24.04.2010 – Mosh It Up XV

Infos:
24.04.2010 / Musikbunker, Aachen
Damage: 10 Euro
Einlass: 18:00h
Beginn: 18:10h

Bands:
Evil Hedgehog, Beliar, Under The Pledge Of Secrecy, Torment Of Souls, Kingdom Of Salvation, New Born Hate, Witchtower, Scornage, New World Depression, Sinister

Bereits zum 15. Mal stieg die etablierte Aachener Metal-Veranstaltung nach dem Motto „10 Bands, zwei Bühnen, keine Gnade“ in den Ring. In Anbetracht des hervorragenden Wetters und dem unter diesen Umständen sehr verlockenden Park vor dem Musikbunker war es für manchen Besucher wirklich ziemlich gnadenlos. Schon um 18 Uhr sollte man in den kalten, dunklen Bunker wandern, um die erste Band zu sehen. Doch das Programm war straff, 10 Bands an einem Abend abzureißen erfordert einen engen Ablauf!

Dem guten Wetter zum Trotz waren beim Opener EVIL HEDGEHOG erstaunlich viele Leute in der kleinen Kneipe der Lokalität! Recht frisch genesen hatten die Öcher Jungs und das Mädel auch wieder Basser Marco am Start, der sich zuvor beim Auftritt mit Van Canto böse die Hand verletzt hatte, heute aber wieder voll dabei war. Der druckvolle, fette Sound verhalf dem vergleichsweise liebe Power Metal (EVIL HEDGEHOG waren wohl die „ruhigste“ Band an diesem Abend) zu einem amtlichen Einstieg ins Mosh It Up. Einziger und zeitgleich größter Wermutstropfen waren Probleme mit den Mikrophonen, die den Gesang leicht verzerrt und knarzig klingen ließen. Im Vergleich zu früheren Auftritten muss man der Band ein starkes Plus an Souveränität attestieren, so dass sich zusammen mit der gezeigten Spielfreude ein sehr gelungener Auftakt bilanzieren lässt.

Im großen Saal durften nun die Niederländer von BELIAR eröffnen. Symphonischer Black Metal ohne Bassisten und ohrenscheinlich auch ohne Gitarren, denn die Saiteninstrumente waren ziemlich weit in den Hintergrund gemischt und klangen oftmals mehr nach einem Rauschen, denn nach wirklicher Begleitung. Stimmlich war die Leistung zwar ordentlich aber leider auch austauschbar. Insgesamt war mir das Geklimper zu unspektakulär und zu sehr an Dimmu Borgir orientiert. Nicht wirklich mein Bier, auch wenn der Auftritt von BELIAR wohl niemanden im Saal wehtat.

Von dieser doch recht ordinären Black Metal Kost ging es nun in absolute Extreme. UNDER THE PLEDGE OF SECRECY, die am Vortag noch auf den Hardcore-Tagen in Wermelskirchen gespielt hatten, waren für den einen oder anderen Besucher wohl ziemlich anstrengend. Mörderisch schneller Mathcore mit deutlichen Bezügen zum Grindcore ist nicht jedermanns Sache. Dennoch zeigten sich die meisten Leute interessiert vom Quartett ohne Bassisten, was eventuell dem unglaublichen technischen Können an den Instrumenten geschuldet war. Ein ziemlich fettes Brett, das einige andere Bands an diesem Abend in Sachen Härte und Brutalität relativierte!

Gegen dieses technische Gewitter sahen TORMENT OF SOULS im wahrsten Sinne des Wortes alt aus. Doch oldschool Death Metal braucht keine technischen Frickelleien und polyrhythmischen Breaks um zu rocken! Alleine durch die drei Gitarren bot die Truppe ein imposantes Bild, was der Frontmann durch eine sympathische Präsenz um eine weitere Dimension ergänzen konnte. Soundtechnisch habe ich zwar nicht den Vorteil von drei Klampfen gehört, die Optik rechtfertigte diese Konstellation allerdings alle Male, haha!
Neben alten Nummern wie „Die Hure“ gab es auch einiges an neuem Material, wie „Die Hure II“ – Mal sehen bis wann TORMENT OF SOULS dem Publikumswunsch nach „Die Hure V“ nachkommen…
Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Auftritt, der auch beim Publikum prima ankam!

Wieder in der Kneipe durften KINGDOM OF SALVATION nun vor einigen Besuchern spielen. Beim letztjährigen Dong Open Air hatte sich der Act einige Vorschusslorbeeren beim ortansässigen Publikum erarbeitet, die es heute zu bestätigen galt.
Mich konnte das relativ durchschnittliche Death/Thrash Gebräu allerdings nicht wirklich überzeugen. Einzig das Death-Cover „Pull The Plug“ ließ mich aufhorchen. Schade, hier hatte ich mir doch etwas mehr erwartet.

