04.04.2010 – R(h)ein In Die Fresse XI

Infos:
Ostersonntag, 04.04.2010 / Klangstation, Bonn
Damage: 9 Euro
Einlass: 19:00h
Beginn: 20:15h

Mit Phobiatic, Sniper, Deadborn, Jack Slater

Mittlerweile schon zum festen Ritual etabliert und für mich sogar schon verpflichtender, als der Kaffeekranz mit der Familie, ging das R(h)ein In Die Fresse auch dieses Jahr am Ostersonntag in die 11. Runde und präsentiert wieder ein ansprechendes, wenn auch nicht so publikumswirksames Billing, wie die Jahre davor.
Vielleicht war dies auch ein Grund, warum die Veranstaltung wieder von dem etwas unfamiliären Brückenforum zurück in die heimelige Klangstation gewandert ist. Aber den Fans des Festivals sollte dieser Umstand sehr entgegenkommen, denn die alte sowie nun wieder neue Location ist einfach gemütlich und schön überschaubar – nach einem Umbau sogar mit cooler Chill-Out-Area, was will man mehr?

Relativ pünktlich um 20:15 legte die erste Band des Abends los: PHOBIATIC aus dem Ruhrpott. Da dies die Hauptband von Jack Slater Gitarrist Robert ist, war die grobe Marschrichtung im Vorfeld klar: Technischer Death Metal. Doch die Umsetzung auf der Bühne war nicht ganz so überzeugend, wie man vielleicht meinen könnte. Der Sound war ziemlich undifferenziert und matschig und hat einige der wohl ziemlich wichtigen Details aus der Gitarre genommen. So klangen die Songs alle recht schnell sehr gleichförmig, auch wenn die zweite Hälfte des Sets mehr überzeugen konnte. Wirklich schade, mit etwas besserem Sound hätte die Band sicher besser gewirkt! Dennoch waren einige Leute im Raum und haben die Band abgefeiert.
Wer sich PHOBIATIC – hoffentlich dann mit besserem Sound – nochmal anschauen will, der sei auf den 29.04.2010 verwiesen, wenn die Jungs zusammen mit Beheaded für die mächtigen Immolation eröffnen dürfen!

Etwas Entspannung an diesem Abend des technischen und brutalen Gekessels versprachen SNIPER, die sich dem Death/Thrash Metal verschrieben haben. Zunächst fiel auf, dass die Truppe nur mit zwei Gitarren auf der Bühne stand, bis erklärt wurde, dass der Bassist sich wohl vor einer Woche von der Band getrennt hatte. Doch der fehlende Tieftöner sollte SNIPER an diesem Abend nicht zum Nachteil werden, denn so war der Sound der beiden Sechsaiter doch sehr gut zu unterscheiden und die beiden Mariachis hatten ordentlich Platz auf der Bühne zum Abgehen. Und das taten die beiden auch richtig ordentlich! Von der Performance auf der Bühne gab es kaum Wünsche, besonders wenn man bedenkt, dass beide Gitarristen auch mehr oder weniger gleichzeitig gesungen haben!
Das Riffing war sehr thrash-orientiert, derweil das Drumming sehr oft in Blastbeats ausbrach. An wenigen Stellen erinnerte mich die Mischung ein wenig an Defleshed, aber dieses Gefühl hielt niemals lange vor. Insgesamt waren die Songs wie auch die Show sehr publikumswirksam und konnten sowohl Headbanger, Mosher wie auch eine Mini-Wall-Of-Death motivieren.
Für die „Verschnaufpause“ des Abends sehr nett, auch wenn mich die Songs insgesamt nicht so sehr aus den Latschen gehauen haben.

