Sonic Death Monkey #2

 

Kaum habe ich noch bei der letzten Zine-Besprechung über das Fanzine-Sterben gejammert, bekomme ich Info über die neue Ausgabe des recht jungen SONIC DEATH MONKEY-Zines. Das Teil wurde komplett im Alleingang von Fanzine-Liebhaber Gerald zusammengewerkelt und deckt ein relativ breites Spektrum des extremen Krachs ab. Von Punk/Hardcore/Crust, Grindcore, Death Metal bis hin zu einem Interview mit dem minimalistischen Elektro-Projekt STA$D400 von World Downfall-Trommler Seven und der Black Metal Kapelle Augrimmer findet sich einiges an musikalischer Abwechslung in dieser recht dicken Klo-Lektüre (38 Seiten). In Namen liest sich die Interview-Liste wie folgt: Mandatory, Accion Mutante, Belching Beet, Tacheless, Audio Kollaps, Augrimmer, Cropment, Police Bastard, Warhammer, KSM40. Niestroy, STAD$400, Creative Waste (in englisch), Tombthroat (sehr ausführlich!), Jesus Fucking Christ, Versus.
Leider spiegelt sich die musikalische Vielfalt nicht unbedingt auch in den Interviews wieder. Stellenweise wirken die Fragen etwas standardisiert und an manchen Stellen ist die Struktur etwas holprig. So fehlen mir ab und an etwas die Einleitung und ein „richtiger“ Schluss, um de ganze Sache etwas persönlicher und stimmiger zu machen. Neben gut vorbereiteten und teilweise sehr ausführlichen Interviews (Mandatory, Tacheless und Tombthraot sind wirklich intensiv und gut beantwortet worden), gibt es auch einen Schnellschuss mit Police Bastard, der spontan auf einem Konzert gemacht wurde.
Was mich etwas enttäuscht hat: Im SONIC DEATH MONKEY gibt es keine CD-Kritiken, weil der Autor diese in Zeiten von Myspace nicht mehr für so relevant erachtet. Ich sehe das anders, stolpere ich doch so auch oft über interessante Bands, die nicht mit einem Interview bedacht wurden, aber dennoch ein Ohr wert sind.
Dafür gibt es eine dicke Liste (vier Seiten) mit kurzen Fanzine-Besprechungen, teilweise zwar etwas oberflächlich und mehr wie ein Hinweis auf die Erscheinung, dafür aber schön ehrlich aus der Sicht eines Fans über Punk-, Grindcore- bis hin zu Metal-Zines geschrieben. Als „Bonus“ gibt es eine Kurzgeschichte, die zwar nett zu lesen ist, aber ein wenig aus dem Kontext fällt. Als kleines Schmankerl nehme ich aber so eine Abwechslung gerne mit!
Ähnlich wie das CFMD erscheint das SONIC DEATH MONKEY auf beidseitig bedruckten Din A4-Seiten, die zusammen getackert wurden. Doch ist das Layout vom SDM wesentlich augenfreundlicher, weil größtenteils purer Text auf weißem Hintergrund ist. Nur beim Accion Mutante-Interview strapaziert ein total verpixeltes Bandlogo im Hintergrund meine Augen und macht manche Stellen des Texts unlesbar! Hier muss der Inhalt der Sätze intuitiv aus dem Kontext abgeleitet werden, dickes Minus für das Magazin! Doch auch wenn der Lesekomfort des Heftes sonst sehr hoch ist, wirkt es ein wenig lieblos gegen die zusammengeklebten CFMD, Mystical Music oder Carnage.

All die Mühe und die musikalische Vielfalt halte ich dem Gerald zu gute. Doch leider ist die zweite Ausgabe des SONIC DEATH MONKEYs kein wirklich essentielles Fanzine. Wenn die Interview-Strukturen und Fragen in der nächsten Ausgabe etwas persönlicher ausgearbeitet werden und vielleicht doch die ein oder andere Platten-Kritik in das Heft kommt, lese ich sie aber auch gerne wieder!

Infos:
Homepage: http://sonicdeathmonkey.de/
Deutsch (bis auf ein Interview in englisch)
38 Seiten, 16 Interviews, 1 Kurz-Geschichte, Fanzine-Reviews
Auflage: 300 Stück
Preis: €4,45 (3 Euro + 1,45 Porto)
Kontakt: info@sonicdeathmonkey.de
Adresse: Gerald Bauer, Friederikeweg 1, 50321 Brühl, Deutschland