Wieder im großen Saal gab es quasi ein Wiedersehen mit alten Bekannten. NEW BORN HATE sind mehr oder minder aus Agoraphobic hervorgegangen, die 2008 auf dem Metallize hier in Aachen gespielt hatten. Für meine Ohren hat sich musikalisch trotz der Neufirmierung nicht viel getan. Hardcore-lastiger Metal oder metal-lastiger Hardcore, wie man will, haha! Alles sehr Groove- und Mosh-betont und durch die zwei bewegungsfreudigen Sänger auch nett anzusehen. Bis auf einige nette Ideen konnte mich die Darbietung aber nicht wirklich fesseln und ich habe den Raum vorzeitig verlassen, um für die folgende Truppe noch ein gutes Plätzchen in der Kneipe zu ergattern.

WITCHTOWER sind mittlerweile keine Unbekannten mehr im deutschen Underground und erhielten zu Recht eine hohe Position im Billing. Ohne Problem hätte das ganze auch auf die große Bühne des Musik-Bunkers gepasst. Die Kneipe war ordentlich gefüllt und auch die Leistung war mehr als beachtlich! Zackiger Death/Thrash, der gnadenlos nach vorne ging und die letzten beiden Bands alt aussehen ließ. So ließ auch die Action vor der Bühne nicht lange auf sich warten und zu den Hits vom aktuellen Album „Magnitude Triple 6“ drehten sich fröhlich die Moshpits. Darum die Bitte an den Veranstalter: Nächstes Mal bitte im großen Raum!

Womit wir beim Veranstalter wären: SCORNAGE waren die nächste, vorletzte Gruppe im Saal. Natürlich zogen die Lokalhelden ein paar Nasen vor die Bühne und konnten es kaum erwarten zu spielen. Darum ging es auch nach dem Intro direkt zur Sache. Ich bin der Meinung, die Thrasher hätten ordentlich an Tempo vorgelegt, mehr als sonst!
Born To Murder The World„, „Society Kills„, „Pure Motorized Instinct„, „Prototype“ oder „Made In Hell“ sind Hits der Band, die die Fans kennen und lieben. Entsprechend wurden sowohl die Songs, wie auch die Band ordentlich abgefeiert und konnten wieder mal locker ihre Position im Billing rechtfertigen. (;

Eigentlich waren nun die alten Lokal-Thrasher FURNAZE geplant, doch da diese scheinbar abgesagt hatten, waren nun NEW WORLD DEPRESSION in der Kneipe. Kein würdiger Ersatz, wenn man mich fragt. Die Musik war leicht Hardcore-beeinflusster und oftmals rhythmusorientierter Midtempo Death Metal. Manche Riffs waren zwar nett, knallten aber zu keiner Zeit richtig. Irgendwann wurde es mir zu langweilig und ich bemühte mich um einen guten Platz für Headliner des Abends.

Für den einen oder anderen mag die Hauptband des Abends wohl auch gleichzeitig der Hauptgrund für den Besuch des Mosh It Ups gewesen sein. Und seien wir ehrlich: Für 10 Euro SINISTER schauen ist schon ein geiles Preis-Leistungs-Verhältnis – entsprechend sind 10 Bands für 10 Euro richtig Value-For-Money! Darum nochmals danke an die Veranstalter, dass sie diesen geilen Kurs fahren!
Doch zurück zu SINISTER, die vor einem gut gefülltem Raum um kurz vor 0 h anfingen. Zugegeben, bei Scornage war der Saal noch besser gefüllt, aber nach 9 anderen Bands ist verständlich, wenn der eine oder andere Gast auf der Strecke bleibt. Davon ließen sich die niederländischen Urgesteine aber nicht abschrecken und gaben wirklich alles. Der Sänger meinte selber noch, sie wussten vorher nicht, was sie erwartet, und sie seien begeistert. Schade, dass man diese Begeisterung nicht gänzlich in der Musik spüren konnte! Denn der Drummer spielte auf Klick und entsprechend waren die Songs alle mehr oder minder in ein Korsett gezwungen. Schade, denn auch wenn die Songs so recht hart und brutal klangen, wäre noch einiges mehr an Potential drin gewesen, wenn man nicht akribisch auf das Timing und das Einsetzen der Samples geachtet hätte.
Dennoch haben SINISTER locker den Unkenrufen getrotzt, die der Band in letzter Zeit häufiger die Livequalitäten absprachen. Auch wenn sich der Saal im Laufe des Sets ein wenig leerte, absolvierte der Death Metal Veteran einen guten Auftritt und verdiente sich die Headliner-Position.

Wie schon gesagt: 10 Bands für 10 Euro ist ein verdammt guter Kurs. Doch ist es ebenso anstrengend, wenn man sich ohne Pause alle 10 Bands am Stück gibt. Darum war ich schlussendlich doch froh in mein Bettchen zu kommen – was aber nun nicht heißt, dass ich keinen Spaß hatte! Musikalisch war das Mosh It Up dieses Jahr so hart wie noch nie und entsprechend auch für mich alten Krawall-Onkel sehr ansprechend! Und ich denke, die meisten Besucher sind mindestens genau so sehr auf ihre Kosten gekommen!
Ich freue mich auf jeden Fall wieder auf das nächste Mosh It Up in 2011 und nehme vorher gerne noch die kleine Schwester, das Metallize mit! Beim nächsten Mal dann wieder so hart, danke!

Text: Chris, Korrektur: Martin