De Profundis – wir brauchen nur eine Bühne, die groß genug ist

Freunde von düsteren und progressiven Klängen sollten undbedingt „A Bleak Reflection“ anhören – falls nicht bereits geschehen! Denn DE PROFUNDIS haben mit ihrem zweiten Album ein wirklich beeindruckendes Stück anspruchsvollen Doom/Death Metal erschaffen! Grund genug, um mit Sänger Craig ein kurzes Interview zu führen, denn die Band hat scheinbar große Ziele…


1. Hey Craig! Wie geht es dir? Es ist mir eine große Freude für mich, ein Interview mit dir und deiner düsteren und faszinierenden Band DE PROFUNDIS zu führen! Euer letztes Album „A Bleak Reflection“ hat einen schweren Einschlag in meiner Anlage hinterlassen und war für mehrere Wochen auf Dauerrotation! Mit einigem Abstand zum Release-Datum, bist du immer noch zufrieden mit dem Ergebnis?

Hi Chris! Mir geht es sehr gut, vielen Dank. Und danke auch für deine netten Worte zu „A Bleak Reflection“! Um deine Frage zu beantworten, ich kann bestätigen, dass wir immer noch sehr glücklich mit dem Album sind. Obwohl es im Februar rausgekommen ist, haben wir die Aufnahmen bereits im Juli 2009 beendet, so dass wir eine lange Zeit für die Analyse der Aufnahmen hatten. Deswegen würden wir nur sehr wenige Sachen ändern.

2. DE PROFUNDIS ist eine sehr junge Band: Ihr habt euch in 2005 gegründet, hattet einige Wechsel im Line-Up sowie einige beeindruckende Auftrittsmöglichkeiten! Aber mal höflich gefragt: Habt ihr schon mal versucht im Internet Informationen zu DE PROFUNDIS zu finden? Da gibt es noch ein paar andere Bands mit gleichem Namen, ebenso wie Alben, Bücher, Gedichte und so weiter. Warum habt ihr euch für diesen Namen entschieden, auch wenn ich denke, dass es wohl der passendste Name für eure Musik ist? Und könntest du mir noch schnell den Gefallen tun und in kurzen Worten eure History zusammenfassen, auch wenn eure offizielle Homepage tiefere Informationen für interessierte Leser bereitstellt?

DE PROFUNDIS haben ihren Namen von einem Song von ABRUPTUM mit Namen „De Profundis Var Mors Cousumet“, welcher einer meiner Alltime-Favourites ist und in ähnlichem Stil ist, wie wir ihn machen wollten. Natürlich habe ich die entsprechende Phrase auch recherchiert und weiß um ihren Gebrauch in anderen Zusammenhängen, aber das ist mir egal. Für mich passt er perfekt zu unserer Band, sowohl in seinem Klangbild, wie auch in seiner Bedeutung. Außerdem ist er ziemlich offen, was auch heißt, dass wir nicht in irgend einem Stil eingeschränkt sind.
Wie du bereits sagtest, die Biographie auf unserer Webseite ist ziemlich zusammengefasst, aber ich werde den Konsens für dich noch mal wiederholen. Roman (Gitarre) und ich haben die Band im November 2005 gegründet. Ein Freund von mir ist an den Drums eingestiegen und ein Freund von Roman an der Gitarre. Einem Bassisten haben wir durch Vorspielen bekommen. Dieses Line-Up zerfiel, als der Bassist sich entschied, er wolle lieber mehr traditionellen Death Metal spielen, unser Schlagzeuger von einer Band namens TO-MERA abgeworben wurde und unser Gitarrist dachte, es wäre das Ende – und uns ebenfalls verließ. Roman und ich standen wieder am Anfang und haben erneut begonnen, zuerst damit Aleksej Obradovic für den Bass zu rekrutieren, dann Shoi Sen an der Gitarre, aber das Schlagzeuger-Problem blieb bestehen. Wir haben uns dagegen entschieden, ein Demo aufzunehmen und haben unser Debütalbum „Beyond Redemption“ mit einem Session-Drummer eingespielt. Im August 2007 haben wir es als Eigenproduktion veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir Sterghios Mochos von PANTHEIST rekrutieren und haben angefangen auch live zu spielen. Dieses Line-Up spielte durch das Vereinigte Königreich und auch unsere erste Show im Ausland, welche der March Metal Day 2008 in Griechenland war. Im Sommer dieses Jahres wurde Mochus von Nick Tingle ersetzt, der seine erste Show mit uns auf dem Bloodstock gespielt hat. Dieses Line-Up hat auch die Show mit IRON MAIDEN in Indien gespielt, was uns einen Album-Deal mit Sony India eingebracht hat. Arran McSporran ersetzte Obradovic einen Monat bevor wir mit den Aufnahmen für unser zweites Album „A Bleak Reflection“ anfingen. Diese schlossen wir im Juli 2009 ab, wie ich erwähnte. Kolony Records haben das Album genommen und im Februar 2009 in Europa veröffentlicht. Relapse sicherten uns exklusiven Vertrieb in den USA zu. Bisher haben wir in Frankreich, Rumänien wie auch Deutschland, Polen, Österreich, den Niederlanden, und Belgien auf unserer letzten Europa-Tour als Support für RAGNAROK (Nor) gespielt. Im Moment schreiben wir am neuen Material für das dritte Album.