Für mich schon ein ordentlicher Anreiz das RIDF auch in diesem Jahr wiedermal zu besuchen, war die Anwesenheit von DEADBORN. Zugegebenermaßen habe ich nach der Debüt-MCD das erste Full-Length der Truppe nicht mehr gehört, doch an diesem Abend konnte ich meine Lücke in meiner CD-Sammlung glücklicherweise am vorhandenen Merchandise-Stand stopfen. Im technischen Death Metal gelten DEADBORN als deutscher Underground-Tipp, haben die teilweise ehemaligen Mitglieder aus Necrophagist sicherlich ordentliche Qualifikationen an ihren Instrumenten. Doch scheinbar wusste das lokale Publikum nicht so recht um den Leckerbissen, der hier präsentiert wurde, denn zu Beginn des Sets war der Konzertraum vergleichsweise leer. DEADBORN ließen sich aber nicht lumpen und haben dennoch alles gegeben, mit dem meiner Meinung nach besten Sound des Abends haben sie dem Hörer eine unglaublich fette Walze entgegengeschmettert, einfach herrlich!
Sicherlich war der Sound nicht perfekt und an manchen Stellen war ich schon froh, dass ich die Songs von „Decades Of Decapitation“ kannte. Neben diesen alten Hüten gab es auch noch ein paar neue Nummern vom hoffentlich noch dieses Jahr erscheinenden Album. Beim ersten neuen Song schien der Bassist noch nicht die Noten zu kennen und verzog sich erstmal von der Bühne. Doch selbst dieser kleine Ausfall an einem Instrument tat dem Auftritt keinen Abbruch und gegen Ende hin bequemten sich glücklicherweise noch einige Leute vor die Bühne – war da doch wem etwa die Qualität der Band aufgefallen?
Schlussendlich haben DEADBORN meine Erwartungen nicht enttäuscht und konnten ihre Position im Line-Up locker rechtfertigen! Ich freue mich schon auf das kommende Album und schließe meine Wissenslücke um „Stigma Eternal“ nun erstmal als Vertiefung im Heimstudium.

Same procedure as last year, Miss Sophie? – Same procedure as every year! So waren auch die Osterhasenfetischisten von JACK SLATER an diesem Abend wieder Headliner – eine Position, die ihnen wohl niemand in diesem Heimspiel aberkennen kann und möchte!
Frisch mit dem neuen Album „Extinction Aftermath„, das im Februar über das Label der Japanischen Kampfhörspiele UnUnDeux erschienen ist, und mit einem neuen Drummer an Bord, stand einem guten Konzert eigentlich auch nichts im Weg. Durch vorhergegangene Krankheit vom Drummer Simon (Warfield Within, ex-Eradicate), konnte dieser „nur“ 5 neue Stücke lernen, die neben den bekannten und beliebten alten Nummern der Hasen im Programm standen.
So fand sich das uralte, wenn auch auf der letzten Scheibe wieder vorhandene „Du Selbst“ ebenso wie die ersten „Kinderfresser“ im Programm neben dem „Metzgore„, „Timmy“ oder „Blut/Macht/Frei“ sowie natürlich den neuen Nummern „Pheromon„, „Dysthymia„, „Martyr“ oder dem Titeltrack von „Extinction Aftermath„. Dabei zeigte sich der neue Schießbudenkönig als richtiges Tier und hat wirklich alles an die Wand geböllert, so dass auch Bassist Chris das ein oder andere Mal leicht irritiert nach hinten schauen musste – wie in der ziemlich brutalen Interpretation von „Eisenwichser„. Meine Herren, was wird erst mal aus dem Jungen, wenn der groß ist? Respekt an diese Leistung, aber auch die anderen Musiker haben sich von ihrer besten Seite gezeigt, so dass JACK SLATER die dicke Walze von Deadborn nochmal toppen konnten. Der Sound war zwar wieder etwas undifferenzierter als bei den beiden Bands davor, dafür konnte man aber durch die sehr prägnanten Mitten und dezenten Bässe alle nötigen Details erkennen.
Auch Horn zeigte sich wieder von seiner besten Seite, sowohl als Sänger, Entertainer, Comedian wie auch Moderator, der auf den Geburtstag des Tonmenschen Guido (Aardvarks) hinwies, oder den von seiner Weltreise zurückgekehrten Sobo (ex-Gitarre von Jack Slater) mit „Amnestia“ und dem Anti-Nazi-Song „Rohrspast“ beglückte.
Bei der doch treuen lokalen Fanbasis war natürlich auch abzusehen, dass noch eine Zugabe gespielt werden musste, bis sich JACK SLATER wohl verdient von der Bühne verabschieden durften.

Zurück in der doch wesentlich gemütlicheren Klangstation hat das R(h)ein In Die Fresse wieder richtig Spaß gemacht und konnte die letzten beiden Jahre locker in den Schatten stellen! Darum freue ich mich auch wie ein Schneehase auf das nächste Ostern, wenn uns Jack Slater wieder mit einem leckerbissen aus dem entfernten Aachen locken. An dieser Stelle vielleicht die Anmerkung: Ja Horn, du hattest recht, wir SIND blöd, dass wir aus Aachen immer wieder nach Bonn kommen. Und nach so einem Abend sind wir zwar immer noch blöd, aber dabei auch glücklich. Bis nächstes Jahr!