Jack Slater- Extinction Aftermath

 , , , , ,

Nach „Blut/Macht/Frei“ wurde es turbulent im Hause JACK SLATER. Schlussendlich trennten sich letztes Gründungsmitglied Sobo und die verbliebenen Sänger Horn und Bassist Chris. Für die Fans der Köln/Bonner Truppe blieb die Frage: Wie geht es weiter mit JACK SLATER? Sobo hat immerhin durch sein einzigartiges Gitarrenspiel einiges vom Sound der Band ausgemacht.
Doch mit „Extinction Aftermath“ gibt es Entwarnung! Die Death Metal Truppe mit dem Augenzwinkern hat sich zwar musikalisch deutlich weiterentwickelt, ist sich dabei aber durchweg treu geblieben!
Der Opener „Pheromon“ könnte der Konterpart zu „Amnestia“ („Blut/Macht/Frei„) sein: Getragener Refrain mit Atmosphäre und viel Dichte. Ebenso zeigt der breaklastige Beginn des Songs, dass JACK SLATER weiterhin brutal und technisch auf Kurs bleiben!
Diesen beiden Aspekten steht auch „Dysthymia“ in nichts nach! Necrophagist trifft auf Dying Fetus und alles im typischen Sound der Hasenfreunde! Selbst die häufiger verwendeten Stakkatos, die an manchen Stellen fast nach Breakdowns klingen, sind mehr einfach nur zeitgemäß denn moderner Trend! „Martyr“ offenbart den Mut zu neuen Ideen, fette, stampfende Riffs und Beats treten erstmals deutlich in Erscheinung und verpassen JACK SLATER eine neue, aber passende Note. An diesem neuen Stilmittel, das in späteren Songs auf „Extinction Aftermath“ noch häufiger den richtigen Druck und Schwere in die Songs bringt, probiert man sich in „Funkenflug“ in Extrema! Der Song kommt komplett ohne Ausbrüche in schnellere Geschwindigkeiten aus, ist dadurch aber ultra heavy und sehr atmosphärisch. Ein richtig fetter Brocken, der besonders mit den verzweifelten Vocals am Schluss nochmal an Charme gewinnt!
Die „verlorene Zeit“ in diesem Midtempo-Monster holen JACK SLATER direkt wieder ein: „Happy Hour“ hat die wohl schnellsten (Gravity-)Blasts der Band und drückt äußerst brutal aus den Boxen. Nach diesem kurzen Intermezzo mit mehr denn weniger hedonistischem Text wird in „Omniscience“ zum Nachdenken aufgerufen. Coole Riffs und extravagante Beats treffen auf einen ziemlich geilen Refrain, der diesen Song direkt zum Ohrwurm macht.
Neben „Happy Hour“ hat sich auch „Resser Frednik“ dem kurzweiligen Death-Grind verschrieben und setzt eine altbekannte Tradition der Band fort. Die Idee und Umsetzung ist mehr als genial, denn – Achtung Spoiler! – „Resser Frednik“ ist der „Kinderfresser“ rückwärts gespielt mit rückwärts gesungenem Text. Der Song hört sogar mit dem Anzählen auf. Eine schlichtweg geniale und selbstironische Idee!
Der Titeltrack des Albums zeigt sowohl alle Trademarks von JACK SLATER, wie auch vom Album „Extinction Aftermath„. Technisch mit eigenständigen Riffs, düstere Atmosphäre und der Mut zu langsamen, schweren Ideen. Neben „Pheromon„, „Funkenflug„, „Omniscience“ definitiv ein Hightlight der vierten Platte von JACK SLATER, die auch in den anderen Songs ein konsequent hohes Niveau beweist!
Einen deutlichen filmischen Bezug gibt es bereits bei „Martyr“ und auch die Namensgebung des Instrumentals „4 8 15 16 23 42“ deutet auf cineastisches Interesse. Für das Genre ein sehr gelungenes und atmosphärisches Instrumentalstück, das wunderbar in das Gesamtbild passt.
Textlich hat sich Sänger Horn auch deutlich weiterentwickelt. Nachdem zunächst der humoristische Aspekt bei JACK SLATER deutlich im Vordergrund stand, ist „Extinction Aftermath“ wesentlich kritischer und verzweifelter Geworden. Selbst eine liebevolle Darstellung des Sexualaktes in „Pheromon“ lies sich der „Eisenwichser“ nicht nehmen, kann aber dennoch seine krude Vorstellung von Unterhaltung in „Happy Hour“ oder „Resser Frednik“ ausleben.

Der direkte Vergleich zum Vorgänger liegt auf der Hand, ist aber schwer. Im Vergleich zu „Blut/Macht/Frei“ hat sich JACK SLATER verändert, weiterentwickelt. Die Songs sind immer noch technisch und brutal und haben eine düstere Atmosphäre. Der Vorgänger war deutlich sperriger, hat aber mit mehr verrückten Ideen (alleine in der Gitarrenarbeit) überzeugen können und war noch Dichter und apokalyptischer in der Stimmung.
Dennoch ist „Extinction Aftermath“ ein sehr gutes, zeitgemäßes Death Metal Album geworden, das einigen Genre-Kollegen deutliche Schranken weisen dürfte. Wer „Blut/Macht/Frei“ geliebt hat, wird von dem neuen Output definitiv nicht enttäuscht sein! Jetzt schon steht das Teil für mich in den Top 5 des Jahres!

[rating:5]

Infos:
Unundeux – 27.02.2010
CD – 10 Lieder / 34:22 Min.