3. Wie schon in der Frage zuvor angedeutet: Eure Liveauftritte sind schon beeindruckend: In Griechenland habt ihr mit James McIlroy (ex-CRADLE OF FILTH)als Gastmusiker gespielt, eine UK-Tour habt ihr als Support von MISANTHROPE hinter euch und ihr habt sogar für IRON MAIDEN in Indien eröffnet. Wow, für eine Band, die gerade mal fünf Jahre existiert ist das schon eine beachtliche Leistung. Und dann seit ihr noch in einem Poll vom Terrorizer-Magazin 2007 unter die besten 10 ungesignten Bands gewählt worden. Ich denke ihr seid schon zufrieden mit eurer Entwicklung bisher, oder? (;
Warum denkst du, hatte DE PROFUNDIS bisher so viel Erfolg? Hattet ihr irgendwelche Connections für den Gig mit IRON MAIDEN? Oder wie kommt man dazu, für die Heavy Metal-Legende eröffnen zu dürfen?

Ja, wenn ich darüber nachdenke, haben wir einen langen Weg in relativ kurzer Zeit geschafft, aber zur gleichen Zeit denken wir auch, dass wir irgendwie schon weiter sein sollten, als wir sind. Wir sind es gewöhnt, Dinge auf unserem Weg für uns selber zu machen, mit sehr wenig Hilfe von jemanden sonst. Es ist Hingabe und Zielorientierung, die uns ermöglicht hat, dahin zu kommen, wo wir sind, auch wenn nichts einfach gewesen ist. Wir arbeiten hart und wir sind sehr professionell, aber wir wurden oft durch das Arbeiten mit der Industrie frustriert, von ihrem Mangel an Professionalität. Um so mehr wir mit der geschäftlichen Seite der Musik-Industrie zu tun gehabt haben, um so mehr fanden wir sie abstoßend. Aber wir haben auch eingesehen, dass es wohl das notwendige Übel ist. Wir stecken viel Zeit und Geld in DE PROFUNDIS, aber wir mussten feststellen, dass es nichts bring, wenn wir Killer-Songs schreiben, diese aber von niemandem gehört werden. Darum haben wir gelernt das Spiel zu spielen. Erfolg bedeutet für uns, dass so viele Leute wie möglich unsere Musik hören. In dieser Hinsicht haben wir noch einen langen Weg vor uns.
Was die Show mit IRON MAIDEN anbelangt, da haben wir dem Promoter nur unser Presse-Paket zukommen lassen. Er hat gemocht, was er hörte und hat uns eingeladen dort zu spielen. So einfach ist das. Unser Gitarrist Shoi ist Franzose, aber mit indischer Abstammung. Vielleicht hat uns auch dieses Novum geholfen. Wie auch immer, unser Deal mit Sony India basiert einzig auf unserer Performance auf dieser Show, entsprechend haben sie wohl auch etwas Besonderes in uns gesehen.

4. Um ehrlich zu sein, ich kenne euer erstes Album „Beyond Redemption“ nicht… Aber hier ist die eine Gelegenheit, um noch mal nostalgisch zu werden, haha! Erzöhl mir ein bisschen über euer Debüt und bewirb es vor mir und meinen lesern! Soweit ich weiß, habt ihr das Teil zunächst selber veröffentlicht und dann wurde es von einem Label wieder aufgelegt? Wie würdest du „Beyond Redemntion“ mit „A Bleak Reflection“ vergleichen? Denkst du, dass die Fans des aktuellen Langeises auch euer Debüt mögen würden?

