… STOP!

Metal ist ein Miteinander und kein Gegeneinander! Habt ihr noch Lust bei Battles den anderen Bands zu applaudieren wenn ihr als Band selbst teilnehmt? Lieber nicht, das könnte ja die Chancen schmälern selbst weiterzukommen! Wo bleibt dann der Spaß und die gute Stimmung?

Liebe „Battle-Contest-Voting“-Bands: Seid euch im Klaren darüber, dass IHR als Teilnehmer nur ein BILLIGES Marketinginstrument seid! Ihr werbt massiv für Wacken, das Metal Camp in Slowenien, das Legacy Fest und zig andere Veranstaltungen…um dann nach unzähligen Werbeaufrufen (das nennt man im BWL Jargon „Virales Marketing“) im Voting rausgeflogen oder in einer Vor-Battle nicht weitergekommen zu sein. Prima! Gratulation! Der Veranstalter dankt! Wie ist das Gefühl für eine Veranstaltung massiv Werbung gemacht zu haben und dann doch nicht dort zu spielen?

Werdet ihr mit euren Metal Battle „Feinden“ weitere Konzerte spielen oder seid ihr danach plötzlich Freunde?

Wie kann man als Band so DÄMLICH sein, sich nach „Voting-Gewinn“ (na wie oft habt ihr euch selbst angeclickt, hm?) zu verpflichten z.B. ein Monsterkontingent Karten z.B. für das Metal Camp in Slowenien oder das Legacy Fest zu kaufen um dort spielen zu dürfen? Wer soll euch all die Karten abkaufen? Wie ist das Gefühl von 50 Pflichtkarten im VVK doch nur 40 verkauft zu haben, wenn man dann außerdem zur Mittagszeit auf einer kleinen Nebenbühne vor 50 Leuten aufspielt?

Das ist Pay to play und PAY TO PLAY STINKT ZUM HIMMEL!

Seid ihr von Herzen stolz darauf z.B. im Vorprogramm von Deicide zu spielen (bei schlechtem Licht/Ton, vor kaum Leuten zur Einlasszeit) wenn ihr dafür dem Veranstalter 350€ gegeben habt? (O-Ton Telefongespräch Osnabrück: „Ihr wollt im Vorprogramm spielen? Gerne! Gebote ab 350€…“ Danke! Fuck Pay to play! – Gespräch beendet). Warum gibt es eigentlich noch nicht einmal Spritgeld wenn man zu einem Contest fährt? Gibt es keine Gäste an dem Abend die sich amüsieren und Geld an der Abendkasse lassen oder wie? Bands – wo bleibt euer Selbstbewusstsein, eure Ehre, euer Stolz, eure Vernunft? Wenn ihr einem Veranstalter nicht mal das Spritgeld wert seid, ist er es dann eigentlich wert dass er euch sehen darf? Natürlich gibt es Menschen die von solchen Veranstaltungen ggf. leben müssen bzw. Bands die den ganzen Zirkus professionell betreiben und einfach sehen müssen wo sie bleiben – aber warum soll der Underground bzw. seine Bands immer nur die Zeche dafür zahlen?

Battles, Votings, Contests, Pay to play sind KEIN faires Miteinander sondern ein Gegeneinander, Kapitalismus, Spiele vermeintlich „Stärkerer“, ein fieses Spiel mit Träumen junger Bands, die die Zeche selbst zahlen und die gesamte Szene Stimmung untereinander nachhaltig vergiften. („Ihr müsst hier halt mal investieren, das wird sich lohnen“ unken die Verantwortlichen – Alles völliger Quatsch)

Je mehr Bands sich diesem Voting/Battle und Pay to play Kram hingeben, umso weniger Veranstalter sind dann nach und nach überhaupt noch bereit Spritgeld oder ähnliches für Underground/DIY oder Nicht-Label Bands zu zahlen. Von Gage will ich schon gar nicht reden. Wir vergiften uns die einstmals faire Szene und wenn wir nicht bald anfangen damit aufzuhören (damit meine ich auch ganz konkret mal NEIN zu einem Gigangebot zu sagen!), ja bitte wo soll man dann als Underground Band langfristig überhaupt noch spielen dürfen in Deutschland? Nur noch an der eigenen Steckdose? Gute Nacht…

STOP THE MADNESS!

12. Obligatorisch, oftmals langweilig zu beantworten und für den geneigten Fan dennoch fast essentiell: Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Stehen schon konkrete Vorstellungen für die nächsten Alben, Splits, Eps? Oder geht es erst mal gemütlich über die Bühnen der Republik um dort etwas Party zu machen?

Wir haben parallel sicherlich immer mindestens 20 Ideen auf der Pfanne die gerade anstehen, egal ob’s um Merchandise, neue Songs oder Konzerte geht. Unser Blog http://my-cold-embrace.blogspot.com/ ist da schon recht repräsentativ und informativ wenn man einigermaßen den Überblick behalten will, auch die My Cold Embrace StudiVZ Gruppe gibt da viel her. Übrigens haben wir sehr schönes neues Merchandise, welcher hier gerne angeschaut und gekauft werden kann: www.extrememusicwear.de

13. Dirk, vielen Dank, dass du mal wieder meinen Fragen brav Zeit und ein paar Buchstaben geopfert hast! Ich hoffe alsbald neues Material von euch zu hören und wünsche euch noch viel Erfolg mit euren letzten beiden Platten! Die letzten Worte gehören wie immer dir!

Dir auch von Herzen Dank! Du bist einer der unglaublichsten und vielleicht wichtigsten fünf Supporter der Bandgeschichte. So viel Ausdauer uns zu unterstützen haben nicht viele. Vielleicht sollten wir die anderen vier endlich mal an dieser Stelle grüßen: Einen fetten Dank an die Promoministerin Angie aus Brandenburg, an den Candy aus dem wildesten Osten und die Melly und ihren Dauerfotofinger, ihr seid ein Knüller. Dieter alter Maniac, auch du bist endlich mal gegrüßt! Danke von Herzen, auf bald und metallische Grüße von uns allen aus Kassel.

Dirk & My Cold Embrace



Interview: Chris (Necroslaughter) / Dirk (Gitarre @ My Cold Embrace) · 27.06.2010
© Bilder: Alle von MCE geklaut