Divinity – The Singularity

 , , , , , ,

In Kanada ticken die Uhren erfrischend anders, die meisten Bands aus dem Land der Mounties überzeugen durch irre Ideen, unglaubliche technische Fähigkeiten und einem leichten Hang zu progressiven Songs. Augury, Neuraxis, Cryptopsy, Gorguts, nur um ein paar zu nennen!
Und so fällt der Apfel auf nicht weit vom Stamm, wenn man sich „The Singularity“ von DIVINITY anschaut. Der Labeleinstand auf Candlelight überzeugt auf jeden Fall aus technischer Sicht, hat genügen progressive Konstrukte um potentiell langen Unterhaltungswert zu bieten und an guten Ideen mangelt es den Jungs auch nicht – zumindest an vielen Stellen.

Doch leider hat das Album nicht die richtige Durchschlagskraft, um in der Gesamtheit überzeugen zu können. Als großen Einfluss kann man Fear Factory und Divine Heresy angeben, die in einigen Songstrukturen und Refrains deutliche Spuren hinterlassen haben. Sicherlich drückt DIVINITY durch manch vertrakte Abläufe und Breaks noch eine eigene Note auf und erreicht oftmals deutlich mehr Härte, als die amerikanischen Vorbilder. Doch in die Klasse von Augury, die man vielleicht ansatzweise in manchen Songs vermuten mag, reicht die Truppe noch lange nicht ran!
Embrace The Uncertain“ klingt vielversprechend, hat coole Riffs und geht gut nach vorne. Doch der klare Gesang nimmt dem Song leider einiges. „Formeless Dimension“ könnte fast schon technischer Death Metal sein, knallt aber leider nicht so richtig brutal aus den Boxen, wie es z.B. Neuraxis tun. „Lay In The Bed You’ve Made“ ist einer der besten Songs auf dem Album, doch leider durch den hohen Fear Factory-Faktor auch gleich der massenkompatibelste und vergleichsweise unoriginelste.
Approaching The Singularity“ ist der wohl überzeugenste Song auf „The Singularity“ und hätte eigentlich Vorbild für die restlichen Lieder sein sollen! Sehr coole Ideen, verdammt eigenständig und nette Spannungsbögen in den Melodien! So erwarte ich moderne und progressive Musik aus Kanada. Doch leider ist der Song mehr oder minder ein „Ausrutscher“ auf dem Album.

Bevor man mich aber falsch versteht: Alle Songs haben gewisse gute Elemente. Nur in der Gesamtheit erreichen sowohl die meisten Songs, wie auch das komplette Album keine greifbare Tiefe trotz des vorhandenen Potential. Und die überdeutlichen Bezüge zu Fear Factory und Divine Heresy machen DIVINITY für die angesprochene Leserschaft dieses Magazins auch wohl eher uninteressant. Doch zu den genannten Kapellen sind die Kanadier sicherlich eine härtere, abwechslungsreichere Alternative, die man sich bei Gefallen der Vorbilder unbedingt mal anhören sollte.

[rating:3.5]

Infos:
Candlelight Records – 24.04.2010
CD – 9 Lieder / 45:25 Min.