Du hast recht, wir haben „Beyond Redemption“ zunächst selber veröffentlicht, aber es wurde nur in Indien von Sony India wieder veröffentlicht. Wir haben 1000 Einheiten pressen lassen, die wir auf Shows verkauft haben und ein paar Distros haben es aufgenommen, wie Holy Records in Europa und Relapse in den USA, aber die verkaufen die originale, selbstveröffentlichte Version. „Beyond Redemption“ besteht aus vier langen Liedern und einem Instrumental, mit einer Spielzeit von 45 Minuten. Die Musik ist langsamer und weniger abenteuerlich als auf dem neuen Album – mehr Doom. Das einzigartige Ding des Debüts ist der Slapbass (etwa der Kontrabass, der auch z.B. im Psychobilly/Rockabilly verwendet wird? – Anm. d. Chris), der den Songs eine besondere Dimension verleiht. Wir haben den einmaligen Basssound erhalten, dieses Mal mit dem fretless Bass. Auch wenn wir uns sowohl im Songwriting, wie auch als Musiker selber verbessert haben, wir haben immer noch einen signifikanten Sound, der die beiden Alben verbindet. Leute, die das Debüt gemocht haben, haben in der Regel auch „Beyond Redemption“ noch mehr genossen. (Was denn nun? – Anm. d. Chris)

5. Auf „A Bleak Reflection“ höre ich viele Einflüsse von verschiedenen Metal-Styles, wie auch anderen Genren. Black, Death, Dark, Doom Metal, etwas Atmosphäre aus dem Post-Hardcore und sogar etwas Reggae in „Longing“, das eine beeindruckende Entwicklung innerhalb des Songs durchmacht! Wie würdest du eure Einflüsse beschreiben? Woher nehmt ihr eure Inspiration um eine so düstere und obskure Welt zu erschaffen?

Wir sind alle große Fans von Musik im Allgemeinen und die Diversität in unseren verschiedenen Geschmäckern spielt wahrscheinlich die größte Rolle in unserem Sound. Wir teilen alle eine gemeinsame Anerkennung der extremen Metal-Spielarten, also ist es das, was wir spielen wollen. Aber wir wollen uns keinen Regeln unterwerfen, wenn irgendwas passt und wir es mögen, verwenden wir es. Darum wirst du gelegentlich pure progressive oder Jazz-Momente hören. Es ist interessant, dass du Hardcore erwähnst, da diese Musik niemand von uns hört und auch nicht in unseren Sound passen würde. Unsere Haupteinflüsse reichen von OPETH zu DREAM THEATRE, zu FRANK ZAPPA, EVOKEN, DEATH, EMPEROR, ENSLAVED, QUEEN und so weiter. Wenn man die Genre außer Acht lässt, bevorzuge ich traurige und melancholische Musik, da ich sie am schönsten finde. Textlich sind die Themen, die wir behandeln ziemlich dunkel, weil sie zur Musik passen müssen.

6. Da ich nur Promo-MP3-Dateien von Kolony Records bekommen habe, könntest du mir etwas über eure Texte verraten? Ich kann mir vorstellen, dass die Phantasien von H.P. Lovecraft wunderbar zu eurer Musik passen würden! Habt ihr ein bestimmtes Konzept für eure Lyrics?

Ich schreibe die Texte, also präsentieren sie nicht unbedingt die Meinung aller Bandmitglieder. Die Lyrics für „A Bleak Reflection“ basieren lose auf einem Konzept, dass ein misanthropisches Individuum, das nicht mit seinem Leben zufrieden ist, mit der Gesellschaft und Menschheit, die er verachtet irgendwie klar kommen muss. Er entscheidet sich zur Flucht und nimmt sich das Leben, was ihn zwar glücklich macht, aber auch Konsequenzen für die, die er zurückgelassen hat, birgt. Ich vermeide Fantasy-Texte, religiöse Themen eingeschlossen. Ich bevorzuge philosophische Themen, bin aber nicht auf bestimmte Bereiche oder Stile beschränkt.

7. Arran liefert unglaubliche Arbeit am Bass ab und macht „Chrimson Black Bleeding“ zu meinem Lieblingssong auf „A Bleak Reflection“. Ich kann mir vorstellen, es war harte Arbeit, den Sound so gut hinzubekommen! Wie war es bei euch im Studio? Habt ihr lange Zeit für Aufnahmen und Mastering gebraucht? Welcher Song ist dein Liebling?

Wie ich schon vorher erwähnt habe, ist Arran gerade einen Monat bevor wir mit den Aufnahmen des Albums angefangen haben bei uns eingestiegen. Wir haben einige Bass-Linien so behalten, wie sie bereits geschrieben waren, aber das meiste wurde geändert um besser zu Arrans Fähigkeiten und Stil zu passen und das Beste aus dem Fretless-Bass rauszuholen. Außer den Drums haben wir das meiste zu Hause mit Fernando Pereira Lopes und seinem mobilen Studio aufgenommen, also war es ziemlich entspannt. Wir haben es wegen Fernandos anderen Verpflichtungen über ein paar Wochen verteilt. So hatten wir die Gelegenheit eine Pause zu nehmen und mit frischen Ohren wieder an die Aufnahmen ran zugehen und die notwendigen Anpassungen zu machen. Den Mix richtig hinzubekommen war die größte Herausforderung und es hat einige Zeit wie auch schlaflose Nächte gebraucht, aber wir sind glücklich mit dem Endprodukt. Für das Mastering sind wir wieder zu Tim Turan gegangen, der auch schon das erste Album gemacht hat, aber auch schon mit OPETH, EMPEROR und so weiter gearbeitet hat. Das war dann in einem Tag durch.
Mein persönlicher Favorit ist das Instrumental „Longing“. Von den Songs mit Text ist wahrscheinlich „The Mourner“ mein Liebling.

