Obscura – Retribution

 , , ,

Langsam glaube ich, ich tue OBSCURA immer unrecht! Als „Cosmogenesis“ rausgekommen ist, habe ich sträflich wenige Punkte (gerade mal 4.5/6) vergeben, was mir im Nachhinein ziemlich Leid tut. Und um mit dem Vorgänger „Retribution“ warm zu werden, habe ich bis zum heutigen Tag knapp vier Jahre gebraucht. Nachdem mich die Truppe live auf ihrer 2006er Tour mit Suffocation richtig beeindrucken konnten, hat mich die CD nicht so sehr aus den Latschen gehauen. Mehr als meine persönliche Einschätzung „ganz nett“ habe ich dem Teil damals nicht gegeben und entsprechend auch keine Kritik angefertigt.
Nun, vier Jahre nach dem original Release bringen Relapse RecordsRetribution“ wieder auf den Markt, mit neuem Cover-Artwork, das thematisch ein wenig an „Cosmogenesis“ angepasst wurde und schmücken die Tracklist mit zwei neuen (Cover-)Songs.
Glücklicherweise habe ich mich mit diesem Album deswegen noch mal genauer auseinander gesetzt! Zwar lässt das Debütalbum noch nicht so ganz die Genialität von „Cosmogenesis“ erkennen und der eigene Stil von OBSCURA befindet sich noch deutlich in den Kinderschuhen. Dennoch ist es eigentlich ein gutes Debütalbum, wenngleich es nicht an das Zweitwerk heranreicht. Für Fans von Death beeinflusstem Death Metal sollte es dennoch alle Male interessant sein. Denn die Gitarren-Linien in Anlehnung an Chuck Schuldiner hört man an allen Ecken und Kanten genau so gut raus, wie auch ab und zu alte Morbid Angel oder Immolation mal durchschimmern.
Auch der Mut zu klarem Gesang war damals schon vorhanden und hat „Nothing“ zu einem richtig geilen Stück veredelt. Wenn sich OBSCURA in progressiveren Songaufbauten versucht haben, hat das aber nicht immer geklappt. „Hymn To A Nocturnal Visitor“ wirkt noch etwas unstrukturiert, aber „Sentiment“ hat den Dreh schon richtig raus und ist wirklich ein Highlight auf „Retribution„.
Ebenso „Hate Antheme„, dass auf der Original-Version noch „Intoxinated“ hieß, sticht mit seiner rohen, aggressiven Direktheit positiv aus den restlichen Songs raus.
So zeigt sich auch nach ein paar Jahren mir ollen Möpperbacke die Qualität dieses Debüts. Es ist sicherlich kein Meisterwerk und auch kein essentielles Death Metal Album. Viel mehr eine gut gemachte Hommage an die alten Helden des Death Metals: Roh, aggressiv und teilweise auch etwas forsch. Doch gerade das zählt als Sympathiepunkt. Und als weitere Hommage wurde das Album neben dem damals schon vorhandenem „Lack Of Comprehension“ (Death) durch „Synthetically Revived“ (Suffocation) und „God Of Emptiness“ (Morbid Angel) ergänzt, wobei der brutale Stil der New Yorker Ikonen nicht so ganz zu OBSCURA passt, wie die beiden anderen Tracks, die wirklich verdammt gut umgesetzt sind (wie auch der Suffocation-Track aus technischer Sicht!).
Für diejenigen, die die Original-Pressung bereits ihr Eigen nennen, dient neben den Bonus-Tracks auch das Remastering der anderen Songs einen Kaufanreiz. Die Platte hat deutlich mehr Druck und knallt ordentlich aus den Boxen!
Wer ein frühes „Cosmogenesis“ erwartet, wird sicherlich enttäuscht sein – so wie ich es damals war. Doch wer genau hinhört und die kleinen Zitate an die frühen 90er zu schätzen weiß, wird mit diesem Album dennoch viel Spaß haben!

Keine Wertung bei dem Re-Release

Infos:
Relapse Records – 16.02.2010
CD (Re-Release) – 13 Lieder / 56:03 Min.