8. Wie schon vorher gesagt: Ihr hattet großartige Möglichkeiten zu spielen und habt sehr gutes Feedback von den britischen Fans bekommen. Aber in Deutschland seid ihr beispielsweise nicht so bekannt. Wie siehst du eure Reputation in Europa und was werdet ihr in Zukunft tun, um den Namen DE PROFUNDIS besser bekannt zu machen? Ich habe gehört, ihr hattet eine kurze Tour mit SECRETS OF THE MOON im Juni angedacht, die abgesagt wurde? Kannst du mir hier etwas um die Hintergründe erzählen?

Eigentlich sollte es nur eine Show mit SECRETS OF THE MOON in Italien sein. Aber der Veranstaltungsort hat geschlossen und somit musste sie abgesagt werden. Deutschland ist ein Rätsel für uns! Wir hatten hervorragende Kritiken in jedem Land, aber die meisten Kritiken in Deutschland waren negativ. Das war schon überraschend für uns, da wir immer gedacht hatten, Deutschland wäre eines der größten Länder für Metal und wir können es immer noch nicht nachvollziehen. Nachdem ich einige der deutschen Mainstream-Magazine durchgeschaut habe, habe ich das Gefühl, dass die als Ziel haben, Folk Metal und die älteren, massenkompatiblen Hard Rock und Heavy Metal-Stile wie auch den Gothic-Kram zu pushen. Wir haben kein Gimmick und wir passen auch nicht in eine dieser Kategorien. Eigentlich passen wir in keine Kategorie so richtig rein. Und derweil die meiste Presse in anderen Länder dies gefeiert hat, scheint es als ob die Deutschen das nicht mögen. Wir haben drei Shows in Deutschland auf unserer letzten Tour mit RAGNAROK gespielt und es waren die am wenigsten erfolgreichen der gesamten Tour. Das macht uns eher verhalten im Bezug auf eine Rückkehr. Aber wir werden zurückkommen, da wir gesehen haben, dass Deutschland ein wichtiger Markt ist und wir die Presse Lügenstrafen wollen – wir brauchen nur eine Bühne, die groß genug ist, um das zu beweisen!

9. Mit einem Deal bei Kolony Records, einem großartigen neuen Album draußen und bereits einem Auftritt mit IRON MAIDEN in Indien in der Tasche, was könnte eine Band noch weiteres erreichen wollen? Wollt ihr noch ein paar Konzerte mehr in 2010 spielen? Oder fangt ihr alsbald möglich mit dem Songwriting für das nächste Album an?

Wir haben schon angefangen neues Material für das dritte Album zu schreiben und werden im Laufe des Jahres damit weiter machen mit dem Ziel, das neue Album Mitte nächsten Jahres zu veröffentlichen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung von „A Bleak Reflection“ war ziemlich unglücklich, wir haben zu unserer Enttäuschung keine Festival-Slots bekommen. Darum bewerben wir uns für Festivals in 2011 ab August, wie auch eine Tour durch Indien zum Release des Albums dort drüben Ende Juni. Unser Ziel ist es, vor so vielen Leuten wie möglich zu spielen, wo immer das auch sein mag.

10. Craig, danke für deine Zeit und Antworten! Ich hoffe, ihr habt eine gute Zeit auf Tour und viel Erfolg mit „A Bleak Reflection“! Dies ist das Ende – des Interviews – also hinterlasse ein paar letzte Worte an mich, meine Leser und das große Vergessen des Internets!

Danke Chris für das coole Interview und für deinen Support an DE PROFUNDIS. Ich dränge deine Leser uns anzuhören, wenn sie auf gut gespielten, emotionalen Extreme Metal stehen, der nicht den letzten Trends hinterherläuft. Ihr könnt das komplette Album auf unserer last.fm-Seite (www.last.fm/music/De+Profundis) streamen und uns auf unserer offizielle Webseite (www.deprofundistheband.com), MySpace und Facebook finden!


Interview: Chris (Necroslaughter) / Craig (Gesang @ De Profundis) · 14.06.2010
© Bilder: Alle von deprofundistheband.com geklaut